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Petunien
Petunien (Foto: Gardenandgreen / wikimedia, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Vor 25 Jahren: Gentech-Petunien dürfen in Köln aufs Feld

19.05.2014

Vor einem Vierteljahrhundert wurde erstmals die Freisetzung von gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland genehmigt. Daran erinnerten Gentech-Kritiker am Freitag. 1989 hatte das damalige Bundesgesundheitsamt einen Versuch mit genmodifizierten Petunien in Köln erlaubt. Ausgesät wurden sie ein Jahr später.

Schon damals zeigte sich laut Kritikern, wie unkontrollierbar gentechnisch veränderte Organismen sind. Die Petunien hätten bei höheren Temperaturen spontan die Blütenfarbe geändert. Vor dem Hintergrund des „Jubiläums“ warnen sie deshalb vor einer weiteren unkontrollierten Verbreitung von transgenen Pflanzen. „Wir beobachten die ersten Fälle, in denen die gv-Pflanzen in wild lebende verwandte Arten auskreuzen und ihr transgenes Material weitergeben“, erklärte Christoph Then vom Verein Testbiotech aus München. „Das ist unverantwortlich, weil das Risiko buchstäblich unkontrollierbar wird. Die Rückholbarkeit von gv-Pflanzen ist eine wesentliche Säule des Risikomanagements. Ohne die Möglichkeit der Rückholbarkeit läuft das ganze Risikomanagement ins Leere.“

Christof Potthof vom Gen-ethischen Netzwerk aus Berlin sieht aber auch Grund zum Optimismus. „Die letzten 25 Jahre haben auch gezeigt, dass sich der Widerstand der Bevölkerung als erfolgreich erwiesen und damit gelohnt hat. 2014 ist das zweite Jahr in Folge, in dem keine einzige gentechnisch veränderte Pflanze auf den Äckern in Deutschland wächst - weder kommerziell, noch in einem Versuch. Viele tausend Bürgerinnen und Bürger in lokalen Initiativen, Vereinen und überregional tätigen Verbänden setzen sich mit bewundernswert langem Atem für eine gentechnikfreie Landwirtschaft ein.“ Dazu gehört auch die Initiative „Bürger beobachten Petunien“ aus Köln.

Sie und andere werden sich weiter engagieren. Denn, so betont Potthof: „Natürlich bleiben Wünsche offen: Damit sich zum Beispiel die hiesige industrielle Tiermast rechnet, wird der südamerikanische Kontinent vergiftet und in neokolonialer Art zur Rohstoffquelle degradiert. Gentechnisch veränderte Soja spielt dabei eine wesentliche Rolle. Das ist uns natürlich nicht egal.“

Die gentechnisch veränderte Petunie von 1989 stammte vom Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung. Auch heute gibt es noch genmodifizierte Zierpflanzen: unter den Namen „Moonaqua“ oder „Moonlite“ führt ein japanischer Konzern beispielsweise Gentechnik-Nelken in die EU ein. [dh]