Grünenprotest bei Agrarministerkonferenz
Grüne demonstrierten Anfang Mai 2011 vor der Agrarminister-konferenz in Plön gegen die Amflora. (Bild: Die Grünen/MV)

Die Grünen wollen die neue Gentechnik streng regulieren

18.06.2020

Die Grünen-Fraktionen im Bundestag und im europäischen Parlament haben sich klar gegen eine Deregulierung neuer Gentechnik-Verfahren ausgesprochen. „Wir stehen für eine verantwortungsvolle Regulierung, die das Vorsorgeprinzip ernst nimmt, die Umwelt schützt und auch kommenden Generationen noch eine Wahl lässt“, heißt es in dem von den Bundestags-Grünen beschlossenen Papier. Vor einer Woche veröffentlichten einzelne Parteimitglieder einen Vorstoß , für Erzeugnisse der neuen Gentechnik den Rechtsrahmen zu ändern.

Die Bundestagsfraktion argumentiert in ihrem Papier nicht nur mit den Risiken neuer gentechnischer Verfahren für Umwelt und Gesundheit, sondern auch mit der Transparenz. Wer für eine Deregulierung eintrete, nehme einen „gravierenden Eingriff“ in die „Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmung aller Akteure entlang der Lebensmittelkette in Kauf“. Betroffen davon seien Züchter, Landwirte und Verarbeiter ebenso wie Händler und Verbraucher. Zudem könnten bei unerwarteten Aus- oder Nebenwirkungen der gentechnischen Veränderung die Organismen nicht mehr zurückverfolgt werden. [+] mehr...

Sojapflanzen mit Dicamba-Schäden — Soybeans showing the cupped leaves which are a symptom of dicamba injury. (Photo: U of A System Division of Agriculture; http://bit.ly/2isaTx4; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)
Sojapflanzen mit Dicamba-Schäden — Soybeans showing the cupped leaves which are a symptom of dicamba injury. (Photo: U of A System Division of Agriculture; http://bit.ly/2isaTx4; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

Risiken unterschätzt: US-Gericht verbietet Pflanzengift Dicamba

09.06.2020

Nach Klagen von Bauern- und Umweltverbänden verbot ein US-Berufungsgericht vergangene Woche, das Unkrautvernichtungsmittel Dicamba in den USA weiterhin zu verkaufen oder zu versprühen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die US-Umweltbehörde EPA habe bei der Zulassung die Risiken des Pflanzengifts erheblich unterschätzt. Die Landwirte dürfen ihre Bestände jetzt noch bis 31. Juli aufbrauchen.

Wie der Informationsdienst Gentechnik bereits berichtete, besteht das Problem beim leicht flüchtigen Dicamba darin, dass es beim Spritzen häufig auf Nachbarfelder verweht wird. Wachsen dort Pflanzen, die nicht gentechnisch gegen Dicamba resistent gemacht wurden, vernichtet das Herbizid Teile der Ernte. 170 betroffene Bauern haben daher nach Informationen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Hersteller von Spritzmitteln mit Dicamba - die Konzerne Bayer, BASF und Corteva - auf Schadenersatz verklagt. In einem ersten Verfahren wurden Bayer und BASF zu 265 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt. In diesem Prozess belegten Dokumente, dass die Hersteller Abdriftprobleme von vorneherein einkalkuliert hatten. [+] mehr...

Maisfeld (Foto:CCO)
Maisfeld (Foto:CCO)

Gentech-Mais wuchs auf süddeutschem Acker

05.06.2020

UPDATE +++ Ein niedersächsischer Saatgut-Händler hat mehr als 820.000 Körner konventionellen Zuckermais aus den USA, der mit gentechnisch manipuliertem Mais verunreinigt war, an vier deutsche Abnehmer verkauft. Entdeckt wurde die Kontamination der Charge Zuckermais in Ungarn. Am 20. Mai wurde das niedersächsische Umweltministerium informiert und stoppte nach eigenen Angaben sofort den Handel mit diesem Saatgut. Da wuchs der Gentech-Mais allerdings bereits auf einem süddeutschen Acker.

Der Zuckermais der Sorte „Sweet Wonder“ wurde vom US-amerikanischen Saatguthersteller Illinois Foundation Seeds Inc. gezüchtet und nach Niedersachsen geliefert, teilte das dortige Umweltministerium auf Anfrage mit. Auch die gentechnisch veränderten Körner in der Lieferung stammten von dem Unternehmen, das neben konventionellen vor allem genmanipulierte Maissorten mit unterschiedlichen Eigenschaften anbietet. Die niedersächsische Firma Agri-Saaten verkaufte die importierte, kontaminierte „Sweet Wonder“-Saat an vier Landwirte und Händler in drei deutschen Bundesländern. Nur einer der Käufer pflanzte den Mais bereits an: ein Bauer in Baden-Württemberg. „Durch das schnelle Eingreifen der zuständigen niedersächsischen Vollzugsbehörde konnte die Aussaat in den anderen Bundesländern verhindert werden“, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Hannover. Das gelieferte „Sweet Wonder“-Saatgut zog die Behörde ein, die Bestände beim Händler sperrte sie. [+] mehr...

Justiz Gericht Gesetz
Schild am Eingang eines Gerichts in Newcastle (Foto: smlp.co.uk / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

USA deregulieren die Zulassung von Gentechnik-Pflanzen

25.05.2020

Das US-Landwirtschaftsministerium USDA hat neue Zulassungsregeln für gentechnisch veränderte Pflanzen veröffentlicht. Umwelt- und Verbraucherorganisationen warnen, dass künftig die Mehrheit der Gentechnik-Pflanzen in den USA ohne jede Zulassung angebaut werden könnte. Besonders kritisch sehen sie, dass die Saatgutkonzerne selbst entscheiden, ob eine amtliche Zulassung notwendig ist.

Das neue Gesetz geht auf einen Erlass von US-Präsident Trump vom Juni letzten Jahres zurück. Es sieht eine weitgehende Deregulierung vor für Organismen, die mit Hilfe neuer gentechnischer Verfahren hergestellt wurden. Doch auch für die alte Gentechnik gibt es Erleichterungen. Für sie gilt künftig, dass eine einmal als sicher eingestufte gentechnische Veränderung nicht mehr neu zugelassen werden muss, wenn sie mit anderen Veränderungen kombiniert oder in anderen Sorten eingesetzt wird. [+] mehr...

Food
Lebensmittel anders anbauen! (Foto: CC0)

EU-Kommissarin: vorerst keine neuen Regeln zur Agro-Gentechnik

20.05.2020

Die EU-Kommission hat ihre Strategie ‚Vom Hof auf den Teller’ für eine nachhaltige Lebensmittelerzeugung vorgestellt. Bis 2030 will sie den Pestizidverbrauch halbieren und den Biolandbau auf 25 Prozent steigern. Doch in der Strategie stehen immer noch die neuen gentechnischen Verfahren, die nach Meinung ihrer Kritiker überhaupt nicht nachhaltig sind.

In ihrer Mitteilung argumentiert die Kommission, der Klimawandel bringe neue Gefahren für die Pflanzengesundheit mit sich. In diesem Zusammenhang schreibt sie: „Neue innovative Techniken, einschließlich der Biotechnologie und der Entwicklung biobasierter Produkte, können bei der Steigerung der Nachhaltigkeit eine Rolle spielen, sofern sie für Verbraucher und Umwelt sicher sind und gleichzeitig Vorteile für die Gesellschaft insgesamt mit sich bringen.“ Mit diesen Techniken lasse sich auch „die Verringerung der Abhängigkeit von Pestiziden beschleunigen“. Mit 'innovative Techniken der Biotechnologie' meint die EU-Kommission neue gentechnische Verfahren wie die Gen-Schere Crispr/Cas. [+] mehr...