Duften Tomaten aus China bald nach Popcorn? Symbolfoto: Ernesto Rodriguez, Pixabay

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Teurer dank Gentechnik: Tomaten mit Popcornduft

Chinesische Wissenschaftler:innen haben Tomaten mit dem neuen gentechnischen Verfahren Crispr/Cas so verändert, dass sie nach Popcorn duften. In dem Land mit der weltweit größten Tomatenproduktion hofft man, dass sich solche Tomaten teurer verkaufen lassen. Denn es gibt keine natürlich gewachsene Tomate, die so riecht. Werden also eines Tages hochpreisige chinesische Popcorn-Tomaten den europäischen Markt überschwemmen?

Die Vertreter:innen wissenschaftlicher Institute sowie eines Saatgutunternehmens in der ostchinesischen Stadt Hangzhou hatten sich für ihre Arbeit thailändischen Duftreis und indischen Basmatireis als Vorbild genommen. Die beiden Reissorten erzielen durch ihr an Popcorn erinnerndes Aroma deutlich höhere Preise auf dem Markt als herkömmlicher Reis. Deshalb wollten die Forschenden Tomaten ebenfalls so duften lassen, um den Absatz zu fördern.

Verantwortlich für den Geruch ist der Duftstoff 2-Acetyl-1-Pyrrolin (2-AP), der nicht nur in Reis, sondern auch in anderen Pflanzen inklusive Tomaten von Natur aus gebildet wird. Doch ein Gen namens BADH2 wandelt eine Vorstufe dieses Duftstoffs so um, dass 2-AP nicht mehr entsteht. Die Forschenden fanden in Tomaten zwei Varianten dieses Gens und schalteten sie mit Hilfe von Crispr/Cas ab. Der erwartete Effekt trat ein: Der Duftstoff 2-Acetyl-1-Pyrrolin reicherte sich in den Blättern und den Früchten auf das mehr als Vierfache an, sie dufteten nach Popcorn. Überraschend ist das nicht, da andere Wissenschaftler:innen nach dem gleichen Prinzip schon duftende Maiskörner und Sojabohnen erzeugten.

In ihrer Arbeit schreiben die Forschenden auch, dass sie in 706 Tomatensorten nach einer natürlichen Mutation der beiden BADH2-Genvarianten gesucht hätten. Zwar fanden sie vier Sorten, die eine Mutation des Gens aufwiesen. Doch keine von ihnen entwickelte einen Popcorn-Duft. „Mit anderen Worten: Die Natur hatte noch nie eine Tomate mit Popcorn-Aroma hervorgebracht. Das Labor hingegen schon“, schrieb die South China Morning Post. Das wirft ein Schlaglicht auf die Verordnung zu neuen gentechnischen Verfahren (NGT) der Europäischen Union, die sich derzeit in der Schlussabstimmung im Ministerrat und im EU-Parlament befindet. Nach der NGT-Verordnung wäre die Popcorn-Tomate gleichwertig mit natürlichen Tomaten. Sie dürfte vermarktet werden, ohne dass ihr Risiko für Gesundheit oder Umwelt geprüft wird. Denn es wurden nur zwei Gene geändert und das könnte – jedenfalls theoretisch - auch auf natürlichem Wege passieren. Die geplante Verordnung definiert sogar, dass eine NGT-Pflanze als gleichwertig zu natürlichen Pflanzen gilt, solange nicht mehr als zwanzig Gene geändert wurden.

Die Forschenden aus Hangzhou schreiben, die gentechnische Veränderung habe für die Pflanzen insgesamt keine Nachteile gebracht. Sie seien ebenso gut gewachsen und hätten ebenso viel Zucker und Fruchtsäure enthalten, wie unveränderte Tomaten. Der nächste Schritt sei nun, „diesen Duft in kommerziellen Elite-Sorten einzuführen, was deren Geschmackskomplexität verbessern und möglicherweise die Verbraucherpräferenz und den Marktwert steigern könnte“. An den Forschungsarbeiten war bereits ein chinesisches Saatgutunternehmen beteiligt.

China produziere jedes Jahr 70 Millionen Tonnen Tomaten, das sei mehr als ein Drittel der weltweiten Ernte, schreibt die South China Morning Post. Ein guter Teil davon wird exportiert und etwa in Italien weiterverarbeitet. So gelangen chinesische Tomaten heute schon nach Deutschland – nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau teilweise ohne korrekte Herkunftsbezeichnung. Und sollte die geplante NGT-Verordnung in der EU demnächst verabschiedet werde, müsste auch nicht mehr auf dem Etikett stehen, dass die chinesischen Tomaten gentechnisch verändert worden sind. [lf]

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