20.12.2011 | permalink
Foto: stock.xchng, mordoc
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat sechs Zusatzstoffe für Pestizide verboten. Es handelt sich um tallowaminhaltige Stoffe, die Risiken für Menschen und Umwelt bergen. Werden sie Pestiziden zugesetzt, erhöht das deren Toxizität. Zwar dürfen die Tallowamine nicht mehr einzeln verkauft werden, fertig gemischte Pestizide bleiben jedoch weiterhin auf dem Markt. Dies bestätigte ein Sprecher des BVL gegenüber der taz. Für Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsminister Johannes Remmel ist dies ein Skandal. Der Unterschied zwischen dem gesonderten Verkauf und dem Verkauf von fertigen Pestiziden ist nicht nachvollziehbar. Weiterhin verkauft werden dürfte beispielsweise das Totalherbizid Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat, das schon seit Längerem in der Kritik steht. Besonders ausgiebig kann Roundup auf gentechnisch veränderten Pflanzen gespritzt werden, die gegen das Gift resistent sind. Als Tierfutter importiert gelangen diese Pflanzen auch hierzulande in die Nahrungskette.
19.12.2011 | permalink
Rapssamen breiten sich leicht unkontrolliert aus.
Der Anbau von Gentechnik-Pflanzen ist in der Schweiz verboten. Dennoch wurde gentechnisch veränderter Raps gefunden, der wild an einem Bahndamm wuchs. Wahrscheinlich gingen die Samen beim Transport mit Güterwagen verloren und säten sich dann unkontrolliert aus. Der Anbau von Gentech-Raps ist sehr umstritten, weil Raps-Samen sich besonders leicht verbreiten. Es sei daher nur eine Frage der Zeit, bis sich die gentechnisch veränderten Pflanzen auch an anderen Stellen wiederfinden, sagte die Biologin Nicola Schoenenberger im Schweizer Fernsehen. Labore und Transporte sollten besser kontrolliert werden, fordert die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft Gentechnologie (SAG). Sie befürchtet außerdem die Auskreuzung mit anderen verwandten Wildarten.
16.12.2011 | permalink
Imker sorgen sich um ihr Naturprodukt, den Honig.
In einem 6-Augen-Gespräch zwischen Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und Imkern, wurden Möglichkeiten erörtert, die Verunreinigung des Honigs durch Pollen von Gentechnik-Pflanzen zu verhindern. Vertreten wurden die Imker durch die Präsidenten des Deutschen Imkerbundes e. V., Peter Maske, und des Deutschen Berufs und Erwerbs Imker Bundes e. V., Manfred Hederer. Die Ministerin sicherte in diesem Rahmen das Aufrechterhalten des Anbau-Verbots von Gentechnik-Mais MON 810 zu. Auch der Anbau von Gentechnik-Raps soll nicht erlaubt werden. Gegenstand des Gespräches waren auch Maßnahmen für die Einschränkung des Pollenaustrages durch Pflanzen von Freilandversuchen. Dieses Jahr fanden 23 Versuche in 4 Bundesländern mit Gentechnik-Pflanzen auf einer Gesamtfläche von 8 Hektar statt. Durch den Anbau unter Glas oder das Entfernen der Pollenfahnen vor der Blüte könnte man einem illegalen Polleneintrag in den Honig entgegenwirken. Denn seit dem im September 2011 gefallenen Honig-Urteil darf kein Honig mehr in den Verkehr gebracht werden, der Pollen von Gentechnik-Pflanzen enthält, die nicht als Lebensmittel zugelassen sind. Bei vielen Imkereibetrieben hat dies zu großer Unsicherheit hinsichtlich der künftigen Vermarktung von Honig geführt.
15.12.2011 | permalink
Activia-Joghurt-Becher werden aus Gentechnik-Mais hergestellt.
Zumindest wirbt Danone nun nicht mehr mit seinem umweltfreundlichen Joghurt-Becher. Dies hatte die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) gerichtlich durchgesetzt, weil die PLA-Verpackung laut DUH im Vergleich zu herkömmlichen Bechern keine Vorteile für die Umwelt bringt. Ganz im Gegenteil: Der Activia-Becher aus PLA verursacht laut DUH doppelt so viel Müll wie Becher aus herkömmlichem Kunststoff. Danone hält jedoch an seinem Verpackungs-Konzept fest. Empört sind die Umweltschützer auch über die Herstellung der Verpackungen, weil bei den Rohstoffen nicht auf die Trennung von gentechnikfreiem und gentechnisch verändertem Mais geachtet wird. Danone hatte angekündigt, den Anbau von gentechnikfreiem Mais zu fördern, indem eine für seine PLA-Verpackung entsprechende Menge gvo-freier Mais eingekauft wird. Diese wird laut DUH jedoch in einer amerikanischen Produktionsanlage verarbeitet, in der auch gentechnisch veränderter Mais verwertet wird. Der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch ruft Verbraucherinnen und Verbraucher daher zum Boykott dieser Produkte auf.
14.12.2011 | permalink
Sitzblockade vor der KWS-Zentrale, Foto: kws-gentechnikfrei.de
Die Aktionäre der KWS wurden bei der heutigen Hauptversammlung von rund 100 Demonstrantinnen und Demonstranten begrüßt, die gegen die Gentechnik-Politik des Saatgutkonzerns protestierten. Mit einer Sitzblockade wurde der Haupteingang versperrt, und die KWS-Aktionäre mussten durch die Hintertür ins Gebäude. „Gentechnik durch die Hintertür“ war dann auch der Aufhänger der Aktion. Die Junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft sowie die Initiative „Witzenhäuser Agrar-Studierende, Landwirte und Gärtner für eine gentechnikfreie Landwirtschaft“ spielten auf die Forderung der KWS Saat AG an die Politik an, eine Verunreinigung von Saatgut mit Gentechnik zuzulassen. Damit, so die Initiativen, solle Gentechnik durch die Hintertür eingeführt werden, obwohl eine Mehrheit der Bevölkerung Agro-Gentechnik ablehnt.
13.12.2011 | permalink
Stoppt Patente auf Leben! Infodienst-Aktion auf der Agrar-Demo in Berlin am 22.1.2011.
Patente auf Pflanzen und Tiere müssen verhindert werden, darüber scheinen sich alle einig zu sein. Auch der wissenschaftliche Beirat des Bundeslandwirtschaftsministeriums warnte kürzlich vor den Gefahren der Patentierung von Lebewesen und forderte eine rechtliche Klarstellung, dass herkömmliche Züchtungsverfahren nicht patentiert werden dürfen. Die politischen Aktivitäten im Bundestag konzentrieren sich seit letztem Jahr auf einen interfraktionellen Antrag. Nun sind bereits über eineinhalb Jahre vergangen, ohne dass der Antrag in das parlamentarische Verfahren eingebracht wurde. Der umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Matthias Miersch, und der Agro-Gentechnik-Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Harald Ebner, wenden sich daher heute in einem offenen Brief an die Koalitionsfraktionen, die ihrer Meinung nach für das nur zögerliche Vorankommen des Prozesses verantwortlich sind. Wertvolle Zeit sei verloren gegangen, in der weiterhin fragwürdige Patente erteilt werden. Die Abgeordneten lassen der Regierungskoalition noch bis Weihnachten Zeit, einen beschlussfähigen Antragsentwurf vorzulegen und wollen ansonsten im Januar einen eigenen Antrag einbringen.
12.12.2011 | permalink
Schweiz gentechnikfrei, Foto: SAG
Die Ethikkommission in der Schweiz ist der Meinung, dass gentechnisch veränderte Pflanzen nie abschließend als sicher beurteilt werden können. Da in zwei Jahren das Schweizer Gentechnik-Moratorium ausläuft, wird im Vorwege bereits darüber diskutiert, ob es vertretbar ist, GV-Pflanzen anzubauen. Die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich (EKAH) ist eine unabhängige Experten-Kommission, die die Schweizer Behörden berät. Sie führt in einem heute veröffentlichten Bericht aus, dass für eine angemessene Risikobewertung nach wie vor nicht ausreichend Daten vorhanden sind. Durch epigenetische Effekte sei stets mit unerwarteten Wirkungen zu rechnen. Daher sei beim Gentech-Anbau eine typische Risikosituation gegeben. Die Kommission plädiert deshalb für einen sehr vorsichtigen und schrittweisen Umgang mit Gentechnik-Pflanzen. Jeglicher Anbau müsse von einem kontinuierlichen Monitoring begleitet werden.
09.12.2011 | permalink
Soja(Photo:Franz Haindl/Pixelio)
Am 13. November reichten die argentinische NGO GRR und die Gründerin des internationalen Netzwerkes Aktion GENKlage, Christiane Lüst, einen gemeinsamen Parallelbericht beim UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte ein. Der Bericht erhebt Anklage gegen Argentinien und dessen Anbau von genetisch veränderter Soja, welcher die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte der argentinischen Bevölkerung verletzt. Nach dreiwöchiger Sitzung hat das UN-Komitee nun die „Concluding Observations“ veröffentlicht, in der es die argentinische Regierung auffordert, Menschenrechtsverletzungen, u.a. auch verursacht durch die Nutzung von GVO in der Landwirtschaft, umgehend zu stoppen und die traditionellen Anbaumethoden der indigenen Bauern zu erhalten.
09.12.2011 | permalink
Honig, der Pollen des MON810-Maises enthält, ist nicht verkehrsfähig. (Photo: Infodienst)
Der chilenische Dienst für Landwirtschaft und Tierhaltung (SAG) hat ein Standortregister ins Leben gerufen, damit Imker sich über den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen informieren können. Das chilenische Landwirtschaftsministerium hat somit auf die Besorgnis der Imkerverbände reagiert. Diesen entstehen aufgrund des jüngsten Urteils des Europäischen Gerichtshofes Probleme mit dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Denn Honig, der in der EU nicht zugelassene Gentechnik-Pollen enthält, darf hierzulande nicht mehr verkauft werden. Die EU ist größter Importeur für chilenischen Honig und das soll auch weiterhin so bleiben. Der Präsident des nationalen Imkernetzwerkes hat die Einführung durch den SAG sehr begrüßt, weil die Imker bald feststellen können, ob ihre Bienenstöcke in der Nähe von Gentechnik-Feldern stehen und mit gentechnisch verändertem Pollen verunreinigt sein können. Er fügte hinzu, dass parallel an weiteren Mitteln gearbeitet werde, um die Lebensmittelsicherheit von chilenischem Honig zu gewährleisten.
09.12.2011 | permalink
Geflügelfleisch kann auch ohne Gentechnik im Tierfutter hergestellt werden.
Die Handelskette Rewe kündigte an, in Österreich auf gentechnikfreie Futtermittel für Geflügel umzusteigen. Ab Januar soll mit der Fütterung ohne Gentechnik begonnen werden. Spätestens kommenden März werden die österreichischen Verbraucherinnen und Verbraucher das Fleisch in den Supermarktregalen finden. Die REWE International AG setzt sich seit Langem im Detail mit dem Thema Gentechnikfreiheit auseinander, verkündete die Leiterin der Abteilung Nachhaltigkeit, Tanja Dietrich-Hübner. Bereits 2003 wurde mit der Umstellung bei der Eierproduktion begonnen. Nun soll das Fleisch folgen. Das Unternehmen ist Gründungs-Mitglied des Vereins „ARGE Gentechnikfrei“, der sich seit 1997 für die Förderung gentechnikfreier Lebensmittel-Produktion in Österreich einsetzt.
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.. dass ein mittelständisches deutsches Unternehmen bis zu mehrere hunderttausend Euro im Jahr einplanen muss, um Gentechnik-Rohstoffe zu vermeiden?

Eine Studie zeigt, an zentralen Stellen in den Gentech-Genehmigungsbehörden sitzen Wissenschaftler, die in Lobbyvereinen eng mit Industrievertretern zusammenarbeiten. Anstatt die Industrie zu kontrollieren, setzen sie sich für ihre Interessen ein.
Then, Lorch (April 2008): Kontrolle oder Kollaboration?
Die Experten sind sich einig. Gegen den Hunger in der Welt hilft keine Gentechnik! Lesen Sie hier, was es mit der Nahrungsmittelknappheit tatsächlich auf sich hat.
Dossier Infodienst