06.04.2010 | permalink
Es gibt viel Kritik an der Sicherheitsbewertung von Gentechnik-Mais.
Eine weitere Maislinie (MON 89034 x MON 88017) soll für den europäischen Markt als Futter- und Lebensmittel zugelassen werden. Jedenfalls hat dies der Hersteller Monsanto beantragt und die Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) nun abgesegnet. Die EFSA hat sowohl dem MON 89034 x MON 88017 als auch dem MON 863 nun Unbedenklichkeit bescheinigt. Wie der in Deutschland verbotene MON 810 produzieren die beiden Mais-Pflanzen ein Bt-Gift, was sie gegen den Maiszünsler resistent macht. Der MON 863 steht insbesondere in der Kritik, weil es Daten aus Fütterungsversuchen mit Ratten gibt, bei denen signifikant veränderte Blutwerte für Leber und Nieren auftauchten. Monsanto selbst hatte die Versuche in Auftrag gegeben, die Daten jedoch geheim gehalten. Greenpeace konnte rechtlich erwirken, Teile der Daten öffentlich zu machen.
Als nächsten Schritt muss die EU-Kommission nun einen Entscheidungsvorschlag beim Regelungsausschuss einbringen.
01.04.2010 | permalink
Der Anbau der Amflora kann gefährlich werden.
Der Österreichische Gesundheitsminister Stöger hat heute ein nationales Anbau-Verbot für die Gentechnik-Kartoffel "Amflora" erlassen. Vor einer Woche hatte das Parlament einstimmig für das Verbot gestimmt. Auch die deutschen Behörden wären ermächtigt, ein Verbot der Amflora auszusprechen. Laut eines rechtlichen Gutachtens, dass für die Umweltorganisation Greenpeace erstellt wurden, müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu schützen. Insbesondere die wissenschaftlichen Bedenken hinsichtlich des Antibiotika-Resistenzgens sowie die fehlerhafte Umweltverträglichkeitsprüfung erfordern eine Anwendung des Vorsorgeprinzips. Das Vorsorgeprinzip ist sowohl in der EU-Freisetzungsrichtlinie als auch im deutschen Gentechnikgesetz verankert. Dem Rechtsgutachten zufolge könne laut Gentechnikgesetz die Schutzklausel angewandt werden, die die Inverkehrbringung der Gentechnik-Kartoffel untersagt. Zwar gebe es keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die Bedenken hinsichtlich schädlicher Auswirkungen sind jedoch bisher nicht ausgeräumt worden. Im Hinblick auf das Vorsorgeprinzip kann in einem solchen Fall die Schutzklausel greifen. Im Zweifel hat laut geltender Rechtssprechung der Schutz von Mensch und Umwelt mehr Gewicht als wirtschaftliche Interessen. Auch eine Klage der Bundesregierung gegen die Zulassung der EU-Kommission ist zulässig, heißt es in dem Gutachten, da die Zulassung gegen die Freisetzungsrichtlinie verstößt. Diese müsse jedoch spätestens am 4. Mai erhoben werden, zwei Monate nach dem Kommissionsbeschluss.
01.04.2010 | permalink
Wir sagen: Bantam!
Samen besorgt, eingetopft, vorgezogen und los geht’s! Die ersten Bantam-Mais-Pflänzchen sind schon da, meist auf Fensterbänken und in kleinen Töpfchen wird der Samenfeste Mais vorgezogen. Für alle, die sich gegen Gentechnik engagieren wollen, wird damit die gentechnikfreie Anbau-Saison eingeläutet. Nicht nur Privatpersonen, die sich gegen die Einführung von Gentechnik-Saat durch Agrar-Konzerne wehren wollen, werden Bantam-aktiv. Überlebenswichtig ist das Arbeiten ohne Gentechnik auch für Hersteller, die ihre Produkte frei davon halten müssen. Einer davon ist Salus, ein Naturarzneimittel-Hersteller, dessen Kräuter zu 77% aus ökologischem Landbau kommen. Der Inhaber der Firma, Otto Greither, spricht sich entschieden gegen Patente auf Leben aus. Als Zeichen des Protests gegen Agro-Gentechnik baut Salus auf seinen Versuchsflächen in Bruckmühl Bantam-Mais an. Demnächst vergibt die Firma außerdem den Salus-Journalisten-Preis, der kritische Beiträge zum Thema Agro-Gentechnik würdigen soll.
30.03.2010 | permalink
Der Reichtum Perus liegt in seiner enormen Biodiversität.
Der Schutz der Biodiversität ist nicht mehr nur ein Anliegen von romantischen Umweltschützern. Denn dass die Natur durch die Vielfalt ihrer Pflanzen und Tiere funktioniert, ist mehr und mehr anerkannt. Beispiel Peru: Dort wachsen über 200 unterschiedliche Kartoffel-Sorten und 55 verschiedene Mais-Varianten. Um die Vielfalt in dem Land zu erhalten, ist der Anbau von Gentechnik-Pflanzen verboten.
Die Gentechnik-Politik der Europäischen Union wird in Peru mit großem Interesse verfolgt. Die Zulassung der Gentechnik-Kartoffel "Amflora" gibt den Gentechnik-Befürwortern auch in anderen Ländern Aufschwung. Bei einem Treffen zwischen dem peruanischen Umweltminister Dr. Antonio Brack und dem Anbauverband Naturland wurde die gute Zusammenarbeit im Öko-Landbau betont. „Der Reichtum Perus liegt in seiner enormen Biodiversität. Die Agro-Gentechnik ist eine Bedrohung für diesen unermesslichen Genpool“, so Minister Brack. Steffen Resse, Naturland-Geschäftsführer ergänzt: „Wir tragen eine große gesellschaftliche Verantwortung. Das scheint aber noch immer nicht im Bewusstsein der politischen Entscheidungsträger in Berlin und Brüssel angekommen zu sein“.
29.03.2010 | permalink
Amflora ist eine gentechnisch veränderte Kartoffel mit Antibiotikaresistenz-Markergen. Es gibt gentechnikfreie Alternativen.
Angesichts der Zweifel um die Rechtmäßigkeit der Amflora-Zulassung geht Österreich mit gutem Beispiel voran: Das Parlament hat am Donnerstag einstimmig einen Anbau-Stopp der Amflora beschlossen, der nun vom Gesundheitsminister umgesetzt werden kann.
Bei der Diskussion um die Zulassung der gentechnisch veränderten Kartoffel "Amflora" werden die kritischen Stimmen auch hierzulande immer lauter. Die Forderungen nach einem Anbau-Verbot werden durch ein von Greenpeace vorgelegtem Rechtsgutachten untermauert: Danach untersagen EU-Richtlinien den Anbau von Pflanzen mit eingebautem Antibiotika-Resistenzgen, wie es bei der Amflora der Fall ist. Auch wurde die Pflanze nicht ausreichend auf ökologische Risiken geprüft. Greenpeace ist daher der Meinung, dass die Zulassung der Amflora nicht rechtens ist. Professor Uwe Frank vom Universitätsklinikum Freiburg warnt vor den Folgen durch die Verbreitung von Antibiotika-Resistenzen, die für Menschen mit lebensbedrohlichen Infektionen sehr gefährlich werden können. Letzten Donnerstag hatten die Grünen mit einem Antrag im Bundestag das Verbot des Anbaus der Gentechnik-Kartoffel gefordert. Der Antrag wurde an die Ausschüsse überwiesen.
Greenpeace: Zulassung von Amflora verstößt gegen EU-Richtlinien
agrar heute.com: Debatte um Anbauverbot für die GV-Kartoffel Amflora
Infodienst: Hintergrund Gentech-Kartoffel
Greenpeace: Rechtsgutachten zum nationalen Anbauverbot der Amflora
top agrar Österreich: Nationales Anbauverbot von Amflora-Erdäpfeln gefordert26.03.2010 | permalink
Erreichte durch Gentechnik-Mais neue Popularität: Der Western Bean Cutworm
In den USA breitet sich ein Maisschädling aus, der den Landwirten erhebliche Schäden beschert. Laut einer neuen Studie in Auftrag von Greenpeace ist der Gentechnik-Mais-Anbau Schuld daran, dass sich der Western Bean Cutworm (WBC) im Mais-Gürtel der USA seit Jahren vermehrt. Kritiker befürchten schon lange, dass der großflächige Anbau von Gentechnik-Pflanzen die biologische Vielfalt gefährdet und dadurch erhebliche Probleme für die Umwelt und in der Landwirtschaft entstehen. Im konkreten Fall des WBC funktioniert das so: Sowohl der Maiszünsler als auch der Baumwollkapselbohrer befallen gern Maispflanzen und können dem Maisanbau Probleme bescheren. Der WBC ist eine konkurrierende Raupe, die dem Kapselbohrer normalerweise unterlegen ist. Mit dem Anbau des gentechnisch veränderten Bt-Maises wird permanent das Bt-Toxin auf den Acker gebracht, das für den Baumwollkapselbohrer giftig ist. Dieser wird durch Bt-Pflanzen also verdrängt. Sein natürlicher Feind, der WBC, hat dadurch eine Nische gefunden, in der er problemlos gedeihen kann. Denn gegen ihn wirkt das Bt-Toxin nicht. Die Folgen zeigen sich seit Jahren in den USA, wo 2008 ca. 28 Mio. Hektar gentechnisch veränderter Mais angebaut wurde: Seit dem Jahr 2000 wurde dort der Befall des Insektes beobachtet, was sich seitdem zu einem handfesten Problem ausweitet. Teilweise werden bis zu 50% Ernteverluste gemeldet. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, möchten man meinen. Doch statt sich darauf zu konzentrieren, das ökologische Gleichgewicht wieder ins Lot zu bringen, rüsten Gentechnik-Konzerne weiter auf und sehen in dem Problem weiteres Gewinn-Potential. So wird den Landwirten empfohlen, zusätzlich giftige Spritzmittel einzusetzen, um die Schädlinge zu vernichten. Eine andere „Lösung“ soll die Zulassung einer weiteren Gentechnik-Maispflanze („SmartStax“) mit acht Gen-Konstrukten bieten, die sechs verschiedene Bt-Gift-Varianten enthält und damit das Auftreten neuer Schädlinge verhindern soll. Beim „Wettrüsten“ gegen die Natur, so Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter von Greenpeace, leidet nicht nur die Umwelt. Landwirte könnten zuletzt als Verlierer dastehen, denn sie müssen immer mehr Geld für teures Saatgut und Spritzmittel aufbringen.
25.03.2010 | permalink
Keine weitere Zulassung von Gentech-Pflanzen!
Zigtausend Menschen haben sich letztes Jahr an unserer Aktion "Stop the Crop" beteiligt. Mit Erfolg: Der Bürgerprotest bewirkte, dass die EU-Kommission mit ihrem Vorhaben, die nationalen Anbauverbote für den MON 810 zu kippen, im Ministerrat eine deutliche Niederlage erlitt. Alle Bemühungen, den Gentechnik-Anbau in Europa weiter voranzubringen, gab die Kommission vorerst auf.
Seit Februar 2010 ist eine neue EU-Kommission im Amt und fördert bereits intensiv die Einführung der Gentechnik in der europäischen Landwirtschaft. Erstmals seit 12 Jahren wurde mit der Gentechnik-Stärkekartoffel "Amflora" des Agro-Chemie-Riesen BASF ein neuer gentechnisch veränderter Organismus in der Europäischen Union zum Anbau zugelassen. Und der frischgebackene Gesundheitskommissar John Dalli ging noch weiter, indem er verkündete, weitere GVOs zulassen zu wollen. Darunter die zwei Gentechnik-Maisvarianten (Bt 11 und 1507), deren Zulassung wir im letzten Jahr mit unseren Protesten verhindert haben sowie den MON 810. Aus diesem Grund starten wir einen europaweiten Aufruf zu einer zweiten Runde "Stop the Crop". Weder die EU-Kommission noch die nationalen Regierungen sollten den Willen der Verbraucher und Landwirte ignorieren.
24.03.2010 | permalink
Testet die EFSA Gentechnik-Pflanzen unabhängig?
In der Affäre um eine leitende Angestellte der EFSA, die unmittelbar zur Industrie wechselte, geben die Kritiker keine Ruhe. Zusammen mit Corporate Europe Observatory reicht die Expertengruppe Testbiotech heute offiziell Beschwerde beim EU-Ombudsmann gegen die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) ein. Seitdem Testbiotech den Fall Ende 2009 aufdeckte, hat die EFSA keine Maßnahmen ergriffen, um derartigen Interessenskonflikten in Zukunft vorzubeugen. Die EU-Kommission antwortete auf ein Schreiben von Testbiotech, dass sie für die unabhängige Behörde nicht zuständig sei. Die beiden Organisationen wollen den Fall jedoch nicht auf sich beruhen lassen. "Der Fall Renckens enthüllt ein ganz grundsätzliches Problem: Der unangemessene Einfluss der Industrie nährt bestehende Zweifel an den Entscheidungen der EFSA im Bereich der Lebensmittelsicherheit", so Nina Holland von Corporate Europe Observatory. Die ehemalige EFSA-Mitarbeiterin Suzy Renckens war 2008 innerhalb weniger Wochen zum Gentechnik-Unternehmen Syngenta gewechselt, wo sie nun für die Marktzulassungen von Gentechnik-Pflanzen zuständig ist. In ihrer neuen Position muss sie sich außerdem als Vertreterin an die EFSA-Expertengruppe wenden, die sie vorher selbst leitete.
24.03.2010 | permalink
Der Anbau der Amflora kann gefährlich werden.
Am Donnerstag wird im Bundestag ein Antrag der Grünen diskutiert, der den Anbau der Amflora in Deutschland verhindern soll. Die Grünen begründen den Antrag mit den unabsehbaren Schäden für Umwelt, Verbraucher und für die gentechnikfreie Landwirtschaft im Falle eines Amflora-Anbaus. Wie wenig sich Anbau und Ernte von Gentechnik-Produkten und herkömmlicher Ware trennen lassen, zeige sich in früheren Verunreinigungsskandalen mit Reis, Leinsamen und Mais. Als der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer der Zulassung der Amflora im EU-Ministerrat zustimmte, geschah dies unter der Bedingung, dass in Deutschland Maßnahmen zur guten fachlichen Praxis entwickelt werden, mit denen eine Trennung der Waren möglich wäre. Die Grünen beklagen, dass weder diese Maßnahmen erarbeitet wurden, noch eine Zulassung der Amflora als Lebensmittel erteilt wurde, obwohl die Verunreinigung von Lebensmitteln bis 0,9% von der EU-Kommission gestattet wurde. Ein weiterer Kritikpunkt an der Zulassung der Amflora besteht darin, dass laut geltendem Recht (EU-Freisetzungsrichtlinie) gentechnisch veränderte Organismen, die mit Antibiotikaresistenzmarkern ausgestattet sind, nicht mehr verwendet werden dürfen.
23.03.2010 | permalink
Ilse Aigner heute bei der Pressekonferenz mit Vertretern der Lebensmittelindustrie
Teile der Lebensmittelwirtschaft bekennen sich zur Produktion ohne Gentechnik. 31 Gründungsmitglieder aus dem Bereich Handel, Verarbeitung, Kontrolle und Erzeugung haben heute in Berlin den Verband Lebensmittel ohne Gentechnik gegründet. Die Mitglieder nutzen für ihre Produkte das "Ohne Gentechnik"-Siegel und wollen damit die Bedingungen zur Entwicklung des Marktes für gentechnikfreie Lebensmittel verbessern. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen mit dem Kauf von Lebensmitteln "Ohne Gentechnik" die Unterstützung einer gentechnikfreien Landwirtschaft in eigener Hand haben. "Endlich werden die Leistungen der Landwirte, die gentechnikfrei füttern, anerkannt", so Andreas Swoboda von tegut. Für Produkte mit dem von Landwirtschaftsministerin Aigner eingeführten Siegel muss eine Fütterung der Nutztiere ohne Gentechnik-Pflanzen garantiert werden. Die Freude war den Mitgliedern anzusehen, wurde doch auf einen Verein angestoßen, der aus einer einzigartigen Initiative aus Wirtschaftsunternehmen, Nichtregierungsorganisationen und Anbau- und Umweltverbänden hervorgeht.
Das Siegel wurde heute offiziell von Ilse Aigner an den Verband übergeben. Mitte April wird der Verein in Berlin eine Geschäftsstelle eröffnen und ist dann für die Vergabe des Siegels zuständig.
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BVG verhandelte über das Gentechnikgesetz
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Kritische Hintergrund-Berichte zur Agro-Gentechnik und Fortpflanzungstechnik.
.. dass ein mittelständisches deutsches Unternehmen bis zu mehrere hunderttausend Euro im Jahr einplanen muss, um Gentechnik-Rohstoffe zu vermeiden?

Eine Studie zeigt, an zentralen Stellen in den Gentech-Genehmigungsbehörden sitzen Wissenschaftler, die in Lobbyvereinen eng mit Industrievertretern zusammenarbeiten. Anstatt die Industrie zu kontrollieren, setzen sie sich für ihre Interessen ein.
http://www.youtube.com/watch?v=KFM8QDyubHA
Then, Lorch (April 2008): Kontrolle oder Kollaboration?
Bundestag.de: Interview mit Ulrike Höfken (26.05.08)
Die Experten sind sich einig. Gegen den Hunger in der Welt hilft keine Gentechnik! Lesen Sie hier, was es mit der Nahrungsmittelknappheit tatsächlich auf sich hat.
Dossier Infodienst