Im Rahmen des Forschungsvorhabens Pilton „sollen Weizenpflanzen mit verbesserter, multipler und dauerhafter Pilztoleranz durch neue Züchtungsmethoden entwickelt werden“. So stand es 2020 im Projektflyer. Zudem sollte in dem Projekt laut Flyer „das Potenzial zur signifikanten Einsparung von Pflanzenschutzmitteln verdeutlicht und quantifiziert werden“. Außerdem wollten die Züchter aufzeigen „wie derzeit angebotene Genome Editing-Technologien von Unternehmen der Pflanzenzüchtung, auch vor dem Hintergrund bestehender Schutzrechte, genutzt werden können“. Getragen wurde Pilton von knapp 60 deutschen Pflanzenzüchtungsunternehmen, die sich in der Gemeinschaft zur Förderung von Pflanzeninnovation (GFPi) zusammengefunden haben. Wichtigstes Mitglied ist der in der Agrogentechnik erfahrene Konzern KWS.
Auf einer eigenen Projektwebseite wurden regelmäßig Video-Updates veröffentlicht, dazu Experteninterviews und Informationen über die angeblichen Vorteile neuer gentechnischer Verfahren (NGT). In dem am 26. Mai 2023 veröffentlichten Video-Update 5 berichtete der Projektleiter Dietmar Stahl von der KWS, dass Winterweizen der Sorte Donovan erfolgreich gentechnisch verändert und nun zusammen mit Kontrollpflanzen mit Gelbrost infiziert worden sei. „Erste Krankheitssymptome sind zu sehen, die Pflanzen werden jetzt wöchentlich bonitiert und in einigen Wochen werden die endgültigen Ergebnisse vorliegen“, sagte Stahl. Seither herrscht auf der Pilton-Webseite Funkstille.
Im Geschäftsbericht der GFPi für 2023 heißt es, dass der getechnische Eingriff mit Crispr/Cas zuerst an Sommerweizen überprüft worden und dann 2023 auf Winterweizen übertragen worden sei. Die Arbeiten am Winterweizen würden bis Ende 2023 abgeschlossen sein, dann laufe auch das Projekt aus. Betont wurde, dass das öffentliche Interesse auch im dritten Projektjahr ungebrochen sei. „Der Verordnungsvorschlag der EU-Kommission zu Genome-Editing-Verfahren hat die Nachfrage nach dem Projekt nochmals erhöht“, heißt es im Bericht. Auch in den Medien sei Pilton weiterhin präsent. Der Informationsgewinn für die Projektpartner sei enorm gewesen. „Eine abschließende Analyse und Einordnung der erzielten züchterischen Ergebnisse wird zeigen, welches Potenzial das bearbeitete Merkmal für weitere Züchtungsarbeiten bietet“, heißt es abschließend. Ein Jahr später, im Geschäftsbericht der GFPi für 2024, steht noch ein kleiner Absatz, der betont, wie erfolgreich das Projekt gewesen sei.
Der Informationsdienst Gentechnik hat zweimal beim Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter nachgefragt, warum es zu diesem Projekt keinen Abschlussbericht gibt. Der Verband antwortete nicht. Das ist sein gutes Recht: Da keine öffentlichen Mittel in das Projekt geflossen sind, kann die GFPi frei über die Ergebnisse verfügen. Dennoch liegt angesichts des großen medialen Aufwands, den der Verband um Pilton betrieben hat, der Verdacht nahe, dass die Ergebnisse so toll nicht waren. Dafür spricht auch, dass das für die Genomeditierung verwendete Vorgehen von KWS entwickelt wurde, sich aber im Kapitel Forschung und Entwicklung des aktuellen Geschäftsberichts kein Wort zu Weizen findet.
Eine Anfrage des Infodienstes, ob KWS weiter an genom-editiertem Winterweizen mit multipler und dauerhafter Pilztoleranz arbeite und wie weit diese Arbeiten inzwischen gediehen seien, beantwortete Pressesprecherin Gina Wied eher allgemein: „Die Ergebnisse dieses Projektes fließen in die derzeit laufenden und geplanten Projekte unseres Unternehmens ein.“ Sollten die rechtlichen Rahmenbedingungen wie in der NGT-Verordnung der EU geplant bald verabschiedet werden, "dann können wir 'vor der Haustür' weitere Projekte auf den Weg bringen und solche genomeditierten Pflanzen auch im Feld testen". [lf]