Raps
Foto: Hammonia / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0

Neue Gentechnik: Urteil umsetzen oder Recht ändern?

25.10.2019

Müssen Pflanzen, die mit neuen Technologien wie Crispr/Cas9 gentechnisch verändert wurden, nach Gentechnikrecht geprüft und gekennzeichnet werden? Selbstverständlich, sagt eine Koalition aus Umwelt-, Bauern- und Bio-Organisationen. Sie fordern die Bundesagrarministerin auf, die seit einem europäischen Urteil aus dem Sommer 2018 verbindlichen Regeln endlich umzusetzen. 23 Verbände der Agrar- und Ernährungswirtschaft dagegen wollen, dass das EU-Gentechnikrecht geändert und solche Pflanzen ausgenommen werden.

Die Verbände der Agrarwirtschaft behaupten in ihrem offenen Brief, die neuen Technologien des sogenannten Genome Editing böten „Chancen, die Folgen des Klimawandels abzumildern sowie die Nachhaltigkeit und die Biodiversität in der Landwirtschaft zu fördern“. Um Nutzpflanzen widerstandsfähiger gegen Wassermangel, Versalzung, Hitze, Krankheiten und Schädlinge zu machen, seien Innovationen in der Züchtung notwendig. Die neue Gentechnik besitze „das realistische Potenzial, innerhalb relativ kurzer Zeit zur Lösung solcher Herausforderungen beizutragen“. Darüber hinaus könne sie die bestehende natürliche genetische Vielfalt erweitern und Sorten für ein besseres Angebot an nachwachsenden pflanzlichen Rohstoffen bereitstellen. [+] mehr...

Thomas Radetzki (Mitte) mit Unterstützern seiner Petition vor dem Bundestag. Foto: Amrhein
Thomas Radetzki (Mitte) mit Unterstützern seiner Petition vor dem Bundestag. Foto: Amrhein

Europaparlament: Bienenleitlinie endlich umsetzen

23.10.2019

Das europäische Parlament hat die EU-Kommission heute aufgefordert, die Leitlinie zum Schutz der Bienen vor Pestiziden von 2013 endlich vollständig umzusetzen. Die Änderungspläne, an denen die EU-Kommission aktuell arbeite, blieben hinter dem ursprünglichen Standard zurück, kritisierte der grüne Europaabgeordnete Martin Häusling. Naturschützer warfen der EU-Kommission vor, dem Druck der Industrie nachgegeben zu haben.

Schon vor sechs Jahren hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wissenschaftliche Leitlinien zum Schutz der Bienen erarbeitet. Sie machte Vorschläge, wie bei der Zulassung geprüft werden sollte, ob Pestizide für Bienen und andere Insekten kurz- oder langfristig toxisch wirken. Auch wenn die Bienen durch das Gift erkranken, ohne gleich zu sterben, sollte das berücksichtigt werden, lobte der Imker Thomas Radetzki, Vorstand der Aurelia-Stiftung. Diese Leitlinien wurden von den EU-Mitgliedsstaaten aber bis heute nicht formal in Kraft gesetzt, da die nötige Mehrheit fehlte. Jetzt sei die Leitlinie von der EU-Kommission auf Druck der Industrie zurückgenommen worden, kritisierte Radetzki am Montag im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags. [+] mehr...

Banane
Bananen-Pestiziddusche (Foto Scot Nelson, Spraying pesticides on bananas in the 1980s; https://www.flickr.com/photos/scotnelson/9159665647; CCO)

Pfändung in Sachsen-Anhalt wegen Pestizideinsatz in Nicaragua

18.10.2019

In den 1980er Jahren besprühten nicaraguanische Landarbeiter Bananen mit dem „Spermienkiller“ Fumazine und erkrankten. Vergangene Woche wurden in Sachsen-Anhalt Teile eines Chemieunternehmens gepfändet. Was lange währte, könnte mehr als 1000 nicaraguanischen Familien insgesamt 850 Millionen Euro Schadenersatz bringen – ohne den sächsischen Mitarbeitern zu schaden.

Am Pranger steht der amerikanische Chemiekonzern Dow. Wie mehrere Medien berichteten, hatte er vor mehr als 30 Jahren ein Insektengift mit dem Wirkstoff DBCP nach Nicaragua verkauft, das unter den Handelsnamen Fumazone und Nemagon vertrieben wurde. Neben Unfruchtbarkeit wird es unter anderem für Hautschäden verantwortlich gemacht. Wegen seiner gesundheitsschädigenden Wirkung war es in den USA bereits 1977 verboten worden. [+] mehr...

Patente Patentamt EPA EPO
Protest gegen Patente auf Pflanzen und Tiere am 27.10.14 (Foto: www.no-patents-on-seeds.org)

Klare Ansagen an das Europäische Patentamt

15.10.2019

Die Auseinandersetzung um Patente auf herkömmlich gezüchtete Pflanzen und Tiere steuert langsam ihrem Höhepunkt zu. Die große Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes muss entscheiden, wer das Sagen hat: die Mitgliedsstaaten des Europäischen Patentübereinkommens oder die großen Konzerne und ihre Patentanwälte. Das EU-Parlament, mehrere Regierungen und zahlreiche Organisationen haben klar Stellung bezogen. Die Lobby der Konzerne auch.

Das Europäische Patentübereinkommen (EPO) regelt in seinem Artikel 53 klar, dass „Pflanzensorten oder Tierrassen sowie im Wesentlichen biologische Verfahren zur Züchtung von Pflanzen oder Tieren“ nicht patentierbar sind. Dennoch hat das Europäische Patentamt (EPA) in den letzten Jahren hunderte solcher Patente erteilt und Beschwerden dagegen immer wieder zurückgewiesen. Der zunehmende zivilgesellschaftliche Protest gegen dieses Vorgehen führte dazu, dass der Verwaltungsrat des EPA 2017 klarstellte, dass solche Patente nicht zulässig seien. Im Verwaltungsrat sind die Regierungen der Staaten vertreten, die das Patentübereinkommen unterschrieben haben. [+] mehr...

Mais Afrika
77% des Maises in Südafrika ist schon gentechnisch verändert (Foto: Carnemark/World Bank)

Südafrika lehnt Gentech-Mais als nutzlos ab

10.10.2019

Das südafrikanische Landwirtschaftsministerium hat den kommerziellen Anbau der angeblich trockentoleranten Maislinie MON87460 x MON89034 x NK603 von Monsanto nicht genehmigt. Die Begründung: Der Gentech-Mais bringe den Landwirten keinen zusätzlichen Nutzen. Den Anbau anderer gentechnisch veränderter Maissorten hatte Südafrika bisher immer erlaubt.

Monsanto vermarktet seinen gentechnisch veränderten Mais MON 87460 seit Jahren als angeblich wirkungsvolles Mittel zur Ernährungssicherung in Zeiten des Klimawandels. Zusätzlich mit einer Insekten- (MON89034) und Glyphosatresistenz (NK603) ausgestattet, soll der Mais insbesondere afrikanische Bauern vor Dürrefolgen bewahren. [+] mehr...