Schwein
Foto: pixelio.de / Karin Wobig

Bundesregierung lässt Eber mit Brüsten entwickeln

21.01.2021

Wissenschaftler des bundeseigenen Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) haben Schweine gentechnisch so verändert, dass sie trotz eines männlichen Chromosomensatzes weibliche Geschlechtsmerkmale ausbilden. Das FLI präsentierte die Forschung als mögliche Alternative zu einer Kastration männlicher Mast-Ferkel. Doch dafür gibt es längst andere Möglichkeiten.

Die FLI-Forscher hatten mit Hilfe des gentechnischen Verfahrens Crispr/Cas einen bestimmten Genbereich auf dem Y-Chromosom - dem männlichen Geschlechtschromosom - aus dem Erbgut entfernt. Die manipulierten Tiere hätten zwar weiterhin einen männlichen Chromosomensatz mit einem X- und einem Y-Chromosom, besäßen aber weibliche Geschlechtsmerkmale, schrieb das FLI. „Hierbei zeigte sich, dass die Geschlechtsorgane bei genetisch veränderten neun Monate alten Schweinen im Vergleich zu gleichaltrigen weiblichen Kontrolltieren signifikant kleiner blieben und die Tiere unfruchtbar waren“, heißt es in der FLI-Mitteilung. Um funktionierende weibliche Geschlechtsorgane auszubilden, brauche es vermutlich weitere Gene, die den manipulierten Tieren, weil männlich, fehlten, schlossen die Forscher daraus. [+] mehr...

Soja Schrot Export Import Brasilien
Brasilianisches Soja für Tierfutter; Foto: Roosewelt Pinheiro/Abr [http://bit.ly/1UNaYle, http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/br/deed.en], via Wikimedia Commons

Indien erlaubt Import wichtiger Agrarrohstoffe nur gentechnikfrei

18.01.2021

Die indische Lebensmittelbehörde FSSAI hat vorgeschrieben, dass Importeure für 24 wichtige Agrarrohstoffe nachweisen müssen, dass sie gentechnikfrei sind. Die Regelung sollte zum Jahreswechsel in Kraft treten; das wurde jedoch kurzfristig um zwei Monate verschoben. Hinter den Kulissen drängen vor allem die USA darauf, das Verbot zu kippen.

Die ursprüngliche Anordnung hatte die FSSAI am 21. August 2020 veröffentlicht. Darin hieß es, jede Lieferung solle von einem Gentechnikfrei-Zertifikat begleitet sein, das „die zuständige nationale Behörde des Exportlandes“ auszustellen habe. Der Anhang listete 24 Rohstoffe auf, darunter Weizen, Kartoffeln, Mais, Sojabohnen, Raps, Zuckerrüben, Luzerne, Reis und Leinsaat. In einem Interview im indischen Financial Express erklärte der Geschäftsführer der FSSAI, Pawan Kumar Agarwal, dass es derzeit in Indien ein „regulatorisches Vakuum“ gebe, da die Zulassung und Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel nicht geregelt sei. [+] mehr...

Mais  Foto: CCO
Mais Foto: CCO

Mexiko verbietet Gentech-Mais und Glyphosat bis 2024

12.01.2021

Der mexikanische Präsident López Obrador hat einen Erlass verkündet, nach dem die Anwendung glyphosathaltiger Pestizide in den nächsten drei Jahren auslaufen soll. Zudem sollen alle Genehmigungen, gentechnisch veränderten Mais anzubauen oder als Lebensmittel zu verwenden, widerrufen werden. Das Dekret soll bis 31. Januar 2024 vollständig vollzogen sein.

Den Glyphosat-Ausstieg hatte das mexikanische Umweltministerium bereits im Sommer 2020 angekündigt. Mit dem nun veröffentlichten Erlass wird der Ausstieg offizielle Regierungspolitik. Er verbietet der öffentlichen Hand in Mexiko, glyphosathaltige Pestizide zu kaufen oder einzusetzen und verpflichtet Behörden dazu, sich in ihrem Bereich für Alternativen einzusetzen. Eigens erwähnt werden dabei neben dem Umwelt- auch das Landwirtschaftsministerium und der Nationale Rat für Wissenschaft und Technologie. Er soll den zuständigen Behörden jedes Jahr empfehlen, wieviel Glyphosat noch importiert werden darf. Parallel dazu sollen bis spätestens Mitte 2023 die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, Glyphosat bis 31. Januar 2024 komplett zu verbieten. [+] mehr...

Aquabounty Lachs Fisch AquAdvantage
Gentechnisch veränderter Lachs (Foto: ©Aquabounty)

Gentechnik-Lachs mutiert zum Landtier

21.12.2020

Zu Weihnachten 2020 hat er es nicht mehr auf die Teller der US-Bürger geschafft, der gentechnisch veränderte AquAdvantage-Lachs von AquaBounty. Doch im kommenden Jahr will das Unternehmen durchstarten und die erste Lachs-Ernte seiner US-Farm vermarkten. Dass es im November zusammen mit der US-Zulassungsbehörde FDA vor Gericht unterlag, stört dabei nicht. Denn der Gentech-Lachs wächst auf dem Land heran.

Anfang November entschied ein Bundesgericht in Kalifornien, dass die Food and Drug Administration (FDA), als sie 2015 den AquAdvantage-Lachs zuließ, gegen wesentliche US-Umweltgesetze verstoßen habe. Das Gericht verurteilte die Behörde dazu, gründlich abzuschätzen, welche Folgen es hat, wenn der schnell wachsende, übergroße Gentech-Lachs entkommt und sich mit wildlebenden Tieren paart. Die Argumentation der FDA, sie sei für Umweltgutachten nicht zuständig, wischte der aus den Glyphosat-Prozessen bekannte US-Bundesrichter Vince Chhabria vom Tisch. [+] mehr...

Wie wird das europäische Parlament neue Gentechnik-Verfahren bewerten? (Foto: CCO, Pixabay)
Wie wird das europäische Parlament neue Gentechnik-Verfahren bewerten? (Foto: CCO, Pixabay)

EU-Parlament lehnt Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen mit Rekordmehrheit ab

17.12.2020

Die Europa-Abgeordneten haben die Kommission mit großer Mehrheit aufgefordert, fünf gentechnisch veränderten Pflanzen die beantragte Zulassung als Futter- und Lebensmittel zu verweigern. Die EU-Kommission wird die fünf Beschlüsse voraussichtlich ignorieren und die Zulassung erteilen. So wie in 43 Fällen davor. Doch wenn es im nächsten Jahr um die Frage geht, ob das EU-Gentechnikrecht zugunsten neuer Verfahren wie CRISPR/Cas geändert werden soll, dann zählt das Votum der Abgeordneten und kann nicht übergangen werden.

Deshalb werde genauer als sonst beobachtet, wie die Abstimmung ausgehe, schrieb das Magazin Politico im Vorfeld. Der Ausgang war deutlich: Von den 696 Abgeordneten lehnten je nach Gentechpflanze 472 bis 490 eine Zulassung ab. Weitere 22 bis 30 enthielten sich. Den gentechnikfreundlichen Kurs der EU-Kommission stützten 184 bis 194 Abgeordnete, das entspricht rund 27 Prozent. Im Mai 2020 lehnten 477 Abgeordnete die Zulassung der Gentech-Soja MON 87708 × MON 89788 × A5547-127 ab. Das sei bisher die höchste Zahl gewesen, schrieben damals einige Parlamentarier in einem Brief an Kommission-Vizepräsident Frans Timmermans. Sie wurde diesmal noch übertroffen, was sich vorsichtig als zunehmender Widerstand gegen die Agro-Gentechnik interpretieren lässt. [+] mehr...