Louise und Percy Schmeiser, 2010 (Foto Wolfgang Schmidt, The Right Livelihood Foundation)
Louise und Percy Schmeiser, 2010 (Foto Wolfgang Schmidt, The Right Livelihood Foundation)

Percy Schmeiser: Der Monsanto-Bezwinger ist gestorben

20.10.2020

Durch seinen Kampf gegen Monsanto wurde der kanadische Landwirt Percy Schmeiser zu einer Ikone der Anti-Gentechnik-Bewegung. Für seinen unerschrockenen Widerstand erhielt er zahlreiche Preise, darunter der Alternative Nobelpreis. Mit 89 Jahren ist Percy Schmeiser letzte Woche gestorben.

Es begann im Sommer 1997. Auf den Rapsfeldern von Percy Schmeiser wurden gentechnisch veränderte, patentgeschützte Rapspflanzen des Gentechnikkonzerns Monsanto gefunden. Sie konnten nur durch Windverdriftung von Nachbarfeldern oder Insekten auf Schmeisers Felder gelangt sein. Denn er und seine Frau Louise züchteten auf ihrer 600 Hektar großen Farm gentechnikfreie, speziell an die regionalen Bedingungen angepasste Rapssorten. Anstatt ihn für die Verunreinigung zu entschädigen, verklagte Monsato Schmeiser und forderte Lizenzgebühren, weil auf seinen Feldern Gentech-Raps gewachsen war. Der jahrelange Prozess, die ihn fast seine Existenz gekostet hätte, endete 2004 mit einer höchstrichterlichen Entscheidung: Schmeiser musste weder Lizenzgebühren noch Schadenersatz zahlen. Doch er blieb auf den Prozesskosten von 400.000 kanadischen Dollar (rund 250.000 Euro) sitzen und musste seine Farm auf Weizen, Erbsen, Hafer und andere Feldfrüchte umstellen, weil die gentechnikfreie Rapszucht in Kanda unmöglich geworden war. Vier Jahre später verklagte Percy Schmeiser den Konzern und kurz vor der Verhandlung akzeptierte Monsanto außergerichtlich alle seine Forderungen. Der Konzern räumte die Verantwortung für die Kontaminationen ein und gestand Schmeiser zu, dass er öffentlich über den gesamten Vorgang berichten durfte. David hatte gegen Goliath gewonnen. [+] mehr...

Hat den Nachweis entwickelt: Dr. John Fagan. Foto: Health Research Institute
Hat den Nachweis entwickelt: Dr. John Fagan. Foto: Health Research Institute

EU-Labore: Gentech-Importe trotz Cibus-Nachweis unkontrollierbar

15.10.2020

Bereits vor eineinhalb Jahren haben Europas staatliche Gentech-Labore (ENGL) eingestanden, dass sie Agrarimporte nicht auf illegale Pflanzen überprüfen können, die mit neuen gentechnischen Verfahren verändert wurden. Auch der neue Nachweis einer internationalen Verbändeinitiative für US-amerikanischen Cibus-Raps tauge dafür nicht, schrieben sie jetzt nach einem Treffen. Wie sie selbst ihr Problem der Importkontrolle lösen wollen, dazu steht im Protokoll keine Silbe.

Umso intensiver befasste man sich mit dem neuen Nachweisverfahren, das ein US-Labor im Auftrag von sieben Verbänden aus dem Lebensmittel- und Umweltbereich aus Europa, den USA und Neuseeland entwickelt und Anfang September vorgestellt hatte (der Infodienst berichtete). Mit seiner Hilfe kann eine nach Europa importierte Rapslieferung darauf untersucht werden, ob sie den in der EU nicht zugelassenen Cibus-Raps enthält. Cibus setzte bei der Entwicklung des Rapses mit dem Markennamen Falco das gentechnische Verfahren der Oligonukleotidgesteuerten Mutagenese (ODM) ein. Ob der Raps dadurch herbizidresistent wurde, oder ob das durch die Zellkultur ausgelöst wurde (somaklonale Variation), wurde in der Vergangenheit unterschiedlich dargestellt. [+] mehr...

Weizen Mähdrescher Ernte
Foto: tpmartins / flickr; Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0

Argentinien erlaubt kommerziellen Anbau eines Gentechnik-Weizens

12.10.2020

Als erstes Land der Welt hat Argentinien einen gentechnisch veränderten (gv) Weizen für den kommerziellen Anbau und den Verzehr zugelassen. Unklar ist aber noch, ob das Nachbarland Brasilien als wichtigster Abnehmer von argentinischem Weizen die neue Sorte ins Land lassen wird. Und selbst dann haben Experten und Bauern Bedenken.

Der Weizen trägt das Kürzel HB4 und enthält ein Gen der Sonnenblume, mit dessen Hilfe er Hitze und Salz besser aushalten soll als herkömmlicher Weizen. Seit 16 Jahren hat die argentinische Firma Bioceres die Pflanze entwickelt, zusammen mit dem französischen Pflanzenzüchter Florimond Desprez. Die ersten Feldversuche starteten bereits 2009. Dabei soll der gv-Weizen nach Firmenangaben bei Trockenheit bis zu 20 Prozent höhere Erträge geliefert haben als Vergleichssorten. [+] mehr...

Jennifer Doudna (li.) und Emmanuelle Charpentier (re.) nach Verleihung des Kavli-Preises 2018 https://bit.ly/3lntkPe; https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/; Photo: Thor Nielsen / NTNU
Jennifer Doudna (li.) und Emmanuelle Charpentier (re.) nach Verleihung des Kavli-Preises 2018 https://bit.ly/3lntkPe; https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/; Photo: Thor Nielsen / NTNU

Nobelpreis für die Gen-Schere Crispr/Cas

07.10.2020

Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna haben den Nobelpreis 2020 für Chemie erhalten. Die beiden Wissenschaftlerinnen wurden für die Entwicklung der Gen-Schere Crispr/Cas9 ausgezeichnet, die sie 2012 vorstellten. Mit diesem Werkzeug könnten Forscher die DNA von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen präzise verändern, hieß es zur Begründung.

Crispr/Cas9 habe die molekularen Lebenswissenschaften revolutioniert, neue Möglichkeiten für die Pflanzenzüchtung gebracht, trage zu innovativen Krebstherapien bei und könne den Traum von der Heilung vererbter Krankheiten wahr werden lassen, schrieb das Nobelkomitee und lobte den Nutzen der Entdeckung für die Menschheit. „In diesem genetischen Werkzeug steckt eine enorme Kraft, die uns alle betrifft", sagte Claes Gustafsson, der Vorsitzende des Nobelkomitees für Chemie. Eine Kraft, die auch gefährlich werden kann. Die Entdeckerinnen warnten schon vor Jahren davor, mit Crispr in menschliche Keimbahnen einzugreifen. „Genom-editierte Menschen sind keine Science Fiction mehr“, sagte etwa Jennifer Doudna. Dass auch in der Anwendung in der Pflanzenzucht zahlreiche Risiken stecken, haben inzwischen mehrere Studien gezeigt. [+] mehr...

Justiz Gericht Gesetz
Schild am Eingang eines Gerichts in Newcastle (Foto: smlp.co.uk / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

Konferenz macht Stimmung für schwaches Gentechnikrecht

06.10.2020

„Genome Editing in Europa: neue Agenda oder neue Auseinandersetzungen?“ war das Thema einer Online-Konferenz, zu der die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Deutsche Forschungsgemeinschaft eingeladen hatten. Auseinandersetzungen gab es dabei kaum, denn die Podien waren ziemlich einseitig besetzt. Wenig erstaunlich, denn die beiden Organisationen hatten bereits im letzten Jahr in einer Stellungnahme deutlich gemacht, dass sie das EU-Gentechnikrecht gerne geändert hätten.

Drei der vier Sessions der zweitägigen Konferenz dienten vor allem dazu, den Wunsch der interessierten Wirtschafts- und Wissenschaftskreise nach einer Deregulierung des Genome Editing zu untermauern. Lediglich eine Session war den sozio-ökonomischen und ökologischen Bedenken gewidmet – allerdings mit dem im Programm formulierten Ziel „die Vorteile neuer molekularer Züchtungsmethoden und ihrer Produkte aufbauend auf den Erfahrungen mit konventioneller genetischer Züchtung in den letzten drei Jahrzehnten angemessen zu berücksichtigen“. Monika Messner vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) stellte in diesem Umfeld die Position des Ökolandbaus zur Neuen Gentechnik vor und machte klar, dass deren Deregulierung einen massiven Glaubwürdigkeitsverlust für den Ökolandbau bedeuten würde. Sie war die einzige dezidiert gentechnik-kritische Stimme auf dieser Konferenz. Die teilnehmende grüne Europa-Abgeordnete Viola von Cramon hatte ein Impulspapier mit unterzeichnet, in dem einige grüne Forschungspolitiker für eine Deregulierung der neuen Gentechnik argumentiert hatten. Im Parlament ist sie vor allem als Außenpolitikerin und Haushaltskontrolleurin tätig und hat mit Agro-Gentechnik wenig zu tun. [+] mehr...