Pappel Baum Bäume
Foto: sonnentau / flickr, 2007 Pappel, bit.ly/2bn1uSK, creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0

In Belgien wachsen Gentech-Pappeln

20.07.2021

Belgische Forscher dürfen vier Jahre lang Pappeln anbauen, deren Ligningehalt durch das Verfahren Crispr/Cas9 gentechnisch verändert wurde. Dadurch sollen sich die Bäume leichter zu Papier oder Ethanol verarbeiten lassen. Die Idee ist nicht neu, doch bisher waren die Versuche, industrietaugliche Bäume zu entwickeln, wenig erfolgreich.

Das Holz von Bäumen besteht aus einer Mischung von Lignin, Hemizellulose und Zellulose, wobei das Lignin für die Festigkeit des Holzes sorgt. Um aus Zellulose Papier oder Ethanol (Alkohol) herstellen zu können, muss das Lignin zuvor aufwändig entfernt werden. Wissenschaftler des Flämischen Instituts für Biotechnologie (VIB) haben mit Crispr/Cas9 in Pappeln die Bildung eines Enzyms teilweise blockiert, das die Pflanze benötigt, um Lignin zu produzieren. Die gentechnisch veränderten Pappeln bildeten 19 bis 25 Prozent weniger Lignin und dafür 8 bis 13 Prozent mehr Cellulose, heißt es in der Beschreibung des Freisetzungsversuchs. Allerdings wuchsen die Pappeln bisher nur im Gewächshaus des VIB unter kontrollierten Bedingungen. Nun wollen die Forscher herausfinden, ob sich die gentechnisch induzierten Eigenschaften auch in freier Natur ausbilden – und ob die Pappeln dort wachsen wie normal. [+] mehr...

Lachs
Lachs (Foto: Denise Chan/Flickr, Dorky Salmon, bit.ly/2at0MAT, creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)

Welche US-Restaurants servieren Gentech-Lachs?

16.07.2021

Die US-Firma Aquabounty hat in diesem Frühjahr erstmals im großen Stil ihren gentechnisch veränderten Lachs abgefischt. Sie will die Tiere an Restaurants verkaufen, weil diese auf der Speisekarte nichts von Gentechnik schreiben müssen. Viele Gastro-Ketten und Caterer haben dem Aquabounty-Lachs die Rote Karte gezeigt. Doch was ist mit den kleinen Restaurants?

Einige Tonnen Lachs hat Aquabounty in seiner Lachsfarm im US-Staat Indiana aus den Becken gefischt und verarbeitet. Die Tiere wurden gentechnisch so verändert, dass sie doppelt so schnell heranwachsen wie gewöhnlicher Lachs und schon nach 18 Monaten schlachtreif sind. Aquabounty kündigte an, den Lachs bevorzugt über Restaurants und Kantinen vermarkten zu wollen. Denn anders als im Einzelhandel müssen die Lachsgerichte dort nicht als gentechnisch verändert deklariert werden. Zudem halten große US-Supermarktketten wie Walmart, Kroger und Whole Foods an ihrem bereits 2015 verkündeten Boykott von Gentech-Lachs fest. Aufgrund von Verbraucherprotesten haben nun auch große Caterer wie Aramark und Sodexo sowie Restaurant-Ketten Aquabounty eine Absage erteilt. Sie reagierten damit auf den öffentlichen Druck, den zahlreiche Organisationen mit ihrer „Block Corporate Salmon“ – Kampagne erzeugt hatten. Diese verknüpfte ökologische und mögliche gesundheitliche Risiken des Gentechnik-Lachses mit Konzernkritik und dem Kampf indigener, vom Lachs lebender Völker um ihre bedrohte Zukunft. [+] mehr...

Glyphosat Herbizid
Herbizid im Einsatz (Foto: Chafer Machinery / flickr, Chafer Sentry, Applying Defy at 250l/ha on wheat land in Lincolnshire, bit.ly/29E6Sk4, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Glyphosat-Zulassung: Toxikologe bewertet Industriestudien als „nicht zuverlässig“

14.07.2021

Der Herbizidwirkstoff Glyphosat war 2017 auch deshalb zugelassen worden, weil die europäischen Behörden keine Krebsgefahr sahen. 53 der Industriestudien, die das belegen sollten und wieder Teil des aktuellen Verlängerungsantrags sind, hat jetzt ein Experte im Auftrag einer Nichtregierungsorganisation analysiert. Das Ergebnis sei ein „Desaster“, sagte Siegfried Knasmüller kürzlich dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Knasmüller arbeitet am Institut für Krebsforschung der Universität Wien. Das Spezialgebiet des Professors ist die Gentoxizität, also die Schädigung des Erbguts durch chemische Substanzen und Umwelteinflüsse. Knasmüller ist deshalb auch Experte für all die Tests, mit denen analysiert wird, ob eine Chemikalie das Erbgut schädigen und dadurch womöglich Krebs auslösen kann. [+] mehr...

EPO EPA Patentamt Patente
Das Europäische Patentamt in München (Foto: EPA)

Patente auf neue Gentechnik: Züchter zahlen an Konzerne

11.07.2021

Neue gentechnische Verfahren seien einfach anzuwenden und deshalb auch für mittelständische Züchtungsunternehmen geeignet, sagen ihre Befürworter. Ein Bericht des gentechnikkritischen Instituts Testbiotech zeigt: Die großen Saatgutkonzerne haben sich in Europa längst wichtige Rechte gesichert und lassen sie sich bezahlen - allen voran der Konzern Corteva.

Die Mehrzahl der beim Europäischen Patentamt (EPA) für neue Gentechnik beantragten Patente bezieht sich laut Bericht auf das Verfahren Crispr/Cas. Die Wissenschaftlerteams, die das Verfahren entwickelten, haben dazu zahlreiche Patente bei der Behörde eingereicht. „Bis Ende 2020 hatte das EPA bereits mehr als 30 Patente auf die Crispr/Cas-Technologie für die Feng-Zhang-Gruppe und etwa 15 Patente der Gruppe um Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier erteilt“, heißt es im Testbiotech-Bericht. Die Wissenschaftlerinnen Doudna und Charpentier hatten 2012 entdeckt, wie sich mit Crispr/Cas DNA schneiden lässt; Feng Zhang hatte es auf RNA übertragen. [+] mehr...

Feld
Die Landwirtschaft birgt Bedrohung und Potenzial für die Artenvielfalt (Foto: CC0)

Zukunftskommission Landwirtschaft: Neue Gentechnik braucht Zulassung

06.07.2021

Neue gentechnische Verfahren wie Crispr/Cas sollen auch künftig auf ihre Risiken geprüft und unter Berücksichtigung des Vorsorgeprinzips zugelassen werden. Dafür spricht sich die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) in ihrem Abschlussbericht aus, den sie heute der Bundeskanzlerin überreichte. Eine gesetzliche Regulierung müsse Landwirtschaft und Verbrauchern die Wahl lassen, ob sie Produkte mit oder ohne Gentechnik bevorzugen.

Die gentechnikfreie Produktion sei in Deutschland von großer Bedeutung, begründet dies das 187seitige Papier zum Thema „Zukunft Landwirtschaft“. 31 Vertreterinnen aus Landwirtschaft, Wirtschaft, Verbraucher-, Umwelt- und Tierschutz sowie Wissenschaft hatten im Auftrag der Bundeskanzlerin zehn Monate an Empfehlungen und Vorschlägen gearbeitet, um eine nachhaltige, also ökologisch und ökonomisch tragfähige sowie sozial verträgliche Landwirtschaft in Deutschland auch in Zukunft zu ermöglichen. [+] mehr...