Maisfeld (Foto:CCO)
Maisfeld (Foto:CCO)

Gentech-Mais wuchs auf süddeutschem Acker

05.06.2020

UPDATE +++ Ein niedersächsischer Saatgut-Händler hat mehr als 820.000 Körner konventionellen Zuckermais aus den USA, der mit gentechnisch manipuliertem Mais verunreinigt war, an vier deutsche Abnehmer verkauft. Entdeckt wurde die Kontamination der Charge Zuckermais in Ungarn. Am 20. Mai wurde das niedersächsische Umweltministerium informiert und stoppte nach eigenen Angaben sofort den Handel mit diesem Saatgut. Da wuchs der Gentech-Mais allerdings bereits auf einem süddeutschen Acker.

Der Zuckermais der Sorte „Sweet Wonder“ wurde vom US-amerikanischen Saatguthersteller Illinois Foundation Seeds Inc. gezüchtet und nach Niedersachsen geliefert, teilte das dortige Umweltministerium auf Anfrage mit. Auch die gentechnisch veränderten Körner in der Lieferung stammten von dem Unternehmen, das neben konventionellen vor allem genmanipulierte Maissorten mit unterschiedlichen Eigenschaften anbietet. Die niedersächsische Firma Agri-Saaten verkaufte die importierte, kontaminierte „Sweet Wonder“-Saat an vier Landwirte und Händler in drei deutschen Bundesländern. Nur einer der Käufer pflanzte den Mais bereits an: ein Bauer in Baden-Württemberg. „Durch das schnelle Eingreifen der zuständigen niedersächsischen Vollzugsbehörde konnte die Aussaat in den anderen Bundesländern verhindert werden“, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Hannover. Das gelieferte „Sweet Wonder“-Saatgut zog die Behörde ein, die Bestände beim Händler sperrte sie. [+] mehr...

Justiz Gericht Gesetz
Schild am Eingang eines Gerichts in Newcastle (Foto: smlp.co.uk / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

USA deregulieren die Zulassung von Gentechnik-Pflanzen

25.05.2020

Das US-Landwirtschaftsministerium USDA hat neue Zulassungsregeln für gentechnisch veränderte Pflanzen veröffentlicht. Umwelt- und Verbraucherorganisationen warnen, dass künftig die Mehrheit der Gentechnik-Pflanzen in den USA ohne jede Zulassung angebaut werden könnte. Besonders kritisch sehen sie, dass die Saatgutkonzerne selbst entscheiden, ob eine amtliche Zulassung notwendig ist.

Das neue Gesetz geht auf einen Erlass von US-Präsident Trump vom Juni letzten Jahres zurück. Es sieht eine weitgehende Deregulierung vor für Organismen, die mit Hilfe neuer gentechnischer Verfahren hergestellt wurden. Doch auch für die alte Gentechnik gibt es Erleichterungen. Für sie gilt künftig, dass eine einmal als sicher eingestufte gentechnische Veränderung nicht mehr neu zugelassen werden muss, wenn sie mit anderen Veränderungen kombiniert oder in anderen Sorten eingesetzt wird. [+] mehr...

Food
Lebensmittel anders anbauen! (Foto: CC0)

EU-Kommissarin: vorerst keine neuen Regeln zur Agro-Gentechnik

20.05.2020

Die EU-Kommission hat ihre Strategie ‚Vom Hof auf den Teller’ für eine nachhaltige Lebensmittelerzeugung vorgestellt. Bis 2030 will sie den Pestizidverbrauch halbieren und den Biolandbau auf 25 Prozent steigern. Doch in der Strategie stehen immer noch die neuen gentechnischen Verfahren, die nach Meinung ihrer Kritiker überhaupt nicht nachhaltig sind.

In ihrer Mitteilung argumentiert die Kommission, der Klimawandel bringe neue Gefahren für die Pflanzengesundheit mit sich. In diesem Zusammenhang schreibt sie: „Neue innovative Techniken, einschließlich der Biotechnologie und der Entwicklung biobasierter Produkte, können bei der Steigerung der Nachhaltigkeit eine Rolle spielen, sofern sie für Verbraucher und Umwelt sicher sind und gleichzeitig Vorteile für die Gesellschaft insgesamt mit sich bringen.“ Mit diesen Techniken lasse sich auch „die Verringerung der Abhängigkeit von Pestiziden beschleunigen“. Mit 'innovative Techniken der Biotechnologie' meint die EU-Kommission neue gentechnische Verfahren wie die Gen-Schere Crispr/Cas. [+] mehr...

Trade
Is TTIP a threat to consumers? (Photo: Rob 124/Flickr.com)

TTIP 2.0: Das Gentechnikrecht ist nicht verhandelbar

14.05.2020

75 Verbände unter der Führung von Friends of the Earth Europe haben EU-Handelskommissar Phil Hogan geschrieben. Sie fürchten, dass die EU in den laufenden Handelsgesprächen mit den USA Zugeständnisse bei den Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Organismen machen wird. Die Kommission verneint das, will aber die Zusammenarbeit mit den USA in „innovativen Bereichen der Biotechnologie“ fördern.

Bereits im Februar machten in Brüssel Berichte über die TTIP 2.0 genannten und kurz vor dem Abschluss stehenden Handelsgespräche die Runde. Die EU-Kommission wolle auf Wunsch der USA neue gentechnisch veränderte Pflanzen schneller zulassen, berichtete das Magazin Politico und nannte zwei Jahre als maximale Verfahrensdauer. Da die Gespräche nach Medienberichten auch während der Pandemie weitergeführt wurden, wandten sich nun 75 europäische Verbände an Handelskommissar Hogan. Sie erinnerten ihn daran, dass das strenge EU-Zulassungsverfahren das Ziel habe, Menschen und Umwelt zu schützen und deshalb nicht zur Verhandlung stehen dürfe. Statt dessen müsse es verbessert werden, denn die Zulassungen beruhten „auf einer oberflächlichen wissenschaftlichen Bewertung, die wichtige potentielle Schäden ignoriert“. Darüber hinaus seien die EU-Zulassungen „das Ergebnis eines zutiefst undemokratischen Entscheidungsprozesses“, in dem die Kommission einseitig entscheide, ohne die Unterstützung einer qualifizierten Mehrheit der Mitgliedsstaaten und gegen die Einwände des Europäischen Parlaments. Die Verbände forderten die Kommission auf, die Sicherheitsbewertung gentechnisch veränderter Organismen (GVO) zu verbessern und das Urteil des Europäischen Gerichtshofs über den Geltungsbereich des Gentechnikrechts umzusetzen. Auch müsse die Kommission alle Versuche zurückweisen, GVO, die aus neuen gentechnischen Verfahren wie Crispr/Cas stammen, von der Gentechnik-Gesetzgebung auszunehmen. [+] mehr...

Pestizid
Gift auf dem Acker (Foto: pixabay, CC0, hpgruesen)

Dicamba erhöht das Krebsrisiko von Landwirten

11.05.2020

Landwirte, die das Herbizid Dicamba eingesetzt hatten, erkrankten häufiger an Leberkrebs als Kollegen, die das Spritzgift nicht anrührten. Das ergab eine Studie der US-Gesundheitsbehörde. Für die Dicamba-Hersteller Bayer und BASF kommt sie zur Unzeit, da die Umweltagentur EPA die Zulassung für deren Spritzmittel erneuern muss.

Die National Institutes of Health (NIH) hatten die Agricultural Health Study (AHS) neu ausgewertet. Für diese Langzeitstudie wurden in den Jahren 1993 bis 2005 die Daten von 57.000 Landwirten aus den US-Bundesstaaten Iowa und North Carolina aufgenommen. Neben dem Gesundheitszustand wurde auch erfasst, welche Pestizide die Landwirte wie häufig nutzten. Bis heute werden diese Landwirte regelmäßig ärztlich untersucht. [+] mehr...