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Mais (Foto: JimmyMac210 / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0)

Saatgut: bald Routinekontrolle bei Zuckermais?

08.11.2020

Die Bundesländer haben bei ihren routinemäßigen Saatgutkontrollen in den vergangenen zwölf Monaten in 685 Proben nur eine gentechnische Verunreinigung entdeckt, teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) diese Woche mit. Dass mit amerikanischem Zuckermais im Frühjahr auch Gentech-Samen angepflanzt worden waren, war den Kontrolleuren jedoch entgangen. Jetzt erwägen die Länder, künftig auch Zuckermais routinemäßig zu kontrollieren.

Das habe die Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft (LAG) Gentechnik bei ihrer Sitzung im September diskutiert, teilte das niedersächsische Umweltministerium dem Infodienst Gentechnik auf Anfrage mit. Bevor dazu eine Entscheidung getroffen werden könne, seien noch offene Fragen zu klären, so ein Sprecher des Ministeriums. Bislang wurde neben Futtermais vor allem Raps beprobt, vereinzelt auch Sojabohnen, Zuckerrüben, Senf oder Luzerne. Der niedersächsische Saatguthändler, der 13 Millionen Körner des kontaminierten Zuckermaises aus Illinois in Deutschland und Europa verkauft hatte (der Infodienst berichtete), sei bislang nicht kontrolliert worden, teilte das Ministerium mit. Dass sein Saatgut verunreinigt war, war erst in Ungarn aufgefallen.

„Die Auswahl, welches Saatgut im Rahmen des routinemäßigen Saatgutmonitorings beprobt werden soll, orientiert sich nach der derzeitigen Wahrscheinlichkeit des Auftretens von GVO (gentechnisch veränderte Organismen, Anm. d. Red.) in konventionellem Saatgut und berücksichtigt angemessen das Risiko einer Verbreitung in der Umwelt“, schreibt das Ministerium. Laut Handlungsleitfaden der LAG Gentechnik sollen mindestens zehn Prozent der Saatgutpartien der ermittelten Sorten geprüft werden. So waren beim Futtermais im Analysejahr 2020 (1.10.2019 - 30.9.2020) in zwölf Flächenländern 415 Proben genommen worden. Die Zahl liegt damit zum ersten Mal seit 2012 wieder unter 420. Am meisten testeten Bayern (90), Niedersachsen (88) und Baden-Württemberg (82). Als einzige fündig wurden die baden-wüttembergischen Behörden im Frühjahr in einer Lieferung Albireomais aus Österreich. Wie bereits berichtet enthielt er gentechnisch veränderten MON89034-Mais von Monsanto. Die Lieferung wurde vor der Aussaat nach Österreich zurückgeschickt.

Beim Raps haben 2019/2020 neun Flächenländer 212 Proben untersucht und keine GVO gefunden. Baden-Württemberg war nicht dabei. Die Zahl der Proben ist seit dem Höchstwert von 347 im Jahr 2012 kontinuierlich gesunken. Und auch bei dieser Pflanze war es 2018 zu dem Szenario gekommen, das eigentlich vermieden werden soll: Gentechnisch verunreinigter Raps war in mehreren Bundesländern ausgesät worden. Auch in diesem Fall kam der Hinweis auf die GVO aus dem Ausland. Die betroffenen Anpflanzungen konnten noch vor der Blüte vernichtet werden. Ökoverbände fordern daher schon seit Längerem, bei Risikokulturen wie Raps oder Mais nicht nur zehn Prozent sondern alle Saatgutpartien zu überprüfen. Da von diesen Pflanzen im außereuropäischen Ausland zahlreiche gentechnisch veränderte Varianten im Umlauf sind, ist die Gefahr groß, dass sie unerkannt in Chargen konventioneller Pflanzen geraten.

In Deutschland ist es nicht erlaubt, gentechnisch veränderte Pflanzen anzubauen. Hier gilt das Prinzip der Nulltoleranz. Deshalb müssen verunreinigte Pflanzungen mechanisch zerstört und Gentech-Saatgut vernichtet werden. Der verunreinigte Zuckermais war bereits im Sommer auf den Feldern vernichtet worden. Die nicht ausgesäten Teile der Lieferung hatten die Bauern und Zwischenhändler an die niedersächsische Saatgutfirma zurückgeschickt. Wie das Umweltministerium versichert, wurden diese Rückläufe inzwischen in einer Müllverbrennungsanlage den Flammen übergeben. [vef]