03.07.2011 | permalink
Foto: Europäisches Parlament
Mehr als 60.000 Menschen haben innerhalb von fünf Tagen einen von 13 Organisationen initiierten Online-Appell für nationale Gentechnik-Anbauverbote unterzeichnet. Voraussichtlich am Dienstag, den 5. Juli, stimmt das Europäische Parlament über einen Gesetzentwurf der EU-Kommission ab, der den Mitgliedsstaaten der EU das Recht einräumt, den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen auf ihrem Hoheitsgebiet zu verbieten. Der Kommissionsvorschlag wurde allerdings wegen gravierender rechtlicher Mängel kritisiert. Ein Vorschlag des zuständigen Umweltausschusses des Parlaments will die Mängel beheben und damit auch die rechtlichen Bedenken ausräumen, die u.a. die Bundesregierung vorgebracht hat. Die EP-Abgeordneten von CDU, CSU und FDP wollen den Vorschlag nun in entscheidenden Punkten verwässern: Die konkreten Gründe für nationale Anbauverbote sollen gestrichen werden, ebenso die geeignete Rechtsgrundlage, ohne die nationale Verbote vor Gerichten und von der WTO leichter anfechtbar wären. Benny Haerlin von Save our Seeds versteht insbesondere die Haltung der CSU nicht, da sich die Partei in Berlin für die Festlegung bundesländerspezifischer Abstandsregeln beim Gentechnik-Anbau einsetzt. „Die Abgeordneten müssen jetzt in Brüssel Farbe bekennen“, so Haerlin.
30.06.2011 | permalink
Die EFSA-Risikobewertung von Gentechnik-Pflanzen ist umstritten. (Photo:Testbiotech)
Ein diese Woche veröffentlichter Bericht des Vereins Testbiotech zeigt anhand von Daten der Industrie, wie unzureichend die Sicherheitsprüfung von gentechnisch veränderten Pflanzen in der EU vorgenommen wird. Testbiotech analysierte dafür Untersuchungsberichte, die für die Zulassung des gentechnisch veränderten Maises SmartStax der Firmen Monsanto und Dow AgroScience bei der Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) eingereicht wurden. Soll eine gentechnisch veränderte Pflanze in der EU zugelassen werden, muss sie vorher von der EFSA als sicher eingestuft werden. Die Behörde prüft dafür Dokumente, die ihr von den antragstellenden Unternehmen vorgelegt werden. SmartStax produziert sechs verschiedene Insektengifte und ist gegen zwei Pflanzengifte resistent. Er wurde durch Kreuzung verschiedener gentechnisch veränderter Maispflanzen hergestellt. Die Hersteller haben in der EU einen Zulassungsantrag für den Import als Futter- und Lebensmittel gestellt. Die für SmartStax eingereichten Unterlagen sind laut Testbiotech ungeeignet, eine Risikoabschätzung vorzunehmen. Beispielsweise gibt es keine Fütterungsstudien, die Risiken für Mensch und Umwelt ausschließen. Die EFSA-eigenen Richtlinien schreiben dies auch nicht vor. Problematisch bewertet Testbiotech die Kombination der verschiedenen Giftstoffe, die die Pflanze produziert. Doch für deren Prüfung hat die EFSA häufig nicht den SmartStax selbst getestet, sondern lediglich Tests mit den Gentechnik-Pflanzen herangezogen, durch die der SmartStax durch Kreuzung hergestellt wurde. Diese produzieren laut Testbiotech jedoch einzeln genommen viel weniger Giftstoffe als der SmartStax selbst.
29.06.2011 | permalink
Über den Anbau von Gentechnik-Pflanzen sollen die EU-Länder künftig selbst entscheiden.
Am Mittwoch nächster Woche, den 6. Juli, stimmen die EU-Parlamentarier darüber ab, ob den einzelnen Mitgliedstaaten mehr Möglichkeiten gegeben wird, über den Anbau von Gentechnik-Pflanzen in Ihrem Land selbst zu entscheiden. Im Sommer letzten Jahres hatte die Europäische Kommission den Vorschlag zu neuen Regelungen im EU-Gentechnik-Recht gemacht. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hat sich nun im Gegensatz zur Kommission dafür ausgesprochen, dass die Länder den Anbau auch verbieten können, wenn sie Risiken für die Umwelt befürchten. Dies können Gefahren für die biologische Vielfalt, Schädlingsresistenzen, aber auch wissenschaftliche Unklarheiten sein. Damit werden Anbauverbote der Mitgliedsländer rechtlich abgesichert. Um die deutschen Abgeordneten dazu zu bringen, für den Vorschlag des Umweltausschusses zu stimmen, haben Verbände bereits einen Brief an die Parlamentarier verfasst. Die Sozialdemokraten im Europäischen Parlament haben bereits ihre Unterstützung des Vorschlags zugesagt. Alle aktiven Bürgerinnen und Bürger können sich über die BUND-Aktion direkt an die Fraktionsspitzen im Europäischen Parlament wenden. Und eine Campact-Aktion ruft dazu auf, alle Parlamentarier anzuschreiben. Eine Woche ist noch Zeit!
23.06.2011 | permalink
Argentinische Farmer und Dorfbewohner demonstrieren gegen Verdrängung aufgrund des Soja-Anbaus und des intensiven Einsatzes von Chemikalien.
Nach der gestrigen Ausstrahlung der WDR-Dokumentation „Der Pakt mit dem Panda“ ist die Empörung über den WWF, der größten Naturschutzorganisation der Welt, und seine Verstrickungen mit der Industrie groß. Dabei ist schon länger bekannt, dass der WWF zusammen mit mächtigen Gentechnik- und Energie-Konzernen am „Runden Tisch für verantwortungsvolle Soja“ (RTRS) sitzt – eine Institution, die zum Ziel hat, den Soja-Anbau in Südamerika nachhaltiger zu gestalten. Der großflächige Anbau von gentechnisch veränderter Soja in Monokulturen, der die Landbevölkerung verdrängt und die Natur und Anwohner mit Chemikalien enorm belastet, wird bei der Zertifizierung von RTRS-Soja nicht ausgeschlossen. Andere Umweltverbände distanzieren sich daher deutlich von der Initiative und werfen dem RTRS Verbrauchertäuschung vor. Bisher zeigte sich der WWF unbeirrt und blieb bei der Kooperation mit Konzernen wie Monsanto. Nicht besonders glaubwürdig erscheinen daher die heute veröffentlichten „Fakten in Kürze“, in denen es heißt, dass der WWF international eine klare Position zu Gentechnik habe, sie nämlich ablehne. Doch in der Dokumentation ist WWF-Vize-Präsident Jason Clay zu sehen, wie er bei einer Rede eines Agrar-Lobby-Verbandes die Anwendung der Gentechnik anpreist. Auf der WWF-Deutschland-Seite werden seine Aussagen als „Außenseiterpositionen“ heruntergespielt.
BUND: Nachhaltige Gentech-Soja – ein Fall von Verbrauchertäuschung
sueddeutsche.de: WWF und die Industrie - der Pakt mit dem Panda
ARD Mediathek: Dokumentation: Der Pakt mit dem Panda
Infodienst: Hintergrundinfos zum Roundup-Einsatz und Gentechnik-Pflanzen
toxicsoy.org: GM toxic soy is not responsible (Sign the petition!)22.06.2011 | permalink
Das KWS-Versuchsfeld mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben wurde teilweise zerstört. (Quelle:KWS-Gentechnikfrei)
Ende Mai wurde ein Versuchsfeld der KWS Saat AG bei Wetze in Niedersachsen teilweise zerstört. Dies bestätigte gestern ein Sprecher der KWS gegenüber dem Aktionsbündnis Witzenhäuser Agrar-Studierende, das den Anbau der Gentechnik-Rüben kritisch beobachtet. Auf dem Acker wachsen gentechnisch veränderte Zuckerrüben, die resistent gegen das Spritzmittel Roundup sind. Bei einer Besichtigung des Ackers stellte das Aktionsbündnis nun fest, dass von der Zerstörung nichts weiter zu sehen ist. Der Konzernsprecher begründete dies damit, dass die Zerstörung nur marginal war. In einem Bekennerschreiben auf der Plattform Indymedia ist hingegen von einer Zerstörung von "großen Teilen" des Feldes die Rede. Gentechnikkritiker des Aktionsbündnisses vermuten hingegen, dass nach der Zerstörung neue Rüben nachgepflanzt wurden. Die Bewässerung der Flächen sowie die äußeren abgestorbenen Blätter der Rüben seien Indizien dafür. Das Aktionsbündnis kritisiert, dass die Zerstörung nicht, wie rechtlich vorgeschrieben, beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gemeldet und ins Standortregister eingetragen wurde.
20.06.2011 | permalink
Von gentechnisch veränderten Fischen verspricht sich die Industrie großen Profit.
Das Repräsentantenhaus der Vereinigen Staaten hat eine Zulassung auf gentechnisch veränderte Lachse zunächst gestoppt. Die Firma Aquabounty hatte vor mehr als zehn Jahren eine Genehmigung des Fisches bei der Lebensmittelbehörde FDA beantragt. Diese hatte den Lachs bereits als unbedenklich bewertet. Ein nun verabschiedeter Gesetzesentwurf entzieht der FDA Gelder für die Zulassung des Gentechnik-Lachses. Damit setzte sich ein Abgeordneter aus Alaska durch, der in dem genmanipulierten Fisch eine Bedrohung für den Wildlachs-Fang sieht. Auch ein Bündnis von Verbänden wollte die Zulassung verhindern und organisierte eine Demonstration vor dem Weißen Haus sowie eine Kampagne gegen den „Franken-Fisch“. Zwar sollten die Lachse laut Hersteller nur in geschlossenen Fischfarmen weit vom Meer entfernt leben und könnten sich nicht fortpflanzen. Dennoch befürchten Kritiker die Verdrängung oder gar Auslöschung natürlicher Populationen. Sollte auch der Senat dem Gesetz zustimmen, wäre dies eine große Schlappe für den Hersteller, der sich ein Riesen-Geschäft mit gentechnisch veränderten Fischen verspricht.
17.06.2011 | permalink
In Wetteren (Belgien) protestierten Hunderte gegen den Versuchsanbau einer Genechnik-Kartoffel, die für den menschlichen Verzehr zugelassen werden soll. (Photo:Belgian Field Liberation Movement)
Vor wenigen Tagen protestierten einige hundert Anwohner, Landwirte und Aktivisten gegen den Versuchsanbau einer Gentechnik-Kartoffel der deutschen Firma BASF in Wettern, im Nordosten Belgiens. Einige Protestierende durchbrachen trotz des hohen Polizeiaufgebots die Sicherheitsabsperrungen und ersetzten Teile der Gentechnikpflanzen mit einer gentechnikfreien Kartoffelalternative, die ebenfalls eine Resistenz gegen Braunfäule aufweist. Die Gentechnik-Kartoffel soll für den menschlichen Verzehr zugelassen werden. Organisiert war die angekündigte Aktion vom Belgian Field Liberation Movement (FLM), die den Eintrag von gentechnisch veränderten Organismen ins Ökosystem verhindern und die Diskussion über eine nachhaltige Landwirtschaft weiter voranbringen wollen. Eine belgische Wissenschaftlerin, Barbara Van Dyck hatte ihre Solidarität zur Aktion bekundet und wurde daraufhin von der Universität Leuven entlassen. Mit einer Unterschriften-Aktion protestiert eine Unterstützer-Gruppe gegen "diese unverhältnismäßige Sanktion" und kritisiert, dass die Entlassung gegen die akademische Freiheit und gegen die Meinungsfreiheit verstößt. In einem offenen Brief können alle unterzeichnen, die dieser Entlassung entgegenstehen. Ende Mai versuchten Aktivisten in Schweden, den Anbau der Gentechnik-Kartoffel Amflora zu verhindern. In Deutschland hat die BASF den Vertrag zum Anbau der Gentechnik-Kartoffel Amflora in Mecklenburg-Vorpommern wegen der Proteste gekündigt.
15.06.2011 | permalink
Mit Flugzeugen wird das Pflanzengift Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat in Argentinien auf die Felder gesprüht. So bleiben auch Wohngegenden nicht verschont. Foto: GM-Watch
Das weltweit am meisten verkaufte Spitzmittel Roundup kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, Krebs auslösen und Missbildungen verursachen. Das haben mehrere aktuelle Studien gezeigt. Laut eines neuen Berichts wussten sowohl die Industrie als auch die EU-Kommission schon seit Langem von der Gefährlichkeit des Pestizids. Auch, dass der Wirkstoff schon bei geringen Mengen Schädigungen hervorrufen kann, war wohl bekannt. In dem abschließenden Bericht der Kommission, der die Grundlage für die heutige Zulassung liefert, wurden diese Erkenntnisse jedoch nicht berücksichtigt. Stattdessen berief sich die Kommission auf die deutschen Behörden, die die Gefahren herunterspielte. Unabhängige Wissenschaftler, die auf Fehlbildungen durch den Kontakt mit dem Wirkstoff Glyphosat hinwiesen, wurden schlecht gemacht und ignoriert. Die Autoren des Berichts kritisieren außerdem, dass die Öffentlichkeit über die Gefahren nicht informiert wurde. Stattdessen wird für das Pestizid in einem TV-Spot für den privaten Gebrauch im Garten geworben.
14.06.2011 | permalink
Protest gegen Amflora in Schweden, Foto: Ludvig Tillman / Greenpeace
Greenpeace-Aktivisten protestierten bis zum Schluss, doch am Donnerstag letzter Woche setzte die schwedische Polizei die Ausbringung der Gentechnik-Kartoffel Amflora durch. Der Anbau der gentechnisch veränderten Kartoffel der BASF wurde letztes Jahr in der EU zugelassen. Dennoch wachsen nur wenige der Knollen. Dieses Jahr sind lediglich zwei Hektar in Sachsen-Anhalt sowie die Felder in Schweden für den Anbau angemeldet. Die Nachteile der Kartoffel – Gesundheitsgefahren, Ablehnung der Verbraucher und der Industrie – scheinen gegenüber den Vorteilen zu überwiegen. Dass die BASF trotzdem am Anbau festhält, wollten die Aktivisten nicht hinnehmen und protestierten seit dem 19. Mai am Standort in Haparanda. Greenpeace fordert die schwedische Regierung außerdem auf, dem Beispiel Ungarns und Österreichs zu folgen und den Anbau zu verbieten.
09.06.2011 | permalink
Bauernfrühstück vor dem Kanzleramt
Nach elf Tagen Fahrt durch ganz Deutschland ist die Bauern-Sternfahrt "Auf dem Weg für unsere bäuerliche Zukunft" heute, am 9. Juni, in Berlin angekommen. Die Bäuerinnen und Bauern aus dem Allgäu, Ostfriesland, Hessen und Mecklenburg haben als Bauernsternfahrer mehr als 1.500 Kilometer zurückgelegt und über 50 Veranstaltungen, Kundgebungen sowie Aktionen im Rahmen der Kampagne "Meine Landwirtschaft" durchgeführt. Die Sternfahrt endete heute um 10 Uhr mit einer "Bauerntafel" vor dem Bundeskanzleramt in Berlin, zu der die Veranstalter die Bundeskanzlerin und alle Berliner eingeladen haben. Gemeinsam sollten die nötigen Weichenstellungen für eine bessere Agrarpolitik im Sinne von Bauern und Verbrauchern diskutiert werden.
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.. dass ein mittelständisches deutsches Unternehmen bis zu mehrere hunderttausend Euro im Jahr einplanen muss, um Gentechnik-Rohstoffe zu vermeiden?

Eine Studie zeigt, an zentralen Stellen in den Gentech-Genehmigungsbehörden sitzen Wissenschaftler, die in Lobbyvereinen eng mit Industrievertretern zusammenarbeiten. Anstatt die Industrie zu kontrollieren, setzen sie sich für ihre Interessen ein.
Then, Lorch (April 2008): Kontrolle oder Kollaboration?
Die Experten sind sich einig. Gegen den Hunger in der Welt hilft keine Gentechnik! Lesen Sie hier, was es mit der Nahrungsmittelknappheit tatsächlich auf sich hat.
Dossier Infodienst