Greenpeace-Aktivisten demonstrieren vor der Wiener Hofburg für ein Glyphosat-Verbot © Greenpeace/Astrid Schwab
Greenpeace-Aktivisten demonstrieren vor der Wiener Hofburg für ein Glyphosat-Verbot © Greenpeace/Astrid Schwab

Österreich beschließt komplettes Glyphosatverbot

02.07.2019

Österreich will den Unkrautvernichter Glyphosat als erstes europäisches Land komplett verbieten. Wie der österreichische Nationalrat heute entschied, soll das Verbot vom kommenden Jahr an gelten. Die Europäische Kommission könnte sich allerdings quer stellen, weil das Totalherbizid in der Europäischen Union (EU) noch bis 2022 zugelassen ist.

Laut Nachrichtenagentur APA kann die EU-Kommission dem nationalen Alleingang innerhalb von drei Monaten widersprechen. Wie der österreichische Europarechtler Walter Obwexer im Auftrag des Agrarministeriums ausführte, könne Glyphosat in einem EU-Mitgliedsstaat vor 2022 nur unter engen juristischen Voraussetzungen verboten werden: Entweder müsse es neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Risiken geben, die bei der EU-weiten Zulassung 2017 nicht bekannt waren. Oder Österreich müsste sich auf landesspezifische Probleme für Umwelt oder Gesundheit berufen können, heißt es in einer Machbarkeitsstudie der Universität für Bodenkultur in Wien, die gestern vorgelegt wurde. Ein Glyphosatverbot im österreichischen Bundesland Kärnten hatte die EU-Kommission im Frühjahr 2018 zunichte gemacht. [+] mehr...

Moskau Regierung Gentechnik
Russland hatte 2012 den Import und die Verarbeitung von Gentechnik-Mais des Monsanto-Konzerns wegen Gesundheitsbedenken ausgesetzt (Foto: Julie Mineeva (Julmin))

Russland setzt auf Genome Editing

27.06.2019

Russland will mit einem staatlich unterstützten Forschungsprogramm neue gentechnische Verfahren fördern und damit hergestellte Produkte vereinfacht zulassen. Bisher hat das Land den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verboten.

Doch nun wolle die russische Regierung 1,5 Milliarden Euro in die Anwendung neuer gentechnischer Verfahren wie CRISPR/Cas investieren, berichtete die Zeitschrift Nature. Ziel des Programms sei es, bis 2020 zehn Arten von gen-editierten Pflanzen und Tieren zu entwickeln – und weitere 20 bis 2027. [+] mehr...

Moskito Mücke Insekten Malaria
Anopheles gambiae (Foto: James D. Gathany - The Public Health Image Library , ID#444, http://bit.ly/25WV6oo, public domain)

Gentech-Pilz produziert tödliches Spinnengift

24.06.2019

US-Forscher haben einen Pilz gentechnisch so verändert, dass er ein Spinnengift produziert und damit Malaria-Moskitos ausrottet. Doch das Gift ist auch für den Menschen tödlich.

Die australische Trichternetzspinne gehört zu den giftigsten Spinnen der Welt. Ihr Biss kann für einen Menschen tödlich sein - falls er nicht schnell genug das Gegenmittel gespritzt bekommt. Forscher der Universität von Maryland haben das Erbgut eines Pilz der Gattung Metarhizium pingshaense so verändert, dass er das Gift der Spinne produziert. Der Pilz befällt natürlicherweise Moskitos und tötet sie langsam. Durch die gentechnische Veränderung produziert er das Spinnengift, sobald er sich in der Blutbahn des Insekts befindet und tötet es damit sofort. Die US-Wissenschaftler erprobten die Wirkung in Burkina Faso in Westafrika zusammen mit heimischen Wissenschaftlern. Sie bauten dazu unter einem überdimensionalen moskitodichten Netz ein kleines Dorf nach, mit Moskitos, aber ohne Menschen. Sie imprägnierten Baumwolltücher, auf denen Moskitos gerne rasten, mit dem Gentech-Pilz. Nach 45 Tagen lebten von 1500 Moskitos und ihrem Nachwuchs noch 13 Tiere. [+] mehr...

Justiz Gericht Gesetz
Schild am Eingang eines Gerichts in Newcastle (Foto: smlp.co.uk / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

USA: Gentechnik-Zulassungen sollen noch einfacher werden

20.06.2019

US-Präsident Donald Trump hat die zuständigen US-Behörden angewiesen, die Zulassungsbedingungen für gentechnisch veränderte Organismen zu überarbeiten und deren Zulassung zu erleichtern. Verbraucherschützer kündigten ihren Widerstand an.

Trumps Weisung richtet sich an das Landwirtschaftsministerium, die Umweltbehörde EPA und die Lebensmittelbehörde FDA. Sie sollen innerhalb von 180 Tagen die Regelungen für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) in ihrem Geschäftsbereich überarbeiten und GVO mit einem geringen Risikopotential von ungerechtfertigter Regulierung ausnehmen. Besonders berücksichtigt werden sollen dabei genomeditierte Pflanzen, die gesundheitliche, ökologische oder landwirtschaftliche Vorteile versprechen. Zudem soll die Verwaltung einen Aktionsplan entwerfen, um bei den Konsumenten Vertrauen und Akzeptanz von gentechnisch veränderten Lebensmitteln zu erhöhen. Sie sollen Werbematerial erstellen, das die Vorteile der Agro-Gentechnik hervorhebt und betont, dass die staatlichen Regelwerke die Sicherheit der Produkte garantieren. Der Präsident wies die Behörden auch an, eine Strategie zu entwerfen, um die Exporte US-amerikanischer GVO-Produkte zu unterstützen. Sie soll sowohl die Akzeptanz genom-editierter Lebensmittel bei den Handelspartnern erhöhen als auch „ungerechtfertigte Handelsbarrieren“ beseitigen. [+] mehr...

Lobbyismus Lobbyisten
Foto: spekulator / stock.xchng

Zweistellige Millionenbeträge für Glyphosat-PR in Europa

18.06.2019

Der Chemiekonzern Bayer hat nach eigenen Angaben alle Personen in Deutschland und Frankreich informiert, deren Daten 2016 im Auftrag von Monsanto im Rahmen einer Glyphosat-Kampagne von PR-Agenturen gesammelt worden waren. Nach einem Bericht der Tageszeitung taz waren das insgesamt 600 Funktionsträger aus Politik und Gesellschaft. Für die PR-Kampagne vor der Neuzulassung des Unkrautvernichters Glyphosat hatte Monsanto ab 2015 zweistellige Millionenbeträge ausgegeben.

Das sagte Bayers neuer Cheflobbyist Matthias Berninger in einem Interview mit Gabor Steingart. Anders als in Frankreich sollen nach aktuellem Informationsstand in Deutschland keine Journalisten und keine sensiblen privaten Daten aufgelistet worden sein. Die Briefe an die Betroffenen, die Auskunft über die gespeicherten Informationen geben, wurden von der von Bayer beauftragten Anwaltskanzlei Sidley Austin versandt. Der Konzern geht davon aus, dass auch die erfassten Personen in den anderen europäischen Ländern – Berninger sprach von acht - und diejenigen im Umfeld der EU-Institutionen in Kürze Bescheid bekommen. Bislang sind neben Deutschland und Frankreich Listen in Italien, den Niederlanden, Polen, Spanien und dem Vereinigten Königreich bekannt. Darauf fanden sich nach Medienberichten so prominente Politiker wie der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach oder die frühere französische Umweltministerin und Präsidentschaftskandidatin Segolène Royale. In Frankreich, wo auch Informationen zu politischen Ansichten wie die Haltung zu Glyphosat und private Daten gesammelt wurden, ermittelt die Staatsanwaltschaft. [+] mehr...