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Markt in Kapstadt (Foto: Department of Foreign Affairs and Trade, AUSAID SOUTH AFRICA, http://bit.ly/29GIYTv, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)

Gentechnik und Glyphosat in Südafrika

14.07.2016

Im weltweiten Vergleich ist Südafrika kein bedeutender Sojaproduzent. Doch im letzten Jahr wurde dort mehr Soja angebaut als je zuvor. 90 Prozent davon ist gentechnisch verändert. Das schlägt sich auch im Einsatz des Unkrautkillers Glyphosat nieder.

So wurden laut dem gentechnik-kritischen African Centre for Biodiversity (ACB) im Jahr 2012 um die 1,3 Millionen Liter auf Sojaplantagen versprüht. Sechs Jahre zuvor seien es noch 800.000 Liter gewesen – ein Anstieg von über 60 Prozent. Mehr als die Hälfte der Herbizidausgaben von südafrikanischen Sojabauern sei 2012 auf Glyphosat entfallen.

Laut einer Untersuchung des Agrarökonomen Marnus Gouse von der Universität Pretoria aus dem Jahr 2014, machte der Sojaanbau 2012 sechs Prozent des landesweiten Glyphosat-Verbrauchs aus. Am meisten, 46 Prozent des Ackergifts, wird auf Maisfeldern versprüht, gefolgt vom Weizen mit 13 Prozent. Auch beim Maisanbau dominierte 2012 die Gentechnik mit über 80 Prozent, so Gouse. Nach Angaben des von der Gentechnik-Industrie finanzierten International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications (ISAAA) war der Biotech-Anteil auch 2014 mindestens ebenso hoch. Gentechnisch veränderter Weizen hingegen darf bislang nirgendwo auf der Welt angebaut werden.

Agrarwissenschaftler Gouse: „Der Einsatz von Glyphosat im Anbau von Baumwolle, Sojabohnen und Mais hat seit der Einführung von glyphosat-toleranten Baumwoll- und Sojasorten 2001/02 und von weißen und gelben Maissorten 2003/04 signifikant zugenommen.“ Den gentechnisch veränderten Pflanzen wird DNA eingesetzt, die sie widerstandsfähig gegen das Ackergift macht, das alle anderen Pflanzen auf dem Acker tötet – bis sich auch Unkräuter an die Dauerbelastung gewöhnen.

Laut ACB wird nur wenig Soja direkt von Südafrikanern gegessen. Der direkte Verzehr mache nur sieben Prozent aus. Der Rest – und dies betrifft nicht nur die eigene Ernte, sondern auch Importe aus Nord- und Südamerika – gehe ins Viehfutter. Insbesondere für die Produktion von Hähnchenfleisch. Die Nachfrage danach sei von 2001 bis 2012 um 74 Prozent gestiegen.

Damit ist Südafrika nicht alleine: weltweit steigt der Fleischhunger. Gentechnisch verändertes Soja und Mais sind überwiegend für den Futtertrog bestimmt. [dh]