Boris Johnson, Foto: gov.uk, https://bit.ly/2ZMCL04, http://www.nationalarchives.gov.uk/doc/open-government-licence/version/3/
Boris Johnson, Foto: gov.uk, https://bit.ly/2ZMCL04, http://www.nationalarchives.gov.uk/doc/open-government-licence/version/3/

Boris Johnson will Gentechnikrecht liberalisieren

08.08.2019

Der neue Premierminister Boris Johnson will nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) das britische Gentechnikrecht liberalisieren. Das sagte Johnson in seinen ersten Reden nach seiner Amtseinführung Ende Juli. Doch ob aus der Ankündigung Realität wird, erscheint fraglich.

„Lasst uns jetzt beginnen, den außergewöhnlichen Sektor der Biowissenschaften des Vereinigten Königreiches von Regeln gegen Genveränderung zu befreien“, propagierte Johnson direkt nach seiner Ernennung vor seinem Amtssitz in 10, Downing Street. „Und lasst uns die krankheitsresistenten Feldfrüchte entwickeln, die die Welt ernähren werden.“ Zuvor hatte der EU-Gegner auf die enorme Stärke von britischer Wirtschaft und Lebenswissenschaften verwiesen. Er rief dazu auf, nicht auf die Risiken, sondern auf die Chancen des für den 31. Oktober geplanten Brexit zu schauen. In seiner ersten Rede vor dem Unterhaus wiederholte er tags drauf diese Forderungen. [+] mehr...

VLOG-Grafik: Lebensmittel ohne „Ohne GenTechnik“ in Zahlen (31.3.2019)
VLOG-Grafik: Lebensmittel ohne „Ohne GenTechnik“ in Zahlen - Anzahl der Produkte und Umsätze (31.3.2019)

Lebensmittel ohne Gentechnik: zehn Milliarden Euro im zehnten Jahr

06.08.2019

Der Einfluss der Verbraucher ist deutlich: 69 Prozent der Deutschen wollen Lebensmittel kaufen, die ohne Gentechnik hergestellt sind. 14.000 Produkte tragen heute - zehn Jahre nach seiner Einführung – das Ohne-Gentechnik-Siegel. Und der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) schätzt, dass die Kunden 2019 erstmals mehr als zehn Milliarden Euro für solche Produkte ausgeben werden.

„Der Markt für Lebensmittel ohne Gentechnik wächst seit Jahren und ist inzwischen fast so groß wie der Markt für Bio-Lebensmittel“, kommentiert VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting die Zahlen. „Beide Erfolgsgeschichten zeigen deutlich, dass die Menschen in Deutschland zunehmend auf mehr Nachhaltigkeit in der Lebensmittelerzeugung achten.“ „Das ‚Ohne GenTechnik‘-Siegel gibt den Verbrauchern Macht – Macht mit jedem Einkauf zu entscheiden, ob der Anbau gentechnisch unveränderter Pflanzen gefördert wird oder nicht“, ergänzt Anne Markwardt von der Verbraucherzentrale Bundesverband. Denn nur anhand des Siegels können die Kunden erkennen, ob die Tiere, deren Produkte sie im Supermarkt kaufen, mit gentechnisch veränderten Pflanzen wie Mais oder Soja gefüttert wurden. [+] mehr...

Bayer Crop Science Division Office Headquarters, Foto: Tony Webster, https://bit.ly/2YtecDN, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/
Bayer Crop Science Division Office Headquarters, Foto: Tony Webster, https://bit.ly/2YtecDN, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Bayer verkauft weniger Gentechnik-Saatgut

30.07.2019

Die Bayertochter Monsanto hat im 1. Halbjahr 2019 deutlich weniger gentechnisch verändertes (gv) Soja- und Maissaatgut verkauft als in der ersten Hälfte 2018. Das ergibt sich aus dem Halbjahresbericht des Bayerkonzerns, der heute vorgelegt wurde. Auch Pflanzengifte des Konzerns wie das glyphosathaltige Roundup fanden weniger Abnehmer. Bayer führt das vor allem aufs Wetter und auf Handelskonflikte zurück.

Die Umsatzerlöse bei gv-Saatgut für Soja gingen demnach währungsbereinigt um 25 Prozent, bei Mais um drei Prozent zurück. Dabei wird so gerechnet, als habe Monsanto schon ab 1.1.2018 zu Bayer gehört und die an den Konkurrenten BASF abzugebenden Geschäftsbereiche bereits nicht mehr. Tatsächlich hat der Leverkusener Chemiekonzern den amerikanischen Saatguthersteller erst am 7. Juni 2018 für 63 Milliarden US-Dollar erworben und durfte ihn ab September ins Unternehmen integrieren. Heute ist der neue Großkonzern an der Börse weniger wert, als Bayer damals für Monsanto bezahlt hat. Dementsprechend bezweifeln seither immer mehr Aktionäre, dass sich das Geschäft gelohnt hat. [+] mehr...

DNA Genom
DNA-Modell der Ausstellung 'Genome: The Secret of How Life Works' im Jahr 2012 (Foto: George Bush Presidential Library and Museum / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

Fast 150 Anmeldungen für Bürgerkonferenz zur „Biotechnik“

29.07.2019

UPDATE +++ Für eine Verbraucherkonferenz über neue gentechnische Verfahren, die am 10. August in Berlin starten wird, haben sich 148 Personen registrieren lassen. Das schrieb das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) dem Infodienst Gentechnik auf Anfrage. 20 von ihnen sollen über drei Wochenenden eine schriftliche Stellungnahme zu diesen Verfahren verfassen.

Wie das BfR mitteilte, sollen diese 20 Personen so heterogen wie möglich aus den 148 Anmeldungen ausgewählt werden. Kriterien seien soziodemografische Eigenschaften wie Alter, Geschlecht oder berufliche Tätigkeit. Mit der Teilnahme sollte jedoch kein berufliches Interesse verbunden sein, schreibt die Behörde. Haben sich mehrere Menschen mit ähnlichen Eigenschaften angemeldet, entscheide das Los. Ziel der Verbrauchertreffen nach dem Vorbild dänischer Konsensus-Konferenzen sei es, Bürgerinnen und Bürger an der Debatte zu einem verbraucherrelevanten und öffentlich kontrovers diskutierten Thema zu beteiligen. Die erarbeitete Stellungnahme soll bei einer dreitägigen Abschlusskonferenz vom 28. bis 30. September an Repräsentanten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft übergeben werden. [+] mehr...

Forscherinnen spannen Schutznetze über die "Protected Site" in der Schweiz. Foto: Agroscope
Forscherinnen spannen Schutznetze über die "Protected Site" in der Schweiz. Foto: Agroscope

Schweiz: Feldversuch mit Gentech-Gerste ab 2020

22.07.2019

Vom kommenden Frühjahr an soll auf einer Schweizer Freilandfläche versuchsweise gentechnisch veränderte Gerste angebaut werden. Das Schweizer Bundesamt für Umwelt hat die Versuche der Universität Zürich (UZH) im Juni bis maximal 2023 bewilligt. Die Schweizer Allianz Gentechfrei kritisiert, dass die teuren Tests mit Braugerste für die Schweiz keinen wirtschaftlichen Nutzen haben.

Die Wissenschaftler der Uni Zürich haben der Gerste ein Weizen-Gen eingebaut, das sie gegen bestimmte Pilzkrankheiten resistent machen soll. Laborversuche mit dem neuen Resistenzgen Lr34 seien nach Angaben der Wissenschaftler um Prof. Beat Keller bereits erfolgreich gewesen. Nun wollen die Forscher auf der besonders geschützten Anbaufläche (protected site) der staatlichen Forschungsanstalt Agroscope in Zürich-Reckenholz bis zu fünf Anbauperioden lang testen, ob die transgene Gerste auch im Freiland nicht von Pilzen befallen wird. Ähnliche Versuche hat die UZH auch mit Mais beantragt. [+] mehr...