Mittelmeerfruchtfliege Insekten
Mittelmeerfruchtfliege (Foto: Scott Bauer / United States Department of Agriculture, public domain (Wiki Commons))

Göttinger Wissenschaftler arbeitet mit gentechnisch veränderten Fliegen

23.03.2017

Ein Biologe an der Universität Göttingen hat Experimente mit gentechnisch veränderten Fliegen durchgeführt - in einem Labor, das nicht die vorgeschriebenen Sicherheitsstandards erfüllte. Das teilten die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), das Gen-ethische Netzwerk (GeN) und Testbiotech mit. Sie wollen nun von der niedersächsischen Landesregierung wissen, wer die Versuche genehmigt hat, welche Insektenart verwendet wurde und ob die Versuche wirklich eingestellt wurden.

Aufmerksam auf den Fall wurden die drei Organisationen durch ein Interview in der Fachzeitschrift Laborjournal. Darin berichtete der Entwicklungsbiologe Ernst Wimmer über eine bisher noch nicht veröffentlichten Forschungsarbeit. Er hatte dafür Insekten mit Hilfe der Gentechnik-Schere CRISPR-Cas gentechnisch so verändert, dass sich ihre Eigenschaften besonders schnell innerhalb der Art ausbreiten können. Experten sprechen von einem sogenannten Gene Drive. Zusammen mit dem Gene Drive wurden die Insekten so manipuliert, dass bei der Fortpflanzung keine männlichen Nachkommen mehr entstehen und die Population dadurch zusammenbricht. Mit ihren Experimenten wollten die Forscher in Göttingen herausfinden, wie zuverlässig sich dieser Mechanismus vererben lässt. Dabei stellten sie fest, dass sich bei nachfolgenden Generationen jeweils an der Stelle im Erbgut, wo der Gene Drive eingebaut wurde, ungewollte Mutationen häuften. Dadurch wurde der Gene Drive immer unzuverlässiger, und nach einigen Generationen brachten die Tiere auch wieder fruchtbare Weibchen zu Welt. Die Fliegen wurden quasi resistent. [+] mehr...

Mon
Monsanto banner (Photo: Donna Cleveland/Flickr)

Monsanto und Glyphosat: Akten belegen Einfluss auf Umweltbehörde

22.03.2017

Ein maßgeblicher Mitarbeiter in der Pestizid-Abteilung der US-Umweltbehörde EPA stand fest auf der Seite von Monsanto. Das belegen interne Mails des Konzerns, die ein Gericht in Kalifornien für die Öffentlichkeit freigab. In dem Prozess in San Francisco wird über die Klagen von 55 Menschen verhandelt, die selbst an Lymphdrüsenkrebs erkrankten oder Angehörige durch diesen Krebs verloren haben. Sie führen die Erkrankung auf die Anwendung von Glyphosat zurück und werfen Monsanto vor, das Risiko verschwiegen zu haben.

Der in den Unterlagen genannte Mitarbeiter heißt Jess Rowland und arbeitete bis zu seinem Ruhestand im April 2016 in der für Pestizide zuständigen Abteilung der EPA. Dort leitete er einen Ausschuss, der die Frage bearbeitete, ob der von Monsanto entwickelte Wirkstoff Glyphosat Krebs auslösen kann. Letzten September veröffentlichte die EPA das Gutachten des Ausschusses und verneinte die Frage. Glyphosat sei nicht krebserregend, lautete das Fazit der Behörde. [+] mehr...

Patentfreies Bier (miffyhase, Stärkung auf der Promenade, http://bit.ly/2gk5sOM, https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/)
Patentfreies Bier (miffyhase, Stärkung auf der Promenade, http://bit.ly/2gk5sOM, https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/)

Aufruf gegen Patente auf Bier gestartet

17.03.2017

Mehr als 30 Nichtregierungsorganisationen (NGOs) fordern von der Politik wirksame Verbote, um Patente auf Pflanzen und Tiere aus konventioneller Züchtung zu verhindern. Das teilte das Bündnis „Keine Patente auf Saatgut!“ mit. Nach Angaben des Europäischen Patentamtes (EPA) liegen aktuell 320 solcher Patentanträge oder Einspruchsverfahren auf Eis. Es wird erwartet, dass der Verwaltungsrat des EPA bis zum Sommer über das weitere Vorgehen entscheiden wird.

Konkret wendet sich der Protest der NGOs gegen drei Patente für die Brauereikonzerne Carlsberg und Heineken, die 2016 vom EPA erteilt wurden (EP2384110, EP2373154 und EP2575433). Sie erstrecken sich auf Gerste aus konventioneller Züchtung und deren Verwendung durch die Brauereien sowie das damit produzierte Bier. Diese Patente beruhen nach Ansicht der NGOs auf zufälligen Mutationen im Erbgut der Pflanzen. Carlsberg entgegnete, das besonders energiesparende Brauverfahren sei geschützt. [+] mehr...

Herbizide Glyphosat Pestizide allgemein
Herbizide (Foto: Chafer Machinery / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Europäische Chemikalien-Agentur: Glyphosat nicht krebserregend

15.03.2017

UPDATE +++ Die vorliegenden wissenschaftlichen Belege reichen nach Ansicht der europäischen Chemikalien-Agentur ECHA nicht aus, um den Pestizidwirkstoff Glyphosat als krebserregend, mutagen oder schädlich für die Fortpflanzung zu klassifizieren. Diese Entscheidung ihres Ausschusses für Risikobeurteilung (Risk Assessment Committee, RAC) gab die Agentur heute bekannt. Umweltschützer fordern, die Zulassung für Glyphosat zum Jahresende auslaufen zu lassen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) verwies darauf, dass die Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation IARC Glyphosat weiterhin als „krebserregend beim Menschen“ einstufe. Auch ein kalifornisches Gericht entschied jüngst, dass der US-Bundesstaat glyphosathaltige Produkte auf seine Krebs-Warnliste setzen darf. Die deutsche Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hatte der ECHA empfohlen, vor Schäden für Organe, Augen und Wasserorganismen zu warnen. Einer BUND-Studie zufolge hatten 70 Prozent der im Jahr 2013 in Deutschland getesteten und 44 Prozent der europaweit untersuchten Personen Glyphosat im Urin. [+] mehr...

FAO
Plenary of the CFS (Photo: FAO/Giuseppe Carotenuto)

Gentechnik gegen den Hunger? Für die FAO kein Thema

13.03.2017

Immer wieder behaupten die großen Saatgutkonzerne, dass ihre gentechnisch veränderten Pflanzen notwendig seien, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Die Welternährungsorganisation FAO sieht das anders. In ihrem neuen Bericht zur Zukunft der Ernährung hat sie der Agro-Gentechnik nur einen einzigen Absatz gewidmet.

Der Report „The Future of Food and Agriculture” beschreibt 15 Trends und zehn Herausforderungen für die weltweite Ernährungssicherheit. Der Druck auf die vorhandenen natürlichen Ressourcen, die zunehmende wirtschaftliche Ungleichheit und die Auswirkungen des Klimawandels gefährden aus Sicht der FAO das Ziel, den Hunger bis zum Jahr 2030 zu beenden. Zwar sei es in den letzten 30 Jahren durch eine wachsende Produktion von Lebensmittel gelungen, den Hunger einzudämmen. Doch sei dies mit erheblichen Umweltschäden verbunden gewesen. „Ressourcenintensive landwirtschaftliche Systeme mit hohem Input haben massive Waldzerstörungen, Wasserknappheit, Bodenverarmung und ein hohes Niveau an klimaschädlichen Emissionen verursacht“, schreibt die FAO. Nachhaltig sei diese Art der Intensivlandwirtschaft nicht. Notwendig seien statt dessen innovative Ansätze wie die Agrarökologie oder Agro-Forst-Systeme, die die natürlich Ressourcen schützen und dennoch produktiv sind. [+] mehr...