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Auswirkungen von Glyphosat
13,4 Millionen Menschen sind in Argentinien unmittelbar von den Folgen des Glyphosat-Einsatzes betroffen-+-Bild: Pablo E. Piovano

Neue Studie: Glyphosat geht an die Nieren

05.09.2019

Die Herbizide Glyphosat und Paraquat können bei Landarbeitern dauerhaft die Nieren schädigen. Das zeigt eine internationale Studie, auf die das entwicklungspolitische Inkota-Netzwerk hinweist. Das Netzwerk fordert deshalb, Glyphosat auch in den Ländern des Südens zu verbieten.

Landarbeiter auf zentralamerikanischen Zuckerrohrfeldern leiden auffällig oft an chronischer Niereninsuffizienz, einer Krankheit, die bei mangelnder medizinischer Versorgung zu einem tödlichen Nierenversagen führt. „Neue wissenschaftliche Untersuchungen eines internationalen Forschungsteams aus El Salvador, Belgien, Kuba und Sri Lanka belegen nun, dass die eingesetzten Herbizide Paraquat und Glyphosat maßgeblich für die Erkrankungen verantwortlich sind“, schreibt Inkota. Die Wirkstoffe würden zu krankhaften Veränderungen im Zellstoffwechsel führen, so dass die Schadstoffe von den Nieren nicht mehr ausgeschieden werden könnten. Die Studie sei von dem belgischen Nierenheilkundler und Toxikologen Marc De Broe im Juni dieses Jahres beim Jahreskongress der Europäischen Nierengesellschaft (European Renal Association) vorgestellt worden und soll voraussichtlich im September veröffentlicht werden.

Auf zentralamerikanischen Zuckerrohrfeldern wird neben Glyphosat das in der EU seit 2007 verbotene Herbizid Paraquat eingesetzt. Von ihm ist bekannt, dass es giftig ist und die Nieren schädigt. Bei Glyphosat hingegen stand eine nierenschädigende Wirkung bisher nicht im Focus. Das änderte sich in den letzten Jahren, als sich das Nierenversagen auch bei Landarbeitern auf Reisfeldern in Sri Lanka ausbreitete. Dort wird kein Paraquat eingesetzt, sondern vor allem Glyphosat. Das Forschungsteam konnte zeigen, dass sich die krankhaften Veränderungen der Nieren bei den Landarbeitern in El Salvador und Sri Lanka glichen. Sie schlossen daraus, dass auch die Nierenversagen in Sri Lanka von einem Herbizid verursacht wurden – in diesem Fall von Glyphosat. Bisher haben die Glyphosathersteller einen solchen Zusammenhang zurückgewiesen und für die Nierenversagen der Landarbeiter andere Ursachen ins Feld geführt, von einer möglichen Schwermetallbelastung bis hin zu einer Dehydrierung durch die Arbeit in der Hitze. Dem widersprechen Wissenschaftler mehrerer US-Universitäten. Sie begründen in einer aktuellen Arbeit die Hypothese, dass Glyphosat einen wichtigen Faktor bei diesen Nierenerkrankungen darstellt.

Inkota-Landwirtschaftsexpertin Lena Michelsen forderte die Politik zum Handeln auf: „Die Bundesregierung muss endlich dafür sorgen, dass europäische Konzerne wie Bayer oder Syngenta in Zukunft keine giftigen Pestizide mehr in Ländern des globalen Südens vermarkten dürfen.“ Die deutsche Landwirtschaftsministerin solle bei der Glyphosat-Neubewertung in der Europäischen Union auf ein Verbot drängen, „anstatt weiter auf ihren Kuschelkurs mit der Agrarindustrie zu setzen“, sagte Michelsen. [lf]