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Schild am Ackerrand warnt vor Pestiziden (Foto: Austin Valley / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

Glyphosat: Druck auf Politik und Industrie wächst

22.09.2015

Nachdem die Internationale Krebsforschungsagentur der WHO den Unkrautkiller Glyphosat im Frühjahr als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hatte, beschwichtigten Hersteller wie Monsanto, aber auch Behörden aus Deutschland und der EU: es gebe eben unterschiedliche Auffassungen. Sie verwiesen auf andere WHO-Gremien, die das Herbizid für unbedenklich erklärt hatten. Doch auch dort beginnt man zu zweifeln.

Innerhalb der Weltgesundheitsorganisation beschäftigen sich mehrere Expertengruppen mit Glyphosat, dem meistverkauften Herbizidwirkstoff der Welt. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) hält ihn für „wahrscheinlich krebserregend“. Anders bislang das Joint FAO/WHO Meeting on Pesticide Residues (JMPR), ein gemeinsames Gremium von Landwirtschafts- und Gesundheitsorganisation der Vereinten Nationen. Um herauszufinden, wer denn nun Recht hat, beauftragte die WHO eine weitere Wissenschaftlergruppe – zu deren Mitgliedern auch ein Abteilungsleiter des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gehört. Die deutsche Behörde sieht bei Glyphosat bislang kein besonderes Krebsrisiko.

Doch die nun veröffentlichten Empfehlungen scheinen den Glyphosat-Skeptikern Recht zu geben. So heißt es darin: Glyphosat müsse komplett neu bewertet werden. Und: das JMPR solle seine internen Richtlinien „überprüfen“, um festzulegen, welche Daten künftig einfließen und welche nicht. Denn offenbar war die Datengrundlage, auf der die IARC ihr Urteil „wahrscheinlich krebserregend“ gefällt hatte, wesentlich solider. Dort seien Studien eingeflossen, die das JMPR nicht berücksichtigt hatte, so die Experten.

Monsanto hatte der Internationalen Krebsforschungsagentur hingegen das Gegenteil vorgeworfen, nämlich nicht alle Daten beachtet zu haben. Dieser Vorwurf scheint nun entkräftet. Dennoch bleibt vorerst offen, wie es mit Glyphosat weitergeht. Nächstes Jahr soll in der EU über eine Verlängerung der Zulassung um zehn Jahre entschieden werden. Wegen der aktuellen Debatte hat Brüssel die Frist bereits verschoben.

Glyphosat wird in der konventionellen Landwirtschaft und auf Gentechnik-Äckern eingesetzt. Viele gentechnisch veränderte Soja- oder Maispflanzen sind gegen das Herbizid resistent, da entsprechende DNA eingebaut wurde. Dadurch können die Felder mehrmals besprüht werden. So nehmen allerdings auch Resistenzen bei Unkräutern zu, woraufhin noch mehr gespritzt wird. Das zeigen beispielsweise Daten des US-Landwirtschaftsministeriums. Die amerikanische Landwirtschaft setzt seit Jahren massiv auf Gentechnik. [dh]