08.12.2011 | permalink
Die EFSA-Risikobewertung von Gentechnik-Pflanzen ist umstritten. (Photo:Testbiotech)
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA - European Food Safety Authority) ist eigentlich für eine unabhängige Risikobewertung von Lebens- und Futtermitteln in der EU zuständig. Genau diese Unabhängigkeit bezweifeln aber seit geraumer Zeit einige Experten. Das Institut „testbiotech“ arbeitet schon seit November 2009 an einem konkreten Fall und kann jetzt Erfolge verzeichnen. Dr. Suzy Renckens leitete bei der EFSA die Abteilung für die Risikoprüfung gentechnisch veränderter Pflanzen. Danach wechselte sie direkt zu Syngenta, einem Konzern, der diese Pflanzen produziert und vermarktet. Testbiotech wendete sich in etlichen Briefen an die EFSA und zuletzt auch an den europäischen Bürgerbeauftragten. Dieser stimmte der Beschwerde nun zu und forderte, die EFSA solle zugeben, dass „sie die geltenden Regeln missachtet“ habe.
07.12.2011 | permalink
Vandana Shiva, Trägerin des alternativen Nobelpreises, kämpft seit Jahren in Indien und weltweit gegen Agro-Gentechnik.
Trägerin des alternativen Nobelpreises, Vandana Shiva, lobte heute anlässlich einer Pressekonferenz zum neuen Statusreport der globalen Zivilgesellschaft zu gentechnisch veränderter Organismen den Widerstand der gentechnikkritischen Bewegung in Europa. Die Inderin betonte den hohen Stellenwert des europäischen Marktes für Gentechnik-Produkte. Der Report „The GMO emperor has no clothes“ macht deutlich, dass sich die Ankündigungen der Agro-Gentechnikindustrie als leere Versprechungen entpuppen. Durch den Einsatz von Gentechnik-Pflanzen sind weder die Erträge gestiegen, noch die Menge an Pestiziden gesunken. Der Gentechnik-Anbau liefert keinen Beitrag zur Lösung des Hungerproblems – ganz im Gegenteil, die Zahl der Hungernden steigt weiterhin. Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast saß mit auf dem Podium und sah sich in ihrer Haltung bestätigt, in der Gentechnikfreiheit einen Wettbewerbsvorteil durch höhere Qualität zu sehen. Künast forderte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner auf, sich weiterhin für ein Verbot des Gentechnik-Maises einzusetzen. Auch Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE sieht in der Gentechnik keine Wunderwaffe gegen den Welthunger. In einer Pressemitteilung anlässlich der Konferenz erklärte sie: „Gentech-Pflanzen werden oft für den Export angebaut und verdrängen damit einheimische Nahrungsmittelproduktion vom Acker“.
Ebenso bestätigte die SPD auf ihrem jüngsten Parteitag erneut die kritische Haltung gegenüber der Agro-Gentechnik. In einem Beschluss vom Montag erklärt sie die klare Ablehnung des Anbaus von gentechnisch veränderten Pflanzen. Er sei nicht kontrollierbar, werde von der Bevölkerung nicht akzeptiert und seine langfristigen Folgen seien wissenschaftlich noch nicht geklärt.
06.12.2011 | permalink
Foto: Gendreck weg - Die Amflora wurde vom Acker geholt.
Gestern wurde im Amtsgericht Waren (Müritz) ein Gentechnikgegner freigesprochen, der 2010 in Bütow gentechnisch veränderte Kartoffelpflanzen aus dem Boden gerissen hatte. Dort wurde auf 15 Hektar die umstrittene Amflora-Kartoffel im Auftrag der BASF-Tochter "Plant Science" angebaut. Da eine Umzäunung des gesamten Feldes fehlte, sei ein widerrechtliches Betreten nicht erkennbar gewesen, so der Richter. Der Feldbefreier wurde also vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs freigesprochen. Auch Sachbeschädigung könne man ihm nicht vorwerfen, da nur 18 Pflanzen beschädigt worden sind. Der freigesprochene Aktivist sieht die Aktion als erfolgreichen symbolischen Protest: "Die lokale Bürgerinitiative hat über Jahre eine hervorragende Arbeit geleistet. Unsere Aktion unterstützte diesen Widerstand im letzten Anbaujahr der manipulierten BASF-Kartoffel. Jetzt ist die Gentech-Kartoffel hier in der Region Geschichte."
05.12.2011 | permalink
Foto: Volker Gehrmann
Der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) zieht anlässlich des heutigen internationalen Weltbodentages eine positive Bilanz des ökologischen Landbaus für Ackerböden und Fruchtbarkeit. Gentechnik schneidet schlecht ab, weil sie großflächige Monokulturen fördert und einen vermehrten Einsatz des Totalherbizids Glyphosat mit sich bringt. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des BÖLW, erklärt: "Nur intakte Böden können dauerhaft stabile Erträge liefern und CO2 speichern. Wer die Herausforderungen Welternährung und Klimaschutz ernst nimmt, muss sich für die Ausweitung des Ökolandbaus einsetzen und Böden nachhaltig schützen." Mais-Monokulturen gefährden die Bodenfruchtbarkeit und sind anfällig für Bodenerosion. Auch die Artenvielfalt wird eingeschränkt. Gentechnik-Soja, bringt durch ihre Resistenz gegen das Totalherbizid Glyphosat einen erhöhten Einsatz des Giftes mit sich. Laut Studie vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) ist der Wirkstoff Glyphosat und sein hauptsächliches Abbauprodukt AMPA toxisch für eine Vielzahl von Organismen. AMPA kann sich aufgrund seiner höheren Halbwertszeit im Boden anreichern. Glyphosat fördert bestimmte krankheitserregende Pilze und beeinträchtigt die Aufnahme von Mikronährstoffen, den Ertrag und die Krankheitsabwehr der Pflanzen.
02.12.2011 | permalink
Protestaktion gegen Freisetzungsversuche mit gentechnisch verändertem Weizen wegen Kontaminationsgefahr von alten Weizensorten innerhalb einer der bedeutendsten Genbanken. Quelle: indymedia.org
Bayer CropScience rettet den mit etlichen Millionen Euro öffentlichen Geldern geförderten Biotechpark Gaterlsleben mit seinem neuen Weizenzucht-Zentrum vor dem Konkurs. Der Biotechpark liegt nur wenige Meter neben dem Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK), welches eine der weltweit bedeutendsten Genbanken vor allem für Weizen beherbergt. In den vergangenen Jahren gab es massive Proteste gegen die im IPK durchgeführten Freilandversuche mit gentechnisch verändertem Weizen wegen der drohenden Verunreinigung der alten Weizensorten. Der neue Geschäftsführer Eise betonte gegenüber dem Informationsdienst Gentechnik, dass sich die Forschungsarbeit auf konventionelle Zuchtmethoden in Labor und Gewächshaus beschränke. Ministerin für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt, Birgitta Wolff, freut sich indes: "Die Ansiedlung von Bayer CropScience mit seinem Weizenzucht-Zentrum in Gatersleben bedeutet eine substanzielle Stärkung der Grünen Biotechnologie in Sachsen-Anhalt. Diese Technologie stellt einen wichtigen Schwerpunkt bei der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung des Landes dar."
29.11.2011 | permalink
Monsanto will seine Ressourcen auf andere Regionen konzentrieren. Foto: Grace Winter/pixelio.de
Der weltweit größte Hersteller von Gentech-Saatgut hat seinem Sprecher in Deutschland, Andreas Thierfelder, gekündigt. Laut Nachrichtenmagazin SPIEGEL musste der Gentechnik-Lobbyist Ende August das Unternehmen verlassen. Seine Stelle wurde ersatzlos gestrichen. Monsanto begründete das beendete Arbeitsverhältnis mit einer Umstrukturierung und will seine Arbeit auf andere Regionen konzentrieren, in denen die Agro-Gentechnik besser akzeptiert wird. Tatsächlich ist Monsantos Arbeit in Deutschland nicht erfolgreich: Außer auf ein paar Versuchsfeldern, wachsen in Deutschland keine Gentech-Pflanzen auf den Äckern. Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt Agro-Gentechnik nach wie vor ab und auch immer mehr Politiker sehen darin keine Zukunft.
29.11.2011 | permalink
Der Anbau von Monsantos Gentechnik-Mais MON 810 ist in mehreren EU-Staaten verboten.
Das oberste Verwaltungsgericht hat das von der französischen Regierung 2008 verhängte MON-810-Anbau-Verbot aufgehoben. Es folgte damit der Argumentation des Europäischen Gerichtshofs, das im September befand, dass das Verbot auf einer falschen Rechtsgrundlage verhängt wurde. Das französische Agrarministerium habe nicht beweisen können, dass durch den Gentech-Mais ein spezielles Risiko für die Gesundheit und Natur bestehe. Die Regierung will dennoch an dem Verbot festhalten und kündigt sogleich an, alle Möglichkeiten zu prüfen, den Anbau des gentechnisch veränderten Mais weiterhin zu verbieten. Der Anbau des MON 810 sei nach wie vor mit Unsicherheiten verbunden, teilten das Landwirtschafts- und das Umweltministerium in einer Presserklärung mit. Neuere Studien werfen Fragen der Umweltverträglichkeit auf, so die Minister.
28.11.2011 | permalink
Stoppt Patente auf Leben! Infodienst-Aktion auf der Agrar-Demo in Berlin am 22.1.2011.
Das Europäische Patentamt (EPA) hat letzte Woche ein Patent auf ein Rinder-Zuchtverfahren und das dabei gesammelte Sperma bestätigt. Das von der US-Firma XY LLC stammende Patent beinhaltet ein Verfahren, bei dem Sperma für die künstliche Besamung mithilfe einer Apparatur selektiert wird, um das Geschlecht für Nachkommen zu bestimmen. Patentrechtlich geschützt ist auch das dadurch ausgewählte Sperma. Das Bündnis „Kein Patent auf Leben“ warnt vor Auswirkungen auf die Landwirtschaft, weil künstliche Besamungen in der Rinderzucht bereits weit verbreitet sind. Eine endgültige Entscheidung wurde ins nächste Jahr verschoben.
2005 legten die Grünen im Europäischen Parlament und Greenpeace Einspruch gegen das Patent ein. Es geriet bereits damals in die Schlagzeilen, weil es sich ursprünglich auch auf die Geschlechtswahl bei Menschen erstreckte. Dieser Teil wurde mittlerweile widerrufen. Dass nun jedoch immer noch Tierzuchtverfahren und selektiertes Sperma als Erfindung angesehen werden, alarmiert Kritiker. Schon lange steht die Forderung im Raum, das europäische Patentrecht zu überarbeiten und Patente auf Lebewesen zu verbieten. Unterstrichen wird diese Dringlichkeit mit einer heute veröffentlichten Schwarzen Liste europäischer Patente. Darauf zu finden sind neben Bier, Brot und Bergtee auch Schimpansen sowie Sperma und Eizellen von Menschen.
no patents on seeds: Kein Patent auf Tierzucht!
Greenpeace: Recherche zu aktuellen Patentanträgen am Europäischen Patentamt
Testbiotech: Schimpansen, Sperma und Gene - eine Erfindung?'
Testbiotech: Schwarze Liste europäischer Biotech-Patente 2009–2011
Infodienst: Hintergrund Patente in der Landwirtschaft24.11.2011 | permalink
Die Gentech-Industrie verspricht sich viel von gentechnisch verändertem Reis. Foto: Christian Seidel/pixelio.de
Die EU will Reis-Importe aus China schärfer auf Gentechnik kontrollieren. In der EU ist der Import gentechnisch veränderter Reissorten nicht zugelassen. Dennoch finden sich in Stichproben immer wieder Verunreinigungen. EU-Behörden haben deshalb nun angeordnet, dass alle Reis-Importe aus China getestet werden müssen, nicht nur Stichproben. Denn die bisherigen Kontrollen geben keine Gewissheit über die tatsächliche Kontamination, teilt die EU-Kommission mit. Es bestehe die Gefahr weiterer Importe von nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen in Reis-Produkten. Durch den Gentech-Reis-Skandal 2006 wurden die Behörden auf chinesischen Reis aufmerksam. Damals wurden in mehreren Supermärkten Produkte gefunden, die gentechnisch veränderten Reis enthielten, der weltweit keine Zulassung hatte.
21.11.2011 | permalink
Gentechnisch veränderter Mais muss gründlicher untersucht werden, fordern Wissenschaftler. (Foto: Infodienst)
Ein internationales Forscherteam zeigt Mängel bei der Risikobewertung von Bt-Pflanzen auf. In ihrer nun online erschienenen Untersuchung kritisieren sie, dass die Methoden zur Messung des Bt-Gehalts nicht standardisiert sind. Erstmals haben vier Labore ihre Methoden miteinander verglichen. Dabei wurde festgestellt, dass ihre Daten nicht reproduzierbar und vergleichbar sind. Dies wäre aber dringend erforderlich, wenn sie zur Risikobewertung herangezogen werden. Auch um Resistenzen bei Schädlingen vorzubeugen, müssen gesicherte Erkenntnisse über den tatsächlichen Gehalt an Insektengiften vorliegen. „Einzelne Messungen können nicht als belastbare Daten akzeptiert werden, wenn diese nicht von anderen Labors überprüft werden“, gibt András Székács von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften zu bedenken. Besonders bei der Messung des Bt-Gehalts in Pollen fehlen Daten, die wichtig sind, wenn es um die Zulassung in der EU geht. Dennoch hat die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) erst vor Kurzem den Pollen des MON 810 als sicher bewertet. Der MON 810-Mais ist bereits seit Jahren zum Anbau in der EU zugelassen. Er ist gentechnisch so verändert, dass er das Bt-Toxin in verschiedenen Pflanzenteilen produziert.
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BASF zieht sich zurück
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Tomaten-Patent in höchster Instanz

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.. dass ein mittelständisches deutsches Unternehmen bis zu mehrere hunderttausend Euro im Jahr einplanen muss, um Gentechnik-Rohstoffe zu vermeiden?

Eine Studie zeigt, an zentralen Stellen in den Gentech-Genehmigungsbehörden sitzen Wissenschaftler, die in Lobbyvereinen eng mit Industrievertretern zusammenarbeiten. Anstatt die Industrie zu kontrollieren, setzen sie sich für ihre Interessen ein.
Then, Lorch (April 2008): Kontrolle oder Kollaboration?
Die Experten sind sich einig. Gegen den Hunger in der Welt hilft keine Gentechnik! Lesen Sie hier, was es mit der Nahrungsmittelknappheit tatsächlich auf sich hat.
Dossier Infodienst