Moskito Aedes aegypti
Die Ägyptische Tigermücke (Foto: James Gathany, US Department of Health and Human Services / wikipedia, gemeinfrei)

Florida: 750 Millionen Gentech-Moskitos fliegen ab 2021

26.08.2020

In den kommenden beiden Jahren darf das Biotechunternehmen Oxitec 750 Millionen gentechnisch veränderte Tigermücken auf der amerikanischen Inselgruppe Florida Keys freilassen. Gegen den Widerstand Hunderttausender US-Bürger haben in jahrelangen Verhandlungen neun staatliche Behörden zugestimmt – zuletzt auch die Administration vor Ort. Umweltschützer warnen, die Risiken einer solchen Aktion seien unabsehbar.

Das Ziel ist, die ägyptische Tigermücke (lateinisch Aedes aegypti) auszurotten, weil sie lebensbedrohliche Krankheiten wie Denguefieber oder das Zika-Virus überträgt – auch auf den Florida Keys. Warum man dann Millionen Moskitos aussetzen will? Weil es sich um männliche Mücken handelt, die nicht stechen und denen ein neues Gen namens Tetrazyklin-Transaktivator eingepflanzt wurde. Paaren sich diese Mückenmännchen mit wildlebenden Weibchen, geht das Gen auf die Nachkommen über und sorgt dafür, dass weibliche Larven absterben. So sollen nach und nach nur noch männliche Tigermücken übrigbleiben, die sich alleine naturgemäß nicht mehr vermehren können. Laut Oxitec ließ sich auf ähnliche Weise eine Mückenpopulation in Brasilien angeblich um 95 Prozent reduzieren. [+] mehr...

Greenpeace-Aktivisten demonstrieren vor der Wiener Hofburg für ein Glyphosat-Verbot © Greenpeace/Astrid Schwab
Greenpeace-Aktivisten demonstrieren vor der Wiener Hofburg für ein Glyphosat-Verbot © Greenpeace/Astrid Schwab

EU-Kommission schließt Glyphosatverbot in Österreich nicht aus

24.08.2020

Eigentlich hatte das österreichische Glyphosatverbot Anfang des Jahres in Kraft treten sollen. Jetzt haben Europäische Kommission und Tschechien sich doch noch dagegen ausgesprochen – mit Hintertür. SPÖ und Grüne wollen Spritzmittel mit dem Totalherbizid in drei Monaten trotzdem verbieten. Dazu müsste allerdings die Agrarministerin der ÖVP umgestimmt werden.

Der Vorgang ist äußerst kompliziert: Will ein EU-Mitgliedsstaat Regelungen zu einem Produkt erlassen, die den EU-Binnenmarkt betreffen, muss er der EU-Kommission und den anderen Mitgliedsländern die Möglichkeit geben, sich innerhalb von drei Monaten dazu zu äußern. Der österreichische Gesetzentwurf zum Verbot glyphosathaltiger Spritzmittel wurde erst am 18. Mai 2020 formal korrekt in Brüssel eingereicht. Damit endete die dreimonatige Frist für Stellungnahmen am 18. August. An ebendiesem Tag teilte die EU-Kommission Österreich mit, dass sie keine ausreichenden rechtlichen und wissenschaftlichen Gründe für ein komplettes Verbot glyphosathaltiger Produkte in dem Alpenland sehe. Außerdem sei es nicht mit dem harmonisierten europäischen Pestizidrecht vereinbar. Das ÖVP-geführte Agrarministerium sprach von einer „Stellungnahme“ der EU-Kommission, welche die eigene Einschätzung bestätige, dass man Glyphosat nicht im Alleingang verbieten könne. [+] mehr...

Verbraucher Fleisch Supermarkt Kennzeichnung
Steht nix drauf zu Gentechnik (Foto: Stephen Ausmus / USDA, creativecommons.org/licenses/by/2.0, flickr)

Studie: große Mehrheit der Deutschen gegen Gentechnik auf dem Acker

19.08.2020

Mehr als 80 Prozent der Deutschen sind dafür, gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere in der Landwirtschaft zu verbieten. Das ergab die Naturbewusstseinsstudie für 2019, vergangene Woche vorgestellt von der Bundesumweltministerin. Svenja Schulze wandte sich dabei gegen zunehmende Forderungen aus Wirtschaft und Wissenschaft, die neuen gentechnischen Verfahren von den Regeln des Gentechnikrechts auszunehmen.

Die Grundprinzipien Vorsorge, Risikoprüfung im Einzelfall, Rückverfolgbarkeit der gentechnischen Veränderung und Wahlfreiheit der Verbraucher seien auch bei neuen gentechnischen Verfahren wie Crispr/Cas das „Gebot der Stunde“, sagte die SPD-Politikerin. Es gebe dazu eine klare Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs, die konsequent umgesetzt werden müsse. Auch die mehr als 2000 für die Naturbewusstseinsstudie zufällig ausgewählten Bundesbürger sprachen sich fast alle (95 Prozent) dafür aus, mögliche Auswirkungen auf die Natur immer zu untersuchen, wenn Pflanzen mit neuen gentechnischen Verfahren verändert werden. 88 Prozent meinen sogar, wir seien noch gar nicht in der Lage, die langfristigen Folgen der neuen gentechnischen Verfahren abzusehen. Daran ändert auch nichts, dass Wissenschaftler behaupten, die neuen gentechnischen Verfahren seien sicher: Denn eine deutliche Mehrheit von 61 Prozent der Befragten vertraut diesen Aussagen der Wissenschaftler nicht. [+] mehr...

Glyphosat Herbizide Pestizide
Glyphosat-Einsatz auf dem Rapsfeld (Foto: Chafer Machinery / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Dürrefolge: 2.500 Tonnen weniger Pestizid-Wirkstoffe verkauft

14.08.2020

Die deutschen Landwirte haben 2019 weniger Pestizide eingekauft als im Jahr davor. Besonders deutlich war der Rückgang bei Glyphosat. Verantwortlich dafür ist nicht die Politik der Bundeslandwirtschaftsministerin, sondern das Wetter.

Der Absatz an Pestizid-Wirkstoffen ging 2019 um 2.500 Tonnen auf 27.000 Tonnen zurück, ein Minus von 8,5 Prozent. Das zeigt die Absatzstatistik des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Am stärksten sank der Verkauf bei Fungiziden (-14 Prozent) und Herbiziden (- sechs Prozent). Dagegen stieg der Absatz an Insektiziden um fünf Prozent. Nicht enthalten sind in diesen Zahlen inerte Gase wie Kohlendioxid, die im Vorratsschutz eingesetzt werden. Bereits von 2017 auf 2018 war der Absatz an Pestiziden zurückgegangen. [+] mehr...

Nano Labor
Labor für Nanomaterialien (Foto: Mark Lopez/Argonne National Laboratory)

Nanotechnologie: Die Agro-Gentechnik bekommt Verstärkung

10.08.2020

Die Nanotechnologie zieht auch in die Landwirtschaft ein. So soll der Einsatz winzig kleiner Teilchen künftig den Verbrauch an Dünger und Pestiziden verringern. Die Nanotechnologie könnte aber auch bei der gentechnischen Veränderung von Pflanzen helfen und neue Produkte der Agro-Gentechnik aufs Feld bringen. Davor warnt die Schweizer Allianz Gentechfrei.

Anlass für die Warnung war ein Artikel in der Fachzeitschrift Nature Food, in dem Professor Thilo Hofmann von der Universität Wien den Stand der Forschungen zusammenfasste. Er berichtete darin von Nanosensoren, die als Chips in Pflanzen eingebracht werden, dort freigesetzte, flüchtige Botenstoffe erkennen und so Signale über Trockenheit oder Stress durch Schädlingsbefall senden könnten. Nano-Coatings könnten Saatgut umhüllen und so die bisherige Beize durch Pestizide ersetzen. Besonders bedenklich sind aus Sicht der Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG) zwei Anwendungen: Nanokapseln als Genfähren für Crispr/Cas sowie Pestizide, die aus gentechnisch verändertem Erbgut bestehen. [+] mehr...