10.10.2009 | permalink

Viel Protest und wenig Einsicht beim Gentechnik-Prozess in Gießen

Gerste Pfingsten 2006 haben Gentechnikgegner gentechnisch veränderte Gerste eines Versuchsfeldes der Uni Gießen ausgerissen.

Die Gießener Richter zeigten sich wenig beeindruckt. Weder vom solidarischen Protest, vom langen Plädoyer und dem von den Angeklagten angeführten Notstand noch vom Plädoyer-Vortrag oder der guten Verteidigung. Am Freitag wurden die zwei Feldbefreier, die vor drei Jahren ein Versuchsfeld mit Gentechnik-Gerste der Universität Gießen teilweise zerstörten, zu sechs Monaten ohne Bewährung (für Jörg Bergsted) und vier Monaten auf Bewährung (für Patrick Neuhaus) verurteilt. Die zunächst geringere Strafe für Jörg Bergsted nahm der Richter wieder zurück. Zwar hatte Bergstedt ein vierstündiges Plädoyer gehalten, in dem er ausführlich darlegte, warum die Feldzerstörung ein legitimes Mittel gegen den gefährlichen Anbau von Gentechnik-Pflanzen darstellt. Doch dem Richter ging das eigene Engagement offenbar zu weit. Wer so sehr die bürgerliche Gesellschaft ablehnt und Selbstjustiz als Mittel wählt, muss wohl ordentlich bestraft werden. Eine weitere Begründung aus dem Urteilsspruch: Die Feldzerstörung sei kein geeignetes Mittel, um gegen Gentechnik vorzugehen, denn die sei sowieso nicht mehr aufzuhalten. Ein emeritierter Agrar-Professor aus Witzenhausen ist da anderer Meinung: Aus Protest gegen das Urteil kletterte er auf eine vor dem Gerichtsgebäude befindliche Birke und harrte dort bis 24 Uhr aus.

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