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Sojapflanzen mit Dicamba-Schäden — Soybeans showing the cupped leaves which are a symptom of dicamba injury. (Photo: U of A System Division of Agriculture; http://bit.ly/2isaTx4; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)
Sojapflanzen mit Dicamba-Schäden — Soybeans showing the cupped leaves which are a symptom of dicamba injury. (Photo: U of A System Division of Agriculture; http://bit.ly/2isaTx4; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

Dicamba in den USA wieder zugelassen

01.11.2020

Kurz vor der Präsidentschaftswahl hat die US-Umweltbehörde EPA drei Herbizide mit dem umstrittenen Wirkstoff Dicamba erneut zugelassen. Im Sommer hatte ein Berufungsgericht die bisherigen Zulassungen einkassiert, da das leichtflüchtige Dicamba zahlreiche Landwirte geschädigt hatte. Umweltverbände wollen nun erneut klagen.

EPA-Chef Andrew Wheeler erklärte, mit der Zulassung seien neue Auflagen verbunden, die dazu führen sollen, dass Dicamba nicht mehr verweht werde. So sollen die Landwirte dem Herbizid im Spritztank ein Mittel beimischen, das die Flüchtigkeit reduziert. Die Abstände, die zu Nachbarfeldern eingehalten werden müssen, werden etwas vergrößert. Ferner gibt es für einzelne Kulturen Stichtage, nach denen das Mittel nicht mehr versprüht werden darf. Zudem müssen die Hersteller ihre Etiketten und Gebrauchsanweisungen vereinfachen, damit die Landwirte leichter erkennen, wie sie Dicamba korrekt anwenden.

Diese Auflagen gelten für die Herbizide Xtendimax von Bayer, Engenia von BASF und Tavium von Syngenta. Benutzt werden sie vor allem von Landwirten, die Sojasaatgut von Bayer verwenden, das gentechnisch gegen Dicamba und Glyphosat resistent gemacht wurde. Das Manager Magazin schrieb unter Berufung auf Bayer, dass rund 60 Prozent der amerikanischen Sojafelder mit dem Bayer-Saatgut Xtend bepflanzt würden.

Durch Abdrift wurden seit 2016 Tausende Landwirte geschädigt, die keine Dicamba-resistenten Pflanzen anbauten. Daraufhin verschärfte EPA 2018 schon einmal die Auflagen für das Ausbringen der Herbizide – ohne Wirkung. Es kam zu zahlreichen Klagen und einem Urteil, in dem Bayer und BASF zu 265 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt wurden. Im Zuge seines Roundup-Vergleichs hat Bayer angekündigt, 400 Millionen US-Dollar (354 Millionen Euro) an die bisherigen Dicamba-Kläger zu zahlen. Sollten die EPA-Auflagen wieder nicht greifen, steigt das Risiko neuer Klagen. Hinzu könnten künftig auch Krebs-Klagen kommen. Denn die US-Gesundheitsbehörde National Institutes of Health hatte im Frühjahr 2020 eine Studie veröffentlicht, wonach Landwirte, die das Herbizid Dicamba eingesetzt hatten, häufiger an Leberkrebs erkrankten als Kollegen, die auf das Mittel verzichteten.

Während Bayer die „wissenschaftsbasierte Überprüfung und Zulassung von XtendiMax®“ begrüßte, sprach George Kimbrell, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Center for Food Safety von einer politisch motivierten Entscheidung „die Bauern und die Umwelt zu weiteren fünf Jahren inakzeptablen Schadens verurteilt“. Nathan Donley, leitender Wissenschaftler der Umweltorganisation Center for Biological Diversity, sagte: „Angesichts der Tatsache, dass die von der EPA genehmigten Versionen von Dicamba bereits Millionen Hektar Nutzpflanzen und Naturräume in den USA geschädigt haben, gibt es keinen Grund darauf zu vertrauen, dass die Behörde es diesmal richtig gemacht hat.“ Beide Organisationen hatten mit einer Klage dafür gesorgt, dass der Einsatz von Dicamba im Juni 2020 gerichtlich verboten wurde. Sie kündigten an, auch gegen die neue Zulassung vor Gericht zu ziehen. [lf]