15.01.2010 | permalink
Foto: Uwe Duwald, Marienkäfer stehen auf der roten Liste und können durch den Einsatz von Gentechnik zusätzlich gefährdet werden.
Grüne Woche: Der NABU fordert von Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner klare Regelungen zum Anbau von Gentechnik-Pflanzen in Naturschutzgebieten. Noch immer seien die ökologischen Folgen von genmanipulierten Pflanzen zu wenig erforscht und damit nicht absehbar. Der Anbau von Gentechnik-Mais sollte weiterhin verboten bleiben und Abstandsregelungen zu Schutzgebieten von mindestens 1000 m eingeführt werden. Der NABU hat gestern seine Broschüre "Agrogentechnik und Naturschutz" vorgelegt, aus der die bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen zum Gentechnik-Mais sowie die möglichen Folgen für verschiedene Arten zusammengefasst sind. Es werden auch die bestehenden Forschungslücken aufgezeigt. Neben der Gefahr des Artenrückgangs ist auch der Einsatz des Herbizids Glyphosat dringend zu überdenken, denn wahrscheinlich ist das Herbizid toxischer und beständiger als lange angenommen.
14.01.2010 | permalink
Testet die EFSA Gentechnik-Pflanzen unabhängig?
An der Unabhängigkeit der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wird immer wieder gezweifelt. Neues Futter für die Zweifel an der Behörde, die für die Risikobewertung von Gentechnik-Pflanzen in Europa zuständig ist, kommt nun von der Expertengruppe Testbiotech. Diese hatte letztes Jahr aufgedeckt, dass eine leitende Mitarbeiterin des EFSA, Suzy Renckens, kurz nach ihrer Tätigkeit dort zum Gentechnik-Unternehmen Syngenta gewechselt ist. Die Behörde hatte keinerlei Einwände erhoben oder Auflagen erteilt, wie es nach EU-Recht vorgesehen gewesen wäre. Die EFSA hat dies mittlerweile in einer Antwort an Testbiotech bestätigt. Renckens wendet sich nun für Syngenta mit Marktzulassungen für Gentechnik-Pflanzen an die EFSA-Expertengruppe, die sie vorher selbst leitete. "Bei dieser Nähe zur Industrie stellt sich die Frage, wie unabhängig die Behörde in ihren Entscheidungen bei der Zulassung gentechnisch veränderter Organismen agiert", sagt Then. Testbiotech will sich mit der Sache an die EU-Kommission wenden.
14.01.2010 | permalink
Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner ist hin- und hergerissen zwischen Koalitionsvorgaben und Verbraucherwünschen.
Mit einem Sack Kartoffeln im Gepäck haben Greenpeace-Aktivisten heute auf der Grünen Woche gegen die Gentechnik-Politik von Landwirtschaftsministerin Aigner protestiert. Aigner war gerade dabei, die weltgrößte Landwirtschafts- und Verbrauchermesse in Berlin zu eröffnen, da wurde ihr die Verbrauchermeinung sozusagen vor die Füße gekippt: Ein Sack gentechnisch veränderte Kartoffeln, deren Anbau Verbraucher, laut einer Greenpeace-Umfrage, zu 77% ablehnen. Aigner hatte letztes Jahr einen Versuchsanbau der Gentechnik-Kartoffel "Amflora" genehmigt und außerdem durchblicken lassen, dass sie gegen eine Anbau-Zulassung durch die EU nichts unternehmen werde. Amflora-Hersteller BASF hatte es darüber hinaus geschafft, dass die Förderung des Amflora-Anbaus explizit im Koalitionsvertrag erwähnt wird. Dabei ist eine Gentechnik-Variante der Kartoffel, die durch eingebaute Antibiotika-Resistenz-Gene erhebliche Risiken birgt, gar nicht nötig. Forscher haben bereits eine Kartoffel auf dem Wege der herkömmlichen Züchtung entwickelt, die ebenso viel Stärke produziert.
13.01.2010 | permalink
Maisanbau in Monokulturen fördert die Ausbreitung von Schädlingen.
Aufgrund der gestiegenen Maisanbaufläche in Deutschland in den letzten Jahren fordert die Partei DIE LINKE von der Bundesregierung eine Informationskampagne zu gentechnikfreien Bekämpfungsmethoden von Maisschädlingen. Maiszünsler und Maiswurzelbohrer würden immer bessere Verbreitungsmöglichkeiten vorfinden, weil präventive mechanische Kontrollmethoden aus Kostengründen immer seltener durchgeführt werden. Vor allem Süddeutschland und südöstliche Gebiete Deutschlands sind vom Befall des Maiszünslers betroffen. Das würde den Mais-Anbau bedrohen und der Gentechnik-Lobby, die sich für den Anbau von Gentechnik-Pflanzen einsetzt, in die Hände spielen.
12.01.2010 | permalink
Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat im April dieses Jahres den Gentechnik-Mais-Anbau in Deutschland verboten.
Beim beschlossenen Anbau-Verbot des MON 810 im letzten Jahr stellte sich CSU-Landwirtschaftsministerin Aigner noch gegen den Willen ihrer CDU-Ministerkollegen. Seitdem wächst in Deutschland keine kommerziell angebaute Gentech-Pflanze mehr – ein schwerer Schlag für die Gentechniklobby. Doch laut Koalitionsvertrag setzt die neue Regierung wieder auf einen Pro-Gentechnik-Kurs. Und Ilse Aigner folgt den Vorgaben: Ende vergangenen Jahres stimmte sie im EU-Agrarrat dem Import einer weiteren Gen-Maissorte als Futtermittel zu. Schon bald stehen in Brüssel Entscheidungen an, ob Gen-Mais wieder kommerziell angebaut werden darf. Und Aigner muss entscheiden, ob die EU-Richtlinie zur Nulltoleranz verwässert wird – so wie es CDU und FDP im Koalitionsvertrag vereinbart haben. Lebensmittel dürften dann ganz legal Spuren von nicht zugelassenen Gentech-Pflanzen enthalten. Anfang Februar ist Aigner 100 Tage Landwirtschaftsministerin der schwarz-gelben Koalition. Das Aktions-Netzwerk Campact startet deshalb heute einen Appell an die Landwirtschaftsministerin. Mit einem Blauen Brief soll sie daran erinnert werden, dass Verbraucherinnen und Verbraucher keine Gentechnik auf den Tellern und Feldern wollen. Bei dem nächsten Auftritt Aigners in ihrem Wahlkreis sollen die Briefe übergeben werden. Auch Sie können sich beteiligen!
11.01.2010 | permalink
Lidl-Milch gibt's zwar ohne Gentechnik aber auch ohne dieses Logo.
Lidl, eine der größten deutschen Supermarkt-Ketten, verkauft ab heute in seinen bayrischen Filialen Milchprodukte ohne Gentechnik. Milch, Joghurt und Butter werden mit dem Label "Ein gutes Stück Heimat" angeboten und stammen nicht nur garantiert aus der Region sondern werden auch gentechnikfreie Futtermittel hergestellt. Wie Spiegel Online gestern berichtet, geht dies aus einem internen Schreiben hervor. Für Lidl produzierende Milchbauern müssen demnach Erklärungen unterschreiben, in der sie die gentechnikfreie Fütterung garantieren. Verbraucher erfahren leider nichts von der Regelung - die Produkte tragen kein Ohne-Gentechnik-Label. Vermutlich will die Handelskette ihre Kunden nicht verunsichern, denn vergleichbare Produkte ohne Kennzeichnung könnten als "Gen-Food" auffliegen. Da die Mehrheit der Verbraucher Gentechnik ablehnt, würden nicht gekennzeichnete Produkte dann womöglich im Regal stehen bleiben. Greenpeace freut sich auch ohne Kennzeichnung über die Milch ohne Gentechnik. Schließlich beweist damit eine Riesen-Handelskette, dass die Fütterung ohne Gentechnik möglich ist. Oft wird von der Lebensmittel-Branche behauptet, es gäbe nicht genug gentechnikfreie Futtermittel. "Ausgerechnet der Discounter Lidl, der als 'Schmuddelkind' der Branche gilt, setzt mit der Gentechnikfreiheit neue Maßstäbe. Damit setzt sich in der Branche ein Trend fort, den einige Hersteller mit der Umstellung ihrer Molkereiprodukte begonnen haben. Nun müssen auch Aldi, Edeka und Rewe ihre Zurückhaltung aufgeben und bei ihren Eigenmarken ebenfalls auf eine gentechnikfreie Tierfütterung setzen", so Alexander Hissting von Greenpeace.
07.01.2010 | permalink
Die faire Milch mit Ohne-Gentechnik-Logo und im Preis kostendeckend für den Landwirt. Quelle: MVS
Ab sofort ist ein neues Produkt mit dem bundeseinheitlichen Ohne-Gentechnik-Siegel erhältlich: "Die faire Milch" von der MVS Milchvermarktungsgesellschaft mbH. Sie ist nicht nur garantiert ohne Gentechnik. Wegen der Reichhaltigkeit an Omega-3-Fettsäuren durch hochwertige Fütterung, regionalen Vertriebsstrukturen und vor allem wegen der fairen Preispolitik für den Landwirt trägt sie zurecht ihren Namen. Zunächst wird sie in Rewe- und Tegutfilialen in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen erhältlich sein. Noch sind es nicht viele Produkte mit dem im April vorgestellten bundeseinheitlichen Ohne-Gentechnik-Siegel. Die Vergabe des Siegels soll über einen Verein erfolgen, der noch in Gründung ist. Unternehmen sollten jedoch nicht davor zurückschrecken, eine temporäre Vergabe durch das Verbraucherschutzministerium zu beantragen. Denn für Verbraucher ist das bundeseinheitliche Siegel eine Vereinfachung im Siegel-Dschungel.
So streben denn auch immer mehr Hersteller die gentechnikfreie Fütterung der Tiere an, so Greenpeace. Eine aktuelle Bewertung von Firmen bietet die neue Version des Einkaufsratgebers "Essen ohne Gentechnik".
04.01.2010 | permalink
Amflora ist eine gentechnisch veränderte Kartoffel mit Antibiotikaresistenz-Markergen. Es gibt gentechnikfreie Alternativen.
Sobald die gentechnisch veränderte Kartoffel "Amflora" der Firma BASF von der EU-Kommission zum Anbau genehmigt wird, soll sie auch in Deutschland wachsen. Wie zu erwarten will die Bundesregierung den Anbau der umstrittenen Kartoffel nicht verhindern. "Ob in Deutschland die gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora kommerziell angebaut werden kann, hängt allein von der ausstehenden Entscheidung der EU-Kommission ab", sagte Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner gegenüber einer Nachrichtenagentur. Bereits im Koalitionsvertrag war die Amflora explizit genannt worden. Dort ist zu lesen, dass die neue Koalition den Anbau der Gentechnik-Kartoffel unterstützen will. Bedenken hinsichtlich des Risikos für Mensch und Umwelt gibt es offensichtlich nicht. Dabei ist die Freisetzung der Kartoffel höchst umstritten, denn sie enthält ein Antibiotikaresistenz-Markergenen. Auch der Nutzen der Kartoffel, die für die Stärke-Produktion verwendet werden soll, ist fraglich: Mittlerweile wurde auf klassischem Weg bereits eine Kartoffel gezüchtet, die einen ebenso hohen Stärkegehalt ausweist, wie die Gentechnik-Variante.
30.12.2009 | permalink
2009 - Erfolge für eine gentechnikfreie Landwirtschaft, die wir auch 2010 brauchen!
Wenn wir auf das Jahr 2009 zurückblicken, haben wir für die gentechnikfreie Landwirtschaft einiges erreicht. Im Februar kündigt Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) an, den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zu verbieten. Die nationalen Anbauverbote von Österreich und Ungarn werden im März vom EU-Ministerrat gebilligt. Im April zieht die frisch gekührte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) nach und verbietet den Anbau von MON810 auch in Deutschland. Außerdem präsentiert sie im August das neue einheitliche "ohne Gentechnik"-Logo. Mit der Wahl der schwarzgelben Regierung im September droht nun jedoch wieder eine gentechnikfreundlichere Politik. Das MON 810-Anbauverbot soll aufgehoben, die Gentechnik-Kartoffel Amflora auf den Markt gebracht werden. Und auf EU-Ebene ist der gentechnikfreundliche Kurs bereits zu spüren: Deutschland stimmt das erste Mal nach vielen Jahren der Enthaltung für die Zulassung einer Gentechnik-Pflanze innerhalb des Ministerrates. 2010 wird deshalb ein wichtiges Jahr im Kampf für eine gentechnikfreie Landwirtschaft sein: Die Nulltoleranz bei nicht zugelassenen Gentechnik-Pflanzen muss beibehalten, das Verbot des Gentechnik-Mais MON 810 darf nicht aufgehoben und weitere Zulassungen von Gentechnik-Pflanzen müssen verhindert werden. Wichtig ist auch, das neue Ohne-Gentechnik-Siegel weiter voranzutreiben und bekannt zu machen.
28.12.2009 | permalink
Der Anbau von Gentechnik-Mais in der EU ist 2009 stark zurückgegangen. Hauptanbauland ist nach wie vor Spanien mit über 80%.
2009 stand rund 20 Prozent weniger Gentechnik-Mais (MON 810) auf den europäischen Äckern als im letzten Jahr. Während die Anbaufläche 2008 noch knapp 108.000 ha betrug – davon 3.000 ha illegaler Anbau in Polen – , wurde 2009 nur noch auf circa 86.000 ha MON 810 ausgebracht. Wie viel Gentechnik-Mais in diesem Jahr in Polen illegal angebaut wurde, ist noch unbekannt. Der MON-810-Mais ist die einzige in Europa zum Anbau zugelassene Gentechnik-Pflanze.
Allein das Anbauverbot in Deutschland hat dazu geführt, dass rund 3000 ha weniger Gen-Mais angebaut wurde. In Tschechien, Rumänien, der Slowakei und in Spanien ging der Anbau um insgesamt 16.000 ha zurück. Nur in Portugal gab es einen geringen Anstieg um 150 ha. Trotzdem bleibt Spanien mit einem Anteil von rund 80 Prozent das Land, in dem am meisten Gentechnik-Mais in Europa angebaut wird.
Diese Zahlen stammen von der im Wesentlichen von der Agro-Industrie finanzierten Website transgen. Die genauen Anbauzahlen für die ganze Welt werden im Februar 2010 wieder im Jahresbericht vom International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications (ISAAA) herausgegeben. Der Bericht bildet die Datengrundlage für die meisten statistischen Auswertungen und Darstellungen rund um den Anbau von Gentechnik-Pflanzen. Oft sind die Zahlen jedoch im Sinne der Gentechnik-Industrie dargestellt, die auch diesen Service finanziert. So werden bei den Flächenangaben nicht die Pflanzen zugrundegelegt, sondern die Anzahl ihrer veränderten Eigenschaften, was zu doppelten Zählungen führt. Auch der illegale Gentechnik-Anbau wie beispielsweise in Polen wird unkommentiert miteingerechnet, um den Siegeszug der Gentechnik-Pflanzen zu dokumentieren. Der Infodienst hat für Sie die verfügbaren Zahlen zum Anbau in einem Dossier zusammengestellt und kritisch die unterschiedlichen Quellen benannt und kommentiert. Außerdem finden Sie statistische Informationen zu den gentechnikfreien Regionen. Informieren Sie sich selbst!
● Zahlen und Statistiken:
Was wächst wo?
● Amflora:
Zugelassen aber nicht gefragt

Unsere Flyer zeigt Ihnen die wichtigsten Gründe gegen Gentechnik auf einen Blick: Ideal, um ihn im Bekanntekreis, in Schulen o.ä. zu verteilen.
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.. dass ein mittelständisches deutsches Unternehmen bis zu mehrere hunderttausend Euro im Jahr einplanen muss, um Gentechnik-Rohstoffe zu vermeiden?

Eine Studie zeigt, an zentralen Stellen in den Gentech-Genehmigungsbehörden sitzen Wissenschaftler, die in Lobbyvereinen eng mit Industrievertretern zusammenarbeiten. Anstatt die Industrie zu kontrollieren, setzen sie sich für ihre Interessen ein.
Bayerisches Fernsehen: Genehmigungsfilz
Then, Lorch (April 2008): Kontrolle oder Kollaboration?
Bundestag.de: Interview mit Ulrike Höfken (26.05.08)
Die Experten sind sich einig. Gegen den Hunger in der Welt hilft keine Gentechnik! Lesen Sie hier, was es mit der Nahrungsmittelknappheit tatsächlich auf sich hat.
Dossier Infodienst
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