
FAO-Chef Jaques Diouf hat im Vorfeld des Welternährungsgipfels aus Solidarität mit der eine Milliarde Menschen, die auf der Welt hungern, einen Tag lang nichts gegessen. Als Lösung schlägt die FAO vor, die Agrarproduktion bis zum Jahr 2050 zu verdoppeln. Dabei gibt es derzeit pro Kopf mehr Agrarproduktion als je zuvor. Und dennoch litten noch nie so viele Menschen an Hunger wie heute. Das Problem sind u.a. die Verluste bei der Lebensmittelproduktion, erläuterte Benny Härlin von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft in Berlin. Ein Großteil der Lebensmittel gehen bei der Ernte oder durch die Vernichtung von Lebensmitteln verloren. Auch der Verbrauch des Getreides für Futtermittel (35%) und andere Verwertung wie Kraftstoffherstellung (18%) seien ein Riesenproblem. Eine weitere dringende Frage ist die Übereinstimmung mit den Klimazielen: Die Landwirtschaft trägt mit 14% zur Erderwärmung bei. Der Weltagrarbericht, der von über 500 internationalen Wissenschaftlern erstellt wurde, schlägt als Lösung eine agrarökologische Evolution vor. Die Anpassung der Landwirtschaft an natürliche Gegebenheiten und Kreisläufe und an lokale Bedürfnisse sollen die Landwirtschaft effizienter und nachhaltiger machen. Gentechnik spielt insbesondere für kleine Bauern dabei keine Rolle, weil sie geld- und forschungsintensiv ist.
Um die dringenden Empfehlungen des Weltagrarberichts einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, hat Benny Härlin nun eine 40-Seitige Zusammenfassung geschrieben, die heute veröffentlicht wurde. Sie kann beim Bauernverlag bestellt werden. Auch die deutschsprachige Seite zum Bericht www. weltagrarbericht.de geht heute online. Dort finden Sie Hintergrundinformationen zu den Themen des Berichts, Tipps, was sie tun können und eine Karte mit weltweit aktiven Organisationen.
www.weltagrarbericht.de
Benedikt Härlin: Wege aus der Hungerkrise (Broschüre, 2,4 MB)
Bauernstimme: Weltagrarbericht-Broschüren bestellen
Zunkunftsstiftung Landwirtschaft: Der Welternährungsgipfel verdrängt die Realität
Eine überraschend kritische Studie zum Thema Lebensmittelproduktion und Landwirtschaft kommt nun von der Deutschen Bank. Was 600 WissenschaftlerInnen schon letztes Jahr mit dem Weltagrarbericht verkündeten, wird nun auch in dieser neuen Studie deutlich: Die Bedeutung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft für die globale Lebensmittelversorgung ist enorm. Die Agrarpolitik müsse sich an Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit orientieren. Auch die Gentechnik wird kritisch betrachtet.
Infodienst (1.10.09)
Ob Gentechnik-Pflanzen wirklich dabei helfen können, die Probleme der armen Länder zu lösen, scheint weiterhin mehr als fraglich. Schon der Bericht des Weltagrarrats hat letztes Jahr klargestellt, dass die beste Lösung für das Hungerproblem eine regional angepasste, nachhaltige Landwirtschaft ist. Der Arbeitsbericht des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag kommt zu ähnlichen Ergebnissen: "Der Bericht belegt eindringlich, dass selbst nach zwölf Jahren großflächigen Einsatzes von transgenem Saatgut der ökonomische, ökologische und soziale Nutzen nicht zu belegen ist. Daher sollten Forschung und Entwicklung für nachhaltigere und ökologische Alternativen zur Agrogentechnik gestärkt werden", so NABU-Präsident Olaf Tschimpke.
NABU: Gen-Pflanzen ohne Nutzen
TAB: Bericht "Transgenes Saatgut in Entwicklungsländern" (April 09)
IAASTD: Weltagrarbericht

Wie jedes Jahr klingt die Nachricht überwältigend: Liest man die Zahlen des International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications (ISAAA) scheint der Siegeszug der Gentechnik in der Landwirtschaft unaufhaltbar: Auf nunmehr 125 Millionen Hektar, in 25 Ländern der Welt wurden 2008 Gentech-Pflanzen angebaut. Besonders in armen Ländern tragen Gentechnik-Pflanzen angeblich immer mehr dazu bei, die Schwierigkeiten der Landwirtschaft sowie das Hungerproblem zu lösen. Die meisten Medien übernehmen die Botschaft unhinterfragt.
Lesen Sie eine kritische Betrachtung der ISAAA-Zahlen beim
Infodienst
Die Ankündigungen der Gentechnik-Konzerne Monsanto, BASF, Syngenta, Bayer, Dow und DuPont-Pioneer, schon bald könne mit gentechnisch veränderten Nutzpflanzen der Welthunger bekämpft, die Energieversorgung gesichert oder dem Klimawandel begegnet werden, halten nach Analysen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einer Überprüfung nicht Stand. Eine von der Publizistin Ute Sprenger für den BUND erstellte Studie mit dem Titel »Die Heilsversprechen der Gentechnikindustrie - ein Realitäts-Check« erbrachte das Ergebnis, dass Gentech-Pflanzen mit den genannten Eigenschaften in absehbarer Zeit nicht zur Marktreife kommen werden. Alle genannten Gentechnik-Konzerne erwirtschafteten den Löwenanteil ihres Umsatzes mit chemischen Spritzmitteln. Ihr vorrangiges Interesse sei, herbizidresistente Pflanzen und dazugehörige Spritzmittel in Kombination zu verkaufen.
Eine weitere Recherche von Foodwatch zeigt anhand des Beispiels "Golden Rice" auf, dass die Gentechnik-Industrie ihre Heilsversprechen bislang nicht einlösen konnte. Das vermeintliche Vorzeigeprojekt "Golden Rice" stellt sich insgesamt als eine Kampagne dar, mit der gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln zum Durchbruch verholfen werden soll.
BUND (17.12.08): Unrealistische Heilsversprechen über Gentech-Wunderpflanzen
BUND: Heilsversprechen der Gentechnikindustrie - Ein Realitätscheck, Dezember 2008
foodwatch (07.01.2009): Fragwürdige Versprechen der Gentechnikindustrie

Gentechnik hilft nicht gegen den Hunger in der Welt. Im Gegenteil: Sie verschlimmert ihn, da sie zu Monopolisierung und einer industriellen Landwirtschaft führt, die einen hohen Einsatz von Pestiziden und Kunstdüngern erfordert. Die einzige Form von Hunger, den die Konzerne stillen, ist nicht „der Hunger in der Dritten Welt, sondern der Hunger der Aktionäre“, schlussfolgert die schwedische EU-Kommissarin Margot Walström. Auch der Weltagrarrat sieht in seinem jüngsten Bericht (April 2008) die Zukunft der Landwirtschaft in einer Rückbesinnung auf natürliche, regionale und nachhaltige Produktionsweisen.
http://www.weltagrarbericht.de/deutsch.htm
IAASTD: Executive Summary of the Synthesis Report
WOZ (07.05.2009): Brüder, Schwestern, auch Gott liebt diesen Reis
jetzt.de (23.04.2008): Gentechnik macht nicht satt
Zeit online (23.04.2008) China, Klima, Gentechnik - drei Irrtümer der Hungerdebatte
Spiegel online (20.04.2008) LEBENSMITTELPREISE: Seehofer wirft Nahrungsmittelkonzernen Erpressung vor
Spiegel online (15.04.2008): NAHRUNGSMITTELKRISE: Experten fordern radikale Umkehr der Agrarpolitik

Weniger als zehn Konzerne dominieren heute den Weltmarkt für Saatgut und Pestizide. Mithilfe der Patentierung von Gentech-Pflanzen versuchen diese Unternehmen die Kontrolle über die weltweite Nahrungsmittelproduktion zu erlangen. Denn das sichert gerade auch in Zeiten des Mangels satte Profite. Während die Hilfszahlungen an die Hungernden viel zu zögerlich ausgezahlt werden, müssen sich Gentechnikkonzerne wie Monsanto keine Sorgen machen: Mit 3,6 Milliarden US-Dollar stiegen die Gewinne bereits im ersten Quartal 2008 um 26 Prozent.
Von der Industrie unabhängige Wissenschaftler bezweifeln die These von der Wirtschaftlichkeit transgener Pflanzen zunehmend. Nun sind auch Forscher des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) zu dem Schluss gekommen, dass ein Nutzen nicht erwiesen sei. Zuverlässige Daten fehlten, obwohl die Saaten schon seit 12 Jahren kommerziell genutzt werden.
taz.de (29.04.2008): Gentechnikvorteile nicht bewiesen
Monsanto verspricht trotzdem munter weiter, dass sich die Erträge von Gen-Pflanzen bis zum Jahr 2030 verdoppeln ließen - bei einer gleichzeitigen 30-prozentigen Ersparnis an Wasser, Landfläche und Energie.
Schattenblick (6.06.2008): Das Monsanto-Märchen von der Ertragsverdoppelung
Bei einer anderen Untersuchung von herbizidresistenter Soya war herausgekommen, dass die Ernte sogar geringer ausfallen kann, wenn gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden:
The Independent (20.04.2008): Exposed: the great GM crops myth
Dem Wissenschaftler war es in der Untersuchung darum gegangen, inwieweit sich mit der Mangan-Düngung die Erträge von Gen-Soya steigern ließen. Dass die Gen-Soya im Vergleich mit konventioneller Soya so schlecht aussah, war eher ein unbeabsichtigtes Nebenergebnis. Deshalb kam zu folgenden Gegendarstellungen zum Independent-Artikel:
Better Crops with Plant Food (28.04.2008): Manganese Nutrition of Glyphosate-Resistant and Conventional Soybeans
CropGen (15.05.2008): Caught in the act

Devinder Sharma, indische Agrarexperte:
"In einem Radio-Interview in den USA wurde ich gefragt, was der US-amerikanische Präsident tun könne, um den indischen Bauern zu helfen. Es war eine Life-Sendung und meine Antwort lautete: "Lasst uns am besten in Ruhe." Wenn sich Europa und die USA nicht länger bei uns einmischen würden, könnten wir die indische Landwirtschaft wieder so entwickeln, dass sie zu einem Modell würde, zu einem Vorbild für andere. Aber Europa und die USA hindern uns daran: Mit ihrer Handelspolitik, mit ihren Geldgeberorganisationen, mit ihren multinationalen Konzernen und mit ihren Versicherungsgesellschaften."
telepolis.de: Teure Nahrungsmittel (23.04.2008)
Hier finden Sie Berichte zu den weltweiten Hungerrevolten:
Obwohl sogar Gentechnik-Konzerne wie BASF Plant Science zugeben, dass die Gentechnik keine Lösung für die derzeitige Hungerkrise bietet, ist der Glauben an die Wunder der Biotechnologie in manchen Kreisen ungebrochen. Volker Kauder (CDU) will die Gentechnik nutzen, um das Angebot an Nahrungsmitteln auszuweiten. Die Zeitung Welt propagiert eine "Agrarrevolution" mithilfe der grünen Gentechnik. Untermauert wird die Diskussion mit zweifelhaften Umfragen, die einen Zusammenhang zwischen Hungerbekämpfung und Gentechnik herstellen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die UN-Welternährungsorganisation (FAO) kommen in einem gemeinsamen Ausblick zwar zu der Erkenntnis, dass die steigende Nachfrage nach Biosprit maßgeblich für die derzeit hohen Lebensmittelpreise verantwortlich ist, aber einen Teil des Lösungsweges sehen sie in der Gentechnik.
sueddeutsche.de (30.04.2008): Bio-Sprit-Boom verstärkt den Hunger
welt online (24.04.2008): "Wir brauchen die Revolution auf dem Acker"
sueddeutsche.de (21.04.2008): Steigende Lebensmittelpreise: Union will Krise mit Gentechnik lösen
Bauernpräsident Sonnleitner, Gentechnikexperten und Ernährungsexperten der UNO sind sich einig: Es gibt viele Gründe für die globale Nahrungsmittelkrise. Doch die Lösung liegt keinesfalls darin, die Welt mit Gentech-Pflanzen zu überziehen. Ganz im Gegenteil.
Hans Herren, Co-Autor des Weltagrarberichts, erklärt, warum die Gentechnik wenig gegen den Hunger auf der Welt ausrichtet.
Gen-ethischer Informationsdienst (Juni 2008): "Man kann Potenzial nicht essen"
UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler berichtet in einem Interview über seinen Kampf gegen den Hunger. Für ihn ist der Liberalismus, die herrschende Weltordnung schuld am Hunger in der Welt, den laut UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft FAO könnten zwölf Milliarden Menschen ernährt werden. Warum geschieht das nicht fragt Jean Ziegler.
fr-online 12.03.2008: Interview mit Jean Ziegler (gefunden auf der Seite der Linken)
Jan van Aken, Gentechnikexperte bei Greenpeace International sagt, dass jeder, der behauptet, eine Lösung gegen den Hunger in der Welt zu haben, lügt - egal, ob es jemand von Greenpeace oder von der Gentechniklobby ist. Die Ursachen des Hungers seien vielfältige. Und genau so vielfältig müssten auch die Lösungen sein. Das zentrale Stichwort für ihn lautet Diversität. Die Biodiversität auf dem Acker und in der Natur. Aber auch die Diversität der Anbaumethoden.
Greenpeace (30.04.2008): Interview: Kann Gentechnik die globale Hungerkrise besiegen?
Bauernpräsident Sonnleitner setzt auf mehr Forschung und mehr Wissenschaft, doch er denkt nicht, dass die Gentechnik dabei helfen könnte. Er glaubt, dass die Versorgungssicherheit nicht mehr gegeben ist, weil die Bauern in vielen Entwicklungsländern ökonomisch nicht überleben konnten und weil es zu viele Brachflächen gibt.
sueddeutsche.de (22.04.2008): Bauernpräsident Sonnleitner im Interview: "Gentechnik löst die Probleme nicht."
Hohe Lebensmittelpreise als Chance: Die Bauern werden nur genug produzieren, wenn es sich lohnt, sagt Hans-Joachim Preuß von der Welthungerhilfe. Damit die Menschen sich die Nahrungsmittel leisten können, sind Beschäftigungsmaßnahmen nötig.
taz.de (21.04.2008):"Nur die Leute füttern bringt nichts"
Der Chef der UN-Nahrungsmittelorganisation FAO, Jacques Diouf, beklagt, dass die Entwicklungshilfe für den Agrarbereich von 1992 bis 2000 um die Hälfte gekürzt wurde. Er sieht ein Hauptproblem in dem steigenden Fleischkonsum von Schwellenländern und glaubt, dass in Afrika vor allem das Wasserproblem gelöst werden muss.
Zeit online (17.04.2008): "Wir brauchen eine zweite Grüne Revolution!"
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Infodienst (16.11.09): Neue Broschüre zum Weltagrarbericht
Infodienst (21.10.09): Patente verschäften Hungerkrise
Süddeutsche: (21.04.09): Alternativen zur Gentechnik
Infodienst (17.04.09): Deutsche lassen sich nichts vormachen
Infodienst (09.03.09): Neuer Reis trotzt den Naturgewalten
Infodienst (04.03.09): Satt werden ohne Gentechnik
Infodienst (28.01.09): Keine Hilfe für die Hungernden
Infodienst (13.01.09): BfN weist auf Risiken der Agro-Gentechnik hin
Infodienst (12.01.09): Das große Geschäft im Deckmantel Welternährung
Infodienst (16.10.2008): Welternährungstag: Die Lösung gibt es schwarz auf weiß
genfoodneindanke (26.05.08): UN-Menschenrechtsausschuss: Agro-Gentechnik verschlimmert Armut
Telepolis (22.04.2008): Nicht nur Biosprit macht Hunger
Der Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen in Genf hat sich mit der Lage verarmter Kleinbauern in Indien befasst und dabei festgestellt, dass die Gentechnik-Konzerne mit ihren Produkten die Lage der Bauern noch verschlimmert hätten.
genfoodneindanke.de
Immer mehr Menschen benötigen immer mehr Nahrung. Gleichzeitig nimmt die für die Landwirtschaft nutzbare Fläche ab. Der Ruf nach einer effektiveren Landnutzung wird deshalb immer lauter. Das heißt allerdings nicht, dass mehr synthetische Dünger oder gar Gentechnik auf die Äcker gehören. Lesen Sie hier, wie die Welt auch und gerade ökologisch ernährt werden kann: