In 47 Prozent der wilden Baumwollpflanzen fanden die Forscher:innen gentechnische Veränderungen. Foto: wrw/pixelio.de

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Mexiko: wilde Baumwolle gentechnisch verunreinigt

Die in Mexiko wild wachsende Baumwolle ist zu großen Teilen mit dem Erbgut gentechnisch veränderter Baumwolle verunreinigt. Das zeigten Untersuchungen mexikanischer Wissenschaftler:innen, die im Juni auf dem Portal sciencedirect.com veröffentlicht wurden. Die Forschenden konnten auch nachweisen, dass sich die Verunreinigung auf das gesamte Ökosystem auswirkt. Solche Langzeitfolgen müssten einbezogen werden, wenn das Risiko von Gentechnik-Pflanzen bewertet wird, schlossen sie daraus.

Sie hatten auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan die dort natürlich vorkommenden Bestände der Baumwolle Gossypium hirsutum untersucht. Von diesen Pflanzen stammen rund 90 Prozent der weltweit angebauten Baumwolle ab. Sie stellen mit ihren ursprünglichen Eigenschaften ein wichtiges Reservoir für weitere Züchtungen dar, wie eine internationale Studie kürzlich bestätigte. Allerdings sind diese wichtigen Wildpflanzen zu einem großen Teil genetisch kontaminiert. Die mexikanischen Wissenschaftler:innen konnten in 47 Prozent der untersuchten 72 Pflanzen transgenes Erbgut von gentechnisch veränderter (gv) Baumwolle nachweisen. Gut ein Fünftel war resistent gegen das Herbizid Glyphosat. Jede siebte Pflanze war in der Lage, insektengiftige Bt-Toxine zu produzieren und jede achte Pflanze enthielt gleich mehrere dieser Eigenschaften. Dabei zeigte sich, dass aus gv-Pflanzen mit mehreren Eigenschaften, sogenannten stacked events, auch einzelne Eigenschaften auf Wildpflanzen übertragen wurden.

Die Wissenschaftler:innen untersuchten auch die Ameisenarten, die üblicherweise auf Baumwollpflanzen vorkommen. Diese Tiere helfen der Pflanze dabei, Schädlinge abzuwehren und die Samen zu verbreiten. Die Forschenden stellten fest, dass bei den Pflanzen mit transgenem Erbgut weniger Ameisenarten vorkamen und sich auch die Menge an Ameisen pro Art verringert hatte. Aus früheren Forschungen ist bereits bekannt, dass sich die Darmflora von Insekten ändert, wenn sie an den verunreinigten Pflanzen saugen.

Mexiko hatte den Anbau von gv-Baumwolle bereits 1998 erlaubt. Die Anbaufläche wuchs laut AgbioInvestor bis 2014 auf rund 171.000 Hektar. Seit 2019 hat die Regierung keine neuen gv-Pflanzen mehr zugelassen und verfolgt seither eine glyphosat- und gentechnikkritische Politik. Für 2024 nennt AgbioInvestor noch eine gv-Anbaufläche von 4.300 Hektar. Allerdings wurde in Yucutan nie gv-Baumwolle angebaut. Die Forschenden vermuten, dass keimfähiges Saatgut durch Vögel eingeschleppt wurde oder dass als Viehfutter verwendete Samen von den Tieren noch keimfähig ausgeschieden wurden.

Neu ist das Thema nicht: Bereits 2011 wies eine Studie nach, dass gv-Baumwolle die wilde Baumwolle in Mexiko verunreinigt. Die Erstautorin der aktuellen Studie, Valeria Vázquez-Barrios, veröffentlichte 2021 Daten, die zeigten, dass mehrere der insgesamt acht Populationen wilder Baumwolle in Mexiko verunreinigt waren und wies auch damals schon Folgen für das Ökosystem nach. In der aktuellen Studie zogen die Forschenden deshalb folgendes Fazit: Die Rahmenbedingungen für die Biosicherheit und dafür, wie mögliche Umweltschäden bewertet werden, müssten dringend aktualisiert werden. Die möglichen ökologischen und evolutionären Folgen für Wildpopulationen müssten genau abgeschätzt werden, etwa, wie sich der Einbau der gv-Events auf Nichtzielorganismen auswirke oder wie sich dadurch die genetische Dynamik ändere. Es sei zwingend notwendig, die Entwicklung bei der wilden Baumwolle zu überwachen und neu darüber zu entscheiden, wie die Freisetzung von gv-Pflanzen reguliert werden soll. [lf]

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