23.06.2010 | permalink
GVOs in Maissaatgut
Der wissenschaftliche Beirat des Landwirtschaftsministeriums fordert in einer Stellungnahme zur Koexistenz gentechnischer und gentechnikfreier Landwirtschaft unter anderem, aus Kostengründen einen Grenzwert für Saatgut-Verunreinigungen von 0,3% einzuführen, obwohl er selbst darauf hinweist, dass dies eine Koexistenz erheblich erschweren wird und derart hohe Verunreinigungen bisher kaum vorgekommen sind. Ausserdem solle der Kennzeichnungsgrenzwert von 0,9% für Lebensmittel unabhängig davon ob die Verunreinigung vermeidbar wäre festgeschrieben werden.
21.06.2010 | permalink
Maissaatgut
Die Bundesländer haben sich im Saatgutskandal auf ein einheitliches Vorgehen geeinigt: Die von den Verunreinigungen betroffenen Flächen sollen umgebrochen werden. Von dem Maissaatgut-Skandal waren mehrere Bundesländer betroffen, die zunächst alle unterschiedlich reagierten. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hatte es versäumt, das mit Gentechnik verunreinigte Saatgut rechtzeitig zurückzurufen. Zwar wurde der Fall schon im März bekannt, jedoch nicht weiter verfolgt. Das Saatgut wanderte daher in verschiedende Bundesländer und wurde letztendlich ausgesät. Nun soll der Umbruch bundesweit einheitlich und möglichst schnell noch vor der Blüte erfolgen. Die Landwirte können sich so rechtzeitig für eine alternative Aussaat entscheiden.
17.06.2010 | permalink
Bauern protestieren gegen die Amflora.
In Luxemburg soll die gentechnisch veränderte BASF-Kartoffel nicht auf den Markt kommen. Dies kündigte Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo gestern an. Nach Österreich ist Luxemburg das zweite EU-Land, das den Anbau der Gentechnik-Knolle verbietet. Zwar hat die EU-Kommission über die Zulassung Anfang März beschlossen, kritische Einwände einiger Mitgliedsstaaten hätten aber nicht ausreichend Beachtung gefunden, so heißt es in einer Pressemitteilung des Gesundheitsministeriums. Luxemburg wendet daher die Schutzklausel an, womit der Anbau der Amflora vorläufig verboten ist. Der Gesundheitsminister handelt damit nach dem Vorsorgeprinzip. Durch das eingebaute Antibiotikaresistenz-Markergen könne man nicht von der Sicherheit der Kartoffel ausgehen.
17.06.2010 | permalink
Landliebe-Milch wird ohne Gentech-Futter hergestellt.
Der Molkereikonzern Campina bietet weitere Produkte seiner Marke Landliebe künftig gentechnikfrei an. Joghurt, Sahne und Käse können Verbraucherinnen und Verbraucher ab dem 1. Juli mit dem Ohne-Gentechnik-Siegel erwerben. 2008 hatte Campina als erste große Molkerei das Siegel "Ohne Gentechnik" genutzt und den Verbrauchern damit garantiert, dass die Landliebe-Milch ohne Gentechnik im Tierfutter hergestellt wird. Campina verpflichtet seine Landwirte, nur noch heimisches Futter ohne Soja zu verwenden. Letztes Jahr konnte Campina ein Umsatzwachstum bei seiner Milch verzeichnen und sah sich in seiner Strategie bestätigt. Der BUND begrüßt die Ausweitung des Sortiments. Gentechnik-Expertin Heike Moldenhauer weist jedoch darauf hin, dass eine gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion in Zukunft nur gesichert werden kann, wenn auch große Supermarktketten wie Edeka, Aldi und Lidl mit ihren Eigenmarken folgen. Lidl bietet in Bayern bereits regionale Produkte an, die ohne Gentechnik im Futter hergestellt sind. Verbraucherinnen und Verbraucher in anderen Bundesländern dürfen hoffen, dass Lidl das Sortiment bei einem Erfolg der Produkte auf weitere Regionen ausweitet.
16.06.2010 | permalink
Imker demonstrieren für Ihre Rechte
Bei einer Pressekonferenz in Berlin forderten Verbände heute einen stärkeren Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft. Anlass ist ein Normenkontrollantrag der Landesregierung Sachsen-Anhalt, der am 23. Juni vom Bundesverfassungsgericht verhandelt wird. Das Land Sachsen-Anhalt vertritt mit der Klage die Interessen der Gentechnik-Industrie: Landwirte, die Gentechnik-Pflanzen anbauen, sollen mehr Rechte bekommen. Im Visier der Kläger stehen sowohl das Standortregister als auch die Haftungsregelungen. Vertreter der Verbände machten heute deutlich, dass das Gentechnikgesetz schon jetzt gentechnikfrei wirtschaftende Bauern, Gärtner, Saatguterzeuger und Imker belaste. Sie werden einseitig mit den Kosten für die Vorsorge der Verunreinigung belastet. Ohne Standortregister wäre ein Schutz vor der Gentechnik-Landwirtschaft nicht möglich. Imker werden im Gesetz momentan nicht einmal erwähnt.
14.06.2010 | permalink
Die Wirkung von Gentech-Mais ist sehr umstritten.
Gentechnik-Unternehmen melden sich im aktuellen Saatgut-Skandal zu Wort: In einer Presseerklärung weisen Pioneer, Monsanto, KWS Saat sowie zwölf weitere gentechnikfreundliche Unternehmen und Verbände die Forderungen nach Saatgutreinheit zurück und werfen Umweltverbänden Verbrauchertäuschung vor. Da es eine 100%ige Sicherheit für reines Saatgut nicht gäbe, fordert die Gentechnik-Industrie, mit der Einführung eines Grenzwertes die Verunreinigung quasi zu legalisieren. Eine Saatgut-Verunreinigung von 0,1% bei Mais bedeutet, dass pro Hektar etwa 100 Gentechnik-Pflanzen wachsen.
Trotz der fehlenden Anbau-Genehmigungen für den NK 603, mit dem das Saatgut verunreinigt wurde, seien Umbruchverfügungen außerdem völlig unangemessen, so die Gentechnik-Unternehmen - denn der Gentechnik-Mais sei zum Import für Lebens- und Futtermittel zugelassen.
11.06.2010 | permalink
Eine Verunreinigung von 0,1% bedeutet, dass pro Hektar 100 Gentechnik-Pflanzen wachsen.
Die von der Aussaat mit illegalem Gentechnik-Mais betroffenen Bundesländer reagieren unterschiedlich; die Bauern haben die Nase voll. Eine Aussaat von Mais mit einem nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Konstrukt ist nun doch nur in fünf Bundesländern erfolgt, ursprünglich war von sieben betroffenen Bundesländern die Rede. In Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen ist nach Angaben der zuständigen Ministerien keine Aussaat erfolgt. Rudolf Köberle MdL, Minister für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg hat sich gestern klar für eine Entfernung des ausgebrachten Gentechnik-Maises ausgesprochen, so auch Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus aus Mecklenburg-Vorpommern und Amtskollegin Ministerin Anita Tack aus Brandenburg, die heute den Umbruch der verunreinigten Saat angeordnet hat. Alle drei Minister sind sich einig, dass der Leidtragende nicht der Landwirt sein kann.
Die zuständigen Ministerien aus Bayern und Niedersachsen hingegen schweigen, ihre Bauern nicht. Der bayerische Bauernverband fordert die Landesregierung auf, sofort den Umbruch anzuordnen und appelliert an den Bund eine einheitliche Lösung für die Bauern zu finden, denn nur so sieht der Verband eine Vermeidung von katastrophalen rechtlichen Folgen im Hinblick auf Schadensersatzansprüche seitens der Landwirte. Die Bauern aus Niedersachsen haben Klage gegen Unbekannt erhoben. Sie befürchten eine systematische Verunreinigungsstrategie der Konzerne, um ihre Technologie zu etablieren, indem Landwirte und Verbraucher an Verunreinigungen gewöhnt werden. Dabei ist die Rechtslage klar: Der im Saatgut gefundene Gentechnikmais NK 603 ist in Europa zum Anbau nicht zugelassen, für Saatgut gilt Nulltoleranz, die Gentechnik-Pflanzen müssen vom Acker und die Landwirte müssen von den Verursachern, den Händlern, entschädigt werden.
Bayerischer Bauernverband: Pressemitteilung
Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum: Pressemitteilung
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V.: Pressemitteilung
Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz: Pressemitteilung
Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern: Pressemitteilung
AGM_Gentechnik: Briefvorlade und Unterschriftenliste an Minister Köberle, Baden-Württemberg10.06.2010 | permalink
Der mit Gentechnik verunreinigte Mais wurde bereits ausgesät.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland fordert das Unternehmen Pioneer auf, die vom Saatgut-Skandal betroffenen Landwirte sofort zu entschädigen. Doch der Geschäftsführer von Pioneer, Ulrich Schmidt, weist die Vorwürfe zurück und sieht für Entschädigungen keinen Grund. In eigenen Proben seien keine Verunreinigungen gefunden worden. Das Unternehmen weigerte sich außerdem bis zu einer gerichtlichen Entscheidung, die Handelswege des Saatgutes zu veröffentlichen. In den Bundesländern wird derzeit über den Umgang mit dem verunreinigten Saatgut diskutiert. Die Aussaat von nicht zugelassenen Gentechnik-Pflanzen ist in der EU verboten, auch wenn es sich um geringe Mengen handelt. Das Saatgut stammt aus Ungarn, wo die Firma Versuche mit Gentechnik-Mais durchgeführt hatte. Eine erneute Verunreinigung wird nun durch das jetzt ausgesäte Saatgut befürchtet. Denn schon aus einer Saatgutverunreinigung von 0,1% können 100 Gentechnik-Pflanzen pro Hektar entstehen. Greenpeace empfiehlt daher, den schon wachsenden Mais zu häckseln und in den Boden einzubringen.
BUND: Pioneer muss vom Genmais-Skandal betroffene Landwirte unverzüglich entschädigen
NDR: 23 Landwirte von Genmais-Skandal betroffen
Greenpeace: Greenpeace deckt Aussaat von illegalem Gen-Mais auf
Kanal8.de: Fassungslosigkeit beim Bauernverband
Ostsee Zeitung: Imker warnen vor Genmais-Verbreitung durch Bienen08.06.2010 | permalink
Forschungsministerin Annette Schavan setzt auf die Agro-Gentechnik, um die deutsche Wirtschaft voranzubringen.
Heute fand in Berlin der dritte Runde Tisch zur Pflanzengenetik statt. Bundesforschungsministerin Annette Schavan hatte dazu verschiedene Vertreter eingeladen, um über Gentechnik in der Landwirtschaft sowie über die zukünftige Ausrichtung der Agrarforschung zu diskutieren. Schavans Linie wurde dabei erneut deutlich: Die Ministerin setzt auf gentechnisch veränderte Pflanzen, um den Herausforderungen der Landwirtschaft zu begegnen. Trotz der bisherigen leeren Versprechungen der Gentechnik-Industrie ist Schavan davon überzeugt, das Gentechnik-Pflanzen eine Lösung für den Welthunger bieten und dem Klimawandel etwas entgegensetzen können. Das Budget für das neue Forschungsrahmenprogramm liegt bei über 100 Millionen Euro. Verbände aus dem Umweltbereich kritisieren die Haltung Schavans scharf. Denn Dokumente wie der Weltagrarbericht zeigen, dass vielmehr eine regional und ökologisch angepasste Landwirtschaft gegen den Hunger hilft und gleichzeitig Ressourcen schont sowie die Biodiversität schützt. NABU-Präsident Tschimpke rät daher, Schavans Forschungsprogramm grundlegend zu überarbeiten. Rudolf Buntzel, Vertreter des Verbandes Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) kritisiert außerdem die Forschung an der Biotechnologie, weil sie auf die Patentierung von Pflanzen hinausläuft, die Landwirte in die Abhängigkeit von Konzernen treibt.
BÖLW, DNR, VERNO: Agrarforschung muss vom Mitverursacher zum Problemlöser werden
Verbände: Stellungnahme zur Bestandsaufnahme der Agrar- und Pflanzenforschung des BMBF
NABU: Schavan investiert in Genpflanzenforschung
Die Grünen: Die Agrar-Forschung ist leider nicht frei
Save Our Seeds: Schavanismus und andere Kreuzzüge
Junge Welt: Maßlos überschätzt08.06.2010 | permalink
Die EU-Kommission will Gentechnik-Pflanzen in Zukunft leichter zulassen.
Die Pläne der EU-Kommission, den Umgang mit gentechnisch veränderten Pflanzen in der EU zu ändern, konkretisieren sich. Offenbar will der zuständige Gesundheitskommissar John Dalli schon im Juli seine Pläne vorstellen, die EU-Umweltminister könnten schon in den nächsten Wochen darüber beraten, so die Nachrichtenagentur AFP. Die Kommission plant, die Zulassung von Gentechnik-Pflanzen in der EU zu vereinfachen. Im Gegenzug soll es den Mitgliedsländern erleichtert werden, einzelne Anbauverbote auszusprechen. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ruft deutsche PolitikerInnen dazu auf, sich nicht hinter den Ankündigungen aus der EU-Kommission zu verstecken. Anlässlich des aktuellen Verunreinigungsskandals von Mais-Saatgut weist die AbL darauf hin, dass es bereits jetzt möglich ist, wirksame Regeln zu erlassen. Eine friedliche Koexistenz von Land- und Lebensmittelwirtschaft mit und ohne Gentechnik sei nicht möglich. Andere Länder wie Österreich und Bulgarien haben vorgemacht, wie einzelne Mitgliedsstaaten sich bereits jetzt durch strenge Gesetze vor Gentechnik schützen können.
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● Gentechnikgesetz-Klage:
BVG verhandelte über das Gentechnikgesetz
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Kritische Hintergrund-Berichte zur Agro-Gentechnik und Fortpflanzungstechnik.
.. dass ein mittelständisches deutsches Unternehmen bis zu mehrere hunderttausend Euro im Jahr einplanen muss, um Gentechnik-Rohstoffe zu vermeiden?

Eine Studie zeigt, an zentralen Stellen in den Gentech-Genehmigungsbehörden sitzen Wissenschaftler, die in Lobbyvereinen eng mit Industrievertretern zusammenarbeiten. Anstatt die Industrie zu kontrollieren, setzen sie sich für ihre Interessen ein.
http://www.youtube.com/watch?v=KFM8QDyubHA
Then, Lorch (April 2008): Kontrolle oder Kollaboration?
Bundestag.de: Interview mit Ulrike Höfken (26.05.08)
Die Experten sind sich einig. Gegen den Hunger in der Welt hilft keine Gentechnik! Lesen Sie hier, was es mit der Nahrungsmittelknappheit tatsächlich auf sich hat.
Dossier Infodienst