DNA Genom
DNA-Modell der Ausstellung 'Genome: The Secret of How Life Works' im Jahr 2012 (Foto: George Bush Presidential Library and Museum / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

Agrarstaatssekretär begrüßt erstes Nachweisverfahren für Cibus-Raps

17.09.2020

Die Bundesregierung begrüßt die Initiative von sieben gentechnikkritischen Verbänden, die vergangene Woche ein Nachweisverfahren für herbizidresistenten Raps der US-Firma Cibus vorgestellt hatten. Das teilte Agrar-Staatssekretär Uwe Feiler (CDU) gestern dem Bundestag mit. Unterdessen ist eine Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen des neuen Tests sowie die Informationspolitik des Unternehmens Cibus entbrannt.

„Die Bundesregierung begrüßt ausdrücklich, dass vielfältige Ansätze zur Erforschung von rechtssicheren Nachweis- und Identifizierungsmethoden für die gentechnische Überwachung verfolgt werden“, so Feiler. Die im Auftrag von internationalen Verbänden aus dem Lebensmittel- und Umweltbereich entwickelte Nachweismethode sei „dazu geeignet, die bekannte Mutation in den untersuchten Rapslinien (Cibus-Raps) nachzuweisen, die zur Herbizidresistenz geführt hat“. Hintergrund ist, dass staatliche Kontrollbehörden in ganz Europa derzeit selbst auf der Suche nach Wegen sind, wie sie diesen Raps und andere mit neuen gentechnischen Verfahren entwickelte Pflanzen nachweisen können (der Infodienst berichtete). [+] mehr...

FotoProzessUmweltinstitut
Angeklagt wegen Pestizidkritik: Karl Bär, Umweltinstitut münchen, und Autor Alexander Schiebel (rechts, Foto: Jörg Farys, Umweltinstitut münchen)

Die „Rebellen von Mals“ stehen vor Gericht

15.09.2020

UPDATE +++ In Bozen in Südtirol hat ein Strafprozess gegen Alexander Schiebel, Autor des Buchs und Films „Das Wunder von Mals“ sowie den Agrarexperten Karl Bär vom Umweltinstitut München begonnen. Ihr Verbrechen: Sie haben auf den hohen Pestizideinsatz im Südtiroler Obstanbau hingewiesen. Kurz vor Verhandlungsbeginn erklärte der Südtiroler Landesrat für Landwirtschaft, Arnold Schuler, er werde seine Anzeige zurückziehen.

Im September 2017 erschien im oekom Verlag das Buch „Das Wunder von Mals“, in dem Alexander Schiebel über den Kampf der kleinen Südtiroler Gemeinde gegen den Pestizideinsatz im Obstanbau berichtete. Zeitgleich nahm das Umweltinstitut in einer Plakataktion die Südtiroler Tourismus-Werbung auf die Schippe und warb für „Pestizidtirol“. Damals erstattete Landesrat Schuler eine Strafanzeige, der sich über 1300 Landwirten anschlossen. Nach zweijährigen Ermittlungen erhob schließlich die Staatsanwaltschaft in Bozen Anklage wegen übler Nachrede und so kam es am 15. September zur ersten Verhandlung gegen Bär und Schiebel. [+] mehr...

Der wissenschaftliche Leiter Dr. John Fagan. Foto: Health Research Institute
Der wissenschaftliche Leiter Dr. John Fagan. Foto: Health Research Institute

Erstes Nachweisverfahren für genomeditierten Raps entwickelt

07.09.2020

UPDATE +++ Ein amerikanisches Labor hat eine Methode vorgestellt, mit der genomeditierter Raps der US-Firma Cibus nachgewiesen werden kann. Damit liefern sechs Verbände und ein Einzelhandelsunternehmen aus vier Nationen weltweit erstmals den Beweis, dass auch winzige Genveränderungen mit neuen gentechnischen Verfahren wie Crispr-Cas nachweisbar sind. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will sich dafür einsetzen, die neue Methode „möglichst zügig in die Praxis zu bringen“.

"Das ist ein wichtiger Erfolg für den Umweltschutz und für alle, die auf gentechnikfreie Lebensmittel Wert legen", sagt Schulze der Nachrichtenagentur dpa. Einige argumentierten, neue gentechnische Verfahren könnten gesetzlich nicht geregelt werden, weil sie nicht nachweisbar seien. Der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft nennt hier etwa die zuständige Kontrollbehörde von Bundesagrarministerin Klöckner (CDU): das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Die Initiative der Verbände aber zeigt Schulze: „Mit dem nötigen Forschungsinteresse können solche Nachweismethoden eben doch entwickelt werden." [+] mehr...

SOja
Soja: führende Gentechnikpflanze (Foto: CC0)

Studie: Glyphosat stresst resistente Sojapflanzen

01.09.2020

Werden gentechnisch veränderte resistente Sojapflanzen mit Glyphosat besprüht, beeinflusst das ihren Stoffwechsel, verursacht Stress und könnte dazu führen, dass unerwünschte Inhaltsstoffe gebildet werden. Das ergab eine Studie des norwegischen Instituts für Biosicherheit GenØk. Die Forscher empfahlen, diese unerwünschten Effekte in die Risikobewertung einzubeziehen.

Die GenØk-Wissenschaftler hatten zusammen mit brasilianischen Partnern zwei verschiedene Gentech-Sojabohnen von Bayer/Monsanto im Gewächshaus angebaut: eine nur mit Glyphosatresistenz, eine weitere, die zusätzlich auch ein Bt-Toxin gegen Schädlinge bildet. Die Pflanzen wurden mit einem glyphosathaltigen Herbizid in der in Brasilien üblichen Dosierung behandelt. Acht Stunden später untersuchten die Wissenschaftler die Gen-Aktivitäten und den Stoffwechsel der Pflanzen. Dabei zeigte sich, dass der Kohlenstoffstoffwechsel, der Energiestoffwechsel und die Photosynthese durch die Herbiziddusche negativ beeinflusst wurden. Zudem verursachte diese oxidativen Stress und aktivierte das Entgiftungssystem der Pflanzen. Bei den Pflanzen mit zwei gentechnischen Veränderungen fiel die Stressreaktion deutlich stärker aus. [+] mehr...

Moskito Aedes aegypti
Die Ägyptische Tigermücke (Foto: James Gathany, US Department of Health and Human Services / wikipedia, gemeinfrei)

Florida: 750 Millionen Gentech-Moskitos fliegen ab 2021

26.08.2020

In den kommenden beiden Jahren darf das Biotechunternehmen Oxitec 750 Millionen gentechnisch veränderte Tigermücken auf der amerikanischen Inselgruppe Florida Keys freilassen. Gegen den Widerstand Hunderttausender US-Bürger haben in jahrelangen Verhandlungen neun staatliche Behörden zugestimmt – zuletzt auch die Administration vor Ort. Umweltschützer warnen, die Risiken einer solchen Aktion seien unabsehbar.

Das Ziel ist, die ägyptische Tigermücke (lateinisch Aedes aegypti) auszurotten, weil sie lebensbedrohliche Krankheiten wie Denguefieber oder das Zika-Virus überträgt – auch auf den Florida Keys. Warum man dann Millionen Moskitos aussetzen will? Weil es sich um männliche Mücken handelt, die nicht stechen und denen ein neues Gen namens Tetrazyklin-Transaktivator eingepflanzt wurde. Paaren sich diese Mückenmännchen mit wildlebenden Weibchen, geht das Gen auf die Nachkommen über und sorgt dafür, dass weibliche Larven absterben. So sollen nach und nach nur noch männliche Tigermücken übrigbleiben, die sich alleine naturgemäß nicht mehr vermehren können. Laut Oxitec ließ sich auf ähnliche Weise eine Mückenpopulation in Brasilien angeblich um 95 Prozent reduzieren. [+] mehr...