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Pflanzenzüchtung Züchtung Labor
Hier ohne Gentechnik, da Bio-Forschung (©BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan)

„CRISPR/Cas ist ein absolutes No-Go!“

11.04.2016

Über neuartige Gentechnik-Methoden – insbesondere CRISPR – wird zurzeit heiß diskutiert. Einige sehen darin Potenzial auch für die ökologische Landwirtschaft; zuletzt hatte ausgerechnet der Chef eines Bio-Forschungsinstituts bestimmte Eingriffe ins Pflanzenerbgut gerechtfertigt. Vertreter der Öko-Bauern lehnen das aber ab.

So erklärte der Anbauverband Bioland am Freitag, man lehne alle „Verfahren der Genmanipulation“ ab – egal ob CRISPR oder ältere Gentechnik, die Fremd-DNA mit Metallpartikeln in die Pflanzenzellen schießt oder sie mit Bakterien einschleust. Es könne immer „unvorhersehbare Risiken durch ungewollte Effekte im Erbgut“ geben.

„Für Bioland ist CRISPR/Cas ein absolutes No-Go!“, sagte Verbandspräsident Jan Plagge. „Das Leben lässt sich nicht programmieren wie ein Computerprogramm, das wissen auch die Wissenschaftler. Die Natur und auch die Kulturpflanzen stehen in zahllosen Wechselwirkungen, darin ist die Steuerung durch die Gene ein wichtiges Element.“ Er plädierte dafür, Pflanzen und Lebensmittel zu kennzeichnen, wenn CRISPR oder andere „Genome Editing“-Techniken zum Einsatz kamen. Plagge verwies zudem auf die Erfolge der ökologischen Züchtung, in die bislang aber zu wenig investiert werde.

Auch für Demeter kommen CRISPR und andere Gentechniken nicht in Frage: „Der Ökolandbau verfolgt eine ganzheitliche Strategie für die Ernährung der Menschen, die im Einklang mit ökologischen Prinzipien steht“, teilte der Verband am Freitag mit. „Gentechnische Verfahren sind deshalb im ökologischen Landbau nicht erlaubt. Aber auch für den konventionellen Anbau gilt: Das Vorsorgeprinzip muss Vorrang vor der Freisetzung gentechnisch manipulierter Pflanzen haben, um Umwelt und Gesundheit zu schützen.“

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft warnte vor der vorschnellen Hoffnung, mit CRISPR und „Genome Editing“ landwirtschaftliche Probleme lösen zu können. „Wir dürfen uns nicht zu einem naiven Fortschrittsglauben verleiten lassen“, sagte BÖLW-Chef Peter Röhrig im Deutschlandradio Kultur. Seine Bilanz der Gentechnik: „Große Versprechungen, und was herausgekommen ist, sind Funktionen, die eigentlich auf ein Mehr an Herbizideinsatz am Ende hinausgelaufen sind, die diesen Sackgassenansatz der Pestizidanwendung und immer stärkeren Monokultur nur verstärkt hat und nicht zu einer wirklich nachhaltigen Lösung der Ernährungsfrage beigetragen hat.“

Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft und der Verein saat:gut, die die ökologische Pflanzenzüchtung unterstützen, lehnen CRISPR ebenfalls ab. „Technische Eingriff in die DNA“, wie sie bei diesem Gentechnik-Verfahren stattfänden, passten nicht zu den Grundsätzen, auf die sich die internationale Bio-Branche geeinigt hat. „Nach allem was wir darüber bisher wissen, sollten gentechnisch veränderte Organismen in geschlossenen Systemen verbleiben und sich nicht unkontrolliert in der Umwelt ausbreiten“, heißt es in einem Positionspapier der Zukunftsstiftung.

saat:gut schrieb einen offenen Brief an das Forschungsinstitut für biologischen Landbau, dessen Leiter Urs Niggli in einem Zeitungsinterview Zustimmung zu CRISPR geäußert und erklärt hatte, die Züchtung auf herkömmlichem Weg dauere oft zu lang. Die Züchter von saat:gut warnten hingegen davor, auf schnelle, technische Lösungen zu vertrauen: „Kurzfristige Züchtungserfolge, wie beispielsweise monogene Resistenzen beim Apfel werden nach wenigen Jahren durchbrochen und müssen immer wieder neu 'hergestellt' werden.“ Da sei die biologische Züchtung besser geeignet: „Mit multigenen Resistenzen und Feldtoleranzen, wie sie in der ökologischen Pflanzenzüchtung erreicht werden, kann eine Sorte viele Jahrzehnte ökologisch angebaut und vermarktet werden. Das ist die Nachhaltigkeit, die wir im Ökolandbau brauchen!“

Mit Spannung wird zurzeit erwartet, wie die EU-Kommission neue Verfahren wie CRISPR einstuft: sollten diese nicht unter das Gentechnik-Recht fallen, müssten damit hergestellte Pflanzen nicht auf etwaige Risiken überprüft, aus ihnen gewonnene Lebensmittel nicht gekennzeichnet werden. Brüssel hat die Bekanntgabe seiner Position jedoch wiederholt verschoben. [dh]