Moskito Mücke Anopheles
Auch bei Anopheles-Mücken wurden Gene Drives gentechnisch eingebaut (Foto: James Gathany - CDC http://phil.cdc.gov/PHIL_Images/09262002/00008/A.gambiae.1354.p_lores.jpg)

EU-Kommission soll Gene Drives einen Riegel vorschieben

02.07.2020

Umwelt-, Agrar- und Entwicklungsorganisationen aus ganz Europa haben die EU-Kommission aufgefordert, die Freisetzung von Gene Drive Organismen in der EU und international zu ächten. Zudem soll sich die Kommission auf der nächsten Vertragsstaatenkonferenz der UN-Biodiversitätskonvention für ein globales Moratorium stark machen.

Mit Gene Drives lassen sich Gen-Scheren wie Crispr/Cas im Erbgut eines Tieres oder einer Pflanze verankern. Dadurch wiederholt sich die gentechnische Veränderung in der nächsten Generation automatisch und kann sich binnen kurzer Zeit in ganzen Populationen ausbreiten. Organismen mit Gene Drive (GDO) könnten dazu verwendet werden, Stechmücken, Ernteschädlinge oder invasive Arten auszurotten. [+] mehr...

EU Parlament Abstimmung
Foto: © European Union 2014 - European Parliament (http://bit.ly/280xukQ, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

Europaabgeordnete beschweren sich über Missachtung des Parlaments

29.06.2020

42 mal hat die EU-Kommission ablehnende Stellungnahmen des Europäischen Parlaments zu Gentechnik-Zulassungen ignoriert. Jetzt steht der 43. Fall an und 50 Europa-Parlamentarier haben deshalb an EU-Vizekommissionspräsident Frans Timmermans geschrieben. Sie fordern, den aus ihrer Sicht undemokratischen Entscheidungsmodus zu ändern und den Green Deal nicht durch ein ‚Weiter so’ bei der Agro-Gentechnik zu gefährden.

Gentechnisch veränderte Pflanzen werden für den Import als Futter- und Lebensmittel in die EU derzeit so zugelassen: Im eigentlich zuständigen Ausschuss der Mitgliedsstaaten fehlt die für die Zulassung notwendige qualifizierte Mehrheit. In diesem Fall fällt das Entscheidungsrecht an die Kommission und diese hat bisher immer die Zulassung erteilt. Das Europäische Parlament hat in bisher 42 Fällen eigene Stellungnahmen verabschiedet und jedes Mal die Kommission aufgefordert, die Gentech-Pflanze nicht zuzulassen. Damit hat das Parlament den Willen der EU-Bürger formuliert, die seit 25 Jahren Gentechnik im Essen mit deutlicher Mehrheit ablehnen. Doch auf die Zulassung haben Parlamentsbeschlüsse keinen Einfluss. [+] mehr...

Bayer Crop Science Division Office Headquarters, Foto: Tony Webster, https://bit.ly/2YtecDN, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/
Bayer Crop Science Division Office Headquarters, Foto: Tony Webster, https://bit.ly/2YtecDN, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Glyphosat-Vergleich: Bayer zahlt knapp zehn Milliarden Euro

25.06.2020

Im Rechtsstreit um die krebserregende Wirkung des Herbizids Glyphosat hat sich die Bayer AG in den USA mit den Klägern auf einen Vergleich geeinigt. Er wird den Konzern bis zu 10,9 Milliarden US-Dollar kosten, das entspricht 9,8 Milliarden Euro. Auch die Klagen um die durch das Herbizid Dicamba verursachten Ernteschäden hat der Konzern beigelegt. Kosten: 400 Millionen US-Dollar, das sind 360 Millionen Euro.

Wie Bayer mitteilte, würden durch den Vergleich 75 Prozent der aktuellen Glyphosat-Verfahren zum Abschluss gebracht, mit insgesamt etwa 125.000 eingereichten und geplanten Klagen. Gleichzeitig enthalte der Vergleich Leitlinien, wie mögliche künftige Klagen ohne weitere Gerichtsverfahren beigelegt werden sollen. Für die aktuellen Fälle werde das Unternehmen 8,8 Milliarden bis 9,6 Milliarden US-Dollar zahlen. Weitere 1,25 Milliarden US-Dollar will Bayer bereitstellen, „um eine separate Vereinbarung für potenzielle künftige Klagen zu ermöglichen“, heißt es in der Mitteilung. Sowohl Bayer als auch die Kläger-Anwälte begrüßten die Einigung. [+] mehr...

Maisfeld (Foto:CCO)
Maisfeld (Foto:CCO)

Verunreinigter Zuckermais in sechs Bundesländern ausgesät

24.06.2020

Von den 13 Millionen Körnern gentechnisch verunreinigten Zuckermaises, die derzeit in ganz Europa gesucht werden, wurden allein vier Millionen nach Hessen verkauft. Nach aktuellem Stand sei der Mais in sechs Bundesländer geliefert und dort auch gesät worden, teilte das niedersächsische Umweltministerium auf Anfrage mit. Die Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit forderte die Länder auf, bei Risikokulturen künftig sämtliche Saatgutpartien lückenlos auf gentechnisch veränderte Organismen zu prüfen.

Wie berichtet hatte ein niedersächsischer Händler den konventionellen Mais der Sorte „Sweet Wonder“ (süßes Wunder) aus den USA importiert und in Deutschland, Europa und Russland verkauft. Wie Kontrolleure in Ungarn im Mai feststellten, enthielt der Zuckermais etwa 0,1 Prozent der gentechnisch veränderten Maisevents MON88017 und MON89034 der Bayer-Tochter Monsanto. Sie machen den Mais resistent gegen das Pflanzengift Glyphosat. Solcher Gentech-Mais darf in Deutschland nicht angebaut werden. Das ist nun aber nicht nur in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, sondern auch in Bayern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen passiert. [+] mehr...

Baumwolle Burkina
Burkina Faso: Bäuerinnen trennen Baumwollfasern und Samen (Foto: Ollivier Girard for Center for International Forestry Research [CIFOR], creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0)

Der Widerstand gegen Agro-Gentechnik in Ostafrika wächst

22.06.2020

Die äthiopische Regierung hat den Anbau von gentechnisch veränderter (gv) Baumwolle und Mais erlaubt. In Kenia sollen Feldversuche mit Gentech-Kassava starten und gv-Baumwolle wurde erstmals ausgesät. In beiden Ländern wehrt sich die Zivilgesellschaft gegen den Gentechnik-Kurs ihrer Regierung.

50 Umwelt-, Bauern- und Menschenrechtsorganisationen in Äthiopien haben ihre Regierung aufgefordert, ein mindestens fünfjähriges Moratorium für alle Feldversuche und den kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zu erlassen. Diese Zeit solle die Regierung nutzen, um die Bevölkerung zu befragen, ob Äthiopien überhaupt Gentechnik in der Landwirtschaft zulassen soll. Parallel dazu müsse sie einen geeigneten institutionellen und rechtlichen Rahmen schaffen, um überhaupt mit gentechnisch veränderten Pflanzen und Lebensmitteln umgehen zu können. Die Organisationen ermahnten die Regierung, ihre Verpflichtung gegenüber dem Cartagena-Protokoll einzuhalten und strenge Vorschriften zum Schutz der biologischen Vielfalt und der menschlichen Gesundheit zu erlassen. Beenden solle der Staat, „die Manipulation der vielfältigen Nahrungspflanzen und -tiere Äthiopiens durch Gentechnik-Enthusiasten“. [+] mehr...