Argumente gegen Agro-Gentechnik ("Grüne Gentechnik")

1. Gentechnik hilft nicht gegen Hunger und Mangelernährung

Ein Drittel aller Lebensmittel geht verloren oder wird verschwendet. Die Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis und Getreide sind über die Jahre stark gestiegen. Die für den Anbau von Nahrungspflanzen zur Verfügung stehenden Flächen konkurrieren zunehmend mit Flächen, auf denen Energie- und Futterpflanzen kultiviert werden. Dazu kommt ein dramatischer Verlust an Bodenfläche und Bodenfruchtbarkeit durch eine intensive Landnutzung. Gentechnik hat bislang keines dieser Probleme lösen können – im Gegenteil: Sie ist eher die Speerspitze der industriellen Landwirtschaft.

Gentechnisch veränderte Pflanzen (gv) sind dafür gemacht, im großflächigen Maßstab angebaut zu werden; ihre Früchte gehen überwiegend ins Tierfutter. Fleisch können sich viele Menschen in Entwicklungsländern aber gar nicht leisten. Die Monokulturen laugen Böden aus und werden zudem mit giftigen Herbiziden besprüht, weil die Gentech-Pflanzen dagegen resistent gemacht wurden. Manche gv-Pflanzen produzieren eigene Insektengifte. So landet – im Gegensatz zu den Versprechen der Industrie – mehr Gift auf dem Acker als ohne Gentechnik.

Aus zahlreichen Publikationen internationaler Organisationen und Wissenschaftler wird klar: Nur eine kleinbäuerliche Landwirtschaft, die die ökologischen Grundlagen erhält statt sie zu zerstören, kann eine wachsende Weltbevölkerung  ernähren. Der Einsatz der Gentechnik wird nach Einschätzung vieler Wissenschaftler:innen dabei kaum hilfreich sein. 2010 schrieb beispielsweise die Deutsche Welthungerhilfe: „Eine nachhaltige Einkommenssteigerung zugunsten der Kleinbauern in Entwicklungsländern durch die Grüne Gentechnik konnte bis heute nicht nachgewiesen werden, ebenso wenig ein Beitrag zur Hungerbekämpfung.“

Beispiel Golden Rice

Viele Menschen in Indien und anderen Reisanbaugebieten drohen aufgrund von Vitamin-A-Mangel krank zu werden. Gentechnik-Forscher haben gemeinsam mit dem Chemieunternehmen Syngenta eine Reissorte gentechnisch so verändert, dass sie die Vorstufe von Vitamin-A (Carotin) selbst produzieren kann. Da dieser Reis eine gelbe Farbe hat, wird er als „Golden Rice“ (deutsch: goldener Reis) beworben. Doch trotz hoher Forschungskosten fehlen entscheidende Daten, etwa über die Reismenge, die verzehrt werden müsste, um den Bedarf an Vitamin A zu decken. Offen ist auch, wie die oft monatelange Lagerung auf das Carotin im Gentechnik-Reis wirkt. Ob es darüber hinaus Gesundheits- oder Umweltrisiken durch die gentechnische Veränderung gibt, ist nicht klar. Obwohl schon jahrelang am „goldenen" Reis geforscht wird, wurde die Markteinführung immer wieder verschoben. Ein Gericht auf den Philippinen hat im Mai 2024 den von der Regierung erlaubten Anbau wieder gestoppt.

Für die Versorgung mit Vitamin A besser geeignet wäre der Anbau von Gemüsesorten, die von Natur aus einen hohen Gehalt an Carotinoiden haben, wie Karotten, Süßkartoffeln, Orangen, Kürbisse oder Cassava. Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät ferner, präzise dosierbare und leicht zu lagernde Vitamin-A-Präparate zu verteilen. Die Kosten wären wohl deutlich geringer als bei der Entwicklung von Gentechnik-Pflanzen, die hunderte Millionen Dollar verschlingen kann.


2. Gentechnik führt zu mehr Gift auf dem Acker

Die meisten Gentechnik-Pflanzen, die zurzeit angebaut werden, sind derart gentechnisch verändert, dass sie gegen bestimmte Unkrautvernichtungsmittel resistent sind. Dabei werden das Saatgut und das dazu passende Gift meist von ein und derselben Firma vertrieben. Derzeitiger Marktführer ist der Agrochemiekonzern Bayer mit seiner US-Tochter Monsanto, die herbizidresistente Pflanzen verkaufen, die gegen das Spritzmittel Glyphosat („Roundup“) unempfindlich sind („Roundup Ready“). Das gleiche System, teils mit anderen Wirkstoffen, wird auch von ChemChina/Syngenta oder Corteva/Pioneer angeboten.

Durch den systematischen Einsatz auf den Gentechnik-Feldern werden die Ackerunkräuter, die die Spritzmittel eigentlich vernichten sollen, mit der Zeit gegen die Wirkstoffe resistent. Dadurch bedarf es immer größerer Mengen an Gift, um dem zunehmend widerstandsfähigeren Unkraut Herr zu werden. Oft werden auch ältere, noch giftigere Wirkstoffe eingesetzt. Die meisten Resistenzen gibt es in den USA, wo circa 90 Prozent der angebauten Soja-, Mais- und Baumwollpflanzen gentechnisch verändert sind. Die Industrie versucht das Problem zu lösen, indem sie die Pflanzen gegen mehrere, verschiedene Spritzmittel zugleich resistent macht ("Stacked Events"). Das widerständige Unkraut kann dann mit einem ganzen Cocktail von Pflanzengiften attackiert werden. Das führt aber nur zu einem "Wettrüsten" auf dem Acker und ist langfristig auch keine Lösung.

Das am häufigsten eingesetzte Herbizid Glyphosat steht außerdem seit Jahren in Verdacht, Gesundheitsprobleme auszulösen. In Argentinien, wo Gentechnik-Soja und -Mais großflächig angebaut werden, ist die Rate an Missbildungen, Fehlgeburten und Krebserkrankungen seit Einführung der Gentechnik mancherorts drastisch gestiegen. Die Felder werden oft mit dem Flugzeug besprüht, die Plantagen liegen manchmal direkt neben Wohnhäusern. In den USA klagten zigtausende krebskranker Glyphosatnutzer gegen den Bayerkonzern auf Schadenersatz. Wie Studien belegen, birgt das Gift auch für Ökosysteme und das Bodenleben ernstzunehmende Risiken.

Die andere Eigenschaft, die bei vielen Gentechnik-Pflanzen eingebaut wird, ist die Fähigkeit, permanent Insektengifte gegen Schädlinge zu produzieren. Da hierfür Gene des Bakteriums Bacillus thuringiensis eingeschleust werden, heißen diese Pflanzen Bt-Pflanzen. Hierzu zählt auch der in Europa zugelassene Gentechnik-Mais MON810. Auch hier werden – vor allem in Nord- und Südamerika -  immer mehr Fälle von Resistenzen bekannt, das Gift wirkt nicht mehr gegen die Schädlinge. Die Landwirte greifen daher zu zusätzlichen Insektiziden. Außerdem ist nicht ausgeschlossen, dass das Bt-Gift der Gentechnik-Pflanzen auch nützlichen Insekten schadet.

Zunehmend bringen die Agrochemiekonzerne Pflanzen auf den Markt, die sowohl Insektizide produzieren als auch gegen Herbizide resistent sind. Die Giftspirale auf dem Acker dreht sich also weiter. Ein Ende ist nicht abzusehen.


3. Gentechnik schränkt Rechte von Bauern und Züchtern ein

Lange galt der Grundsatz, dass Pflanzen, Tiere oder Mikroorganismen nicht „erfunden“ und daher nicht patentiert werden können. Nachdem im Jahr 2000 die höchste richterliche Instanz im europäischen Patentrecht, die Große Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes in München, entschieden hat, dass genmanipulierte Pflanzen und Tiere grundsätzlich patentierbar sind, wurden einige tausend Patente auf Gentechnik-Pflanzen und -Tiere erteilt.

Patengeschützte Pflanzen dürfen im Gegensatz zu „normalen“ sortenrechtlich geschützten Sorten ohne Zustimmung des Patentinhabers züchterisch nicht weiterentwickelt werden. Der Zugang zu genetischem Material wird für Züchter daher erheblich eingeschränkt. Das sogenannte Züchterprivileg fällt weg. Aber auch unabhängige Risikoforschung wird erschwert, da das Ausgangsmaterial nicht zur Verfügung steht. Landwirte, die Gentechnik-Pflanzen anbauen wollen, müssen jedes Jahr Patentgebühren auf das Saatgut zahlen. Es ist deutlich teurer als konventionelles Saatgut. Gentechnik-Soja kostete in den USA beispielsweise fast doppelt so viel wie herkömmliche Sojasaaten.

Im Fall des 2020 verstorbenen kanadischen Bauern Percy Schmeiser hat der Saatgutanbieter Monsanto sogar Lizenzgebühren verlangt, obwohl die Gentechnik-Pflanzen ungewollt vom Nachbarfeld auf das Feld von Schmeiser gelangten. Dadurch, dass die Bauern ihr uraltes Recht verlieren, das Saatgut selbst zu vermehren, geraten sie in Abhängigkeit von Saatgutkonzernen, die immer mächtiger werden. Die Patente sind aber nicht auf Saatgut und Pflanzen beschränkt, sondern erstrecken sich in vielen Fällen über die Ernte bis hin zum Lebensmittel.

Hintergrund: Gentechnik und Patente

Dossier: Kosten der Gentechnik

Fallbeispiel: Der Fall Percy Schmeiser

Studie der EKD: Biopatente und Ernährungssicherung aus christlicher Perspektive (2012)  

ETC: Who owns nature? (2008)

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4. Gentechnik vermindert Artenvielfalt

Gerade wegen des Klimawandels sind wir auf den Reichtum der Pflanzen- und Tierwelt  angewiesen. Wir brauchen ihn, um in Zukunft aus der genetischen Vielfalt zu schöpfen und Pflanzen an schwierige Bedingungen anzupassen. Im vergangenen Jahrhundert sind aber 75 Prozent der Kultursorten unserer Landwirtschaft verschwunden. Gentechnisch veränderte Pflanzen funktionieren nur in einem industriellen Landwirtschaftssystem: Das heißt Anbau als Monokultur und Einsatz von Dünger und Pestiziden, was die Böden auslaugt und den Lebensraum für viele Organismen stark einschränkt.

Gentechnik-Pflanzen, die so verändert wurden, dass sie gegen bestimmte Unkrautvernichtungsmittel unempfindlich sind (herbizidresistent), haben zu deutlich mehr Herbiziden auf dem Acker geführt. Meist wird bei diesen Pflanzen das Herbizid Glyphosat verwendet. Schon 2002 belegte eine britische Studie, dass die Biodiversität (die Vielfalt an verschiedenen Pflanzen und Tieren) durch den Anbau von Gentechnik-Pflanzen und den damit einhergehenden Herbizideinsatz stark zurückgeht.

Auch die sogenannten insektenresistenten Gentechnik-Pflanzen (Bt-Pflanzen) bilden ständig und in allen Teilen der Pflanze ein Gift, welches tödlich gegen ihre Fraßfeinde wirken soll. Das Gift reichert sich jedoch im Boden und Gewässern an und schädigt, wie Studien zeigen, die dort lebenden Organismen. Auch wurden Hinweise darauf gefunden, dass das Bt-Gift nicht nur gegen die Larven wirkt, die bekämpft werden sollen, sondern auch die von anderen Schmetterlingen schädigt. Auch in Europa ist eine insektenresistente Gentechnik-Pflanze zugelassen – der Gentechnik-Mais MON810 von Monsanto. Wegen möglicher Umwelt- und Gesundheitsgefahren ist er jedoch in einigen EU-Mitgliedstaaten verboten.


5. Gentechnik führt zu hohen Kosten für Gesellschaft

Bei der Diskussion um die Vor- oder Nachteile der Agro-Gentechnik wird oft vergessen, dass durch den Anbau von Gentechnik-Pflanzen erhebliche Folgekosten für die gesamte Gesellschaft entstehen. Beim Transport und beim Anbau kann es zu Verunreinigungen von Rohstoffen und gentechnikfreien Ernten kommen. Das verursacht Probleme für die Bauern, die Hersteller und Verarbeiter von Lebensmitteln und auch für Saatgutzüchter. Denn um die Produkte gentechnikfrei zu halten, müssen sie erheblichen Aufwand betreiben.

Hohe Kosten verursachen auch die notwendige Sicherheitsforschung, das Zulassungsverfahren, die Überwachung des Anbaus und die gesetzlichen Regelungen. Das bezahlt der Steuerzahler, obwohl die überwiegende Mehrheit Gentechnik in ihren Lebensmitteln und auf dem Acker ablehnt.
Besonders gefährdet ist durch die Gentechnik auch die Imkerei. Bienen kennen keine Sicherheitsabstände und sammeln auch Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen. Imker haben daher besondere Probleme, ihre Produkte gentechnikfrei zu halten.

Hintergrund: Gesetze zu Gentechnik

Dossier: Kosten der Gentechnik

Fallbeispiel: Bienen und Gentechnik

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6. Gentechnik-Risiken nicht ausreichend erforscht

Zu den Gesundheitsauswirkungen eines längerfristigen Verzehrs von Gentechnik-Pflanzen gibt es fast keine unabhängigen Untersuchungen.  Allerdings gibt es Hinweise auf Risiken: Beispielsweise ließen Fütterungsstudien mit gentechnisch verändertem Monsanto-Mais Auswirkungen auf Blutparameter erkennen. Das Gift, das die Pflanzen zur Insektenabwehr selbst produzieren, könnte anderen Untersuchungen zufolge das Immunsystem beeinflussen.

Aber auch die Giftigkeit des bei Gentechnik-Pflanzen massiv eingesetzten Herbizids Roundup (Wirkstoff Glyphosat) und der von Bt-Pflanzen selbst produzierten Insektengifte auf menschliche Zellen wird immer wieder diskutiert. 2012 wurde von Wissenschaftlern der Universität Caen in Frankreich eine Studie veröffentlicht, die auf eine Schädigung von menschlichen Zellen durch Bt-Toxine hinweist. Viele Gentechnik-Pflanzen sind immun gegen das Herbizid Glyphosat, das systematisch gespritzt wird. 2015 wurde die Chemikalie von der WHO-Krebsforschungseinrichtung IARC als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft.

Ungeachtet dieser alarmierenden Ergebnisse winkt die zuständige Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority, EFSA) die Gentechnik-Pflanzen meist durch. Sie wertet allerdings überwiegend solche Studien aus, die von den Gentechnik-Unternehmen selbst kommen. Einige Experten der Behörde haben auch enge Kontakte zur Industrie. Die Arbeit der EFSA wird deshalb häufig kritisiert. Es fehlt an unabhängiger Forschung und an Kompetenz aus der praktischen Landwirtschaft.

Gentechnik in der Landwirtschaft zählt als Risikotechnologie und daraus hervorgehende Pflanzen und Tiere unterliegen daher besonderen Zulassungsverfahren. Sind die Pflanzen jedoch erst einmal freigesetzt, können sie sich unkontrolliert verbreiten. Bei Gentechnik-Pflanzen werden auch die gentechnischen Veränderungen übertragen und lassen sich nicht mehr zurückholen. Das Saatgut kann beim Transport verloren gehen oder über Erntemaschinen verbreitet werden, der Pollen der gentechnisch veränderten Pflanzen kann von Bienen und Wind kilometerweit getragen werden.

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