Kosten der Gentechnik

Dossier

Die Kosten der Agro-Gentechnik

(Foto: pixabay, CC0)

Die Gentechnik-Industrie preist stets den gesellschaftlichen Nutzen von Gentechnik-Pflanzen: Sie böten Landwirten Vorteile und schonten die Umwelt. Jedoch gibt es viele kritische Studien und Recherchen, die auf das Gegenteil hinweisen und zeigen, welchen wirtschaftlichen Schaden die Agro-Gentechnik anrichtet. Nicht nur Landwirten entstehen hohe Kosten für teures Saatgut und Pestizide. Auch die Lebensmittelindustrie und die Steuerzahler müssen Kosten tragen, die durch Verunreinigungen mit Gentechnik entstehen. Erhebliche Summen werden jährlich dafür aufgebracht, Lebensmittel durch Vorsorge frei von Gentechnik zu halten. Hier zahlen also nicht die Verursacher, sondern diejenigen, die die Gentechnik gar nicht wollen.

Kosten durch Gentechnik-Anbau und -Verunreinigung
Kosten durch öffentliche Forschung an der Gentechnik
Arbeitsplätze durch Agro-Gentechnik?


Kosten durch Anbau und Verunreinigung

5,4 Milliarden durch Kontamination

(Foto: Volker Gehrmann)

Wie wirkt sich die Zulassung von Gentechnik-Pflanzen auf die Gesellschaft aus? Welche Arbeitsplätze werden bedroht und welche strukturellen Abhängigkeiten entstehen? Was ist mit dem Image einer Region, in dem Gentechnik-Pflanzen wachsen? Welche anderen Kulturpflanzen werden verdrängt? Welche Kosten entstehen für gentechnikfrei wirtschaftende Betriebe durch Warentrennung und Kontrollsysteme? Welche Kosten entstehen der öffentlichen Hand und welche durch Kontamination oder Vorsorge und Schutzmaßnahmen? Verschiedene Verbände haben 2009 Vorschläge zur Erfassung all dieser Aspekte erarbeitet. "Wer all die sozioökonomischen Aspekte berücksichtigt, muss eine ganz neue Kosten-Nutzen-Bilanz beim Thema Gentechnik aufstellen", so Dr. Steffi Ober vom NABU.

Seit 1999/2000 sollen allein vier Fälle von Gentechnik-Verunreinigungen bei Mais, Reis und Leinsamen mindestens 5,4 Milliarden Dollar Schaden verursacht haben. Davon gehen Experten des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau aus. Die tatsächlichen Kosten seien vermutlich noch „wesentlich“ höher, meist fehlen aber konkrete Daten.

Die Bundesregierung gab im Herbst 2014 an, auf die meisten Fragen bezüglich der volkswirtschaftlichen Kosten keine Antwort zu haben. "Die Bundesregierung hält es ausdrücklich nicht für erforderlich, diese Informationen zu recherchieren. Das gilt zum Beispiel für die Fragen, wie teuer die Rückrufaktionen für Lebens- und Futtermittel waren oder welche Kosten bei Lagerung, Transport oder Laboranalysen für die Landwirtschaftsbetriebe anfallen", kritisierte die Linken-Politikerin Kirsten Tackmann.

Verbändepapier zu sozioökonomischen Kriterien (2009)

Antwort der Bundesregierung auf Anfrage: "Volkswirtschaftliche Kosten der Agro-Gentechnik" (2014)

BÖLW: Schadensbericht Gentechnik (Januar 2015)

Studien zur Auskreuzung von Gentechnik-Pflanzen

"Geht man von der Annahme aus, dass ein Anteil von 50 % des in der Bundesrepublik angebauten Körnermaises gentechnisch verändert wäre, entstünden Mehrkosten von 212 Mio. Euro, ohne dass Ertragssteigerungen zu erwarten [sind]."

Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, 2014

Bericht: Wirtschaftlichkeit des Gentech-Anbaus in der Schweiz

Der Bericht der Schweizer Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART zeigt die Mehrkosten auf, die durch den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen entstehen. Demnach "liegen die Zusatzkosten für die Koexistenz je nach Kultur und Anbaubedingungen zwischen 73 und 1023 Franken pro Hektare. Das entspricht einem Anteil von 1 bis 20 Prozent an den gesamten Produktionskosten."

Fazit: "Die Ergebnisse lassen darauf schliessen, dass die Wirtschaftlichkeit ein relativ kleiner Anreiz für den Anbau von GVP [gentechnisch veränderte Pflanzen, Red.] wäre."
Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon, Mai 2011

Pressemitteilung (16.05.11)


Wirtschaftliche Auswirkungen der Gentechnik

Erzeuger gentechnikfreier Waren bleiben auf den Kosten für die Reinhaltung sitzen. (Foto: Volker Gehrmann)

Der Bericht von Friends of the Earth Europe (FoE) zeigt die versteckten Kosten des Anbaus gentechnisch veränderter Organismen. So müssen Hersteller für die Reinhaltung von konventionellen und Bio-Produkten enorme Ausgaben auf sich nehmen. Die Folgen seien steigende Lebensmittelpreise. Laut EU-Angaben können die Kosten für die Herstellung gentechnikfreier Futter- und Lebensmittel um 13% ansteigen. Die wahren Ausgaben für Warentrennung, Überwachung und Probenahmen sind laut FoE jedoch weitaus höher und übersteigen die vorausgesagten Gewinne der Gentechnik bei weitem. Anlässlich der Diskussion um die Möglichkeit nationaler Anbauverbote in der EU fordert FoE, auch die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen des GVO-Anbaus bei der Zulassung von Gentechnik-Pflanzen zu berücksichtigen. Biotech-Firmen müssten für Schäden aufkommen, die durch Verunreinigungen mit gentechnisch veränderten Pflanzen entstehen.

FoE: Full economic effects of GM-crops revealed, 14.03.11
FoE: The socio-economic effects of GMOs, Dezember 2010
epigen: Die Kosten der Koexistenz

„Für die deutschen Bauern ist Gentechnik keine Option. Eventuelle Schadensersatzforderungen würden an den Landwirten hängenbleiben. Das finanzielle Risiko ist für unsere Bauern unkalkulierbar.“

Gerd Sonnleitner, Präsident Deutscher Bauernverband 1997-2012, in der Passauer Neuen Presse 2012

Schadensbericht Gentechnik: Kosten hoch, Nutzen zweifelhaft

(Foto: pixabay, CC0)

Der "Schadensberichts Gentechnik" des Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) stellt Nutzen, Kosten und Schäden der Agro-Gentechnik auf nationaler und internationaler Ebene zusammen: Für Landwirte ist der Nutzen von Gentechnik-Pflanzen zweifelhaft, da eventuell höhere Erträge höheren Saatgutpreisen gegenüberstehen. Vor allem für die Lebensmittelwirtschaft fällt die Bilanz negativ aus. Denn Systeme zur Trennung und Kennzeichnung kosten Geld. Auch die Zulassungsverfahren für Gentech-Pflanzen sind teuer. Hinzu kommen die erheblichen wirtschaftlichen Schäden durch bereits eingetretene Kontaminationsfälle mit nicht verkehrsfähigen gentechnisch veränderten Saaten. Diese Schäden belaufen sich, soweit bekannt, seit 1999/2000 auf 5,4 Milliarden Dollar.

BÖLW: Schadensbericht Gentechnik 2015
BÖLW: Schadensbericht Gentechnik 2009

Starker Preisanstieg für Gentechnik-Saatgut

Die Studie des Agarökonomen Charles Benbrook von der Universität Washington State zeigt, dass Preise für Gentechnik-Saatgut in den USA im Vergleich zum konventionellen Saatgut stark angestiegen sind. Landwirte, die Gentechnik-Pflanzen anbauen haben dadurch ein geringeres Durchschnitts-Einkommen. So müssen im Jahr 2010 für Roundup Ready2 Sojabohnen 42% mehr ausgegeben werden als im Jahr zuvor. Farmer, die den Gentechnik-Mais "SmartStax" anbauen, müssen für das Saatgut mehr als doppelt so viel ausgeben wie konventionelle Anbauer.
Seit dem Jahr 2000, als Gentechnik-Soja-Saat den US-Markt eroberte, ist der Preis dafür um 230% angestiegen. Der Anbau von Gentechnik-Saatgut würde sich also lohnen, wenn dadurch Pestizide eingespart würden. Seit dem Beginn des Gentechnik-Anbaus in den USA vor 13 Jahren ist jedoch auch der Verbrauch von Pestiziden massiv angestiegen.

Charles Benbrook: The Magnitude and Impacts of the Biotech and Organic Seed Price (Dez. 09)
Soil Association: New evidence shows huge price rises for GM seed (3.12.09)

Wann rechnet sich Bt-Mais?

Zweijährige Untersuchungen ergaben, dass sich der Anbau von Bt-Mais nicht rechnet. Bei Körnermais ist davon auszugehen, dass ein Mehraufwand für Bt-Mais von ca. 60 Euro/ ha erst dann ökonomisch lohnend ist, wenn ca. 3 dt/ ha zu ca. 20 Euro/ dt mehr geerntet werden. Bei Silomais wird diese ökonomische Schwelle wirksam, wenn ein Mehrertrag von ca. 5% eintritt.
Schriftenreihe der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Heft 15/2008
Untersuchungen zum Anbau von GVO in Sachsen


Kosten durch öffentliche Forschung

Öffentliche Mittel für Gentechnik-Forschung

(Foto: Simone Knorr)

Zwischen 2008 und 2012 steckte das Bundesforschungsministerium unter dem Titel "Biologische Sicherheitsforschung" über 16 Millionen Euro in Projekte mit Gentechnik-Pflanzen. Das zeigt die  Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage der Partei Die Linke.

Die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen zeigte: 2009 gingen rund 5 Millionen Euro an die Privatindustrie für die Entwicklung von gentechnisch veränderten Pflanzen. Unter den Empfängerfirmen war beispielsweise BASF, die mit über einer Million Euro pilzresistenten Weizen entwickelt. Auch aus dem Budget der "Biologischen Sicherheitsforschung" gingen 3,3 Millionen Euro an Projekte, bei denen Gentechnik-Pflanzen entwickelt werden. Das "Kommunikationsmanagement in der biologischen Sicherheitsforschung" war der damaligen Regierung rund 2 Millionen Euro wert.

Antwort der Bundesregierung auf Anfrage: "Volkswirtschaftliche Kosten der Agro-Gentechnik" (2014)

Antwort der Bundesregierung: Risikoforschung und -prüfung bei gentechnisch veränderten Pflanzen (12.05.09)

Eine weitere Kleine Anfrage zeigte, wie viel Geld zwischen 2005 und 2007 in die "Entwicklung von gentechnisch veränderten Pflanzen mit öffentlichen Forschungsgeldern" floss.

Forschungsgelder: Gentechnik vs. Öko-Landwirtschaft

(Foto: pixabay, CC0)

Obwohl die Bedeutung von Öko-Lebensmitteln stetig zunimmt, wurden in Deutschland bis 2006 nur rund 38,6 Millionen Euro "zur Förderung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sowie von Maßnahmen zum Technologie- und Wissenstransfer zum ökologischen Landbau" an öffentlichen Mitteln bereitgestellt. Demgegenüber gingen circa 70 Millionen an "Projekte zu gentechnisch veränderten Pflanzen und zu Tieren und dabei ausschließlich Fragestellungen der funktionellen Genomanalyse".

Bundesregierung, April 2007


Arbeitsplätze durch Agro-Gentechnik?

Die deutsche Biotechnologie-Branche

Die jährliche Firmenumfrage von biotechnologie.de zeigt, dass die Branche der Agro-Gentechnik ("Grüne" Biotechnologie) schrumpft. 2009 waren in Deutschland 24 Unternehmen mit Pflanzen-Gentechnik beschäftigt, 2013 war es noch 21. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sanken im Vergleich zu 2012 um 36,5% auf 16 Millionen €. 2009 waren gerade einmal 2.400 Arbeitsplätze der Agro-Gentechnik zuzuordnen, in den Folgejahren nahm diese Zahl ab, zum Jahr 2013 um 200. Die Gesamtzahl der Beschäftigten in der Agro-Gentechnik wird in den jüngeren Berichten nicht mehr angegeben.

Bericht: Die deutsche Biotechnologie-Branche 2014

Arbeitsmarktpolitische Effekte der Agro-Gentechnik

(Foto: pixabay, CC0)

Auf die Kleine Anfrage "Arbeitsmarktpolitische Effekte der Agro-Gentechnik für den Mittelstand prüfen" der Fraktion DIE LINKE antwortete das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz u.a., dass es nicht möglich sei, genau anzugeben, wie viele Arbeitsplätze direkt an der "Grünen Gentechnik" hingen, da dies nicht registriert werde. Mit Verweis auf die Firmenumfrage von biotechnologie.de wurden 620 Beschäftigte genannt.

● BMELV, Juni 2007
Antwort 16/5348

● Die Linke, Juni 2007
28 Millionen Euro für nichts – Agro-Gentechnik kein Jobmotor!

Grüne Gentechnik als Arbeitsplatzmotor? Genaueres Hinsehen lohnt sich

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in der privatwirtschaftlich finanzierten „Grünen Gentechnik“ in Deutschland deutlich unter 500 Arbeitsplätze zu verzeichnen sind. Das Potential für einen nennenswerten Ausbau ist aufgrund der Konzentrationsprozesse in der Agrarindustrie sowie dem Arbeitsplatzangebot in Saatgutforschung- und Produktion nicht gegeben.

● BUND, Juni 2006.
Grüne Gentechnik als Arbeitsplatzmotor? Genaueres Hinsehen lohnt sich

Öffentliche Mittelvergabe, private Unternehmen und Arbeitsplätze in Sachsen-Anhalt

In welche Projekte der Agro-Gentechnik fließen Mittel der Landesregierung Sachsen-Anhalts? Welche Firmen der Agro-Gentechnik haben sich in Sachsen-Anhalt angesiedelt? Und wie viele Arbeitsplätze haben sie geschaffen? Die PDS-Frakion im Landtag hat nachgefragt, die Regierung hat geantwortet.

● Landesregierung Sachsen-Anhalt, März 2006.
Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage zur Agro-Gentechnik

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