Zdeněk Nekula (Minister for Agriculture, Czech Republic) Copyright: European Union
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Neue Gentechnik: wenig Widerstand bei EU-Agrarministern

26.09.2022

Die Agrarminister der Europäischen Union seien sich einig, dass die EU so schnell wie möglich auf die Entwicklung moderner Trends reagieren müsse und Innovation nicht behindern dürfe. So formulierte die tschechische Ratspräsidentschaft ein Ergebnis eines informellen Treffens Mitte September in Prag. Das europäische Gentechnikrecht müsse geändert werden, um den Einsatz neuer gentechnischer Verfahren zur Pflanzenzüchtung zu erleichtern. Doch wie der Infodienst Gentechnik erfuhr, sahen das nicht alle Minister so.

Aus gut informierten Kreisen verlautete, dass 18 Ministerinnen und Minister bei dem Treffen mehr oder weniger deutlich die Vorteile der neuen gentechnischen Verfahren (NGT) betonten und dafür plädierten, die rechtlichen Regeln zu lockern. Darunter waren mit Frankreich, Italien und Spanien drei der größten EU-Staaten. Hinzu kamen die baltischen und skandinavischen Länder, die Niederlande und Belgien, Tschechien, Irland, Kroatien, Rumänien, Portugal und Malta. Dagegen sprachen sich vier Staaten aus: Griechenland, Slowenien, Zypern und Ungarn. Der Rest hielt sich bedeckt. Deutschlands Landwirtschaftsminister Cem Özdemir sagte dem Vernehmen nach, NGT hätten Potenzial, könnten kurzfristig aber keinen Beitrag zu Nachhaltigkeit und Ernährungssicherung leisten – vermutlich, weil solche Pflanzen auf dem Markt bislang rar sind. Gewünscht hätten sich Umwelt- und Bioverbände von Özdemir vermutlich eine so klare Ansage, wie sie laut der Quelle des Informationsdienstes Gentechnik vom ungarischen Minister kam: Auch NGT seien gentechnisch veränderte Organismen. An ihrer Stelle sollte man eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft fördern und der Bevölkerung sowie ihrer Gesundheit höchste Aufmerksamkeit schenken. [+] mehr...

Augenbohnen Kuhbohnen Bohnen Saatgut
Augenbohnen - ein wichtiges Nahrungsmittel in vielen afrikanischen Ländern (Foto: Toby Hudson / wikimedia commons, http://bit.ly/1ZKgXMh, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Ghana lässt Gentech-Bohnen für den Anbau zu

20.09.2022

Neben Nigeria ist Ghana der zweite westafrikanische Staat, der auf gentechnisch veränderte Augenbohnen setzt. Die erste von drei notwendigen Zulassungen haben die staatlichen Stellen inzwischen erteilt. Doch der Widerstand im Land ist groß: Die Organisation Food Sovereignty (dt. Lebensmittelsouveränität) Ghana zog sogar vor Gericht.

Augenbohnen (englisch Cowpeas) zählen zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln in Westafrika. Nigerianische Wissenschaftler haben die Bohnen so verändert, dass sie mit Hilfe einer von der Bayer-Tochter Monsanto stammenden Fremd-DNA ein Bt-Toxin produzieren, um den Bohnen-Zünsler abzuwehren. In Nigeria dürfen diese gentechnisch veränderten (gv) Bohnen seit 2019 angebaut werden und sind nach wie vor stark umstritten. In Ghana hat die Nationale Biosicherheitsbehörde NBA die Bt-Bohnen im Sommer nach einer Risikobewertung für Anbau und Vermarktung zugelassen. [+] mehr...

Prince Charles meet volunteers (beim Farmbesuch 2009) Foto: Andy Gott, https://bit.ly/3LrTAWU, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/
Prince Charles meet volunteers (beim Farmbesuch 2009) Foto: Andy Gott, https://bit.ly/3LrTAWU, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Bremst britischer Bio-König Charles Truss‘ Gentechnikpläne?

16.09.2022

Die neue britische Premierministerin Liz Truss hat das Umwelt- und Agrarministerium neu besetzt. Nicht nur Umweltaktivisten und Gentechnikkritiker, auch konservative Politiker fürchten, dass ihre neue Regierung Landwirtschaft und Umwelt schaden wird. Denn sie will weit mehr, als die neue Gentechnik für die Lebensmittelproduktion freizugeben. Experten erwarten, dass der neue König und Bio-Bauer Charles III sich künftig vor allem hinter den Kulissen für Ökologie und Umwelt engagieren wird.

Die frühere Agrarministerin Liz Truss hatte sich in ihrer Wahlkampagne hinter die Landwirtschaftspolitik von Boris Johnson gestellt. Sie wolle „die britische Lebensmittel- und Landwirtschaft entfesseln“, um die Ernährung des Landes sicherer zu machen, sagte sie dem Evening Standard. Die gentechnikkritische Plattform GMWatch erinnerte daran, dass Truss sich als Umweltministerin für bienengiftige Insektizide stark gemacht und als Handelsministerin die Tierschutz- und Umweltstandards für australische Agrareinfuhren gesenkt hatte. Die Bedenken, die diese Bilanz hervorriefen, würden dadurch verstärkt, welche Minister sie ernannt habe, schrieb GMWatch. [+] mehr...

Tomaten Lila Pressefoto
Lila Gentechnik-Tomaten (Foto: John Innes Centre)

USA: Behörde winkt transgene Tomate ohne Zulassung durch

13.09.2022

14 Jahre hatte Cathie Martin darauf hingearbeitet: Vergangene Woche hat das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) die von der britischen Pflanzenwissenschaftlerin gentechnisch veränderte (gv) lila Tomate als unbedenklich eingestuft. Damit wurde erstmals eine gv-Pflanze in den USA als Ausnahme von der 2020 erlassenen Secure-Regel für Gentechnikpflanzen freigegeben. Die transgene Tomate soll 2023 auf den US-Markt kommen und darf dann ohne Genehmigung angebaut und verkauft werden.

Die ungewöhnliche violette Farbe erhält das Gemüse durch einen besonders hohen Gehalt an Anthocyanen, Stoffen, die normalerweise Früchte wie Blaubeeren und Brombeeren blau färben. In den gv-Tomaten waren laut Entwickler 500 mg Anthocyane pro 100 Gramm Frischgewicht enthalten. Auch Antioxidantien sind nach Angaben der Entwickler vermehrt vorhanden. „Unabhängige Studien zeigen, dass Antioxidantien und Anthocyane die Inzidenz von Krebs reduzieren, die Herz-Kreislauf-Funktion verbessern und die Gesundheit und das Wohlbefinden verbessern können“, schreibt die Norfolk Plant Sciences (NPS) in ihrer Presseinformation. Diese Firma hatte Cathie Martin vom britischen Forschungsinstitut John Innes Centre gemeinsam mit einem Kollegen des Sainsbury Laboratory 2007 gegründet, um ihre Forschung an Pflanzen mit verbesserten gesundheitsfördernden Verbindungen zu kommerzialisieren. [+] mehr...

Bosque de Eucaliptos, Foto: Javier T https://bit.ly/3d4VTCr, https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/
Bosque de Eucaliptos, Foto: Javier T https://bit.ly/3d4VTCr, https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

Brasilien: Widerstand gegen glyphosatresistente Eukalyptusbäume

09.09.2022

Die brasilianische Gentechnikbehörde CTNBio hat den kommerziellen Anbau einer Eukalyptus-Linie erlaubt, deren Gene so manipuliert wurden, dass sie das Totalherbizid Glyphosat überlebt. Entwickelt wurde sie für den größten Papier- und Zellstoffhersteller Brasiliens. Dessen bislang gentechnikfreie Plantagen waren vom FSC (Forest Stewardship Council) als nachhaltig zertifiziert worden. Im Oktober könnte der FSC nun Ausnahmen von der gentechnikfreien Produktion beschließen.

Im November 2021 erteilte CTNBio dem Unternehmen Suzano Papel e Celulose die Erlaubnis, die gentechnisch veränderte (gv) Eukalyptus-Linie 751K032 kommerziell anzubauen. Wie der Nachrichtenpool Lateinamerika berichtete, haben sich inzwischen mehr als 50 Umweltorganisationen dagegen verbündet. Sie fordern CTNBio in einer Petition auf, die Zulassung zurückzuziehen, und wollen erreichen, dass auch die Bundesstaatsanwaltschaft tätig wird. Die Organisationen sehen im dem gv-Eukalyptus „eine ernsthafte Bedrohung für das Leben, die Gesellschaft und die Natur“. Zudem sei die Zulassung „ohne demokratische Konsultation der brasilianischen Zivilgesellschaft und der Gemeinden in den Gebieten, in denen die Plantagen angelegt werden sollen, erfolgt“, heißt es in der Petition. In Deutschland unterstützt die Organisation „Rettet den Regenwald“ das Anliegen. Denn Papier von Suzano gibt es auch hierzulande – mit FSC-Siegel. Laut „Rettet den Regenwald“ steckt der Zellstoff aus Brasilien in Kleenex-Tüchern oder Pampers-Windeln. [+] mehr...

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