Neue Gentechnik: kaum Pflanzen auf dem Markt

Obwohl sie in Ländern wie den USA, Brasilien und Kanada seit Jahren ohne Zulassung angebaut werden können, gibt es kaum Planzen aus neuen gentechnischen Verfahren auf dem Markt. Dies zeigt eine Übersicht, die das Schweizer Bundesamt für Umwelt veröffentlichte. Sie erklärt auch, warum dies so ist.

Der von Eva Gelinsky für das Schweizer Bundesamt für Umwelt erstellte Bericht nennt gerade mal drei NGT-Pflanzen weltweit, die angebaut und auch vermarktet werden. Das sind zwei Maissorten von Corteva mit Herbizidresistenz, die unterschiedliche Insektizide produzieren. Für deren Herstellung wurden klassische Gentechnik und Crispr/Cas kombiniert. Sie werden in den USA und Kanada angebaut, eine von ihnen auch in Argentinien. In der EU sind die beiden Maislinien als Lebens- und Futtermittel zugelassen. Sie dürfen also importiert werden. Das dritte NGT-Produkt ist eine Tomate aus Japan mit einem erhöhten Gehalt des Botenstoffes GABA (Gamma-Aminobuttersäure), der den Blutdruck senken und den Schlaf fördern soll. Sie ist inzwischen auch in Singapur und auf den Philippinen als Lebensmittel zugelassen, wird dort aber laut Bericht noch nicht vermarktet.

Darüber hinaus listet der Bericht 89 NGT-Pflanzen aus 31 verschiedenen Arten auf, die sich in der Entwicklung befinden. 15 davon sollen laut Ankündigung ihrer Hersteller in den nächsten Jahren auf den Markt kommen. Darunter befinden sich herbizidresistente Reislinien der Firmen Cibus und BioHeuris, Kurzhalm-Mais und ein gegen drei Krankheiten resistenter Mais von Corteva oder Sojabohnen mit höherem Ertrag von Inari und mit Trockentoleranz von GDM. Auch eine krankheitstolerante Orange der Firma Soilcea und eine nicht-bräunende Banane von Tropic Bioscience stehen in dieser Auflistung.

Viele dieser NGT-Pflanzen standen schon in früheren Fassungen des Berichts, der jährlich aktualisiert wird. Ein Vergleich zeigt, dass sich optimistische Angaben zum Markteintritt oft nicht halten ließen. So sollte das NGT-Ackerhellerkraut von Covercress (eine Tochter von Bayer und dem Agrarhändler Bunge) ursprünglich Mitte des Jahrzehnts auf dem Markt kommen, steckt aber immer noch in der Testphase. Laut Bericht soll es in diesem Winter auf 4.000 Hektar angebaut werden. Noch auffälliger ist, dass zahlreiche angekündigte NGT-Pflanzen still und leise zurückgezogen wurden. Ein Beispiel ist der gentechnisch entbitterte Salat aus Senfblättern von Pairwise. Die Firma hatte ihn 2023 mit viel Tamtam auf den Markt gebracht und 2024 das Geschäft an Bayer abgegeben. Der Konzern teilte auf Anfrage mit, er habe das Saatgut dieser Pflanzen bisher nicht vermarktet, und es gebe derzeit keine neuen Informationen dazu. Die Firma Yield10 Bioscience startete Anfang 2023 den vorkommerziellen Anbau von NGT-Leindotter mit erhöhtem Ölgehalt und kündigte an, das Produkt in den nächsten zwei bis drei Jahren groß auszurollen. Stattdessen musste das Unternehmen Konkurs anmelden und wurde vom australischen Saatgutkonzern Nufarm aufgekauft. Er will den Leindotter weiter entwickeln, nannte aber keinen Zeitraum für eine Markteinführung.

Der BAFU-Bericht erwähnt, dass zahlreichen NGT-Pflanzen in den USA und Lateinamerika bestätigt wurde, sie könnten ohne Zulassungsverfahren vermarktet werden. Dass die meisten dieser Pflanzen dennoch nicht auf den Markt kamen, erklärt der Bericht so: Viele Startups entwickeln ihre gentechnischen Veränderungen im Labor an Modellpflanzen. Um auf den Markt zu kommen, brauchen sie ein Saatgutunternehmen, das bereit ist, seine Hochleistungssorten zur Verfügung zu stellen und die weitere Arbeit mit zu finanzieren. Selbst wenn sich ein solcher Partner findet, kann es sein, dass sich gute Laborergebnisse in Feldversuchen nicht bestätigen.

Der Bericht von Eva Gelinsky zeigt auch das Patentdickicht auf, das sich rund um Crispr/Cas als Technologie und damit hergestellte NGT-Pflanzen entwickelt hat. Um sich darin zurechtzufinden, bräuchten Saatgutunternehmen immer mehr teures Expertenwissen. Da alle beteiligten Patentinhaber:innen ihren Anteil an den künftigen Umsätzen mit NGT-Pflanzen in Form von Lizenzgebühren haben wollen, dürfte NGT-Saatgut teuer werden, lautet ihre Schlussfolgerung. [lf]

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