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Baumwolle Indien
Foto: Jeremy Evans Thomas / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0-+-

Baumwolle: Indien steigt um auf gentechnik-frei

11.04.2016

Weil sich Schädlinge an das Gift der Gentechnik-Baumwollpflanzen anpassen, verzeichnen indische Bauern niedrigere Ernten. Zusammen mit Unternehmen und Forschungsinstituten hat die Regierung daher offenbar beschlossen, einheimische Baumwollsorten zu fördern.

Wie die Nachrichtenagentur Press Trust of India (PTI) letzte Woche meldete, will das Agrarministerium den Anbau von altbewährter „Desi“-Baumwolle wieder populär machen. Vor Einführung gentechnisch veränderter Varianten – die meisten stammen vom US-Saatgutriesen Monsanto und sondern ein Insektizid ab – wuchs sie auf rund einem Viertel der Baumwollflächen. Nun sollen sie ein Comeback feiern dürfen.

In einigen Bundesstaaten des Subkontinents beginnt im April die Baumwoll-Aussaat, andere folgen mit dem Einsetzen des Monsuns im Juni, so PTI. Zwar falle die Ernte bei den heimischen Sorten laut Agraroffiziellen etwas niedriger aus – dafür könnten die Bauern aber an Pestiziden sparen und das Saatgut für das folgende Jahr aus der eigenen Ernte gewinnen. Beim patentierten Gentechnik-Saatgut ist das verboten.

Auch Wissenschaftler wie der Direktor des Central Institute for Cotton Research (CICR), K.R. Kranthi, empfehlen eine Rückkehr zu heimischen Baumwoll-Sorten. Die Kosten pro Hektar seien seit Einführung der Gentech-Varianten stark gestiegen, schrieb der Experte letztes Jahr: von 16.000 Rupien pro Hektar im Jahr 2002 auf über 70.000 Rupien neun Jahre später. Er ist kein ausgemachter Gentechnik-Gegner - noch 2012 hatte er sich zur Bt-Baumwolle (Bt steht für die eingeführte Bakterien-DNA, die für die Giftproduktion sorgt) positiv geäußert.

Schon seit zwei oder drei Jahren fragten Bauern verstärkt nach den heimischen Desi-Baumwoll-Sorten, so Kranthi im Juli 2015. Allerdings gebe es zu wenig Saatgut auf dem lokalen Markt. Staatliche Züchtungsinstitutionen müssten daher die Produktion steigern. Viele indische Saatgutproduzenten sind in den letzten Jahren von Konzernen wie Monsanto oder Bayer aufgekauft worden – diese können dadurch auch Konkurrenz für ihr eigenes, gentechnisch verändertes Saatgut aus dem Weg räumen.

Weltweit liegt der Gentechnik-Anteil in der Baumwollproduktion bei über 70 Prozent. [dh]