Pestizidflugzeug
Literweise Glyphosat auf das Sojafeld: Mit dem Flugzeug geht es am schnellsten (CC0: Ken Hammond/USDA ARS)

Gutes Geschäft: BASF und Corteva stapeln Spritzmittel-Resistenzen

06.09.2022

Es ist ein Teufelskreis: Immer neue Spritzmittel erzeugen bei Wildpflanzen immer neue Resistenzen. Um solche „schwer kontrollierbaren Unkräuter“ weiterhin beseitigen zu können, wollen die Agrarchemiekonzerne BASF und Corteva nun gemeinsam Nutzpflanzen wie Soja gentechnisch so verändern, dass sie vier Herbizide aus ihren Portfolios gleichzeitig überleben. Nach Unternehmensangaben sollen diese „stacked traits“ (dt. gestapelte Merkmale) mittelfristig auch an Dritte lizensiert werden.

Zunächst wollen BASF und Corteva bis 2030 „eine breitere Palette an herbizidtoleranten Sojapflanzen“ entwickeln, heißt es in einer Presseinformation von voriger Woche. Dafür planen sie die „branchenweit erste gegenseitige Lizenzierung neuer Technologien“. Das heißt, sie wollen sich gegenseitig ihre gentechnischen Entwicklungen zur Verfügung stellen, mit denen sie die Pflanzen bislang gegen ihre eigenen Herbizide geschützt haben. Mit neuen, kombinierten Angeboten hoffen sie, vom großen Kuchen des weltweiten Marktes für Sojasaatgut und -eigenschaften im Wert von 7,1 Milliarden US-Dollar sowie des Marktes für Sojaherbizide im Wert von fünf Milliarden US-Dollar mehr abzubekommen. [+] mehr...

Umfrage PRICE
Die Umfrage gibt laut Kritikern falsche Informationen zur Agro-Gentechnik (Foto: Thorben Wengert / pixelio.de)

EU-Gentechnik-Konsultation: Steht Ergebnis schon fest?

02.09.2022

Die Europäische Kommission will die Regeln für neue Gentechnik in der Landwirtschaft reformieren. Dazu befragte sie diesen Sommer rund 400 ausgewählte Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zu möglichen Folgen. Mehrere gentechnikkritische Initiativen rügten die Befragung als intransparent, voreingenommen und unwissenschaftlich und lehnten es ab teilzunehmen. Die EU-Kommission wies die Vorwürfe zurück.

Ende Juli hatte das Politikberatungsunternehmen "Technopolis Group" im Auftrag der EU-Kommission einen 53-seitigen Fragebogen an ausgewählte Stakeholder verschickt. Er enthielt mehrere Szenarien, wie das Gentechnikrecht zugunsten neuer gentechnischer Verfahren (NGT) umgestaltet werden könnte. Diese sähen vor, Risikobewertung und Rückverfolgbarkeit ebenso abzuschaffen wie Kennzeichnungs- und Nachweispflicht, kritisierte die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). „Neue Gentechnik-Pflanzen wären nicht mehr erkennbar und sie kämen ungeprüft und unreguliert auf europäische Äcker und Teller“, beschrieb AbL-Gentechnik-Expertin Annemarie Volling die Folgen. [+] mehr...

Unbeschriftete Jutesäcke mit Gentechniksaatgut stapeln sich in einer Lagerhalle. Foto: Aduana Nacional
Unbeschriftete Jutesäcke mit Gentechniksaatgut stapeln sich in einer Lagerhalle. Foto: Aduana Nacional

Bolivien greift gegen Schmuggel von Gentech-Saatgut durch

29.08.2022

Mehr als 620 Tonnen transgene Sojabohnen und Mais im Wert von fast 900.000 US-Dollar hat die bolivianische Zollbehörde nach eigenen Angaben vor zwei Wochen bei einer Razzia im Departement Santa Cruz beschlagnahmt. Die Ware wurde in einem Lagerhaus in Stapeln unbeschrifteter Jutesäcke sowie in Silos aufbewahrt. „Transgene Lebensmittel sind auf nationalem Gebiet nicht erlaubt, da sie die Gesundheit der Bevölkerung schädigen", sagte ein Zollfahnder.

Ein anonymer Hinweis setzte die nationale Zollbehörde Boliviens sowie das Nationale Institut für land- und forstwirtschaftliche Innovation (INIAF) in Aktion. Nachdem sie die gentechnisch veränderten Sojabohnen und Maiskörner aufgespürt und im Labor nachgewiesen hatten, rückten sie mit rund 200 Einsatzkräften in dem Lagerhaus im Osten Boliviens an. Innerhalb von 24 Stunden schafften die Mitarbeitenden von Zoll, INIAF, Staatsanwaltschaft und Armee die Säcke, die sich bis unters Hallendach getürmt hatten, zur Zollbehörde, informierte deren Regionaldirektor bei einer Pressekonferenz. Darüber hinaus sei in Silos weitere illegale Ware entdeckt worden. Gegen den Inhaber des Lagers seien Strafverfahren wegen Schmuggels und schweren Exportschmuggels eingeleitet worden. [+] mehr...

Gericht Justiz
Foto: Morgan4uall / pixabay, CC0 Public Domain

Italien: Rebell gegen GVO-Verbot nervt Gerichte

22.08.2022

Seit 2010 tat er es immer wieder: Giorgio Fidenato baute auf seinen Feldern in Norditalien Gentechnik-Mais an. Weil das verboten war (und ist), musste er Strafe zahlen und den Mais vernichten. Dagegen zog der heute 61jährige durch alle Gerichtsinstanzen. Jüngste Schlappe: Das zuständige Verwaltungsgericht entschied, dass das Anbauverbot für MON 810 in Italien rechtmäßig ist.

Giorgio Fidenato sieht seine Aktionen als „zivilen Ungehorsam“. Dass Italien den Anbau des Gentechnik-Maises im Wege der europäischen Opt-Out-Regelung auf seinem Territorium verbot, obwohl ihn die Gremien der Europäischen Union prinzipiell erlauben, bremse den Fortschritt und die Freiheit in der Landwirtschaft, monierte Fidenato. Um dagegen vor Gericht ziehen zu können, baute er dem Verbot zum Trotz auf seinen Feldern in der Provinz Udine mehrfach den insektengiftigen Mais der Bayer-Tochter Monsanto an und klagte dann gegen die behördlichen Vernichtungsbescheide. [+] mehr...

Reis CRISPR
Ein mittels Crispr/Cas genmanipulierter Reis der Pennsylvania State University (Foto: Penn State, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)-+-

"Super-Erträge" mit Gentech-Reis: So entstehen Gentechnik-Märchen

16.08.2022

Chinesische Wissenschaftler berichteten in einer Studie, wie sie durch Verdoppeln eines Gens bei Reis 40 Prozent höhere Erträge erzielten. Das Fachblatt Science veröffentlichte die Arbeit zusammen mit lobenden Kommentaren anderer Pflanzengenetiker*innen. Der Tenor: ein wichtiger Durchbruch, um mit Gentechnik die Welternährung zu sichern. Eine Woche später kritisierte eine angehende Pflanzenzüchterin auf Twitter die Darstellung als irreführend. Zahlreiche Züchtungsexperten stimmten zu. Die gentechnikkritische Plattform GMWatch verglich den Vorgang mit dem Märchen von des Kaisers neuen Kleidern.

Die Forschenden der Chinesischen Akademie für Agrarwissenschaften hatten in einer speziell für die Forschung gezüchteten Reissorte die Kopie eines Gens eingebaut, das mehrere Stoffwechselfunktionen regelt. Durch die Doppelung habe die Pflanze mehr Stickstoffdünger aufgenommen, die Photosynthese gesteigert und früher geblüht, heißt es in der Studie. Die Wissenschaftler*innen hatten ihren Reis von 2018 bis 2021 in Feldversuchen in verschiedenen Regionen Chinas angebaut und berichteten von Ertragssteigerungen von 41,3 bis 68,3 Prozent gegenüber unveränderten Reispflanzen. Das zusätzliche Gen bauten die Forschenden auch in eine kommerzielle Hochertragssorte ein sowie in Weizen. Die Hochertragssorte habe bis zu 40 Prozent höhere Erträge geliefert als zuvor und beim Weizen sei die Ernte um rund 20 Prozent besser ausgefallen, berichtete Science. „Das ist eine große Zahl. Erstaunlich“, zitierte das Magazin die Reis-Gentechnikerin Pam Ronald von der Universität von Kalifornien. Matthew Paul von Rothamsted Research, ein britisches Gentechnik-Institut, nannte die Ertragssteigerung durch die Manipulation eines einzigen Gens „wirklich beeindruckend“. Ähnlich enthusiastisch waren die Beiträge in britischen und US-amerikanischen Zeitungen, die GMWatch dokumentierte. In Deutschland brachte bisher nur die Plattform Heise.de einen übersetzten US-Beitrag zu der Studie. [+] mehr...

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