19.10.2009 | permalink
Die Wirkung von Gentech-Mais ist sehr umstritten.
Heute stimmt der EU-Agrarministerrat über die Zulassung von drei gentechnisch veränderten Maissorten ab. Es geht um die Monsanto-Maislinien MON 88017 und MON 89034 sowie um den Mais 59122xNK603 der Firma Pioneer. Zur Abstimmung steht die Zulassung zum Import als Lebens- und Futtermittel. Die Futtermittelindustrie warnt seit längerem davor, dass die Versorgung mit Futtermitteln in der EU knapp wird, weil hierzulande die Nulltoleranz für nicht zugelassene gentechnisch veränderte Organismen gilt. Insbesondere Ladungen, die mit MON 88017 verunreinigt waren, mussten an der Grenze zurückgewiesen werden. Die Futtermittelindustrie fordert daher einen Schwellenwert für Verunreinigungen sowie schnellere Zulassungen von Gentechnik-Soja, die in den USA bereits zugelassen sind. Umweltverbände kritisieren, dass die europäische Gesetzgebung durch die Einführung von Schwellenwerten unterwandert wird und Export-Staaten, die Ihre Warenströme nicht ordentlich trennen, für ihre unsaubere Praxis belohnt würden.
Ob die Lage auf dem Futtermittelmarkt tatsächlich so dramatisch aussieht, wie immer dargestellt wird, bezweifelt u.a. der BUND. Aus einem Hintergrundpapier zu dem Thema geht hervor, dass die Anzahl der verunreinigten Futtermittel-Ladungen gering sind und fast einziges Ursprungsland die USA sind. Das heißt, Lieferungen aus den anderen Hauptanbauländern für Gentechnik, Brasilien und Argentinien, sind frei von Verunreinigungen mit in der EU nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen.
16.10.2009 | permalink
Indien ist die Wiege der Auberginenpflanze.-+-Quelle: www.pixelio.de; Fotograf: Dieter Schütz
In Indien wurde die gentechnisch veränderte Aubergine, namens Brinjal, seitens der Zulassungsbehörde zwar zur kommerziellen Nutzung erlaubt, die Zustimmung der Regierung steht aber noch aus. Brinjal ist ein Gemeinschaftsprodukt von Monsanto, drei nationalen Forschungsinstituten und Mayco, einem indischen Saatgutunternehmen. Indien ist nicht nur weltweit Nummer zwei bei der Auberginenproduktion, es ist auch die Wiege der Auberginenpflanze. Seit 2002 wird im Land Gentechnik-Baumwolle immer wieder unter großer Kritik der Öffentlichkeit angebaut. Das Saatgut für gentechnisch veränderte Baumwolle ist vier mal so teuer wie konventionelles und hat die Erwartungen von höheren Erträgen und Pestizideinsparungen nicht erfüllt. Die Schuldenspirale und die Auswirkungen der Abhängigkeit durch gentechnisch veränderte Produkte haben bereits viele indische Bauern in den Selbstmord getrieben. Das indische Zentrum für Wissenschaft und Umwelt sieht mit einer möglichen Einführung einer gentechnisch veränderten Aubergine auch die Wahlfreiheit der indischen Verbraucher in Gefahr, denn es existieren derzeit keinerlei Kennzeichnungsvorschriften.
15.10.2009 | permalink
Gentechnik löst nicht das Hungerproblem.
Morgen ist Welternährungstag. Diese Jahr hungern erstmals mehr als eine Milliarde Menschen auf der Erde. Grund genug, sich endlich ernsthaft um das Thema Welternährung zu kümmern. Diverse Politiker schenken nach wie vor den Versprechen der Agro-Industrie Glauben und fordern eine weitere Industrialisierung der Landwirtschaft u.a. durch die flächendeckende Einführung der Gentechnik. Dabei muss es anders gehen. Über 400 WissenschaftlerInnen forderten bereits Anfang des Jahres mit der Veröffentlichung des Weltagrarberichts, dass es so wie bisher nicht weiter gehen kann. Ihre Lösung: Regional angepasste Landwirtschaft fördern. Denn die wird von dem Großteil der Bauern weltweit nachhaltig betrieben und kann die Lebensmittelproduktion erheblich steigern. Das bringt zwar keine Gewinne für die großen Agro-Konzerne, würde aber die Versorgung in den vom Hunger betroffenen Gebieten deutlich verbessern. Dass Gentechnik dabei wenig weiterhilft, will Greenpeace heute der EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou klarmachen. Gemeinsam mit Landwirten aus ganz unterschiedlichen Regionen der Welt überreichen sie der Politikerin 180.000 Unterschriften gegen Gentechnik.
14.10.2009 | permalink
Percy Schmeiser ruft deutsche Politiker dazu auf, sich dem Druck der Gentechnik-Lobby zu widersetzen.
Die Koalitionsverhandlungen zum Thema Gentechnik-Anbau stocken nach wie vor. Die CSU will den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Bayern auf jeden Fall verhindern. Notfalls will sie offenbar ein Veto einlegen. Rückenwind bekommt die CSU weiterhin von Umweltverbänden. Der BUND fordert die Parteien auf, das Anbauverbot beizubehalten. Der kanadische Landwirt und Nobelpreisträger Percy Schmeiser rief deutsche Politiker bei einer Pressekonferenz des BUND heute in Berlin dazu auf, sich gegen den Druck der Gentechnik-Lobby zu wehren. "Nur ein bisschen Gentechnik geht nicht. Dass Koexistenz in Wirklichkeit Kontamination bedeutet, sieht man in meiner Heimat, wo alle Äcker und alle entsprechenden heimischen Lebensmittel verunreinigt sind", so Schmeiser. NABU-Präsident Olaf Tschimpke ist der Meinung, dass die Probleme des Welthungers und des Klimawandels mit dem Pro-Gentechnik-Kurs der FDP nicht zu lösen seien.
12.10.2009 | permalink
Kurs halten, Frau Aigner: Greenpeace-Aktivisten überreichen letzte Woche ein Banner mit rund 10.000 Unterschriften gegen Gentechnik an Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner.
Landwirtschaftsministerin Aigner (CSU) hat es nicht leicht in diesen Tagen. Gegen die Schwesterpartei CDU und den Koalitionspartner FDP muss sie in den Koalitionsverhandlungen die gentechnikkritische Politik der CSU verteidigen. Besonders die FDP drängt darauf, dass das deutsche Klima in Zukunft freundlicher gegenüber der Gentechnik wird und will den Anbau von Gentechnik-Pflanzen fördern. Heute bekommt Aigner deshalb Unterstützung von Greenpeace. Die Umweltaktivisten haben der Ministerin in Berlin ein riesiges Banner mit 10.000 Unterschriften gegen Gentechnik überreicht und fordern Aigner damit auf, Kurs zu halten und bei der Frage des Anbau-Verbots nicht einzuknicken. Wie es aussieht, wird es auch kontrovers bleiben. Aigner versicherte nicht nur gegenüber Greenpeace, sich weiterhin für das Verbot einzusetzen. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur machte Aigner auch deutlich, dass sie von keiner Einigung bezüglich des kommerziellen Anbaus ausgehe. In anderen Fragen kommen sich die Koaltionspartner da schon näher: Sowohl die Unionsparteien als auch die FDP wollen die Forschung mit Gentechnik-Pflanzen fördern.
Anbau-Verbände riefen die Koalitionsparteien dazu auf, die gentechnikfreie Erzeugung zu schützen. Gentechnik-Lebensmittelskandale zeigen, wie unkontrolliert sich die Pflanzen ausbreiten. Deshalb müsse die Null-Toleranz gegenüber Verunreinigungen mit nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen in Europa beibehalten werden, fordern Bioland und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).
Greenpeace: Anbauverbot für Gen-Pflanzen ist nicht verhandelbar
SPIEGEL ONLINE: Koalitionsverhandlungen: Schwarz-Gelb will grüne Gentechnik stärken
Proplanta.de: Aigner distanziert sich von FDP-Positionen
AbL: Vorfahrt für die gentechnikfreie Landwirtschaft!
Bioland: Nulltoleranz und Verbot des Genmaises MON 810 müssen bleiben
AoeL: Bitte keine Rolle rückwärts!
Informationsdienst Gentechnik: Aktion: Gentechnikfreiheit bei Koalitionsverhandlungen verankern10.10.2009 | permalink
Pfingsten 2006 haben Gentechnikgegner gentechnisch veränderte Gerste eines Versuchsfeldes der Uni Gießen ausgerissen.
Die Gießener Richter zeigten sich wenig beeindruckt. Weder vom solidarischen Protest, vom langen Plädoyer und dem von den Angeklagten angeführten Notstand noch vom Plädoyer-Vortrag oder der guten Verteidigung. Am Freitag wurden die zwei Feldbefreier, die vor drei Jahren ein Versuchsfeld mit Gentechnik-Gerste der Universität Gießen teilweise zerstörten, zu sechs Monaten ohne Bewährung (für Jörg Bergsted) und vier Monaten auf Bewährung (für Patrick Neuhaus) verurteilt. Die zunächst geringere Strafe für Jörg Bergsted nahm der Richter wieder zurück. Zwar hatte Bergstedt ein vierstündiges Plädoyer gehalten, in dem er ausführlich darlegte, warum die Feldzerstörung ein legitimes Mittel gegen den gefährlichen Anbau von Gentechnik-Pflanzen darstellt. Doch dem Richter ging das eigene Engagement offenbar zu weit. Wer so sehr die bürgerliche Gesellschaft ablehnt und Selbstjustiz als Mittel wählt, muss wohl ordentlich bestraft werden. Eine weitere Begründung aus dem Urteilsspruch: Die Feldzerstörung sei kein geeignetes Mittel, um gegen Gentechnik vorzugehen, denn die sei sowieso nicht mehr aufzuhalten. Ein emeritierter Agrar-Professor aus Witzenhausen ist da anderer Meinung: Aus Protest gegen das Urteil kletterte er auf eine vor dem Gerichtsgebäude befindliche Birke und harrte dort bis 24 Uhr aus.
08.10.2009 | permalink
VerbraucherInnen wollen sich nichts unterjubeln lassen.
Jetzt wird es haarig. Wie erwartet gibt es in Sachen Gentechnik grundlegende Meinungsverschiedenheiten zwischen den neuen Regierungsparteien. Nach dem gestrigen Auftakt der Koalitionsverhandlungen der Arbeitsgruppe Agrar machten Vertreter von FDP und CSU ihre Positionen deutlich. Während die CSU, vertreten von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner und Bayerns Umweltminister Markus Söder auf die Beibehaltung des Anbauverbots des MON 810 drängen, möchte die FDP den Anbau von Gentechnik-Pflanzen in Deutschland voranbringen. Neben dem Monsanto-Mais soll auch die Gentechnik-Kartoffel "Amflora" von BASF angebaut werden. Die CDU müsse in der Debatte endlich Farbe bekennen, sagte die FDP-Bundestagsabgeordnete Christel Happach-Kasan. Umwelt- und Bioverbände verfolgen die Koalitionsgespräche mit Sorge. Naturland-Präsident Hans Hohenester warnte die Politiker davor, den Öko-Sektor mit seinen 160.000 Arbeitsplätzen zu gefährden, wenn die Gentechnik sich auf deutschen Äckern ausbreitet. Auch viele konventionelle Hersteller, die gentechnikfrei produzieren, wären gefährdet. Der BUND warnte außerdem davor, die Null-Toleranz von in der EU nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen aufzuheben. Dies wäre das Ende der gentechnikfreien Lebensmittelproduktion, so Heike Moldenhauer, Gentechnik-Expertin beim BUND.
07.10.2009 | permalink
Ca. 90 Prozent der gentechnisch veränderten Pflanzen gehören Monsanto
Die US-Agrarpolitik ändert sich unter Präsident Obama kaum. Das ist einigermaßen klar, seitdem Obama Tom Vilsack als neuen Agrarminister ernannt hat. Seine industriefreundliche Politik hat seit längerem den US-Bundesstaat Iowa geprägt, wo er zuletzt Gouverneur war. Nun hat Barack Obama auch weitere wichtige Posten mit Leuten besetzt, die dem größten Gentechnik-Konzern Monsanto nahe stehen. Der neue Experte für Lebensmittelsicherheit in der US-Lebensmittelbehörde FDA wird z.B. Michael Taylor. Taylor war bereits öfter für Monsanto tätig, unter anderem als Anwalt und Vize-Präsident für Public Policy. Auch in der FDA war Taylor von 1991 bis 1994 tätig, als die Behörde das Wachstumshormon für Milchkühe der Firma Monsanto zuließ. Auf Kritik stieß außerdem Taylors Rolle bei den Bemühungen der US-amerikanischen Regierung, gentechnisch veränderte Pflanzen in Afrika einzuführen.
05.10.2009 | permalink
Wie sehr wird die schwarz-gelbe Regierung den Willen der Bevölkung in Sachen Gentechnik respektieren?
Heute beginnen die Koalitionsgespräche zwischen den Unionsparteien und der FDP. Die Gentechnik in der Landwirtschaft ist dabei eines der umstrittenen Themen. Zumindest die CSU hat sich im Wahlkampf gegen Gentechnik stark gemacht und tritt für ein gentechnikfreies Bayern und für die rechtliche Verankerung von gentechnikfreien Regionen innerhalb der Europäischen Union ein. Besonders die FDP aber auch die CDU sprechen sich hingegen für die Gentechnik aus. Gentechnik-Kritiker befürchten daher, dass das Anbau-Verbot für den MON 810, das CSU-Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner im April verhängt hatte, mit der neuen Regierung schnell gekippt werden könnte. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass das Landwirtschaftsministerium weiterhin unter CSU-Führung bleibt. Der Wunsch kommt zumindest von Bioland-Präsident Thomas Dosch. Mit der CSU ließe sich leichter durchsetzen, dass der kommerzielle Anbau von Gentechnik-Pflanzen in Deutschland verboten bleibt, so Dosch letzte Woche gegeüber der taz. Zur Debatte könnte auch die Überarbeitung des Gentechnik-Gesetzes stehen, in dem Gentechnik-Befürworter die Gründe für eine Verhinderung der Anwendung von Gentechnik in Deutschland sehen. Stefan Marcinowski, Vorsitzender der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB), fordert die neue Regierung auf, die Entwicklung der Pflanzenbiotechnologie in Deutschland nicht weiter politisch zu blockieren. Der Kampagnen-Geschäftsführer von Greenpeace, Roland Hipp, fordert hingegen die CDU auf, das Verbot des Gentechnik-Mais beizubehalten und den Ökolandbau in Deutschland voranzubringen.
02.10.2009 | permalink
Amflora ist eine gentechnisch veränderte Kartoffel mit Antibiotikaresistenz-Markergen. Es gibt gentechnikfreie Alternativen.
In der zweiten Oktober-Woche soll erstmals die Verarbeitung einer klassisch gezüchteten Kartoffel mit hohem Amylopektin-Gehalt in größerem Umfang stattfinden. Die neue Kartoffel ist ein gemeinsames Projekt der Emsland Group, dem deutschen Kartoffelstärkeproduzent und EUROPLANT, einem Kartoffelzuchtunternehmen. Die neue Amylopektin-Kartoffel zielt bei ihrer Stärkezusammensetzung auf einen vergleichbaren Einsatz bei der Stärkeproduktion wie Amflora, allerdings ohne Einsatz von Gentechnik. Das Hauptproblem der gentechnisch veränderten Kartoffel Amflora liegt im eingesetzten Antibiotikaresistenz-Markergen, welches in der Human-Medizin verwendet wird. Eine Resistenzbildung gegenüber dem Antibiotikum beim Menschen ist zu befürchten. So konnte die BASF bis heute trotz mehrerer Anläufe keine Zulassung der Amflora bei der EU-Kommission erwirken.
● Zahlen und Statistiken:
Was wächst wo?
● Amflora:
Zugelassen aber nicht gefragt

Unsere Flyer zeigt Ihnen die wichtigsten Gründe gegen Gentechnik auf einen Blick: Ideal, um ihn im Bekanntekreis, in Schulen o.ä. zu verteilen.
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.. dass ein mittelständisches deutsches Unternehmen bis zu mehrere hunderttausend Euro im Jahr einplanen muss, um Gentechnik-Rohstoffe zu vermeiden?

Eine Studie zeigt, an zentralen Stellen in den Gentech-Genehmigungsbehörden sitzen Wissenschaftler, die in Lobbyvereinen eng mit Industrievertretern zusammenarbeiten. Anstatt die Industrie zu kontrollieren, setzen sie sich für ihre Interessen ein.
Bayerisches Fernsehen: Genehmigungsfilz
Then, Lorch (April 2008): Kontrolle oder Kollaboration?
Bundestag.de: Interview mit Ulrike Höfken (26.05.08)
Die Experten sind sich einig. Gegen den Hunger in der Welt hilft keine Gentechnik! Lesen Sie hier, was es mit der Nahrungsmittelknappheit tatsächlich auf sich hat.
Dossier Infodienst
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