03.11.2011 | permalink
Honig, der Pollen des MON810-Maises enthält, ist nicht verkehrsfähig. (Photo: Infodienst)
Das jüngste Urteil vom Europäischen Gerichtshof zum Honig verbietet Gentechnik-Verunreinigungen mit Pollen ohne eine ausreichende Lebensmittelzulassung. Laut Angaben des Honig-Verbandes, Vertreter der wichtigsten deutschsprachigen Importeure und Abfüller, betrifft dies etwa 5 Prozent der Ware. Die Verunreinigung von betroffenem Honig muss in aufwendigen Analyseverfahren identifiziert und selektiert werden. Hersteller bevorzugen daher Rohhonige aus Gebieten, bei denen kaum Gentechnik-Pollen ohne EU-Zulassung zu erwarten sind. Dazu zählt Deutschland, wo sich der Gentechnik-Anbau 2011 auf 2 ha Gentechnik-Kartoffeln und etwa 5 ha Versuchsflächenanbau beschränkt hat. Harald Ebner, Gentechniksprecher Bündnis 90/Die Grünen fordert Händler und Verarbeiter dennoch auf, die Honigkontrollen zu verstärken und Ware aus unklarer und problematischer Herkunft aus den Regalen zu verbannen. Von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner erwartet er einen konsequenten Einsatz für eine gentechnikfreie Landwirtschaft.
31.10.2011 | permalink
Dank BASF bald Pommes aus Gentechnik-Kartoffeln? Photo:Simone Knorr
Die BASF hat die Zulassung einer neuen gentechnisch veränderten Kartoffel beantragt. Die Kartoffel ist laut BASF gegen die Kraut- und Knollenfäule resistent und soll in der EU zum Anbau sowie als Lebens- und Futtermittel zugelassen werden. Die in die „Fortuna“ eingebauten Resistenzgene stammen von einer südamerikanischen Wildsorte. Die BASF plant damit das zweite GVO-Knollen-Projekt in Europa. Letztes Jahr wurde die Gentechnik-Kartoffel Amflora der BASF in der EU zum Anbau zugelassen, jedoch nur auf wenigen Hektar angebaut. Wegen des eingebauten Antibiotikaresistenz-Markergens ist die Freisetzung sehr umstritten. Stärke-Hersteller lehnen die Verwendung außerdem ab, denn es gibt längst gentechnikfreie Alternativen. Laut einer Greenpeace-Umfrage unter Pommes-Herstellern wäre auch die neue BASF-Kreation unbeliebt. Greenpeace gibt obendrein zu bedenken, dass die Gentech-Kartoffel gentechnikfrei wirtschaftenden Herstellern durch Kontrollen und Waren-Trennung erhebliche Kosten verursachen würde und von Verbrauchern abgelehnt werde.
27.10.2011 | permalink
Im Oktober demonstrierten 300 Menschen gegen Patente auf Pflanzen und Tiere in München. Foto: no-patents-on-seeds.org
Gestern demonstrierten 300 Menschen in München gegen die Praxis der Patentierung von Pflanzen und Tieren. Nachdem das Patentamt letzte Woche angekündigt hatte, ein Patent auf Brokkoli bestehen zu lassen, forderte das Bündnis „Keine Patente auf Saatgut“ von Agrarministerin Aigner, rechtliche Schritte dagegen einzuleiten. Denn Patente auf Pflanzensorten sind nach europäischem Patentrecht nicht zugelassen. Die Bundesregierung hatte sich im Koalitionsvertrag gegen Patente auf Pflanzen und Tiere ausgesprochen, bisher aber keine Taten folgen lassen. Die Verbände kritisieren den Ausverkauf von Lebensgrundlagen an Agrar-Konzerne. Ruth Tippe von der Initiative „Kein Patent auf Leben“ beobachtet die Patent-Vergaben des Amtes genau und deckt auf, dass sogar bereits Patentanträge auf Brot, Bier und Nudeln vorliegen. Dass derartige Patente durchgewunken werden, wundert sie nicht, denn das Patentamt finanziert sich über die Vergabe der Patente und hat damit ein Interesse daran, möglichst viele Patente zu erteilen.
26.10.2011 | permalink
Pollen des MON 810 ist nicht als Lebensmittel in der EU zugelassen.
Die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) bewertet den Pollen des gentechnisch veränderten Maises MON 810 als sicher. Sowohl als Zutat in Honig als auch pur eingenommen soll der Pollen genauso sicher sein wie Pollen von konventionellem Mais. Das Gentechnik-Gremium der EFSA hält es für unwahrscheinlich, dass von dem MON 810-Pollen durch die gentechnische Veränderung eine Gefahr ausgehe, weil es den Gentech-Mais bereits in früheren Bewertungen für sicher befunden hat. Die Empfehlung wird an die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten weitergeleitet, die anschließend über die Zulassung entscheiden.
Ausgelöst wurde der Prozess durch das EuGH-Urteil zu Honig im September. Das Gericht stellte fest, dass Gentech-Pollen im Honig eine Lebensmittel-Zulassung braucht, ansonsten ist der Honig nicht verkehrsfähig. Der Gentechnik-Mais MON 810 ist zwar zum Anbau und als verarbeitetes Lebensmittel zugelassen. Der Pollen des Maises hat bisher jedoch keine EU-Lebensmittel-Zulassung.
25.10.2011 | permalink
Schweiz gentechnikfrei, Foto: SAG
Im neu gewählten Schweizer Nationalrat gibt es eine große Mehrheit gegen Gentechnik. Bei den Wahlen am Sonntag sind 138 Vertreterinnen und Vertreter gewählt worden, die der Gentechnik kritisch gegenüberstehen, berichtet die Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie (SAG). 52 der Nationalräte sind gegen ein Gentechnik-Moratorium. Die SAG hatte im Vorfeld der Wahlen eine Umfrage unter allen Kandidatinnen und Kandidaten zur ihrer Haltung gegenüber Gentechnik gemacht. Letztes Jahr wurde eine Verlängerung des seit 2005 bestehenden Moratoriums für gentechnisch veränderte Pflanzen durch den Nationalrat beschlossen.
24.10.2011 | permalink
Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa sollen mit allen Mitteln von den angeblichen Vorzügen der Gentechnik überzeugt werden.
Mithilfe einer Werbekampagne möchte die Biotech-Industrie der Agro-Gentechnik in Europa zum Durchbruch verhelfen. Ein an die Presse gelangtes internes Papier der Biotech-Lobby-Organisation EuropaBio beschreibt die Strategie: Prominente wie der Sänger Bob Geldof sollen als Botschafter gewonnen werden, um in Interviews, Artikeln und bei Vorträgen die angeblichen Vorteile der Gentechnik zu preisen. Auf Nachfrage des Guardians bestritten mehrere der in dem Papier genannten Personen, mit der Kampagne etwas zu tun zu haben.
Obwohl längst bekannt ist, dass die Hungerkrise ein Problem der gerechten Verteilung der Nahrungsmittel ist, setzt die Industrie nach wie vor auf das Argument, gentechnisch veränderte Pflanzen könnten das Hungerproblem lösen - wenn Europa nicht so skeptisch wäre. Wichtig sei, so heißt es in dem Papier, dass die für die Kampagne gewonnenen Personen ein möglichst breit gefächertes Meinungsbild haben, damit es nicht so aussehe, als seien die Botschafter von der Industrie vorgeschickt. Die Spaltung der gentechnikkritischen Szene will EuropaBio erreichen, indem Umweltaktivisten gefunden werden, dich sich für Gentechnik aussprechen. Den Gentechnik-Botschaftern soll außerdem das Bild vermittelt werden, dass deren Haltung in Wissenschaftlerkreisen und auch in Nicht-Regierungsorganisationen längst weitverbreitet ist.
24.10.2011 | permalink
Der Einkaufsratgeber "Essen ohne Gentechnik" kann bei Greenpeace kostenlos bestellt werden unter mail@greenpeace.de. (Greenpeace)-+-
Immer mehr Hersteller tierischer Lebensmittel kommen den Wünschen der Verbraucher nach und setzen auf gentechnikfreies Tierfutter. Doch Geflügelfleischproduzenten hinken hinterher. In der Branche gibt es kaum Bewegung, verkündet Greenpeace anlässlich der Vorstellung der neuen Auflage des Einkaufs-Ratgebers „Essen ohne Gentechnik“. Lob bekommen hingegen Molkereien und Eierproduzenten. Eine Vielzahl hat bereits auf Futterpflanzen ohne Gentechnik umgestellt.
Der Ratgeber erschien letzte Woche in der 14. Auflage und wurde bereits 3,4 Millionen Mal verteilt. Verbraucherinnen und Verbraucher werden darüber informiert, ob im Herstellungsprozess Gentechnik-Futter verwendet wird. Zwar muss das Futter selbst gekennzeichnet werden, die daraus entstehenden Lebensmittel aber nicht.
21.10.2011 | permalink
Brokkoli: Ein Testfall für Patente auf Saatgut
Das Europäische Patentamt (EPA) hat die öffentliche Anhörung zum umstrittenen Brokkoli-Patent überraschend abgesagt. Ein breites Bündnis gegen die Patentierung von Leben vermutet darin den Unwillen des EPA, sich mit diesem brisanten Thema der Öffentlichkeit zu stellen. Am kommenden Mittwoch, den 26. Oktober sollte im Rahmen einer öffentlichen Anhörung die Entscheidung im Beschwerdeverfahren zum Patent EP1069819 gefällt werden. Syngenta hatte Beschwerde gegen das Patent der Firma Plant BioScience eingereicht, da es ein „im Wesentlichen biologisches Verfahren“ beinhaltet, das nicht patentierbar ist. Der Patentinhaber will nun den Anspruch auf das Züchtungsverfahren zurücknehmen, den Patentanspruch auf die Pflanze selbst jedoch aufrechterhalten. Die EPA geht dem Wunsch von Syngenta nach, die Anhörung abzusagen und nach Aktenlage zu entscheiden. Das Organisationsbündnis „Kein Patent auf Leben“ hatte den Termin zum Anlass genommen, zu einer Demonstration gegen die Patentierung von Pflanzen und Tieren aufzurufen. Denn durch derartige Patente droht eine Kontrolle der Lebensmittelproduktion durch die Industrie. Die EPA erteilte allein 2010 rund 200 Patente auf Pflanzenzucht. Die Folgen betreffen Landwirte, Züchter und Verbraucher in Europa und in den Entwicklungsländern. „In Zeiten, in denen etwa eine Milliarde Menschen hungern, ist es unmoralisch, Lebensmittel durch Patentmonopole künstlich zu verknappen und zu verteuern,“ kommentiert Kerstin Lanje von Misereor. Daher ruft das Bündnis trotzdem zur Demonstration am 26.10. in München auf.
19.10.2011 | permalink
Wie wirkt sich der Anbau von Gentechnik auf eine Region und deren landwirtschaftliche Strukturen aus?
EU-Kommissar John Dalli ist der Meinung, dass es mehr Informationen über die Folgen des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen geben solle. Erkenntnisse über soziale und wirtschaftliche Auswirkungen seien nach wie vor unzureichend, sagte Dalli bei einer Konferenz zu diesem Thema in Brüssel. Bevor man Entschlüsse fasst, müsse jedoch eine objektive Datenbasis über die sozioökonomischen Faktoren geschaffen werden. Im April hatte die EU-Kommission einen Bericht vorgelegt, der die Erfahrungen der Mitgliedsländer mit dem Anbau von Gentechnik-Pflanzen zusammenfasst. Da in der EU jedoch kaum GVO-Anbau stattfindet, gibt es wenig statistisch belegbare Daten, lautete ein Ergebnis des Berichts. Die Informationen aus den Ländern sind oft subjektive Standpunkte oder unbearbeitete Sammlungen, die man kaum statistisch auswerten könne.
Dalli fordert außerdem eindeutige Koexistenz-Regeln in allen Ländern. Nur 12 von 27 EU-Staaten haben bisher entsprechende Vorschriften erlassen.
18.10.2011 | permalink
Eier mit "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung, Foto: Edeka Südwest
Die Nachfrage nach Eiern aus gentechnikfreier Fütterung steigt. Dies hat auch die Eier- und Futtermittelwirtschaft erkannt und deshalb einen Anforderungskatalog für eine Eier-Erzeugung vorgelegt, die den Voraussetzungen für die „Ohne-Gentechnik-Kennzeichnung“ entspricht. Die Initiative lobt sich dabei selbst als „Vorreiter in Sachen Transparenz und Verlässlichkeit“. Mit von der Partie ist auch der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT), der gentechnisch veränderte Pflanzen durchaus positiv bewertet und keinerlei Gefahren der Agro-Gentechnik für Verbraucher sieht. Daher stand der DVT einer Produktion ohne Gentechnik bisher überaus kritisch gegenüber. Noch im April dieses Jahres verband der DVT in einer Stellungnahme eine Umstellung auf gentechnikfreie Produktion mit „wirtschaftlichen Risiken für alle Beteiligten“. Schon damals wurde eine steigende Produktion von Eiern „ohne Gentechnik“ gemeldet, die der Handel sowie Verbraucher verstärkt nachfragen. Der Lebensmittelhandel werde, so die damalige Stellungnahme des DVT zusammen mit anderen Verbänden der Futtermittel- und Eier-Industrie daraufhin, für „pauschal begründete und stark ideologisch geprägte Positionen“ von Nichtregierungsorganisationen instrumentalisiert. Nun heißt es hingegen in der Pressemitteilung von letzter Woche ganz trocken: „Lebensmittel 'ohne Gentechnik' sind beim Verbraucher beliebt“ – das eigentlich ungeliebte Marktsegment wächst eben stark.
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Tomaten-Patent in höchster Instanz

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.. dass ein mittelständisches deutsches Unternehmen bis zu mehrere hunderttausend Euro im Jahr einplanen muss, um Gentechnik-Rohstoffe zu vermeiden?

Eine Studie zeigt, an zentralen Stellen in den Gentech-Genehmigungsbehörden sitzen Wissenschaftler, die in Lobbyvereinen eng mit Industrievertretern zusammenarbeiten. Anstatt die Industrie zu kontrollieren, setzen sie sich für ihre Interessen ein.
Then, Lorch (April 2008): Kontrolle oder Kollaboration?
Die Experten sind sich einig. Gegen den Hunger in der Welt hilft keine Gentechnik! Lesen Sie hier, was es mit der Nahrungsmittelknappheit tatsächlich auf sich hat.
Dossier Infodienst