Hunger und Gentechnik

Dossier

Hunger und Gentechnik

Gentechnik-Pflanzen ohne Nutzen für Entwicklungsländer

Foto: UNAMID / Albert González Farran, Farming in Gereida (South Darfur), bit.ly/1TW0TbM, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/)

Ob Gentechnik-Pflanzen wirklich dabei helfen können, die Probleme der armen Länder zu lösen, scheint weiterhin mehr als fraglich. Schon der von Weltbank und FAO in Auftrag gegebene "Weltagrarbericht" hat 2008 klargestellt, dass die beste Lösung für das Hungerproblem eine regional angepasste, nachhaltige Landwirtschaft ist. Der Arbeitsbericht des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag kommt zu ähnlichen Ergebnissen: "Der Bericht belegt eindringlich, dass selbst nach zwölf Jahren großflächigen Einsatzes von transgenem Saatgut der ökonomische, ökologische und soziale Nutzen nicht zu belegen ist. Daher sollten Forschung und Entwicklung für nachhaltigere und ökologische Alternativen zur Agrogentechnik gestärkt werden", so NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Das amerikanische Rodale Institute kommt nach 30 Jahren Vergleich von ökologischem, konventionellem und Gentechnik-Anbau zu dem Fazit, dass ökologische Methoden effizienter sind und bessere Chancen zur Anpassung an den Klimawandel bieten. Und 2010 schrieb beispielsweise die Deutsche Welthungerhilfe: „Eine nachhaltige Einkommenssteigerung zugunsten der Kleinbauern in Entwicklungsländern durch die Grüne Gentechnik konnte bis heute nicht nachgewiesen werden, ebenso wenig ein Beitrag zur Hungerbekämpfung.“

Unrealistische Heilsversprechen über Gentech-Wunderpflanzen

(Foto: IRRI Photos, Golden Rice grain compared to white rice (2)-18, bit.ly/22oKGvH, creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/)

Die Ankündigungen der Gentechnik-Konzerne Monsanto, BASF, Syngenta, Bayer, Dow und DuPont-Pioneer, schon bald könne mit gentechnisch veränderten Nutzpflanzen der Welthunger bekämpft, die Energieversorgung gesichert oder dem Klimawandel begegnet werden, halten nach Analysen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einer Überprüfung nicht Stand. Eine von der Publizistin Ute Sprenger für den BUND erstellte Studie mit dem Titel »Die Heilsversprechen der Gentechnikindustrie - ein Realitäts-Check« erbrachte das Ergebnis, dass Gentech-Pflanzen mit den genannten Eigenschaften in absehbarer Zeit nicht zur Marktreife kommen werden. Alle genannten Gentechnik-Konzerne erwirtschafteten den Löwenanteil ihres Umsatzes mit chemischen Spritzmitteln. Ihr vorrangiges Interesse sei, herbizidresistente Pflanzen und dazugehörige Spritzmittel in Kombination zu verkaufen.
Eine weitere Recherche von Foodwatch zeigt anhand des Beispiels "Golden Rice" auf, dass die Gentechnik-Industrie ihre Heilsversprechen bislang nicht einlösen konnte. Das vermeintliche Vorzeigeprojekt "Golden Rice" stellt sich insgesamt als eine Kampagne dar, mit der gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln zum Durchbruch verholfen werden soll.

BUND: Heilsversprechen der Gentechnikindustrie - Ein Realitätscheck, Dezember 2008
foodwatch (07.01.2009): Fragwürdige Versprechen der Gentechnikindustrie

Höhere Erträge durch Gentechnik?

Von der Industrie unabhängige Wissenschaftler bezweifeln die These von der Wirtschaftlichkeit transgener Pflanzen. Auch das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) kam 2008 zu dem Schluss, dass ein Nutzen nicht erwiesen sei. Zuverlässige Daten fehlten, obwohl die Saaten schon seit Jahren kommerziell genutzt werden.

Bei einer Untersuchung zu Soja war laut der britischen Zeitung Independent herausgekommen, dass die Ernte sogar geringer ausfallen kann, wenn gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden. Dem Wissenschaftler war es eigentlich um die Frage gegangen, inwieweit sich mit Düngung die Erträge steigern ließen. Dass die Gentechnik-Soja im Vergleich mit konventioneller Soja schlechter abschnitt, war eher ein unbeabsichtigtes Nebenergebnis. Die Einschätzung des Independent wies er zurück.

Nachhaltige Landwirtschaft als Mittel gegen Hunger

Ohne-Gentechnik-Siegel
Das soll reichen?

Gentechnik hilft nicht gegen den Hunger in der Welt. Im Gegenteil: sie könnte ihn sogar verschlimmern, da sie Monokulturen begünstigt, die einen hohen Einsatz von Pestiziden und Kunstdüngern erfordern. Die einzige Form von Hunger, den die Konzerne stillen, ist nicht „der Hunger in der Dritten Welt, sondern der Hunger der Aktionäre“, schlussfolgerte die damalige EU-Kommissarin Margot Walström. Auch der von Weltbank und FAO in Auftrag gegebene "Weltagrarbericht" sieht die Zukunft der Landwirtschaft in einer Rückbesinnung auf natürliche, regionale und nachhaltige Produktionsweisen.

Weitere Meldungen dazu:

Der Stern (2013):  Hungerproblem lässt sich nicht durch Gentechnik und Exporte lösen (2013)

jetzt.de (23.04.2008): Gentechnik macht nicht satt

Zeit online (23.04.2008) China, Klima, Gentechnik - drei Irrtümer der Hungerdebatte

Spiegel online (15.04.2008): Experten fordern radikale Umkehr der Agrarpolitik

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