Trumps Darling: Steht Gentech-Kastanie bald im Wald?

US-Präsident Trump hatte bereits ein Zeichen gesetzt: Seit April wachsen zwei gentechnisch veränderte Esskastanien namens „Darling 54“ im President’s Park am Weißen Haus. Ende August erlaubte das US-Agrarministerium, diese Kastaniensorte ohne Auflagen in freier Natur zu pflanzen. Nun muss noch die US-Umweltbehörde EPA zustimmen. Selbst engagierte Retter:innen des gefährdeten traditionellen US-Baums üben Kritik.

Die amerikanische Esskastanie ist vom Aussterben bedroht, seit ein Anfang des 20. Jahrhunderts eingeschleppter Pilz die Millionenbestände dezimiert hat. Abhilfe versprechen seit Jahren Gentechniker:innen der Universität des Staates New York (SUNY). Sie haben Weizen-Erbgut in die Kastanie eingeschleust. Damit soll sie ein Enzym produzieren, das die Wirkungskette des Pilzes unterbricht und ihn so unschädlich macht. Die Genehmigungsbehörde APHIS beim US-Landwirtschaftsministerium hat Ende August beschlossen, diese gentechnisch veränderte Kastanie mit dem Namen Darling 54 stelle kein Risiko für andere Pflanzen dar. Sie dürfe deshalb ohne Auflagen in amerikanischen Wäldern gepflanzt werden. Zum ersten Mal gibt die Behörde einen gentechnisch veränderten Wildbaum frei mit dem Ziel, dem Naturschutz zu dienen.

Das stößt auf massive Kritik - auch bei Organisationen, die sich seit Jahren für die Rettung der amerikanischen Esskastanie einsetzen. „Diese Entscheidung markiert den Beginn eines beispiellosen, gefährlichen und unumkehrbaren Experiments mit unseren wildwachsenden Wäldern“, warnte das New Yorker Projekt für globale ökologische Gerechtigkeit (Global Justice Ecology Project). Noch nie zuvor sei eine gentechnisch veränderte Pflanze in die Natur freigesetzt worden mit der Absicht, ihre natürlichen Verwandten mit gentechnischen Merkmalen zu kontaminieren. Der Kastanien-Experte Donald Davies nannte die Entscheidung „rechtlich nicht zu rechtfertigen“ und „ökologisch unverantwortlich“. Die Kastanienzüchter Lois und Denis Melican wollen lieber ohne Gentechnik züchten: Dazu nutzen sie resistente Esskastanien-Pflanzen, die den Schadpilz überlebt haben. Sie meinen: „Es wäre schade, diesen natürlichen Regenerationsprozess durch im Labor gezüchtete Kastanienbäume zu beeinträchtigen, deren langfristige Lebensfähigkeit noch nicht ausreichend geprüft wurde.“

Die Stiftung zur Rettung der Amerikanischen Kastanie (The American Chestnut Foundation, TACF) hatte im Dezember 2023 ihre Zusammenarbeit mit den Gentechniker:innen der SUNY beendet. Damals zeigten Feldstudien, dass Darlings Nachkommen mit dem Weizengen weniger vital waren als ihre konventionellen Artgenossen. Zudem war die durch das Gen bewirkte Resistenz nicht sehr stabil. Die TACF hat diese und andere Argumente zusammengefasst an das APHIS geschickt, als dieses im Juli 2025 seine positive Einschätzung zu Darling 54 zur Kommentierung veröffentlichte. In dem Verfahren hatten sich darüberhinaus mehr als 170.000 US-Bürger:innen und 440 Organisationen dagegen ausgesprochen, die gv-Kastanie freizugeben – ohne Erfolg.

Das APHIS ließ sich auch nicht davon abschrecken, dass die 2020 von der SUNY eingereichten Antragsunterlagen eigentlich für eine Schwesterlinie der gv-Kastanie, Darling 58, gedacht waren. Diese enthält das gleiche Weizen-Gen, allerdings an einer anderen Stelle im Erbgut. Als die Forschenden 2023 nach Gründen suchten, warum die gv-Kastanien in Feldversuchen so schlecht abschnitten, entdeckten sie, dass bereits 2016 Saatgut der beiden Linien vermischt worden war. Die SUNY löste das Problem, indem sie in den Antragsunterlagen einfach Darling 58 in Darling 54 umbenannte und zusätzliche Informationen zu Darling 54 nachlieferte. Das APHIS akzeptierte dieses Vorgehen und gab das Produkt unter dem Titel Darling 54 frei.

Die Forschenden von SUNY begrüßten das, wiesen aber darauf hin, dass noch eine Entscheidung der US-Umweltbehörde EPA ausstehe. Erst wenn auch von dort grünes Licht komme, könne Darling 54 ausgewildert werden. Beantragt hat die New Yorker Universität bei der EPA allerdings nur eine unbestimmte Anzahl von Feldversuchen in zahlreichen US-Bundesstaaten mit zusammen gut 100 Hektar Fläche. Dafür stünden nach dem letzten Bericht der Universität derzeit nur 2500 Darling 54-Setzlinge mit einer bestätigten Resistenz zur Verfügung. Gleichzeitig stellt die Universität bereits eine weiterentwickelte Darling 54 vor, die erneut zugelassen werden müsste.

Außerdem kündigten die Forschenden nach Angaben des kanadischen Aktionsnetzwerks cban an, auch im Nachbarland einen Zulassungsantrag für ihre gv-Kastanien zu stellen. Der kanadische Kastanienrat CCC missbilligte die Entscheidung der USDA, Darling 54 freizugeben. Er fürchtet, dass die gv-Kastanien einheimische Arten in freier Wildbahn genetisch kontaminieren könnten. Die Amerikanische Esskastanie ist in Kanada als gefährdete Art eingestuft. Das CCC arbeitet seit 20 Jahren daran, pilzresistente Esskastanien durch Selektion zu züchten. Jetzt fürchtet man, die gv-Kastanien könnten über die Grenze zu den USA ins eigene Land gelangen und diese Bemühungen des CCC torpedieren.          

US-Präsident Donald Trump, der Kanada am liebsten zum US-Bundesstaat machen würde, stört das nicht. Um die Gentechnik-Kastanie zu promoten, ließ er im April 2026 demonstrativ zwei Setzlinge in den Park des Präsidenten in Washington pflanzen. Die damals noch nötige Ausnahmegenehmigung des APHIS verlangte sicherzustellen, dass Trumps Darlinge ihr Erbgut nicht verbreiten können. Die Washington Post enthüllte jetzt, dass die Gärtner des Weißen Hauses die Blüten der Bäume nicht alle entfernt hätten, so dass womöglich Pollen der Gentechnik-Kastanien in die Umwelt gelangten. Das Weiße Haus entgegnete der Zeitung, die nächsten Kastanien stünden mehr als 1,6 Kilometer entfernt. Allerdings werden Kastanienpollen meist über Insekten verbreitet und Bienen fliegen dafür auch kilometerweit. [lf/vef]

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