Pestizid Pestizide Acker Spritzmittel Traktor Gift
Glyphosat: vom Acker auf den Teller (Foto: Dieter Schütz / pixelio)

EU-Ausschuss: Pestizide transparenter und umfassender prüfen

07.12.2018

Ist ein Pestizid sicher? Wer weiß das besser als der Hersteller, dachten sich offenbar die Prüfbehörden verschiedener EU-Staaten und kopierten die Einschätzungen der Chemieindustrie aus deren Zulassungsantrag in ihren Behördenbescheid. Das ergaben Recherchen des Bayerischen Rundfunks. Wie Spritzmittel in der Europäischen Union künftig zuverlässiger überprüft werden sollen, dazu hat der Sonderausschuss zur Pestizidzulassung im Europäischen Parlament gestern einen Forderungskatalog verabschiedet.

Demnach muss das Zulassungsverfahren für Pestizide wie Glyphosat in der EU grundlegend reformiert werden. EU-Regierungen und Europäische Kommission sollen dafür sorgen, dass Spritzmittel und ihre Wirkstoffe strenger auf Schäden für Umwelt und Gesundheit geprüft werden. Die Risiken von Glyphosat, das erst Ende 2017 von der EU-Kommission für weitere fünf Jahre zugelassen wurde, sollen neu untersucht werden, fordert der Sonderausschuss. Dafür solle der wissenschaftliche Beirat der EU-Kommission (Scientific Advice Mechanism) sämtliche verfügbare Studien zu den Risiken von Glyphosat noch einmal systematisch auswerten. [+] mehr...


                                Kühe Futter Futtermittel Stall
Gentechnik-Futter? Nicht bei diesen Bio-Kühen, bei denen in industriellen Ställen aber schon (©BLE, Bonn / Foto: Thomas Stephan)

Tonnenweise Tierfutter mit antibiotikaresistenten Gentech-Bakterien verfüttert

04.12.2018

Hunderttausende Tonnen Viehfutter in der Europäischen Union wurden mit gentechnisch veränderten Bakterien kontaminiert, die resistent sind gegen Antibiotika. Sie stammen aus einem in China hergestellten und inzwischen verbotenen Vitaminzusatz für Futtermittel. Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte, dass Behörden und EU-Kommission schon seit Jahren Bescheid wussten und zögerlich handelten.

Futtermischungen für Schweine, Hühner und Rinder enthalten auch Mineralstoffe und Vitamine, darunter Vitamin B2 (Riboflavin). Dieses Vitamin wird meist mit Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen hergestellt, etwa dem Bacillus subtilis. Üblicherweise sind die aufgereinigten Vitamine frei von Rückständen des Bakteriums. Doch Anfang Oktober 2018 meldeten die belgischen Behörden im EU-Warnsystem RASFF, dass sie ein „nicht zugelassenes gentechnisch verändertes Bakterium (Bacillus subtilis) in Vitamin B2 (Futtermittel) aus den Niederlanden“ gefunden hätten. [+] mehr...


                                Moskito Mücke Anopheles
Auch bei Anopheles-Mücken wurden Gene Drives gentechnisch eingebaut (Foto: James Gathany - CDC http://phil.cdc.gov/PHIL_Images/09262002/00008/A.gambiae.1354.p_lores.jpg)

Gene Drives: Vage Regeln statt weltweites Moratorium

30.11.2018

Die Vertragsstaaten der UN-Biodiversitätskonvention konnten sich nicht auf ein Moratorium für den Einsatz von Gene Drives verständigen. Statt dessen beschlossen sie inhaltliche Vorgaben, die sich unterschiedlich interpretieren lassen.

Die 196 Mitgliedsstaaten des UN-Übereinkommens über Biologische Vielfalt (CBD) haben auf ihrem Treffen in Sharm El-Sheikh in Ägypten (COP 14) eine Regulierung von Gene Drive Technologien beschlossen. Der Text verweist auf die Risiken dieser Technologie und fordert die Vertragsstaaten auf, bei eventuellen Freisetzungen von Organismen mit Gene Drive das Vorsorgeprinzip anzuwenden. Notwendig dafür seien eine wissenschaftlich seriöse Risikoabschätzung des jeweiligen Falles und angemessene Sicherheitsmaßnahmen, um das Risiko möglichst klein zu halten. Außerdem solle die betroffene Bevölkerung vorab informiert werden und ihr Einverständnis geben. Gene Drive Organismen sind so programmiert, dass sie ihre gentechnische Veränderung dominant an alle Nachfahren vererben und so eine gentechnische Kettenreaktion in der Umwelt in Gang setzen. [+] mehr...


                                Edeka Ohne Gentechnik
Hähnchenfleisch mit 'Ohne Gentechnik'-Siegel (Foto: Edeka)

Lebensmittelwirtschaft fordert: EU-Kommission soll gentechnikfreie Produktion absichern

28.11.2018

Unternehmen der Lebens- und Futtermittelwirtschaft haben in einem offenen Brief an EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu neuen gentechnischen Verfahren begrüßt. Sie forderten die Kommission auf, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die gentechnikfreie Produktion in Europa abzusichern.

In ihrem Schreiben betonen die Unternehmen die positiven Auswirkungen des EuGH-Urteils. Es befreie sie von der Sorge, „dass mit Verfahren der Neuen Gentechnik hergestellte Futter- und Lebensmittel für Hersteller, Vermarkter und Konsumenten nicht wahrnehmbar in den Markt gelangen“. Dadurch seien sie in der Lage, „den von den Konsumenten klar artikulierten Wunsch nach glaubwürdig ohne Gentechnik hergestellten Lebensmitteln auch künftig zu erfüllen". Die Futter- und Lebensmittelproduktion ohne Gentechnik sei zu einem wichtigen europäischen Marktfaktor geworden, der laufend an Nachfrage gewinne. Das Urteil sichere die von der Branche getätigten Investitionen und erlaube weiteres Wachstum. Derzeit gebe es in sieben EU-Ländern „ohne Gentechnik“-Kennzeichnungssysteme, weitere Länder planten solche Kennzeichnungen. [+] mehr...


                                EU Flaggen Fahnen Parlament
European Union 2013 - European Parliament (Attribution-NonCommercial-NoDerivs Creative Commons license)

EU-Berater empfehlen: Gentechnikrecht ändern

27.11.2018

Die obersten wissenschaftlichen Berater der EU-Kommission haben ihr empfohlen, das Gentechnikrecht zu überarbeiten. EU-Forschungskommissar Carlos Moedas zeigte sich angetan.

Im Rahmen ihres Scientific Advice Mechanism (SAM) hat die EU-Kommission eine Gruppe von sieben Wissenschaftlern zu ihren Chef-Beratern ernannt. Diese haben ein Papier vorgelegt, in dem sie empfehlen, die bestehende Gentechnik-Richtlinie zu überarbeiten. Dabei sollten im Hinblick auf die Verfahren des Genome Editing der Stand des Wissens und wissenschaftliche Belege berücksichtigt werden. Denn aus Sicht dieser Wissenschaftler ist Genome Editing sicherer als klassische Mutationsverfahren, die bisher in der Pflanzenzüchtung verwendet wurden. Sie verweisen darauf, dass sich diese gentechnischen Eingriffe nur schwer bis gar nicht nachweisen ließen. Zudem würde die Anwendung des Gentechnikrechts zu aufwendigen Zulassungsprozeduren führen, die Investoren abschrecken, die Forschung behindern und die Vermarktung gen-editierter Lebensmittel begrenzen. [+] mehr...