06.09.2011 | permalink
Honig, der Pollen des MON810-Maises enthält, ist nicht verkehrsfähig. (Photo: Infodienst)
Honig, der mit gentechnisch veränderten Pollen verunreinigt wurde, ist nicht verkehrsfähig. Dies hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) heute in einem Urteil verkündet. Auch ungewollte und geringste Mengen führen dazu, dass der Honig nicht mehr verkauft werden darf. Es reicht nicht, dass der Gentechnik-Mais MON 810 eine Zulassung zum Anbau habe. Das Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik, Mellifera, feiert damit einen großen Erfolg. Denn mit dem Urteil steht fest, dass Imker einen Anspruch auf Entschädigung haben, wenn ihr Honig mit gentechnisch veränderten Pollen verunreinigt wurde, die nicht als Lebensmittel zugelassen sind. Dies war der Fall des Imkers Bablok, der in seinem Honig GVO-Spuren fand und daraufhin seine gesamte Ernte vernichten musste. Weil deutsche Behörden der Auffassung waren, dass derartige Verunreinigungen toleriert werden müssen, zog er mit Hilfe von Mellifera vor Gericht und verklagte den Freistaat Bayern auf Schadensersatz. Wegen ungeklärter Fragen europäischen Rechts legte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof dem EuGH 2009 einige Punkte zur Entscheidung vor. Dieser entschied nun im Sinne der Imker und Verbraucher, die Gentechnik in Lebensmitteln überwiegend ablehnen.
Bio- und Umweltverbände fordern die Bundesregierung anlässlich des Urteils auf, den Schutz von Honig im Gentechnikgesetz zu regeln. Abstandsregelungen von fünf Kilometern zwischen Gentechnik-Feldern und Bienestöcken seien dafür notwendig. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass mit dem Urteil die Regelung der Nulltoleranz von in der EU nicht zugelassenen GVO bestätigt wurde.
Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner sieht weitreichende Folgen des Urteils sowohl für die EU als auch für Deutschland. Die Frage der Sicherheitsabstände zwischen Feldern mit und ohne Gentechnik müsse geprüft werden.
Gerichtshof der Europäischen Union: Pressemitteilung
Mellifera e.V.: Biene sticht Gentechnik-Giganten
Anwälte Gaßner, Groth, Siederer & Coll.: Juristische Stellungnahme zum EuGH-Urteil
Infodienst: Bienen und Gentechnik
SPIEGEL ONLINE: Richter stoppen Genhonig - Schlappe für Agrarlobby
tagesschau.de: Weitreichende Folgen für Anbau von Genpflanzen
agrarheute.com: Das sagen Verbände und Parteien06.09.2011 | permalink
Gutachten des BioÖkonomieRats 2010
Wie wir in Zukunft mit unseren Ressourcen am besten haushalten, soll in Deutschland der Bioökonomierat bestimmen. Das von der Bundesregierung eingesetzte Gremium soll Strategien dafür entwickeln, wie wir mit Herausforderungen wie Klimawandel, Umweltverschmutzung oder knappe Energieressourcen umgehen. Der NABU hat sich das Gutachten des Bioökonomierats genauer angeschaut und dazu nun eine Studie vorgelegt. Darin kritisiert der Naturschutzbund die Visionen des Rats, der in seinen Zukunftsplänen hauptsächlich auf technischen Fortschritt, Produktionssteigerung und Biotechnologie setzt. Eine kritische Bestandsaufnahme des Lebensstils der reichen Industrieländer fehlt demnach. Schon letztes Jahr wurde u.a. die einseitige Besetzung des Rates kritisiert, der hauptsächlich aus Vertretern von Wirtschaftskonzernen besteht. Die Bundesregierung finanziert das Rahmenprogramm „Bioökonomie 2030“ mit 2,4 Milliarden Euro. Um einen breiteren Dialog über diese wichtigen Themen anzustoßen und die Stellungnahmen des Bioökonomierates zu diskutieren, organisiert der NABU zusammen mit der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) eine öffentliche Veranstaltung am Montag, den 12. September.
05.09.2011 | permalink
Bienen sammeln auch nicht zugelassenen Gentech-Pollen.
Morgen wird der Europäische Gerichtshof (EuGH) ein grundsätzliches Urteil in Sachen Gentechnik verkünden. Es geht darum, ob Pollen des gentechnisch veränderten Maises MON 810 im Sinne des europäischen Gentechnikrechts ein gentechnisch verändertes Lebensmittel darstellen. Wenn dem so ist, brauchen Pollen eine entsprechende Zulassung. Da diese nicht vorliegt, hat Imker Bablok vor vier Jahren seinen gesamten Honig vernichten lassen. Denn er fand darin den gentechnisch veränderte Pollen. Daraufhin verklagte er den Freistaat Bayern auf Schadenersatz und forderte Schutzmaßnahmen gegen den Gentechnik-Anbau der Bayerischen Versuchsanstalt. Er gab sich nicht mit der Haltung der deutschen Behörden zufrieden, dass derartige Verunreinigungen toleriert werden müssten, weil der Pollen unbeabsichtigt in den Honig gelangt ist.
Wegen ungeklärter Fragen europäischen Rechts legte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof dem EuGH 2009 einige Punkte zur Entscheidung vor. Der Generalbundesanwalt des EuGH folgte im Februar dieses Jahres in seinem Schlussantrag im Wesentlichen der Argumentation des Imkers. Folgt das Gericht morgen seinem Anwalt, gilt die Null-Toleranz: Demnach wäre Honig, der mit gentechnisch veränderten Pollen verunreinigt ist, nicht verkehrsfähig, wenn er nach der EU-Verordnung 1829/2003 keine Zulassung als gentechnisch verändertes Lebensmittel hat.
01.09.2011 | permalink
Genfrei Gehen goes America
Die Aktion Genfrei Gehen nimmt eine neue Etappe: Ab dem ersten Oktober läuft Initiator Joseph Wilhelm mit Mitstreitern von New York City nach Washington D.C., um auch in den USA, wo bereits auf 50% der Anbauflächen gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen, gegen Gentechnik zu protestieren. Mit der Aktions-Idee wurden dort offene Türen eingerannt, denn die Amerikaner wollen nicht länger im Dunkeln darüber bleiben, was sie essen und fordern endlich eine Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel. „Right2Know“-Marsch lautet daher der Aktions-Name. In der EU ist die Rechtsprechung schon weiter. Hier müssen Zutaten aus gentechnisch veränderten Pflanzen in der Zutatenliste gekennzeichnet werden. Was allerdings fehlt: Wenn Gentechnik-Pflanzen im Tierfutter stecken, müssen die daraus entstehenden tierischen Produkte wie Milch oder Fleisch nicht gekennzeichnet werden. Hier in Deutschland wird daher die Kennzeichnung für tierische Produkte gefordert.
30.08.2011 | permalink
Maiswurzeln werden in den USA von Käfern angegriffen.
Monsanto-Aktien sind gestern um knapp 4 Prozent gefallen, nachdem bekannt wurde, dass Maiswurzelbohrer in Iowa Resistenzen gegen gentechnisch veränderten Mais der Firma entwickelt haben. Auf vier Feldern hat der Entomologe Aaron Gassmann der Iowa State University die resistenten Insekten entdeckt. Monsantos Bt-Mais produziert ständig ein für Insekten giftiges Protein. Die Entwicklung von Resistenzen wird dadurch begünstigt. Zwar handele es sich noch um Einzelfälle, es ist aber gleichzeitig eine Warnung an die Landwirte, ihre Anbaupraxis zu ändern, so der Wissenschaftler. Viele Landwirte praktizieren keine Fruchtfolge und fördern dadurch die Resistenzbildung. Gentechnik-Konzerne bemühen sich derzeit darum, ihre Pflanzen mit weiteren Resistenzen auszustatten und bieten mittlerweile Pflanzen mit mehreren gentechnischen Veränderungen an.
26.08.2011 | permalink
Der Konkurrenzdruck unter den Agrar-Händlern um den wachsenden Markt China wird immer stärker. Bild: Koop Verlag
Das Agrarhandelshaus Bunge verweigert den Aufkauf von Syngentas Gentechnik-Mais AgriSure Viptera, weil der Mais in China keine Zulassung hat. Bunge will sich seine Lieferbeziehung mit dem wachsenden Markt keinesfalls verderben. Syngenta hält die Ablehnung für unzulässig und hat rechtliche Schritte eingeleitet. Der Gentechnik-Mais mit mehreren gentechnischen Veränderungen (stacked events) ist in den USA, Argentinien, Brasilien und Kanada zum Anbau zugelassen. Importiert werden darf er darüber hinaus nach Japan, Mexiko, Neuseeland, Philippinen, Korea und Taiwan. In China wurde ein Zulassungsantrag gestellt.
26.08.2011 | permalink
Jährlich erreichen nur 2 von 19.000 Petitionen die Hürde von 50.000 Unterschriften und erwirken eine öffentliche Beratung der Petition.
Der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) möchte die Wirkung der öffentlichen Beratung der Petition „Gentechnikanbau stoppen“ erhöhen und die Volksvertreter in die Pflicht nehmen. In einer Online-Wahlkreis-Aktion sollen Bürger die Bundestagsabgeordneten Ihrer Wahlkreise zur Ausschusssitzung im Bundestag am 26. September einladen. Der Petent und BÖLW-Vorstandsvorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein wird sich in der öffentlichen Beratung des Petitionsausschusses für einen EU-Zulassungsstopp von Gentechnik-Pflanzen und die Umsetzung der regionalen Anbauverbote einsetzen. Da ein Großteil der Bevölkerung die Agro-Gentechnik sowohl auf dem Teller als auch auf dem Acker nach wie vor ablehnt, sollen die Abgeordneten ihre Aufgabe als Volksvertreter wahr nehmen und die Gentechnik-Petition unterstützen. Mehr als 100.000 Bürgerinnen und Bürger hatten die öffentliche Petition unterzeichnet. Sie gehört zu den bislang erfolgreichsten eingereichten Petitionen. Jährlich übertreffen nur zwei von 19.000 Petitionen die Hürde von 50.000 Unterschriften, die für eine öffentliche Anhörung im Petitionsausschuss notwendig sind. Ein klares Signal für die Bundesregierung.
25.08.2011 | permalink
Komorowski blockiert Gentechnik-Bestimmungen
Polens Präsident Komorowski blockiert in letzter Minute den Einzug der Agro-Gentechnik. Im Gesetzesentwurf „Seeds Act“ sollte der Anbau von Gentechnik-Pflanzen nicht mehr verboten sein. Eine Regulierung des Anbaus von Gentechnik-Pflanzen fehlt bisher. Der Präsident bezeichnete das Gesetz als “gesetzgeberischen Eiertanz”. Nun wandert der Entwurf wieder ans Parlament zurück und muß das Veto akzeptieren. Der Gesetzgebungsprozess wurde über Monate von Protesten begleitet. Präsident, Senatoren und Parlamentarier wurden mit Briefen, Telefonanrufen und Besuchen bombardiert. Die International Coalition to Protect the Polish Countryside (ICPPC) organisierte zahlreiche Demonstrations- und Informationsveranstaltungen zum Thema Agro-Gentechnik in ganz Polen. Dem Präsident wird keine besonders kritische Haltung gegenüber der Gentechnik zugeschrieben. Die ICPPC spekuliert, dass es ein politischer Schachzug hinsichtlich der im Oktober bevorstehenden Wahlen ist. In Polen ist der Großteil der Bevölkerung gegen Gentechnik.
23.08.2011 | permalink
Die Zulassung von Glufosinat läuft im Jahr 2015 in Deutschland aus. Nun verspricht Argentinien einen verstärkten Absatzmarkt. Bild: www.CBGnetwork.org
Letzte Woche hat Argentinien Bayer CropScience die endgültige Zulassung für eine Gentechnik-Sojabohne mit einer Toleranz gegen das hauseigene Breitbandherbizid Liberty mit dem Wirkstoff Glufosinat-Ammonium erteilt. Die Bildung von Resistenzen, erhöhte Gesundheitsrisiken und Kontaminationen sind vorherzusehen. In Deutschland ist der Wirkstoff unter dem Handelsnamen Basta und Liberty bekannt. Das Europäische Parlament schätzt die Substanz als fortpflanzungsgefährdend ein. Die EU-Zulassung wird voraussichtlich 2015 auslaufen.
Durch den massiven Einsatz des Herbizids bei Gentechnik-Pflanzen ist in Argentinien eine erhöhte Gesundheitsbelastung für Mensch und Umwelt zu erwarten. Das Nachbarland Brasilien, welches neben Argentinien und den USA eine Anbaugenehmigung für die Gentechnik-Soja besitzt, distanziert sich zunehmend von der Liberty-Link-Technologie. Vergangenes Jahr hat Brasilien den LL-Mais verboten, da eine Koexistenz von transgenem und herkömmlichen Mais nicht garantiert werden kann. Die Zulassung seitens der nationalen Kommission für biologische Sicherheit (CTNBio) wurde aufgehoben, da die zugrundeliegenden Studien nicht offen gelegt wurden. Der Antrag für die Anbauzulassung von LL-Reis 62 in Brasilien wurde nach jahrelangem Protest von der Firma Bayer überraschend zurückgezogen. Wahrscheinlich ein strategischer Zug, um Zeit für die Akzeptanzsteigerung innerhalb der Bevölkerung zu gewinnen. Auch der LL-Reis 601 ist keine Erfolgsstory. So verursachte er 2006 den bisher größten Verunreinigungsskandal, zu einem Zeitpunkt an dem der Gentechnik-Reis weltweit keine Zulassung hatte. Bis heute sind die Ursachen nicht geklärt. Bayer sieht in der LL-Sojabohne ein wirksames Mittel gegen die immer stärker auftretenden resistenten Unkräuter, die durch einseitige Anwendung des am häufigsten eingesetzten und in starker Kritik stehenden Wirkstoffs Glyphosat der Firmenkonkurrenz Monsanto. Jedoch ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch bei der LL-Sojabohne durch den intensiven, einseitigen und großflächigen Einsatz des Wirkstoffs Glufosinat die gleichen Resistenzprobleme auftreten.
BAYNEWS: Bayer CropScience erhält Zulassung für Liberty-Link-Sojabohnen in Argentinien
Informationsdienst Gentechnik: Zulassung einer Genmais-Sorte von Bayer zurückgezogen
Informationsdienst Gentechnik: Bayer zieht Zulassungsantrag für Gentechnik-Reis in Brasilien zurück
Bauernverband: Neue Bewertungskriterien für Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln
cbgnetwork: Herbizid Glufosinat vom Markt nehmen!
Fraktion DIE LINKE: Antwort auf kleine Anfrage: Zulassung und Einsatz von Glufosinat
BVL: Zulassung des Pflanzenschutzmittels Liberty widerrufen22.08.2011 | permalink
Tausende gentechnisch veränderte Papaya-Bäume wurden auf Hawaii abgehackt.
Auf Hawaii wurden tausende von gentechnisch veränderten Papayabäumen zerstört. Nicht das erste Mal. Hinter der Tat werden gentechnikkritische Aktivisten vermutet, die die Bäume mit einer Machete abgehackt haben. Der Anbau der Gentechnik-Papaya ist in den USA seit 1998 erlaubt. Weltweit ist es das einzige Land mit einer Anbauzulassung. Eine Zulassung als Lebens- und Futtermittel existiert über die USA hinaus auch für Japan und Kanada. Die Gentechnik-Papaya ist mit einer Resistenz gegen den sogenannten Ringspot-Virus ausgestattet. Es gibt auch gentechnikfreie Sorten, die eine natürliche Resistenz aufweisen. Der inzwischen weit verbreitete Anbau der Gentechnik-Papaya bringt viele Probleme mit sich. Ökologisch wirtschaftende Bauern klagen immer wieder über Verunreinigungen, die auch in Zukunft nicht ausgeschlossen werden können. Laut einer unabhängigen Studie der hawaiianischen Umweltorganisation „Hawaii SEED“ ist der Grad der Verunreinigung weit höher als bisher angenommen. Die Organisation wirft der Regierung Tatenlosigkeit vor. Ferner merkt sie an, dass wichtige und lukrative Exportmärkte für Hawaii mit der Gentechnik-Papaya verloren gehen und der Marktpreis für die Gentechnik-Papaya niedriger ist als für die gentechnikfreien Früchte. Hawaii hat nahezu 50% seiner Papaya-Bauern verloren.
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Unsere Flyer zeigt Ihnen die wichtigsten Gründe gegen Gentechnik auf einen Blick: Ideal, um ihn im Bekanntenkreis, in Schulen o.ä. zu verteilen.
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.. dass ein mittelständisches deutsches Unternehmen bis zu mehrere hunderttausend Euro im Jahr einplanen muss, um Gentechnik-Rohstoffe zu vermeiden?

Eine Studie zeigt, an zentralen Stellen in den Gentech-Genehmigungsbehörden sitzen Wissenschaftler, die in Lobbyvereinen eng mit Industrievertretern zusammenarbeiten. Anstatt die Industrie zu kontrollieren, setzen sie sich für ihre Interessen ein.
Then, Lorch (April 2008): Kontrolle oder Kollaboration?
Die Experten sind sich einig. Gegen den Hunger in der Welt hilft keine Gentechnik! Lesen Sie hier, was es mit der Nahrungsmittelknappheit tatsächlich auf sich hat.
Dossier Infodienst