Maisfeld (Foto:CCO)
Maisfeld (Foto:CCO)

Verunreinigter Zuckermais in sechs Bundesländern ausgesät

24.06.2020

Von den 13 Millionen Körnern gentechnisch verunreinigten Zuckermaises, die derzeit in ganz Europa gesucht werden, wurden allein vier Millionen nach Hessen verkauft. Nach aktuellem Stand sei der Mais in sechs Bundesländer geliefert und dort auch gesät worden, teilte das niedersächsische Umweltministerium auf Anfrage mit. Die Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit forderte die Länder auf, bei Risikokulturen künftig sämtliche Saatgutpartien lückenlos auf gentechnisch veränderte Organismen zu prüfen.

Wie berichtet hatte ein niedersächsischer Händler den konventionellen Mais der Sorte „Sweet Wonder“ (süßes Wunder) aus den USA importiert und in Deutschland, Europa und Russland verkauft. Wie Kontrolleure in Ungarn im Mai feststellten, enthielt der Zuckermais etwa 0,1 Prozent der gentechnisch veränderten Maisevents MON88017 und MON89034 der Bayer-Tochter Monsanto. Sie machen den Mais resistent gegen das Pflanzengift Glyphosat. Solcher Gentech-Mais darf in Deutschland nicht angebaut werden. Das ist nun aber nicht nur in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, sondern auch in Bayern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen passiert. [+] mehr...

Baumwolle Burkina
Burkina Faso: Bäuerinnen trennen Baumwollfasern und Samen (Foto: Ollivier Girard for Center for International Forestry Research [CIFOR], creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0)

Der Widerstand gegen Agro-Gentechnik in Ostafrika wächst

22.06.2020

Die äthiopische Regierung hat den Anbau von gentechnisch veränderter (gv) Baumwolle und Mais erlaubt. In Kenia sollen Feldversuche mit Gentech-Kassava starten und gv-Baumwolle wurde erstmals ausgesät. In beiden Ländern wehrt sich die Zivilgesellschaft gegen den Gentechnik-Kurs ihrer Regierung.

50 Umwelt-, Bauern- und Menschenrechtsorganisationen in Äthiopien haben ihre Regierung aufgefordert, ein mindestens fünfjähriges Moratorium für alle Feldversuche und den kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zu erlassen. Diese Zeit solle die Regierung nutzen, um die Bevölkerung zu befragen, ob Äthiopien überhaupt Gentechnik in der Landwirtschaft zulassen soll. Parallel dazu müsse sie einen geeigneten institutionellen und rechtlichen Rahmen schaffen, um überhaupt mit gentechnisch veränderten Pflanzen und Lebensmitteln umgehen zu können. Die Organisationen ermahnten die Regierung, ihre Verpflichtung gegenüber dem Cartagena-Protokoll einzuhalten und strenge Vorschriften zum Schutz der biologischen Vielfalt und der menschlichen Gesundheit zu erlassen. Beenden solle der Staat, „die Manipulation der vielfältigen Nahrungspflanzen und -tiere Äthiopiens durch Gentechnik-Enthusiasten“. [+] mehr...

Mais  Foto: CCO
Mais Foto: CCO

13 Millionen verunreinigte Maissamen in Europa verkauft

19.06.2020

UPDATE +++ Der Fall des gentechnisch verunreinigten Mais-Saatguts „Sweet Wonder“ hat eine erheblich größere Dimension als bisher angenommen: Von der betroffenen Charge eines amerikanischen Züchters wurden rund 13 Millionen Samen in insgesamt sieben europäische Länder verkauft. Diesen Stand der Ermittlungen teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auf Anfrage mit. Kontrolleure in Ungarn hätten in diesem Zuckermais etwa 0,1 Prozent der gentechnisch veränderten Maisevents MON88017 und MON89034 der Bayer-Tochter Monsanto nachgewiesen.

Wie bereits berichtet, hat ein niedersächsischer Saatguthändler den Zuckermais des US-amerikanischen Saatgutherstellers Illinois Foundation Seeds Inc. importiert und weiterverkauft. Zunächst war neben Ungarn, wo Kontrolleure die Verunreinigung entdeckten, nur über vier Abnehmer in drei deutschen Bundesländern informiert worden, die rund 820.000 Maissamen gekauft hatten. Wie das BVL auf Anfrage des Informationsdienst Gentechnik mitteilte, lieferte die niedersächsische Firma Agri-Saaten Mais aus der verunreinigten Charge nach aktuellem Erkenntnisstand ferner nach Belgien, Frankreich, Litauen, Polen, Portugal und Spanien sowie nach Russland. Die Ermittlungen dort liefen jedoch erst an. Daher könne man noch nicht sagen, ob in diesen Ländern bereits Samen des verunreinigten Zuckermais und damit höchstwahrscheinlich auch Gentech-Mais gepflanzt wurden. Der Anbau der beiden gentechnisch veränderten Maisevents ist in Europa nicht erlaubt. Als Lebens- und Futtermittel dürfen sie aber seit rund zehn Jahren importiert werden. [+] mehr...

Grünenprotest bei Agrarministerkonferenz
Grüne demonstrierten Anfang Mai 2011 vor der Agrarminister-konferenz in Plön gegen die Amflora. (Bild: Die Grünen/MV)

Die Grünen wollen die neue Gentechnik streng regulieren

18.06.2020

Die Grünen-Fraktionen im Bundestag und im europäischen Parlament haben sich klar gegen eine Deregulierung neuer Gentechnik-Verfahren ausgesprochen. „Wir stehen für eine verantwortungsvolle Regulierung, die das Vorsorgeprinzip ernst nimmt, die Umwelt schützt und auch kommenden Generationen noch eine Wahl lässt“, heißt es in dem von den Bundestags-Grünen beschlossenen Papier. Vor einer Woche veröffentlichten einzelne Parteimitglieder einen Vorstoß , für Erzeugnisse der neuen Gentechnik den Rechtsrahmen zu ändern.

Die Bundestagsfraktion argumentiert in ihrem Papier nicht nur mit den Risiken neuer gentechnischer Verfahren für Umwelt und Gesundheit, sondern auch mit der Transparenz. Wer für eine Deregulierung eintrete, nehme einen „gravierenden Eingriff“ in die „Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmung aller Akteure entlang der Lebensmittelkette in Kauf“. Betroffen davon seien Züchter, Landwirte und Verarbeiter ebenso wie Händler und Verbraucher. Zudem könnten bei unerwarteten Aus- oder Nebenwirkungen der gentechnischen Veränderung die Organismen nicht mehr zurückverfolgt werden. [+] mehr...

Sojapflanzen mit Dicamba-Schäden — Soybeans showing the cupped leaves which are a symptom of dicamba injury. (Photo: U of A System Division of Agriculture; http://bit.ly/2isaTx4; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)
Sojapflanzen mit Dicamba-Schäden — Soybeans showing the cupped leaves which are a symptom of dicamba injury. (Photo: U of A System Division of Agriculture; http://bit.ly/2isaTx4; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

Risiken unterschätzt: US-Gericht verbietet Pflanzengift Dicamba

09.06.2020

Nach Klagen von Bauern- und Umweltverbänden verbot ein US-Berufungsgericht vergangene Woche, das Unkrautvernichtungsmittel Dicamba in den USA weiterhin zu verkaufen oder zu versprühen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die US-Umweltbehörde EPA habe bei der Zulassung die Risiken des Pflanzengifts erheblich unterschätzt. Die Landwirte dürfen ihre Bestände jetzt noch bis 31. Juli aufbrauchen.

Wie der Informationsdienst Gentechnik bereits berichtete, besteht das Problem beim leicht flüchtigen Dicamba darin, dass es beim Spritzen häufig auf Nachbarfelder verweht wird. Wachsen dort Pflanzen, die nicht gentechnisch gegen Dicamba resistent gemacht wurden, vernichtet das Herbizid Teile der Ernte. 170 betroffene Bauern haben daher nach Informationen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Hersteller von Spritzmitteln mit Dicamba - die Konzerne Bayer, BASF und Corteva - auf Schadenersatz verklagt. In einem ersten Verfahren wurden Bayer und BASF zu 265 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt. In diesem Prozess belegten Dokumente, dass die Hersteller Abdriftprobleme von vorneherein einkalkuliert hatten. [+] mehr...