06.02.2012 | permalink
Deutsche Eier mit "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung, Foto: Edeka Südwest
Frankreich führt eine Kennzeichnung für Produkte ein, die ohne Gentechnik hergestellt wurden. „Sans OGM“ darf dann auf pflanzlichen Produkten stehen, wenn sie weniger als 0,1% gentechnisch veränderte Organismen zufällig oder unvermeidbar enthalten. Tierische Produkte werden entsprechend einer Verunreinigung der Futtermittel von 0,1% bzw. 0,9% ausgewiesen. Auch für die Honig-Produktion werden Regeln eingeführt. Honig darf nur als gentechnikfrei gekennzeichnet werden, wenn im Umkreis von drei Kilometern vom Bienenstock keine gentechnisch veränderten Pflanzen wachsen. Die Verbraucherorganisation UFC Que Choisir begrüßt die neue Kennzeichnungsregelung, da sie es Verbrauchern ermöglicht, ihren Interessen beim Einkauf bewusster Nachdruck zu verleihen.
Auch in Deutschland gibt es eine Ohne-Gentechnik-Kennzeichnung, die am Markt immer mehr Bedeutung erlangt. Die Lebensmittelindustrie reagiert damit auf die Wünsche der Verbraucher.
02.02.2012 | permalink
Von gentechnisch veränderten Fischen verspricht sich die Industrie großen Profit.
Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hat Richtlinien für die Bewertung von gentechnisch veränderten Tieren veröffentlicht. Die EU stellt sich offenbar darauf ein, dass Anträge auf Zulassung von Gentech-Tieren demnächst gestellt werden, und will für diesen Fall gerüstet sein. Wie schon bei gentechnisch veränderten Pflanzen geht die Behörde davon aus, dass sie Merkmale konventioneller und gentechnisch veränderter Tiere grundsätzlich miteinander vergleichen kann, um eine Risikobewertung durchzuführen. Ein Bündnis aus Verbraucher-, Umwelt-, Bauern- und Tierschutzverbänden fordert eine öffentliche Debatte über die Sicherheitsbewertung der Tiere, bevor eventuelle Zulassungsprozesse starten. In einem offenen Brief an EU-Kommissar Dalli formulieren sie die spezifischen Anliegen der Verbände. Bisher wurden noch keine Anträge auf Zulassung in der EU gestellt. In den USA ist die Genehmigung von Gentech-Lachs höchst umstritten und wurde im letzten Moment gestoppt.
02.02.2012 | permalink
Die Zulassung von Gentech-Pflanzen ist in der EU sehr umstritten.
Der Verein Testbiotech hat einen erneuten Beleg dafür, dass die Risikobewertung der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) nicht den wissenschaftlichen Standards entspricht. Dies ist das Ergebnis einer Analyse der Originaldokumente, die Monsanto für die Prüfung des Gentech-Mais MON89034X und MON88017 eingereicht hatte. Der Gentech-Konzern gibt laut Testbiotech selbst zu, dass die Untersuchungen nicht in „Übereinstimmung mit den Standards der Good Laboratory Practice (GLP)“ durchgeführt wurden. Der EFSA-Experte Joe Perry kritisiert außerdem die Daten, die für die Zulassung herangezogen wurden und von dem industrienahen International Life Science Institute (ILSI) stammen. Den Daten könne man nicht trauen, so der Gentechnik-Experte der EFSA. Der Gentech-Mais wurde dennoch als sicher bewertet und von der EU-Kommission zugelassen. „Während inzwischen sogar Stellungnahmen von Experten der EFSA zeigen, dass die derzeitige Risikobewertung durch ihre Behörde nicht ausreichend ist, verteidigt die EU-Kommission immer noch die Prüfberichte der EFSA. In welchem Interesse handelt die Kommission da eigentlich?“, fragt Christoph Then von Testbiotech. Seine Organisation hatte bereits im Sommer letzten Jahres zusammen mit GeneWatch (UK) Beschwerde bei der Kommission eingereicht. Da diese abgewiesen wurde, gibt es nun einen gemeinsamen Brief an den zuständigen Kommissar Dalli.
01.02.2012 | permalink
Nationale Anbauverbote sollen gesetzlich einfacher geregelt werden.
Der Prozess um ein geändertes EU-Gentechnikrecht geht in eine neue Runde. Die dänische Ratspräsidentschaft legte nun ein Kompromisspapier zur Regelung der nationalen Gentechnik-Anbauverbote vor. Das Papier schlägt Absprachen zwischen den Antragstellern und einzelnen Mitgliedsstaaten vor, nach denen die Hersteller des gentechnisch veränderten Saatguts auf den Verkauf in dem jeweiligen Land verzichten sollen. Möglichst schon im März beim EU-Umweltministerrat soll eine Entscheidung herbeigeführt werden.
2010 hatte die EU-Kommission einen Vorschlag zur Änderung des Gentechnikrechts vorgelegt, der deutliche Mängel aufwies und von vielen Seiten kritisiert wurde. Im Juli letzten Jahres hatte daraufhin das Europäische Parlament beschlossen, den EU-Mitgliedsstaaten die Möglichkeit eines rechtsicheren und umfassenden Verbots gentechnisch veränderter Pflanzen einzuräumen. Die Änderungsvorschläge stammten von der liberalen Abgeordneten Lepage. Nun ist der Rat aufgefordert, sich mit den vom Parlament vorgeschlagenen Änderungen zu befassen.
30.01.2012 | permalink
Witzenhäuser Aktivisten protestieren immer weiter gegen das Gentechnik-Geschäft der KWS. (Quelle: Philip Brändle)
Die großen Gentechnik-Konzerne ziehen sich aus Europa zurück. Nur die KWS Saat AG hält weiterhin an ihren Freisetzungen fest. Der Saatgut-Konzern hat für den Zeitraum von sieben Jahren Versuche mit seiner gentechnisch veränderten Zuckerrübe beim Bundesamt für Verbraucherschutz beantragt. Zwar will die KWS 2012 angeblich keine Freilandversuche durchführen, dennoch setzt sie trotz massiver Verbraucherablehnung offensiv auf die Agro-Gentechnik. Andere Unternehmen geben den europäischen Markt mittlerweile wegen ablehnender Verbraucherhaltung auf. So kündigte Monsanto an, erst mal kein Gentechnik-Saatgut mehr in Frankreich zu verkaufen und entließ letztes Jahr seinen für Deutschland zuständigen Unternehmenssprecher. Die BASF will gar ihre gesamte Gentechnik-Sparte in die USA verlegen. Dabei gab es noch 2010 Aufwind für die gentechnisch veränderte Stärke-Kartoffel Amflora, als die EU-Kommission sie endlich zum Anbau zuließ. Doch der Protest vor Ort und peinliche Verunreinigungs-Pannen vermasselten den Marktstart.
Einige Aktivisten müssen sich dennoch mit den Nachwehen des Anbaus herumschlagen: Sie wurden wegen des Schleuderns von Bio-Kartoffeln auf den Gentech-Acker verurteilt und gehen nun in Berufung. Am Freitag, den 3. Februar um 11 Uhr findet am Landgericht Neubrandenburg die öffentliche Verhandlung statt.
Witzenhäusern Agrar-Studierende, Landwirte und Gärtner für eine gentechnikfreie Landwirtschaft: BASF und Monsanto geben auf - KWS investiert
BVL: Freisetzungsvorhaben GV-Zuckerrübe
Bürgerinitiative Müritzregion – gentechnikfrei: Gutes neues Jahr!
Infodienst: Hintergrund Gentech-Kartoffel
Wirtschaftswoche: BASF-Rückzug: KWS Saat bleibt bei grüner Gentechnik26.01.2012 | permalink
Die EU ist für die Zulassung von gentechnisch veränderten Organismen zuständig. (Foto:Informationsdienst Gentechnik)
Das EU-Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Pflanzen muss dringend überarbeitet werden. Nun hat sich die EU-Kommission des Problems angenommen und neue Vorschriften für die Risikobewertung von Gentech-Pflanzen vorgeschlagen. Verbindliche EU-Standards sind bisher nicht gegeben. Vorgeschrieben ist lediglich die Prüfung durch die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA), die die Pflanzen jedoch stets als sicher bewertet. Im Anschluss sind die EU-Mitgliedsstaaten sich meist uneinig über die Zulassung, woraufhin die EU-Kommission im Alleingang entscheiden darf. In der Regel folgt sie der Meinung der EFSA und lässt die Pflanzen für den EU-Markt zu. Diesen für EU-Bürgerinnen und -Bürger wenig durchsichtigen Prozess beobachtet der Verein Testbiotech sehr ausführlich. Er hat auch das 72 Seiten starke Dokument der EU-Kommission begutachtet und kritisiert die vorgeschlagenen Regelungen als unzureichend. So fehlen beispielsweise Langzeitstudien, die gesundheitliche Risiken gezielt untersuchen. Sogenannte Stacked Events, also Gentech-Pflanzen, in denen mehrere Genkonstrukte kombiniert sind, müssen gesondert getestet werden. Außerdem fordert Testbiotech, auch ethische und soziale Auswirkungen bei der Zulassung zu berücksichtigen und ruft die Industrie auf, sich an einer umfänglichen Zulassungsprüfung, die eine Gefährdung von Mensch und Umwelt ausschließt, finanziell zu beteiligen.
25.01.2012 | permalink
Proteste gegen Gentechnik in Frankreich, Foto: Jean-François Roux, Faucheur volontaire
Der Saatgut-Konzern Monsanto hat angekündigt, ab diesem Jahr kein MON 810-Saatgut in Frankreich zu verkaufen. Seit 2008 hätte das Unternehmen weder Gentech-Saatgut verkauft, noch damit experimentiert. 2012 und auch in den nächsten Jahren gäbe es keine guten Geschäftsbedingungen für einen Verkauf des gentechnisch veränderten Saatguts. Die Behörden sind bereits über den Schritt informiert. Die französische Regierung hatte angekündigt, an dem Anbau-Verbot festzuhalten, obwohl es eine gerichtliche Entscheidung gibt, die das Verbot für unrechtmäßig erklärt. Am Montag hatten rund 100 Aktivisten einen Standort Monsantos besetzt, weil sie die baldige Auslieferung des Gentech-Saatguts an Landwirte befürchteten. Der Regierung warfen sie Untätigkeit vor, da die Aussaat-Saison bevorsteht, und bis jetzt kein neues Verbot verhängt wurde.
23.01.2012 | permalink
Der Film "Raising Resistance" zeigt den Widerstand von Kleinbauern in Paraguay gegen den Anbau gentechnisch veränderter Soja in ihrem Land.
Zu Recht demonstrierten am Wochenende Tausende Menschen gegen Gentechnik und die Eu-Agrar-Politik der Bundesregierung. Denn gegen ihren Willen hat die Mehrheit der EU-Mitgliedsländer letzte Woche, darunter auch Deutschland, Spanien, Niederlande und Großbritannien, für die Zulassung von vier gentechnisch veränderten Soja-Pflanzen gestimmt. Nach dem Willen der Agrarindustrie sollen die Gentech-Pflanzen als Futter- und Lebensmittel nach Europa importiert werden. Verschiedene Verbände hatten schon im Vorfeld davor gewarnt, dem Antrag zuzustimmen, weil Pestizid-Rückstände auf den Soja-Pflanzen dadurch in die Nahrungskette gelangen können. Der Anbau bedeute ein Risiko für die damit arbeitenden Landwirte sowie für die biologische Vielfalt. Drei der Soja-Pflanzen sind durch die gentechnische Veränderung resistent gegen Herbizide gemacht. Christoph Then von dem Verein Testbiotech weist darauf hin, dass die Anwendung einiger dieser Spritzmittel in Deutschland bereits verboten ist bzw. bald verboten wird.
Im Vorfeld der Demonstration am Samstag lief das erste Mal der Dokumentar-Film „Raising Resistance“ im Kino. Er zeigt eindrucksvoll, wie Kleinbauern in Paraguay gegen den Anbau von Gentech-Soja kämpfen, der ihre Lebensgrundlage zerstört.
21.01.2012 | permalink
Vor dem Kanzleramt versammelten sich heute 23.000 Menschen.
Ein scheinbar nicht endender Demo-Zug schlängelte sich heute entlang der Spree vom Hauptbahnhof bis vor das Kanzleramt. 23.000 Menschen haben es satt und protestierten in Berlin gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Schnee und Regen konnte die gut gelaunte Masse nicht davon abhalten, gemeinsam für eine nachhaltige Landwirtschaft ohne Gentechnik zu demonstrieren. Mit einem bunten und tanzenden Fahnen- und Schilder-Meer zeigte die kritische Agrar-Bewegung, dass sie sich nicht unterkriegen lässt - weder von der Agrarindustrie noch den Entscheidungsträgern der Politik. Landwirtschaftsministerin Aigner hatte zur Eröffnung der Grünen Woche noch versucht, die Demonstration zu diskreditieren. Die Kritiker würden eine Schlacht von gestern schlagen, so Aigner. "Eine Milliarde Menschen auf der Welt sind nicht satt", so die Agarministerin, die jedoch verkennt, dass die Demonstrantinnen und Demonstranten genau dafür die Verantwortung auch in der heimischen Landwirtschaft sehen. Denn Tier-, Umweltschützer und Landwirte haben es satt, dass gentechnisch veränderte Soja aus Monokulturen importiert wird, um hier billiges Fleisch zu produzieren, statt dass der Bevölkerung in ärmeren Ländern das Ackerland für ihre Lebensmittelproduktion zur Verfügung steht.
20.01.2012 | permalink
EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos diskutierte heute in Berlin mit der Zivilgesellschaft über die EU-Agrarreform.
Morgen ist es so weit: In Berlin treffen sich tausende Menschen, um gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung zu demonstrieren und eine tiergerechte und nachhaltige EU-Agrarpolitik ohne Gentechnik zu fordern. Über 90 Organisationen rufen dazu auf, bei der bevorstehenden EU-Agrar-Reform die Menschen in der Landwirtschaft in den Mittelpunkt der Politik zu stellen. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos kam bereits heute nach Berlin und hat sich den Fragen der Zivilgesellschaft gestellt. Ca. 130 Bürgerinnen und Bürger kamen zu der Diskussionsveranstaltung im Kongresszentrum. Umweltgerechte und nachhaltige Politik stehe für ihn nicht im Widerspruch zur Wettbewerbsfähigkeit, so der EU-Kommissar. Die Teilnehmer forderten den Kommissar auf, soziale und ökologische Kriterien bei der Reform ausreichend zu berücksichtigen und sich nicht dem Druck der Bundesregierung sowie der Agrarindustrie zu beugen. Am Nachmittag überreichte das „Wir haben es satt“-Bündnis Bundesagrarministerin Aigner 75.000 Unterschriften für eine grünere und gerechtere Vergabe der EU-Agrarsubventionen.
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.. dass ein mittelständisches deutsches Unternehmen bis zu mehrere hunderttausend Euro im Jahr einplanen muss, um Gentechnik-Rohstoffe zu vermeiden?

Eine Studie zeigt, an zentralen Stellen in den Gentech-Genehmigungsbehörden sitzen Wissenschaftler, die in Lobbyvereinen eng mit Industrievertretern zusammenarbeiten. Anstatt die Industrie zu kontrollieren, setzen sie sich für ihre Interessen ein.
Then, Lorch (April 2008): Kontrolle oder Kollaboration?
Die Experten sind sich einig. Gegen den Hunger in der Welt hilft keine Gentechnik! Lesen Sie hier, was es mit der Nahrungsmittelknappheit tatsächlich auf sich hat.
Dossier Infodienst