Raps
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Gentechnik: Bauern müssen 10.000 Hektar Raps umpflügen

04.03.2019

In Frankreich wurde mehr Rapssaatgut mit Spuren der gentechnisch veränderten Sorte GT 73 verunreinigt als zunächst angenommen. Wie das französische Portal InfOGM meldete, hat sich die betroffene Ackerfläche auf 8000 Hektar vervierfacht. In Deutschland geht der Saatgut-Hersteller Bayer von bis zu 2000 Hektar Rapsäckern mit Gentech-Pflanzen aus, die bis spätestens Ende März umgebrochen werden müssen.

Vergangenes Jahr waren – wie berichtet - 598 Säcke einer verunreinigten Partie Winterraps der Monsantomarke Dekalb in insgesamt zehn Bundesländer verkauft worden. Darin waren rund 0,1 Prozent der gentechnisch veränderten Rapslinie GT73 gefunden worden, die gegen den Unkrautvernichter Glyphosat resistent ist. Sie darf in der Europäischen Union nicht angebaut werden. Seit Ende 2018 sind die Behörden und der Mutterkonzern Bayer dabei herauszufinden, wo wieviel von diesem Raps ausgesät wurde. Da die Überwachung der Gentechnik Länderaufgabe ist, scheint es schwierig, sich einen bundesweiten Überblick zu verschaffen. Insgesamt 70 deutsche Landwirte haben den Raps gekauft, teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heute auf Anfrage mit. Sie verteilen sich auf die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Bayern, Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, wobei die drei letzten laut BVL besonders betroffen sind. So wurden nach Angaben des Agrarministeriums allein 180 Säcke verunreinigte Rapssaat in Sachsen-Anhalt verkauft. [+] mehr...


                                Gericht Justiz
Foto: Morgan4uall / pixabay, CC0 Public Domain

Bayer: 11.200 Glyphosat-Klagen in den USA

27.02.2019

In San Francisco hat der nächste Jury-Prozess um das Krebsrisiko von Glyphosat begonnen. Insgesamt sind in den USA inzwischen 11.200 Glyphosat-Klagen gegen Bayer anhängig. Unterdessen wurde eine weitere Studie zur Sicherheit von Glyphosat angezweifelt.

Am Montag dieser Woche eröffnete Richter Vince Chhabria die Jury-Verhandlung im Fall Hardemann gegen Monsanto/Bayer. Der krebskranke Rentner Edwin Hardemann macht das von ihm jahrelang intensiv eingesetzte Pestizid Roundup für seinen Lymphdrüsenkrebs verantwortlich. In den nächsten Wochen wird die Jury zahlreiche Experten anhören, jeweils an vier Tagen pro Woche rund sechs Stunden lang. Dabei wird zuerst die Frage auf der Tagesordnung stehen, ob Glyphosat Hardemanns Krebs verursacht hat. Erst danach wird Hardemanns Vorwurf verhandelt, dass die Bayer-Tochter Monsanto die Krebsgefahr wissentlich verschwiegen habe. Agenturmeldungen zufolge geht das Gericht davon aus, dass der Prozess vier bis fünf Wochen dauern wird. Bei diesem Prozess handelt es sich um einen Bellwether Trial genannten Musterfall in einem Sammelklageverfahren, dessen Ausgang richtungsweisend für viele weitere Klagen sein wird. [+] mehr...


                                Soja USA Traktor
Gentechnik ist im Soja-Anbau weit verbreitet. Meist gehen die Pflanzen ins Tierfutter (Foto: Keith Weller / USDA Agricultural Research Service)

Diesel-Pkw fahren mit Gentechnik im Tank

25.02.2019

Aus US-amerikanischen Gentech-Sojabohnen dürfen ab sofort Biokraftstoffe in der Europäischen Union hergestellt werden, teilte die EU-Kommission kürzlich mit. Der europäische Markt ist allerdings fest in argentinischer Hand. Ein Branchenverband forderte die Politik auf, den Anbau gentechnikfreier Eiweißpflanzen in Europa gegen die Konkurrenz zu sichern.

In der EU wird dem Dieselkraftstoff bis zu sieben Prozent Agrardiesel aus nachwachsenden Rohstoffen beigemischt, auch Biodiesel genannt. Diese Rohstoffe müssen eine Reihe von Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, die in der Richtlinie über erneuerbare Energie festgelegt sind. Die EU-Kommission hat nun anerkannt, dass das bestehende US-amerikanische Zertifizierungssystem für nachhaltigen Sojaanbau (SSAP) diese Richtlinie erfüllt. US-Sojabohnen, die zu mehr als 90 Prozent gentechnisch verändert (gv) sind, dürfen damit zu Agrardiesel verarbeitet und europäischem Diesel beigemischt werden. Gentechnik im Tank also. Doch das gab es bisher schon: Bereits jetzt stammt ein Teil des nach Europa importierten Agrardiesels aus Argentinien, wo er aus gv-Sojabohnen hergestellt wird. Dieter Bockey, Referent bei der Union zur Förderung von Öl-und Proteinpflanzen (UFOP) geht davon aus, dass sich die Anerkennung der US-Sojabohnen durch die Kommission auf dem europäischen Biodieselmarkt kaum auswirken wird. [+] mehr...


                                RoundUp Monsanto (Foto: Mike Mozart, http://bit.ly/2yIfwuQ, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)
RoundUp Monsanto (Foto: Mike Mozart, http://bit.ly/2yIfwuQ, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)

Neue Studien zeigen: Glyphosat ist überall und krebserregend

19.02.2019

Wissenschaftler der Universität Washington haben einen „überzeugenden Zusammenhang“ festgestellt zwischen der Nutzung glyphosathaltiger Herbizide und dem Risiko, an Lymphdrüsenkrebs zu erkranken. Eine deutsche Studie wies Glyphosat in Baumrinden weitab von Feldern nach.

Das Team um Professorin Lianne Sheppard von der Universität Washington hatte sechs epidemiologische Studien von 2001 bis 2018 ausgewertet. Das sind Untersuchungen, bei denen bestimmte Bevölkerungsgruppen, ihre Glyphosatnutzung und die Rate an Krebserkrankungen in Beziehung gesetzt wurden. Bei der Auswertung legten die Wissenschaftler ihr Augenmerk auf die Gruppe innerhalb der einzelnen Studien, die am intensivsten mit dem Herbizid in Kontakt gekommen war. Für diese Menschen ergab sich ein bis zu 41 Prozent höheres Risiko, an einem bestimmten Lymphdrüsenkrebs, dem Non-Hodgkin-Lymphom, zu erkranken. Einbezogen hatten sie auch eine 2018 erschienene Langzeit-Studie, die 54.000 US-Farmer umfasste, die US Agricultural Health Study. Diese Arbeit wurde bisher von Bayer als Beleg für die Ungefährlichkeit von Glyphosat verwendet. Doch auch hier zeigte sich ein Effekt bezogen auf die am stärksten exponierten Landwirte. Sheppards Team wies der Langzeitstudie zudem eine Reihe von Schwächen nach, durch die das Krebsrisiko niedriger ausfiel als in den anderen Arbeiten. Im Gegenzug warf Bayer laut dem Kölner Stadtanzeiger den Washingtoner Forschern vor, sie würden Äpfel mit Birnen vergleichen und ihre Analyse weise „schwerwiegende methodische Schwächen auf“. Die Börsianer beeindruckte das nicht. Der Kurs der Bayer-Aktie gab direkt nach der Veröffentlichung um vier Prozent nach. Am 25. Februar beginnt in Kalifornien der nächste Jury-Prozess über die krebserregende Wirkung von Glyphosat. Dann wird sich zeigen, wie die Geschworenen die neue Studie bewerten. [+] mehr...


                                Schweiz Gentechnikfrei
Foto: Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG)

Der Schweizer Bundesrat will lockere Regeln für Genome Editing

12.02.2019

Die Schweizer Regierung will das dortige Gentechnikrecht ändern und bis Ende des Jahres einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen. Dessen Ziel soll sein, die Zulassung von Produkten aus Genome Editing zu erleichtern. Bestrebungen in diese Richtung gibt es auch in den Niederlanden und Norwegen.

Der Schweizer Bundesrat hat beschlossen, das geltende Gentechnikrecht solle „risikobasiert den neuen Entwicklungen angepasst werden“. Um das Vorsorgeprinzip zu wahren, müssten „Gefährdungen und Beeinträchtigungen durch die aus neuen gentechnischen Verfahren hergestellten Organismen frühzeitig – bereits vor der Anwendung – identifiziert und Massnahmen zur Risikoverminderung getroffen werden“. Auf dieser Basis sollen die Produkte dann in verschiedene Risikokategorien eingestuft werden, für die unterschiedliche Anforderungen gelten würden. Die Details sollen Wirtschafts- und Umweltministerium klären. Anschließend will der Bundesrat nach dem Sommer 2019 „Eckpunkte zur Anpassung der rechtlichen Grundlagen“ verabschieden und bis Ende des Jahres einen ersten Gesetzentwurf in die öffentliche Diskussion geben. [+] mehr...