Zahlreichen Pflanzen wurde mittels Gentechnik das Erbgut des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis eingefügt, damit sie Eiweiße produzieren, die giftig für Insekten sind, Bt-Toxine genannt. Dieser eingebaute Pflanzenschutz sollte Schädlinge wie den Baumwollkapselwurm, den Herbst-Heerwurm oder den Maiswurzelbohrer abtöten, allesamt Larven von Schmetterlingen oder Käfern. Dadurch müssten viel weniger Insektizide versprüht werden, so das Versprechen der Hersteller. Doch schon bald zeigte sich, dass die Insekten Resistenzen entwickelten und zunehmend gegen Bt-Toxine immun wurden.
Forschende der Universitäten von Tennessee und Wollongong haben sich die Nachkommen der überlebenden Insekten dieser Gattungen genauer angeschaut. Dabei entdeckten sie, dass ihre Flügel anders geformt waren als bei ihren gegen Bt-Toxine empfindlichen Artgenossen. Dank dieser Flügelform können sich die resistenten Insekten rascher und über weitere Distanzen verbreiten. Eine der Studien konnte zudem zeigen, dass beim Herbst-Heerwurm die Insekten mit höherem Flugradius zuvor als Larven mehr gewogen hatten.
Die Studienautor:innen wiesen darauf hin, dass ihre Ergebnisse Auswirkungen auf die Strategien von Landwirt:innen und Wissenschaftler:innen hätten, die Menge an Bt-resistenten Schädlingen klein zu halten. Denn wenn resistente Schädlinge weiter fliegen können als bisher angenommen, können sie an Stellen auftauchen, die die Resistenzstrategen bisher nicht im Blick hatten. Die bestehenden Modelle, Anbauempfehlungen und Spritzprogramme für die Landwirt:innen passen dann nicht mehr und müssten überarbeitet werden.
Das Münchner Institut Testbiotech stellte diese Ergebnisse in seinem Kommentar in einen größeren Zusammenhang: Effekte wie die veränderte Flügelform würden sich oft erst bei längerem Anbau offenbaren und seien bei experimentellen Feldversuchen leicht zu übersehen. Deshalb sieht das Gentechnikrecht vor, eine zugelassene gentechnisch veränderte Pflanze zu überwachen. „Vieles spricht dafür, dass auch Pflanzen aus Neuer Gentechnik (NGT) von ähnlichen Problemen betroffen sein können“, schreibt Testbiotech. Also davon, dass sich unerwünschte Nebenwirkungen erst nach längerer Zeit zeigen. So sei es „nicht unwahrscheinlich, dass mittels NGT erzeugte Genvarianten, die oft von denen aus konventioneller Zucht abweichen, zu einer Schwächung der Pflanzengesundheit führen“, schreibt Testbiotech. Deshalb sei es besonders problematisch, dass die EU in ihrer geplanten NGT-Verordnung für die meisten NGT-Pflanzen „künftig auf Risikoprüfung und Rückverfolgbarkeit verzichten will, wodurch sich Gefahren für Züchtung, Umwelt und Landwirtschaft weitgehend unbemerkt ausbreiten könnten“. [lf]