26.04.2010 | permalink
Eine Verunreinigung von 0,1% bedeutet, dass pro Hektar 100 Gentechnik-Pflanzen wachsen.
In stichprobenartigen Saatgut-Untersuchungen der Bundesländer wurden erneut gentechnisch veränderte Organismen gefunden. Neun von 13 Bundesländern, die Saatgut-Tests durchführten, haben ihre Ergebnisse bis jetzt veröffentlicht. Bei 20 Proben in sieben Bundesländern wurden die Behörden bisher fündig (Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Schleswig-Holstein, Hessen, Brandenburg, Bayern und Baden-Württemberg). Verunreinigtes Saatgut bedroht den gentechnikfreien Anbau in Deutschland, wo Gentechnik-Mais auf dem Acker verboten ist. Das verunreinigte Saatgut wurde zwar vom Markt genommen. Dennoch sind die Funde sehr beunruhigend, denn es wurden nur Stichproben getestet. Greenpeace-Experte Martin Hofstetter rät Landwirten daher, nur in Deutschland vermehrte Maissaaten zu kaufen. Bioland-Präsident Thomas Dosch bezeichnet die Verunreinigungen als inakzeptabel und als Widerspruch gegen das Prinzip der Wahlfreiheit.
23.04.2010 | permalink
Die genaue Wirkung von Gentech-Mais ist unklar.
In Europa soll der gentechnisch veränderte Mais 1507 trotz ungenügender Sicherheitsprüfung durch die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) zugelassen werden. Wie das Institut für unabhängige Folgenabschätzung, Testbiotech, berichtet, sind seitens der EFSA keine detaillierten Studien zu möglichen Risiken für Schmetterlinge und andere Insektenarten eingefordert worden. Dabei weisen die Pollen des gentechnisch veränderten Maises hohe Insektengiftkonzentrationen auf, so Testbiotech in einer Stellungnahme. Die Ergebnisse einer Studie, welche die hohe Empfindlichkeit einer europäischen Schmetterlingsart (Wachsmotte) gegenüber Mais 1507 zeigt, wurden übersehen, auch andere wissenschaftliche Studien falsch interpretiert. Für die Zulassung des Gentechnik-Maises bedarf es der Zustimmung des europäischen Ministerrates; der Zeitpunkt der Entscheidung steht noch nicht fest.
21.04.2010 | permalink
Kartoffeln-Vielfalt
Der Antrag der grünen Bundestagsfraktion, den Anbau der Gentechnik-Kartoffel Amflora zu verhindern, wurde heute im Landwirtschaftsausschuss des Bundestages abgelehnt. Ulrike Höfken, Sprecherin für Ernährungspolitik und Agrogentechnik der Grünen, beklagt, dass die Bundesregierung sich weigere, Regelungen zum Schutz der gentechnikfreien Produktion bei Transport und Verarbeitung der Amflora zu erlassen. Und das, obwohl dies vom früheren Minister Horst Seehofer für den Fall der Zulassung der Amflora zugesichert wurde. Am Montag wurde die Amflora in Mecklenburg-Vorpommern angepflanzt, ohne dass vorher Regeln zur guten fachlichen Praxis entwickelt wurden. CDU- und FDP-Abgeordnete sehen durch den Anbau der Amflora kein Risiko. Die Amflora enthält ein Antibiotikaresistenz-Markergen, das gesundheitsgefährdend sein kann. Experten der WHO und der EU-Arzneimittelbehörde EMEA haben daher vor der Verwendung von Antibiotikaresistenz-Genen gewarnt. Auch die EU-Freisetzungsrichtlinie sieht vor, dass Gentechnik-Pflanzen mit Antibiotikarsistenz-Markergenen nicht mehr angebaut werden sollen.
19.04.2010 | permalink
Der Anbau der Amflora kann gefährlich werden.
Heute morgen hat trotz aller Proteste die Pflanzung der Gentechnik-Kartoffel Amflora begonnen. Nahe dem Ort Bütow in Mecklenburg-Vorpommern findet der einzige Anbau der Amflora in Deutschland statt. Letzte Woche hatten Greenpeace-Aktivisten auf dem selben Acker gentechnikfreie Kartoffeln ausgebracht und damit gegen den Anbau der Amflora protestiert. Anfang März hatte die EU-Kommission die Amflora zugelassen, obwohl sie ein umstrittenes Antibiotika-Resistenzgen enthält und ungenügend auf Umweltrisiken geprüft wurde. Laut EU-Richtlinie soll die Verwendung von Gentechnik-Pflanzen mit Antibiotika-Resistenzgen eingestellt werden. Große Stärkehersteller haben sich bereits dagegen ausgesprochen, die Gentechnik-Kartoffel zu verwenden. Trotzdem möchte die Bundesregierung den Anbau in Deutschland fördern. Dabei gibt es längst gentechnikfreie Alternativen, die genauso viel industriell nutzbare Stärke produzieren. "Käme es zum breiten Anbau der Risikoknolle Amflora in Deutschland, müsste die Branche erhebliche Trennungsmaßnahmen und Analysekosten aufwenden, um Kontaminationen so weit es geht zu vermeiden. Aber, nicht etwa die BASF trägt diese Kosten, sondern sie werden auf die gentechnikfreie Land- und Lebensmittelwirtschaft und letztendlich auf die Verbraucher abgewälzt", so Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Österreich hat den Anbau der Amflora bereits verboten.
19.04.2010 | permalink
Reis in europäischen Supermärkten war 2006 mit Gentechnik verunreinigt. Foto: Christian Seidel, www.pixelio.de
Die Firma Bayer ist erneut zu einer Strafzahlung verurteilt worden. Ein US-Gericht entschied, dass der Konzern 48 Millionen Dollar Schadenersatz u.a. an Landwirte zahlen muss, deren Produkte mit gentechnisch verändertem Reis der Firma verunreinigt wurden. Dies ist bereits das vierte Urteil, das gegen Bayer gefällt wurde. Zu der Verunreinigung kam es 2006, als Bayer Crop Science einen Versuchsanbau mit dem gentechnisch verändertem Reis LL 601 durchführte. Amerikanische Reis-Bauern blieben daraufhin auf ihrem Reis sitzen, weil der Reis nicht als Lebensmittel zugelassen war und Europa und Japan Einfuhrsperren verhängten.
16.04.2010 | permalink
Kleinbäuerlicher Maisanbau
An den Hochschulen wird der Widerstand gegen die Agro-Gentechnik organisiert. Heute findet der erste gentechnikfreie Hochschultag an nahezu allen Agrarfakultäten statt. Mit Aktionen, Veranstaltungen und Demonstrationen wird eine ökologische, dem Menschen dienende Ausrichtung von Wissenschaft und Forschung gefordert. Die Initiatoren wollen außerdem darauf aufmerksam machen, dass in die Biotechnologie-Forschung 178 Millionen Euro öffentliche Gelder fließen, obwohl die große Mehrheit der Deutschen die Gentechnik auf dem Acker und in Lebensmitteln ablehnt. In die Forschung des ökologischen Landbaus fließt dagegen nur ein einstelliger Millionenbetrag. Die Studierenden beklagen auch eine unkritische Behandlung des Themas Agro-Gentechnik an Hochschulen. Dabei zeigte schon der von 500 WissenschaftlerInnen verfasste Weltagrarbericht, dass nicht die Gentechnik, sondern nachhaltige und kleinbäuerliche Landwirtschaft die Welternährung sichern kann. Der gentechnikfreie Hochschultag soll auch auf den weltweiten Aktionstag der internationalen Bauernbewegung "La Via Campesina" hinweisen, der morgen stattfindet und bei dem für die Rechte der Kleinbauern, Landlosen und indigenen Völker gekämpft wird.
14.04.2010 | permalink
Greenpeace-Aktivisten pflanzten heute in Bütow gentechnikfreie Kartoffeln, dort, wo eigentlich bald die Amflora wachsen sollte.
Greenpeace zieht alle Register: Heute morgen pflanzten Aktivisten auf dem Acker in Bütow/Mecklenburg-Vorpommern, wo eigentlich die Gentechnik-Kartoffel Amflora wachsen sollte, gentechnikfreie Kartoffeln. Laut Greenpeace sind die gepflanzten Kartoffeln mit den Namen Henriette und Eliane ebenso für die industrielle Produktion von Papier und Baustoffen nutzbar wie die Amflora. Denn sie produzieren etwa genauso viel der geeigneten Stärke Amylopektin wie die Amflora. Die Amflora enthält im Gegensatz zu den gentechnikfreien Sorten ein gesundheitsgefährdendes Antibiotika-Resistenzgen. Laut Freisetzungsrichtlinien dürfen jedoch keine Gentechnik-Pflanzen mit Antibiotika-Resistenzgen mehr in Umlauf gebracht werden. Trotzdem wurde die Amflora Anfang März von der EU-Kommission zugelassen. Auch Lebensmittel dürfen nun bis zu 0,9% mit Amflora-Spuren verunreinigt werden.
12.04.2010 | permalink
Greenpeace-Protest vor dem Amflora-Lagerhaus.
Greenpeace-Aktivisten machen Ernst: Heute morgen haben sie das Lager verschlossen, in dem die Gentechnik-Kartoffel Amflora lagert. Vor genau drei Monaten wurde die Kartoffel beim Bundesamt zum Anbau angemeldet, womit sie ab heute ausgebracht werden kann. Greenpeace protestiert mit der Aktion gegen die Zulassung der Gentechnik-Kartoffel, die einem unabhängigen Rechtsgutachten zufolge gegen die EU-Freisetzungsrichtlinie spricht. Besonders bedenklich ist das gesundheitsgefährdende Antibiotikaresistenz-Markergen. Auch die Prüfung ökologischer Risiken ist mangelhaft. Trotzdem hatte die EU-Kommission die Amflora Anfang März zum Anbau zugelassen. Dieses Jahr soll die Kartoffel auf 20 Hektar in Bütow/Mecklenburg-Vorpommern angebaut werden. Der österreichische Gesundheitsminister hat den Anbau Anfang April in Österreich verboten. Der Protest vor dem Lagerhaus wurde mittlerweile von der Polizei beendet.
09.04.2010 | permalink
Witzenhäuser Aktivisten besetzten heute morgen ein Feld, auf dem Gentechnik-Rüben ausgesät werden sollen.
Pünktlich zum Semesterbeginn steht auch die Anbausaison vor der Tür. Doch die Gruppe „Witzenhäuser Agrar-Studierende, Landwirte und Gärtner für eine gentechnikfreie Landwirtschaft“ lässt sich trotz anstehender Klausuren und Vorlesungen nicht von ihrem Vorhaben abhalten, die KWS Saatgut AG zur Aufgabe ihrer Gentechnik-Versuche zu bringen. Heute morgen haben die Studierenden bei Wetze einen Acker besetzt, auf denen das größte Saatgut-Unternehmen Deutschlands gentechnisch veränderte Zuckerrüben aussäen will. Als die Maschinen am anderen Ende des Ackers anrollten, organisierten die Aktivisten eine Blockade. Mittlerweile ist die Blockade geräumt worden und die Gentechnik-Saat unter die Erde gebracht. Trotzdem will die Gruppe den Acker weiterhin besetzen und damit gegen den Gentechnik-Konzern protestieren.
Die Gruppe ist sich der Unterstützung in der Bevölkerung sicher, die die Gentechnik auf dem Acker mehrheitlich ablehnt. Weder sei der Nutzen für die Menschen klar, noch gibt es Langzeitstudien zu gesundheitlichen Auswirkungen. Die Studierenden zeigen sich daher kämpferisch: „Wir werden nicht nachgeben, bis die KWS endgültig dazu bereit ist, ihre Gentechnikversuche aufzugeben“ erklärt einer der Aktivisten.
08.04.2010 | permalink
Mit Kartoffelsuppe gegen die Amflora - Greenpeace-Protest vor dem Brandenburger Tor in Berlin, Foto: Jan Haase/Greenpeace
Die Kritik und der Protest an der Zulassung der Gentechnik-Kartoffel "Amflora" der BASF ist offenbar bei EU-Kommissar John Dalli angekommen. Der für die Zulassung zuständige Malteser forderte von der Industrie eine absolute Transparenz hinsichtlich der Forschung an Gentechnik-Pflanzen, auch wenn diese negative Informationen hervorbrächte. Auch erinnerte er an die Vorgabe, dass die Verwendung von Antibiotikaresistenz-Markergenen allmählich eingestellt werden müsse. Die Industrie rief Dalli dazu auf, sich einer Diskussion um einen verantwortungsvollen Umgang mit GVO anzuschließen. Ende März hatte eine breite Allianz von Verbänden zu einer europaweiten Protest-Aktion aufgerufen. Unter dem Motto "Stop the Crop" werden alle Bürgerinnen und Bürger der EU aufgefordert, von den zuständigen Ministern einen sofortigen Zulassungsstopp von Gentechnik-Pflanzen zu fordern.
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.. dass ein mittelständisches deutsches Unternehmen bis zu mehrere hunderttausend Euro im Jahr einplanen muss, um Gentechnik-Rohstoffe zu vermeiden?

Eine Studie zeigt, an zentralen Stellen in den Gentech-Genehmigungsbehörden sitzen Wissenschaftler, die in Lobbyvereinen eng mit Industrievertretern zusammenarbeiten. Anstatt die Industrie zu kontrollieren, setzen sie sich für ihre Interessen ein.
http://www.youtube.com/watch?v=KFM8QDyubHA
Then, Lorch (April 2008): Kontrolle oder Kollaboration?
Bundestag.de: Interview mit Ulrike Höfken (26.05.08)
Die Experten sind sich einig. Gegen den Hunger in der Welt hilft keine Gentechnik! Lesen Sie hier, was es mit der Nahrungsmittelknappheit tatsächlich auf sich hat.
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