02.11.2009 | permalink
In Deutschland gibt es viel Protest gegen den Gentechnik-Mais-Anbau.
Wie erwartet hat die EU-Kommission drei weitere Gentechnik-Mais-Sorten für den Import sowie als Lebens- und Futtermittel zugelassen. Die Maislinien MON 88017, MON 89034 und 59122xNK603 standen vor knapp zwei Wochen im Ministerrat zur Abstimmung, wo es weder eine Mehrheit für noch gegen die Zulassungen gab. Die EU trägt damit den Forderungen der Futtermittel- und Gentechnik-Industrie Rechnung, die sich für zügige Zulassungen von gentechnisch veränderten Pflanzen in der EU aussprechen, die in Exportländern wie den USA bereits angebaut werden. Die Forderung wird damit begründet, dass Spuren der gentechnisch veränderten Organismen immer wieder in Futtermittellieferungen gelangen, die für die EU bestimmt sind. Gibt es für diese gentechnisch veränderten Pflanzen keine Zulassung in der EU, müssen die Lieferungen an der Grenze zurückgewiesen werden. Futtermittelindustrie und Bauernverbände behaupten, dass Europa damit eine Futtermittelknappheit drohe. Recherchen haben jedoch ergeben, dass es in den letzten Jahren lediglich 18 Fälle von Futtermittel-Ladungen gab, die mit nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen verunreinigt waren. Fast einziges Ursprungsland sind die USA.
02.11.2009 | permalink
Michael Grolm bei seiner Inhaftierung, Foto: Gendreck weg!
Gentechnik-Gegner Michael Grolm, der am Samstag das zweite Mal innerhalb der letzten Monate ins Gefängnis musste, ist heute wieder frei gekommen. Michael Grolm war zu 20 Tagessätzen verurteilt worden, weil er vor zwei Jahren ein Gentechnik-Mais-Feld in Brandenburg zerstörte. Wie schon bei einer weiteren Verurteilung wollte Grolm allerdings die Strafe nicht zahlen, sondern lieber auf die Problematik aufmerksam machen und dafür hinter Gitter gehen. Als Bio-Imker ist er besonders von Gentechnik-Pflanzen bedroht, die seinen Honig verunreinigen können. 17 Personen und Initiativen haben nun Geld gespendet, damit Michael Grolm wieder frei kommt. Mit von der Partie sind u.a. Slow Food, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Bioland-Präsident Thomas Dosch, die Upländer Bauernmolkerei sowie der französische Gentechnikgegner und EU-Parlamentarier José Bové.
30.10.2009 | permalink
Brauchen Kühe gentechnisch verändertes Futter aus Übersee?
Die Postkartenaktion des Deutschen Bauernverbandes im Internet ruft weitere Reaktionen hervor. Die Interessengemeinschaft für gesunde Tiere (IggT) und der Anbauverband Biokreis e.V. rufen ihre Mitglieder dazu auf, sich gegen die Aktion des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) zu wenden. Der BBV ruft Landwirte dazu auf, sich an Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner zu wenden und die Aufhebung der für die EU geltende Nulltoleranz für nicht zugelassene gentechnisch veränderte Organismen zu fordern. Die Aktion suggeriert, dass es wegen der strengen Nulltoleranz-Regelung in Deutschland bald keine eiweißhaltigen Futtermittel mehr gäbe, weil Futtermittellieferungen aus Übersee an der Grenze zurückgewiesen werden, wenn darin Spuren von nicht zugelassenen GVOs gefunden werden. Eine Aufhebung der Null-Toleranz würde jedoch eine schleichende Einführung der Gentechnik bedeuten, befürchten Biokreis und die IggT. Sie fordern deshalb ihre Mitglieder dazu auf, Gegenpostkarten an das Ministerium zu senden oder sich direkt an den BBV zu wenden.
Aus Antworten der Bundesregierung auf zwei Kleine Anfragen der Grünen geht hervor, dass es in den letzten fünf Jahren lediglich 18 Fälle von Futtermittel-Ladungen gab, die mit nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen verunreinigt waren. Fast einziges Ursprungsland sind die USA. Maximal 66.000 Tonnen sind von den Verunreinigungen betroffen.
29.10.2009 | permalink
Michael Grolm bei seiner Inhaftierung, Foto: Gendreck weg!
Der Bio-Imker und Anti-Gentechnik-Aktivist Michael Grolm geht wieder ins Gefängnis. Diesmal geht es um eine Verurteilung zu 20 Tagessätze à 18 Euro für eine Feldbefreiung im Oderbruch vor zwei Jahren.
Statt zu zahlen nutzt Grolm die Gelegenheit lieber, um auf die Gefahren der Gentechnik, die ihn als Imker besonders betreffen, aufmerksam zu machen. Und lässt dafür sogar seine 100 Bienenstöcke warten. Bereits im August erreichte Grolm relativ viel Medienaufmerksamkeit. Auch damals musste Grolm ins Gefängnis, weil er weder 1000 Euro Strafe zahlen noch einen Offenbarungseid leisten wollte. Erst nach einer einstweiligen Anordnung kam er nach vier Wochen wieder frei. Seine Inhaftierung wird auch nun wieder von Protesten begleitet: Eine Solidaritäts-Demonstration soll diesmal als Signal an die neue Regierung zur FDP-Landeszentrale führen. Die FDP möchte den Anbau von Gentechnik-Pflanzen in Deutschland fördern. Treffpunkt ist am Samstag, den 31.10.2009 um 12 Uhr in Erfurt, Beethovenstr. 3 vor dem Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt.
27.10.2009 | permalink
Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat im April dieses Jahres den Gentechnik-Mais-Anbau in Deutschland verboten.
Der Anbau der gentechnisch veränderten Kartoffel "Amflora" der Firma BASF soll unterstützt werden, heißt es im gestern unterzeichneten Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft kritisiert die exklusive Erwähnung des Themas im Koalitionsvertrag: Dass ein konkretes Produkt einer konkreten Firma – die Gentechnikkartoffel "Amflora" – es bis in den Koalitionsvertrag geschafft habe, sei ein unglaublicher Vorgang und zeige, wie erfolgreich die Biotechnologie-Branche damit war, den Vertragsverfassern die Feder zu führen, sagte der BÖLW-Vorsitzende, Felix Prinz zu Löwenstein.
Ilse Aigner (CSU) bleibt Landwirtschafts- und Verbraucherministerin. Die CSU hat sich außerdem auf den Kompromiss eingelassen, dass einzelne Bundesländer zwar nicht über den Anbau selbst entscheiden können. Dafür sollen aber rechtliche Voraussetzungen dafür schaffen werden, dass die Bundesländer Abstände von Gentechnik-Feldern zu konventionellen oder ökologischen Felder eigenständig festlegen können. Über diesen Umweg will die CSU den Gentechnik-Anbau in Bayern unmöglich machen. Für eine Entscheidung über das Anbau-Verbot des Gentechnik-Maises MON 810 wird das Hauptsacheverfahren vor Gericht abgewartet. Auf EU-Ebene will sich die künftige Regierung für eine stärkere Wissenschaftsorientierung und effiziente Zulassungsverfahren von gentechnisch veränderten Organismen einsetzen. Außerdem wird auf EU-Ebene eine Positivkennzeichnung für Gentechnik-Lebensmittel angestrebt.
Umweltverbände kritisieren den Entwurf des Koalitionsvertrages. Die Interessen von Konzernen werden eindeutig über den Schutz von Umwelt und Menschen gestellt, so Greenpeace. Dem NABU fehlen die ökologischen Anreize für die Landwirtschaft: "Die Koalitionäre redeten ausschließlich über die industrielle Intensivierung der Landwirtschaft und die Agrogentechnik", so NABU-Präsident Olaf Tschimpke.
23.10.2009 | permalink
Kurs halten, Frau Aigner: Greenpeace-Aktivisten überreichen letzte Woche ein Banner mit rund 10.000 Unterschriften gegen Gentechnik an Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner.
Die Koalitionsverhandlungen zu Fragen der Gentechnik in der Landwirtschaft sind noch immer nicht abgeschlossen. Nachdem die Unionsparteien und die FDP in der Arbeitsgruppe Agrar keine Einigung erzielt haben, müssen sich nun die Parteispitzen mit dem Thema Gentechnik auseinandersetzen. Die CSU beharrte schon letzte Woche auf die Beibehaltung des Anbauverbots und eine Selbstbestimmung der Bundesländer. Die FDP hingegen möchte den Anbau von Gentechnik-Pflanzen in Deutschland voranbringen. Mittlerweile wird wohl als möglicher Kompromiss über eine unterschiedliche Regelung der Bundesländer zu Abständen von Gentechnik-Feldern verhandelt. Die Entscheidung darüber, wer zukünftig das Agrarministerium leitet, ist noch offen, soll aber noch heute Abend gefällt werden. Noch-Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte im April dieses Jahres den Anbau von Gentechnik-Mais in Deutschland verboten.
21.10.2009 | permalink
Testet die EFSA Gentechnik-Pflanzen unabhängig?
Sind Gentechnik-Pflanzen sicher oder nicht? Die Debatte um diese Frage wird bei jedem Antrag auf die Zulassung neuer Pflanzen in der EU geführt, meist mit unbefriedigendem Ergebnis. Populärstes Beispiel ist die Diskussion um den Anbau des MON 810. Jahrelang war die Sicherheit des Gentechnik-Maises von Kritikern angezweifelt worden. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA), zuständig für die Sicherheitsprüfung, steht bei der Debatte besonders in der Kritik, weil sie lediglich Studien und Daten der Antragssteller der Pflanzen für ihre Bewertungen heranzieht. Mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgerüstet, verbot Landwirtschaftsministerin Aigner den Anbau in Deutschland im April dieses Jahres schließlich. Gentechnik-Befürworter hielten Erkenntnisse und Studien dagegen und kritisierten das Verbot.
Die neu gegründete Expterengruppe Testbiotech bringt nun neuen Schwung in die Debatte. Sie kritisiert die Sicherheitsprüfung von gentechnisch veränderten Pflanzen und hat dazu gestern einen Bericht vorgelegt. Darin wird das Konzept der Risikobewertung insgesamt angegriffen. Das Problem sei, dass Gentechnik-Pflanzen grundsätzlich anders funktionieren als konventionelle. Bisher wurde davon ausgegangen, dass man durch einen gezielten gentechnischen Eingriff ganz bestimmte Eigenschaften verändern kann. Bei der Gentechnik wird jedoch das natürliche System der Genregulation durchbrochen. Dadurch werden die Aktivitäten von hunderten von Genen verändert, was sich auf den gesamten Organismus auswirken kann. Unvorhergesehene Eigenschaften von Gentechnik-Pflanzen ließen sich so erklären, so Christoph Then, Mitverfasser der neuen Studie. Diese Erkenntnisse müssten Einfluss auf die Sicherheitsprüfungen von Gentechnik-Pflanzen haben, die für EU-Zulassungen herangezogen werden. Deshalb fordern die Experten einen Crash-Test, der untersucht, wie die Pflanzen unter Stressbedingungen reagieren und welche ungewollten Eigenschaften auftauchen. Die Studie "Risk reloaded" wurde gestern der Vizepräsidentin des Ausschuss für Umwelt, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit des Europäischen Parlaments, Corinne Lepage, bei einem Treffen übergeben.
21.10.2009 | permalink
Patente führen Landwirte in die Abhängigkeit
Die Monopolisierung der Nahrungsmittel ist erschreckend. Mittlerweile kontrollieren die zehn größten Agrar-Konzerne über 50% des weltweiten Saatguts. Über Patente auf die Saat bestimmen sie über einen riesigen Teil der Landwirtschaft und fahren große Gewinne ein. Nun soll auch das andere Ende der Lebensmittelkette kontrolliert werden: Denn selbst auf Nahrungsmittel wie Milch, Brot und Butter werden mittlerweile Patente angemeldet. Die Koalition "Keine Patente auf Saatgut" startet deshalb heute einen globalen Appell gegen die Ausweitung der Patentierung. Mit von der Partie sind Bauernverbände aus Europa, Asien und Afrika. Sie warnen vor der Abhängigkeit, in die Landwirte geraten und fordern eine radikale Änderung der Praxis der Patentämter. Ansonsten drohe die zunehmende Patentierung eine weitere Gefahr für die Welternährung zu werden. Auch die UN warnt vor einer Verstärkung der Hungerkrise durch Patente auf Saatgut. Der UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Ernährung, Olivier de Schutter, stellt heute seinen Bericht dazu vor der UN Generalversammlung in New York vor. „Diese Patente sind Diebstahl an den Landwirten und den traditionellen Züchtern. Die Bedenken der UN und die Proteste der Landwirte dürfen nicht länger ignoriert werden“, sagt der Generalsekretär Miguel López Sierra von COAG, einem der größten Europäischen Bauernverbände.
21.10.2009 | permalink
Der Anbau von Gentechnik-Auberginen in Indien ist erstmal auf Eis gelegt. Nachdem die Zulassungsbehörde letzte Woche grünes Licht für den ersten kommerziellen Anbau von Gentechnik-Pflanzen in Indien gegeben hatte, die als Lebensmittel verwendet werden, wird diese Woche zurück gerudert. Offensichtlich konnten sich die Kritiker durchsetzen. Denn nicht alle der Wissenschaftler des Genetic Engineering Approval Committee (GEAC) sind von der Sicherheit der Aubergine überzeugt. Dies ist aber die Voraussetzung dafür, dass es zu einer Zulassung kommt, erklärte Umweltminister Jairam Ramesh. Zwar führt der Hersteller der Gentechnik-Aubergine Mahyco Monsanto Biotech 25 Studien an, die die Sicherheit bestätigten würden. Kritiker, wie der französische Forscher Gilles-Eric Seralini, bemängeln jedoch, die Studien seien nicht unabhängig und weisen methodische Fehler auf. Die Sicherheit der Gentech-Aubergine für den menschlichen Verzehr sei nicht gegeben, so Seralini.
20.10.2009 | permalink
Die genaue Wirkung von Gentech-Mais ist unklar.
Die drei neuen Gentechnik-Mais-Sorten, die gestern zur Abstimmung im EU-Ministerrat standen, werden voraussichtlich bald zugelassen. Denn es gab weder eine qualifizierte Mehrheit gegen noch für die Zulassung. In so einem Fall liegt die Entscheidung bei der EU-Kommission, die in aller Regel für die Zulassung neuer Gentechnik-Pflanzen stimmt. Die USA und die Gentechnik-Industrie üben ordentlich Druck aus, Sorten zuzulassen, die in den USA angebaut werden. Denn in mehreren Futtermittel-Lieferungen für die EU waren Spuren des Gentechnik-Maises MON 88017 gefunden worden, was dazu führte, dass die Lieferungen an der Grenze zurückgewiesen wurden. Die Futtermittel-Industrie sowie Bauernverbände fordern deshalb eine Abschaffung der Null-Toleranz für in der EU nicht zugelassene Gentechnik-Pflanzen. Anders sei eine Versorgung mit Futtermitteln hierzulande nicht zu garantieren. Das würde jedoch bedeuten, dass mit Gentechnik verunreinigte Ware nach Europa kommt. Die Sorten selbst einfach zuzulassen, ist eine andere Variante, die Gentechnik-Ware auf den Markt zu bringen. Dies scheint zu funktionieren. Die Bundesregierung enthielt sich bei der gestrigen Wahl der Stimme.
● Zahlen und Statistiken:
Was wächst wo?
● Amflora:
Zugelassen aber nicht gefragt

Unsere Flyer zeigt Ihnen die wichtigsten Gründe gegen Gentechnik auf einen Blick: Ideal, um ihn im Bekanntekreis, in Schulen o.ä. zu verteilen.
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.. dass ein mittelständisches deutsches Unternehmen bis zu mehrere hunderttausend Euro im Jahr einplanen muss, um Gentechnik-Rohstoffe zu vermeiden?

Eine Studie zeigt, an zentralen Stellen in den Gentech-Genehmigungsbehörden sitzen Wissenschaftler, die in Lobbyvereinen eng mit Industrievertretern zusammenarbeiten. Anstatt die Industrie zu kontrollieren, setzen sie sich für ihre Interessen ein.
Bayerisches Fernsehen: Genehmigungsfilz
Then, Lorch (April 2008): Kontrolle oder Kollaboration?
Bundestag.de: Interview mit Ulrike Höfken (26.05.08)
Die Experten sind sich einig. Gegen den Hunger in der Welt hilft keine Gentechnik! Lesen Sie hier, was es mit der Nahrungsmittelknappheit tatsächlich auf sich hat.
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