Neue Technologien

Dossier

Neue Gentechniken

Einführung

Genome Editing, neue Züchtungstechniken oder Präzisionszüchtung sind Sammelbegriffe für neue gentechnische Verfahren wie CRISPR/Cas, Zinkfinger-Nuklease oder ODM (Oligonukleotid-gesteuerte Mutagenese). Mit den bisherigen Verfahren der ‚alten’ Gentechnik wurde fremdes Erbgut mit Hilfe von Gen-Kanonen oder Bakterien in die Zelle geschleust. Wo im Erbgut die eingebrachte fremde DNA eingebaut wurde, blieb dem Zufall überlassen. Die wenigen Pflanzen, bei denen der Einbau erfolgreich war, mussten mühsam herausgesucht werden. Bei den neuen gentechnischen Verfahren (NGT= New Genomic Techniques) gelangt die gewünschte DNA-Änderung mit den gleichen Verfahren in die Zelle, dort jedoch lotsen sie dann eingebaute Boten an die gewünschte Stelle im Erbgut. Enzyme schneiden an dieser Stelle in den DNA-Strang und lösen dadurch den Reparaturmechanismus der Zelle aus. Dieser soll die mitgebrachte DNA-Änderung in das Erbgut einbauen. Soweit die Theorie. Doch die neuen Methoden sind bei weitem nicht so zielgenau und nebenwirkungsarm, wie ihre Befürworter:innen behaupten. Allerdings ermöglichen sie – auch ohne artfremde Gene einzubringen – tiefgreifende Änderungen im Erbgut, die bisher so nicht möglich waren. Und sie vereinfachen und beschleunigen die Entwicklung solcher gentechnischen Veränderungen. Die EU hat im Juni 2026 beschlossen, die meisten künfting mit NGT hergestellten Pflanzen aus dem Gentechnikrecht herauszunehmen. Diese Pflanzen und die damit hergestellten Lebensmittel werden deshalb ungekennzeichnet und ohne ausreichende Risikoüberprüfung auf den Markt kommen.

So funktioniert CRISPR

CRISPR steht für Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats, zu deutsch etwa kurze, regelmäßige Abschnitte sich wiederholender DNA. Diese Abschnitte fanden Wissenschaftler bereits 1987 im Erbgut zahlreicher Bakterien. Doch erst 20 Jahre später konnten Forscher ihre Funktion erklären: Wenn Viren in die Zelle eindringen, baut das Bakterium einen Teil der fremden DNA in das eigene Erbgut ein. Es dient dort dem Immunsystem als eine Art Zettelkasten. Greifen die Viren erneut an, kann die Zelle sie anhand der abgespeicherten DNA-Sequenzen identifizieren. Zerstört werden sie dann durch ein passendes Enzym, das die eingedrungene DNA zerschneiden kann. Die bekannteste dieser Gen-Scheren heißt Cas9, andere werden als Cpf1 oder C2c2 bezeichnet.

CRISPR ist also eine Erfindung der Natur. 2012 erkannten Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna an der University of Berkeley den grundlegenden Mechanismus der Gentechnik-Schere und demonstrierten, wie sich damit das Erbgut von Bakterien verändern ließ. Eine Arbeitsgruppe um Feng Zhang vom Broad Institute in Cambridge zeigte ein Jahr später, wie sich die Methode bei Pflanzen, Tieren und Menschen anwenden lässt.

CRISPR als neues gentechnisches Verfahren

Das geht im Prinzip so: Eine gentechnisch hergestellte CRISPR-Komponente, die Gen-Sonde, wird mit dem Enzym Cas9 (oder einer verwandten Gen-Schere) gekoppelt. Die Gen-Sonde führt das Enzym zu einer bestimmten Stelle im Erbgut – das kann in Zellen von Pflanzen, Mikroorganismen, Tieren oder Menschen geschehen. Dort trennt die Gen-Schere den DNA-Strang. Die Zelle repariert diese Stelle, wodurch Veränderungen entstehen. Die als SDN-1 (site directed nuclease-1) bezeichnete Technik erzeugt an einem ausgewählten Ort zufällige kleine Änderungen, die nur wenige Basenpaare der DNA betreffen. Sie wird häufig genutzt, um eine spezifische Funktion von Genen abzuschalten. Bei der SDN-2 Technik werden kleine, im Labor gefertigte DNA-Stücke als Reparatur-Vorlagen an den Schnitt transportiert und bei der Reparatur mit eingebaut. Damit lässt sich das Erbgut an dieser Stelle gezielt ändern. SDN-3 bezeichnet Verfahren, bei denen größerer DNA-Stücke, etwa ganze Genabschnitte, eingeschleust und eingebaut werden.

Damit das CRISPR-Cas System überhaupt in die Zelle gelangt, gibt es zwei Möglichkeiten, die auch bei den alten gentechnischen Eingriffen genutzt werden: Das Bodenbakterium Agrobacterium tumefaciens infiziert die Zielpflanze und überträgt dabei die DNA des CRISPR/Cas-Systems in die Zelle. Oder die Zelle wird mit sehr kleinen Metallpartikeln beschossen, die mit der DNA des CRISPR/Cas-Systems beschichtet wurden (Gen-Kanone). In beiden Fällen baut die Zelle die DNA in ihr Erbgut ein und produziert das CRISPR/Cas-System, das dann seine Arbeit erledigt. Mit der Einführung von CRISPR/Cas wurden die ersten, schon zu Beginn des Jahrtausends entwickelten Gen-Scheren wie Zinkfinger oder TALEN bedeutungslos.

Fragliche Chancen

„Im Prinzip können wir mit dieser Technologie das Genom jeder Zelle und jedes Organismus umschreiben“, erklärte Emmanuelle Charpentier einmal in einem Interview die Möglichkeiten von CRISPR/Cas. Die Befürworter der neuen Gentechnik betonen die Vorteile möglicher Anwendungen bei der Züchtung von Pflanzen und Tieren ebenso wie bei der Bekämpfung von (Erb)-Krankheiten bei Menschen.

Bei Pflanzen heben sie drei Bereiche hervor:

  • Resistenzen gegen Pilz- und Viruskrankheiten und dadurch weniger Pestizideinsatz,
  • Toleranz gegen Trockenheit und andere Stressbedingungen,
  • geänderte Nährstoffzusammensetzung oder weniger Allergene.

Diese drei Bereiche – und ihre angebliche Bedeutung für die Sicherung der Welternährung – wurden bereits vor über 20 Jahren bei der Einführung der alten Gentechnik von deren Befürwortern immer wieder hervorgehoben. Umgesetzt haben die Gentechnik-Konzerne davon kaum etwas, wie eine Studie des Gen-Ethischen Netzwerks zeigte.

Auch aktuell finden sich in den Entwicklungspipelines der Gentech-Konzerne kaum Pflanzen, die besser an den Klimawandel angepasst wären. Die Schweizer Ethik-Kommission für Biotechnologie (EKAH) kam deshalb im November 2022 zu dem Schluss, dass gentechnische Verfahren wenig geeignet seien, zeitnah für eine Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel zu sorgen. Die Verbraucher:innen-organisation Foodwatch zeigte in einer Analyse, dass an der versprochenen Pestizidreduktion nichts dran sei.
Infodienst: Schweizer Ethikkommission - Klimanutzen der Gentechnik nicht überschätzen (01.11.2022)
Infodienst: Neue Gentechnik - keine Belege für Pestizidreduktion (06.06.2023)

Ausführlich mit den Versprechungen der Neuen Gentechnik befassen sich die Themenseiten Gentechnik und Klimawandel sowie Gentechnik und Hungerbekämpfung auf www.schule-und-gentechnik.de.

Unterschätzte Risiken

Die neuen Verfahren werden gerne als „präzise“ und damit als arm an Nebenwirkungen beschrieben. Doch das trifft nicht zu, wie Mitarbeiter des österreichischen Umweltbundesamtes und des deutschen Bundesamtes für Naturschutz (BfN) in einer Veröffentlichung zeigten. Ihr Ergebnis: Die Herstellung von Pflanzen mithilfe neuer gentechnischer Verfahren kann immer mit unbeabsichtigten Nebeneffekten verbunden sein. Deshalb müsse es Teil der Risikobewertung sein, umfassend nach solchen Änderungen zu suchen. Eine Einschätzung, die zahlreiche Wissenschaftler, etwa im Netzwerk ENSSER, teilen.

Nebeneffekte können direkt am Ort des Geschehens auftreten, also dort wo die Schere schneidet (On-Target-Effekte), in der Nähe dieses Ortes oder an weit entfernten Stellen im Erbgut (Off-Target-Effekte). Die Ursachen der Effekte sind verschieden. So wird als erster Schritt DNA in die Zelle eingeführt, damit diese überhaupt das Cas-Enzym produziert. Das passiert - wie alte Gentechnik - ungerichtet und kann bereits zu unerwünschten Änderungen führen. Beim eigentlichen Einsatz kann CRISPR an falschen Stellen im Erbgut andocken, die der gewünschten sehr ähnlich sehen. Schneidet das Cas-Enzym dort, kann das unerwünschte Folgen haben. In vielen Pflanzen liegen Genabschnitte in mehreren Kopien und Variationen vor, was das Risiko solcher Effekte erhöht. Schneidet das Enzym an der richtigen Stelle, kann es passieren, dass der Reparaturmechanismus der Zelle nicht das gewünschte Ergebnis liefert. Er kann statt der gewünschten DNA-Änderung andere Erbgutteile einbauen, Teile der Gen-Scheren-DNA oder gar keine. Um mögliche Nebeneffekte zu finden, müsste das gesamte Erbgut gezielt daraufhin gescannt werden.

Ausführlich hat die Risiken die Fachstelle Gentechnik und Umwelt zusammengestellt.

Grundsätzlich gilt, dass die DNA kein statisches, sondern ein dynamisches, interaktives Molekül ist. Bereits kleinste Veränderungen der DNA, egal ob unbeabsichtigt oder gewollt, können somit einen Einfluss auf andere Bereiche haben. Durch solche Wechselwirkungen mit anderen Genen kann sich beispielsweise die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe von Pflanzen verändern oder diese kann anfälliger für Krankheiten werden. Deshalb können Risiken für Mensch und Umwelt nicht ausgeschlossen und müssen umfassend geprüft werden. Hinzu kommt, dass Untersuchungen im Labor die Wirklichkeit nur bedingt wiedergeben. Denn die Umwelt kann die angebaute Pflanze beeinflusssen und über die Epigenetik deren Genaktivitäten – auch in nachfolgenden Generationen. So können bei den Nachkommen gentechnisch veränderter Organismen neue Eigenschaften auftreten, die in der Elterngeneration nicht beobachtet wurden.
Andreas Bauer-Panskus et. al.: Risk assessment of genetically engineered plants that can persist and propagate in the environment (Environmental Sciences Europe ( 27.02.2020)

Editing-Techniken wie CRISPR könnten laut dem Nationalen Geheimdienstdirektor der USA für die Herstellung von "Massenvernichtungswaffen" missbraucht werden. Denn die neuen Verfahren sind auch ohne große Vorkenntnisse anwendbar, wie Baukästen zeigen, mit denen Bakterien im Hobbykeller manipuliert werden können – was in den USA zulässig, in Deutschland jedoch strafbar wäre, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit erklärte.


"Mit den neuen Werkzeugen greift man immer noch in das Gefüge des Genoms ein, dessen Funktionsweise wir längst noch nicht ausreichend verstehen."

Angelika Hilbeck, Institut für Integrative Biologie an der ETH Zürich, 26.02.2015 in der WOZ

Der rechtliche Rahmen

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat im Juli 2018 entschieden, dass die durch neue gentechnische Verfahren erzeugten Organismen rechtlich als “genetisch verändert“ gelten und damit dem Gentechnikrecht unterliegen. Er begründete dies mit dem Vorsorgeprinzip: Die mit dem Einsatz dieser Verfahren verbundenen Risiken könnten sich als ebenso groß erweisen wie die mit der klassischen Gentechnik verbundenen Risiken. Durch die neuen Verfahren würden genetisch veränderter Sorten „in einem ungleich größeren Tempo und Ausmaß“ erzeugt als durch die Züchtung mit den altbekannten Mutagenese-Verfahren. Würde man die neuen Mutagenese-Verfahren aus dem Anwendungsbereich des EU-Gentechnikrechts ausklammern, könnten mögliche schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt nicht verhindert werden.

Während Umwelt-, Bio- und Verbraucherorganisationen das Urteil begrüßten, wurde es von Biotechnologen, der Agrar- und Ernährungswirtschaft kritisiert. Sie fordern seither, das EU-Gentechnikrecht zu ändern und zumindest einen Großteil der mit neuen gentechnischen Verfahren hergestellten Züchtungen ohne Regulierung zuzulassen. Sie begründeten dies zunehmend damit, dass mit den durch NGT hergestellten Pflanzen besonders nachhaltig seien (siehe oben).

Die EU-Kommission und einige Mitgliedsstaaten wollten das EU- Gentechnikrecht ändern und die meisten Erzeugnisse neuer gentechnischer Verfahren von der Zulassung ausnehmen. Den Prozess dafür eröffnete die Kommisision im April 2021 mit einem Bericht. Zum Kommissionsbericht.  Am 5. Juli 2023 legte die Kommission ihren Vorschlag für den rechtlichen Umgang mit neuen gentechnischen Verfahren (NGT) vor. Am 4. Dezember 2025 haben sich die EU-Gremien im Trilog auf einen vorläufigen Kompromiss geeinigt. Mit der abschließenden Zustimmung des Europäischen Parlaments Mitte Juni 2026 wurde der Kompromiss als EU-Verordnung 2026/1388 Gesetz. Damit  darf ab Mitte 2028 der größte Teil aller NGT-Pflanzen vermarktet werden, ohne dass ihr Risiko überprüft, sie zugelassen und gekennzeichnet werden müssen. Vermutlich wird bis dahin der Europäische Gerichtshof entscheiden, ob ein solches Vorgehen mit dem Vorsorgeprinzip vereinbar ist.

Das Fallbeispiel Neues Recht für Neue Gentechnik beschreibt ausführlich dieses europarechtliche Gesetzgebungsverfahren und wie die Lobbyisten der Gentechnik-Konzerne es beeinflussten.

Kaum CRISPR-Pflanzen auf dem Markt

Seit 2012 das Crispr/Cas-Verfahren vorgestellt wurde, arbeiten Wissenschaftler*innen verstärkt daran, damit neue Gentechnik-Pflanzen zu entwickeln. Der letzte Marktbericht des Schweizer Bundesamtes für Umwelt listet 92 Projekte auf. Nur drei Pflanzen, zwei Maissorten in den USA und eine Tomate in Japan werden bereits in kleinen Mengen kommerziell angebaut. 15 Projekte stehen nach eigenen Angaben kurz vor der Marktreife, der Rest ist noch weit davon entfernt. Im Gegensatz zur klassischen Gentechnik werden NGT breiter angewandt. Der Bericht listet 31 Pflanzenarten auf, deren Inhaltsstoffe verändert wurden, die Trockenheit besser vertragen oder gegen Krankheiten resistent sein sollen. Höhere Erträge und kürzere Halme finden sich als Zuchtziel ebenso wie die schon bekannten Herbizidresistenzen. Bis diese und weitere NGT-Pflanzen in nennenswerten Mengen angebaut werden, dürften noch einige Jahre vergehen. Selbst in den USA, wo zahlreiche NGT-Pflanzen schon zugelassen sind, will sie bisher kaum jemand anbauen.
Informationsdienst Gentechnik: So schnell welkt Crispr-Salat (25.03.2024)
Informationsdienst Gentechnik: Neue Gentechnik: kaum Pflanzen auf dem Markt (05.03.2026)

Neue Gentechnik bei Tieren

Mit CRISPR&Co lässt sich auch das Erbgut von Nutztieren verändern. In Experimenten ist es bereits gelungen, die Muskelmasse von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen zu erhöhen. Bei Schafen konnte zudem die Länge der Haare und damit der Ertrag an Wolle gesteigert werden. Geforscht wird auch an hornlosen Rindern oder an Schweinen, die gegen diverse Viruserkrankungen resistent werden sollen. Solche gentechnischen Veränderungen haben vor allem das Ziel, die Tiere an die schädlichen Lebensbedingungen in der Massentierhaltung anzupassen. Sinnvoller wäre es, diese Bedingungen zu ändern und den Tieren ein artgerechteres Leben zu ermöglichen.

Mehrere Forschergruppen versuchen, die Zusammensetzung der von den Tieren erzeugten Lebensmittel zu ändern. Es gibt Versuche, Legehennen so zu verändern, dass ihre Eier ein bestimmtes allergieauslösendes Eiweiß nicht mehr enthalten. Schweine wurden so manipuliert, dass ihr Fleisch relevante Mengen an gesundheitsfördernden Omega-3-Fettsäuren enthält. Ein israelisches Unternehmen hat Legehennen entwickelt, bei denen die wirtschaftlich uninteressanten männlichen Embryonen im Ei gleich nach der Befruchtung absterben.

Schweizer Allianz Gentechfrei: Gentechnik bei Tieren - Boom durch Genomeditierung (3/2022)
Infodienst: EU-Behörde - Crispr-Hühner legen nicht nur Gentechnik-Eier (04.03.2022)

Ausführliche Informationen bietet der Grundlagentext zu gentechnisch veränderten Tieren auf www.schule-und-gentechnik.de

Gene Drives - der Vererbungsturbo

Mit Gene Drives lässt sich die Gen-Schere CRISPR/Cas im Erbgut eines Tieres oder einer Pflanze verankern. Dadurch wiederholt sich die gentechnische Veränderung in der nächsten Generation automatisch und kann sich binnen kurzer Zeit in ganzen Populationen ausbreiten. Mehrere Forschungsprojekte befassen sich damit, Mücken, die Krankheiten wie Malaria übertragen, mit Hilfe von Gene Drives auszurotten. Auch die Dezimierung landwirtschaftlicher Schädlinge wird im Labor bereits erforscht. Wie sich eine Freisetzung derart manipulierter Tiere auf die Ökosysteme auswirken könnte, ist völlig unbekannt. Die Vertragsstaaten der UN-Biodiversitätskonventionn (CBD) haben deshalb beschlossen, bei eventuellen Freisetzungen von Organismen mit Gene Drive das Vorsorgeprinzip anzuwenden. Notwendig dafür seien eine wissenschaftlich seriöse Risikoabschätzung des jeweiligen Falles und angemessene Sicherheitsmaßnahmen. Ein Freisetzungsmoratorium im Rahmen der CBD scheiterte bisher an der Lobbyarbeit der Pro-Gene Drive – Vertreter.

Save our Seeds: Gene Drives: Die neue Dimension der Gentechnik - Anwendungen, Risiken and Regulierung (Mai 2021).
ENSSER: Gene Drives. A report on their science, applications, social aspects, ethics and regulations (29.05.2019)

Ausführlich zu Gene Drives informieren
Die Kampagnen-Seite von Stop Gene Drives
Das Fallbeispiel Gene Drives von Schule&Gentechnik (Januar 2021)


Patente und ihre Folgen

Befürworter:innen argumentieren, dass neue gentechnische Verfahren weniger aufwändig seien und auch von mittelständischen Saatgutzüchtenden angewandt werden könnten – insbesondere dann, wenn teure Zulassungsverfahren wegfallen würden. Statt dessen müssen Züchtende teure Lizenzgebühren zahlen. Denn Crispr-Pflanzen sind von einem Dickicht an Patenten geschützt.

Die eigentlichen Crispr-Patente halten zum einen Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna. Sie entdeckten an der Universität Berkeley den grundlegenden Mechanismus der Gentechnik-Schere und zeigten 2012, wie sich damit das Erbgut von Bakterien verändern ließ. Die Arbeitsgruppe um Feng Zhang vom Broad Institute in Cambridge, Massachusetts, zeigte ein Jahr später, wie sich die Methode bei Pflanzen, Tieren und Menschen anwenden lässt und ließ sich dies Entdeckung patentieren.Seither gibt es Streit.
Infodienst: Streit um Crispr-Patente: Wer bekommt die Milliarden? (02.04.2022)
Infodienst: USA: Patentstreit um Gentechnik-Schere CRISPR entschieden (13.09.2018)

Die großen Saatgutkonzerne, arbeiten mit den CRISPR/Cas-Entwickler:innen zusammen und haben sich Lizenzen für deren Patente gesichert. Auf dieser Basis hat der Konzern Corteva weltweit bereits 1.430 Patente auf Pflanzen angemeldet, die mit neuen gentechnischen Verfahren hergestellt wurden. Auf Platz zwei liegt Bayer mit 119 Patenten. Viele dieser Patente decken genetische Eigenschaften ab, die in der Natur vorkommen. Sie werden dadurch anderen Züchtenden entzogen. Für die Landwirt:innen bedeutet das, dass CRISPR-Pflanzen und Tiere dem Patentschutz unterliegen und eine Nachzucht entweder verboten oder zumindest lizenzpflichtig wäre. Selbst der Deutsche Bauernverband und der Verband der Pflanzenzüchter warnen vor diesen Patenten, obwohl sie NGT befürworten.
Infodienst: Neue Gentechnik - Biopatente bedrohen Züchtungsfreiheit (19.05.2023)
Infodienst: Bericht - Corteva meldet 1400 Patente für genomeditierte Pflanzen an (22.10.2022)
Testbiotech: Neue Gentechnik und Nutzpflanzen: disruptive Einflüsse von Patenten auf Pflanzenzucht, Lebensmittelproduktion und die politische Debatte (Juni 2021).

Ausführlich über diese Patentierungspraxis und ihre Folgen informiert die Themenseite Patente auf www.schule-und-gentechnik.de.

Zuletzt aktualisiert: August 2026

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