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Tansania Afrika Markt
Markt in Tansania (Foto: USAID / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0)

Gentech-Versuche in Tansania am Gesetz vorbei?

04.11.2015

Im ostafrikanischen Tansania sollen ab April 2016 Freilandversuche mit gentechnisch verändertem Mais stattfinden. Die Regierung hat dafür extra die Haftungsregeln aufgeweicht. Zivilgesellschaftliche Gruppen klagen, sie hätten dazu nicht Stellung nehmen dürfen, obwohl das gesetzlich garantiert sei. Auch seien Umweltauswirkungen nicht geprüft worden.

Laut der Zeitung The East African soll der Gentechnik-Mais in der Region Dodoma freigesetzt werden, in der auch die gleichnamige Hauptstadt liegt. Um das Experiment zu ermöglichen, habe die Regierung die Biosicherheitsregeln geändert: die vorherige „strikte“ Haftung sei durch eine Verschuldenshaftung ersetzt worden. Künftig müssen bei etwaigen Schäden, die durch die Gentechnik-Organismen oder deren Anbau verursacht werden, also nicht grundsätzlich die beteiligten Wissenschaftler oder Gentech-Firmen bezahlen. Stattdessen, so berichtet die Zeitung, müssten die Geschädigten erst mal beweisen, dass die Gentechnik-Nutzer verantwortlich sind.

Bei dem Gentech-Mais handelt es sich um eine Entwicklung des Projekts „Water Efficient Maize for Africa“ (WEMA), das unter anderem von Monsanto und der Bill-and-Melinda-Gates-Stiftung unterstützt wird. Der Mais soll gegen Dürre resistent sein. Das eingebaute Genkonstrukt habe Monsanto gespendet, weil der Patentschutz abgelaufen sei, erklärt die Tanzania Alliance for Biodiversity (TABIO).

Die NGO lehnt die Freisetzung von Gentechnik-Mais in Tansania ohne weitere Risikoprüfung ab. Obwohl vom Gesetz vorgeschrieben, habe es keine Konsultation von „Stakeholdern“ aus der Zivilgesellschaft, Landwirten oder Verbrauchergruppen gegeben. Der Versuchsantrag sei nicht veröffentlicht und Umweltauswirkungen nicht beurteilt worden. Auch das sei ein Verstoß gegen geltendes Recht, so TABIO.

Dass es darum geht, den von Dürre betroffenen Landwirten Tansanias zu helfen, glaubt die Organisation nicht. Vielmehr wollten Saatgut-Konzerne sich über das WEMA-Projekt den Zugang zu einheimischen Sorten sichern, um davon auch kommerziell zu profitieren. „Die beste Vorbereitung auf den Klimawandel ist, Kleinbauern beim Erhalt und der Förderung der landwirtschaftlichen Vielfalt und Anpassungsfähigkeit zu unterstützen, auf schädliche Chemikalien zu verzichten und Kleinbauern über ihre Ressourcen selbst entscheiden zu lassen“, meint Abdallah Mkindi von TABIO. Studien belegten, dass man mit ökologischen Methoden Ernten in Ostafrika um 128 Prozent steigern könne.

Auch das African Centre for Biodiversity aus Südafrika und die deutsche Entwicklungsorganisation Brot für die Welt erklärten im Frühjahr, bei Projekten wie WEMA stünden die Interessen von Agrarkonzernen im Vordergrund. [dh]