Als argentinische, deutsche und schweizer Forschende 102 Bakterienstämme aus drei völlig unterschiedlichen Lebensräumen verglichen, bekamen sie ein überraschendes Ergebnis: Bakterien der Arten Acinetobacter, Pseudomonas und Enterobacter, das sind die häufigsten multiresistenten Krankenhauskeime, waren nicht nur gegen gängige Antibiotika gewappnet. Sie widerstanden auch hohen Konzentrationen an Glyphosat. Von den untersuchten Bakterienstämmen stammten 68 aus einem von Sojafeldern umgebenen Schutzgebiet, 19 aus Krankenhäusern und 15 aus der Landwirtschaft. Doch nicht nur Bakterienstämme aus dem Schutzgebiet waren resistent gegen Glyphosat, sondern auch die Krankenhauskeime. Als die Forschenden genetische Stammbäume aufstellten, zeigte sich, dass die Stämme aus dem Schutzgebiet mit den stärksten Glyphosatresistenzen, eng mit den glyphosat- und antibiotikaresistenten Krankenhauskeimen verwandt waren. „Dies deutet darauf hin, dass die intensive Verwendung von Glyphosat die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen beschleunigen könnte“, heißt es in der Zusammenfassung der Studie. Der Grund: Da die Resistenzmechanismen ähnlich sind, überleben in den glyphosatbesprühten Böden vor allem Stämme, die auch Antibiotikaresistenzen aufweisen und verbreiten sich von dort weiter. Die Behörden sollten solche Auswirkungen vor der Zulassung eines Wirkstoffes unbedingt testen, empfahlen die Forschenden.
Wissenschaftler:innen der Universität des US-Bundesstaates Michigan analysierten die Daten von 752 schwangeren Frauen in Puerto Rico. Sie bestimmten die Gehalte von Hormonen, die dafür sorgen, dass sich die Plazenta und der Embryo gut entwickeln. Dabei stellten sie fest, dass diese Hormone weniger wurden, je mehr Glyphosat und dessen Abbauprodukt AMPA sich im Urin der Frauen fanden. „Diese Studie liefert den ersten menschlichen Beweis dafür, dass Glyphosat und AMPA mehrere mütterliche Hormonwege während der Schwangerschaft stören“, schrieben die Forschenden in ihrer Studie. Dies lege nahe, dass Schwangere besonders anfällig für Glyphosat-Exposition sein könnten, was erhöhte Schutzmaßnahmen notwendig mache sowie Strategien, um die Belastung zu verringern. Zumal andere Studie bereits Verbindungen zwischen der Glyphosatbelastung und Frühgeburten oder geringerem Geburtsgewicht aufgezeigt hätten. Zuletzt hatten US-Wissenschaftlerinnen Daten von 1450 Geburten aus New York ausgewertet. Sieben Prozent der Kinder kamen zu früh – vor der 37. Schwangerschaftswoche – auf die Welt. Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang mit den Glyphosatkonzentrationen, die der Urin der Frauen zwischen der 18. und 25. Schwangerschaftswoche aufwies.
Auf Verhaltensänderungen im Tierversuch stießen Forschende des italienischen Ramazzini-Instituts. Sie hatten Ratten über drei Generationen hinweg Glyphosat oder glyphosathaltigen Pestiziden zu trinken gegeben. Die Mengen waren so gering, dass sie von den Behörden bisher für Tierversuche als sicher eingestuft wurden. Untersucht wurden dann die Ratten der dritten Generation. Abhängig von der aufgenommenen Dosis waren die Tiere ängstlicher als die der Kontrollgruppe und zeigten ein geändertes Verhalten, das die Forschenden dem Autismusspektrum zuordneten. Dabei wirkten glyphosathaltige Pestizide stärker als Glyphosat allein und männliche Ratten waren anfälliger als weibliche. Die Forschenden schreiben, ihre Ergebnisse würden die wachsende Bedenken untermauern, ob glyphosathaltige Pestizide hinsichtlich neurologischer und verhaltensbezogener Wirkungen, einschließlich Autismus-Spektrum-Störungen, tatsächlich sicher seien.
Italienische Forschende untersuchten mit einem Labortest mit menschlichen Darmzellen zehn Pestizide auf ihre gentoxischen Eigenschaften, darunter Glyphosat. Für diesen Wirkstoff ergab sich eine dosisabhängige gentoxische Wirkung, die sich bereits bei einer Konzentration von 0,01 Milligramm je Liter zeigte. Sie war stärker als bei allen anderen überprüften Pestiziden und dies in Konzentrationen, die offiziell als sicher gelten.
Wie sich Glyphosat auf Bienen auswirkt, haben Forschende der Technischen Universität des US-Bundesstaates Virginia untersucht. Sie fütterten zwei Bienenvölker mit Zuckerlösung, eine mit Spuren von Glyphosat, die andere ohne den Wirkstoff. Nach drei Tagen brachten die mit Glyphosat gefütterten Bienen 13 Prozent weniger Zuckerlösung in ihren Bienenstock. Ein solcher Rückgang bei der Nahrungssuche könne das Überleben des Volkes gefährden, schrieben die Wissenschaftler:innen. Als sie die Ursache für das geänderte Verhalten suchten, fanden sie im Gehirn der mit Glyphosat gefütterten Bienen veränderte Konzentrationen der Aminosäure Tyrosin und von Botenstoffen, die auf Tyrosin aufbauen. Die Veränderungen hingen davon ab, wie häufig die Bienen den Futterautomaten besucht hatten. Da die untersuchte Aminosäure Tyrosin im Darm der Bienen hergestellt wird, vermuten sie, dass Glyphosat dort seine Wirkung entfaltet. Es sei dringend notwendig, diesen Mechanismus genauer zu untersuchen, empfahlen die Forschenden. [lf]