31.03.2015 |

Rätselraten um glyphosat-resistenten Rasen

Roundup Glyphosat Das glyphosat-haltige "Roundup" (Logo: Scotts Miracle-Gro)

In diesem Jahr könnte in den USA gentechnisch veränderter Rasen ausgesät werden, der gegen das Spritzmittel „Roundup“ resistent ist. Dessen Hauptwirkstoff Glyphosat hat die Internationale Krebsforschungsagentur IARC erst kürzlich als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Über den Gentech-Rasen ist wenig bekannt. US-Forscher warnen, wegen der mangelhaften Datenlage könne man auch in Labortests nicht herausfinden, wo er wachse.

Vor wenigen Monaten hatte eine US-Behörde der Firma Scotts Miracle-Gro bestätigt, dass ihr transgener Rasen ohne Einschränkung zugelassen sei [wir berichteten am 07.01.15]. Denn die Behörde interessiert sich nur für diejenigen Gentech-Pflanzen, in die fremdes Erbgut mittels Agro-Bakterien eingebaut wurde. Dann könnte die Pflanze aus Sicht der Behörde nämlich ein Risiko für andere Nutzpflanzen darstellen – was sie nicht davon abgehalten hat, zahlreiche genmanipulierte Soja-, Mais-, Raps- und Baumwollpflanzen zuzulassen.

Beim Rasen von Scotts Miracle-Gro kam jedoch die relativ alte „Gen-Kanone“ zum Einsatz. Mit ihr werden Partikel, an denen die gewünschte DNA haftet, in die Zelle geschossen. Dafür fühlt sich die Behörde aber nicht zuständig. Und sah deshalb keinen Grund, den Gentechnik-Rasen zu regulieren. Den will Scotts nun in diesem Jahr und verstärkt ab 2016 auf den Markt bringen. Getestet habe es ihn schon in Gärten seiner Angestellten, berichtete die Zeitung Columbus Dispatch im Januar 2014.

Beunruhigend, findet Carol Mallory-Smith von der Oregon State University. Laut dem Magazin Nature Biotechnology sorgt sich die Forscherin, weil niemand außerhalb Scotts wisse, welches Genmaterial in den Rasen eingebaut wurde. Deshalb könne man in Tests auch nicht erkennen, ob es sich um den gentechnisch veränderten Scotts-Rasen handle.

Laut Nature Biotechnology hat Scotts angekündigt, spezielle Genmarker einzubauen, damit der Rasen identifiziert werden kann. Auch könne das Unternehmen Produzenten von nicht-genmanipuliertem Rasen, Behörden und Wissenschaftler über die Gensequenzen informieren.

Der Gentech-Rasen soll dicker und dunkelgrüner als herkömmlicher Rasen sein. Kritiker warnen unter anderem davor, dass das eingebaute Glyphosat-Resistenzgen auf andere Pflanzen übertragen werden könnte. Scotts Miracle-Gro, das im letzten Quartal 216 Millionen Dollar umsetzte, vertreibt neben Rasensamen auch Unkrautvernichtungsmittel wie das glyphosat-haltige „Roundup“ - auch in Deutschland. „Ein stark verunkrauteter Rasen, ist unästhetisch“, heißt es auf der Website der Scotts Celaflor GmbH.

Der Wirkstoff in „Roundup“, das Totalherbizid Glyphosat, steht zurzeit in den Schlagzeilen. Im März stufte die Krebsforschungsagentur IARC, eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation WHO, es in der zweithöchsten Gefahrengruppe der „wahrscheinlich krebserregenden“ Stoffe ein. Hersteller wie Monsanto kritisierten das als unwissenschaftlich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin, das maßgeblich am Wiederzulassungsprozess von Glyphosat in der EU beteiligt ist, wies diese Einschätzung ebenfalls zurück. Man müsse aber auf die Veröffentlichung des vollständigen IARC-Berichts warten. [dh]

27.03.2015 |

Gentechnik-Futter bei McDonald's

McDonald's Chicken Nuggets Hähnchen Huhn Fast-Food Hähnchen aus Gentechnik-Fütterung? (Foto: Thomas Soddemann / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0)

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisiert McDonald's für dessen Hähnchenfleisch: dieses stamme aus Ställen, in denen gentechnisch verändertes Soja verfüttert werde. Dabei zeigten einige Supermärkte, dass es auch ohne Gentech geht. Greenpeace fordert, auf gentechnikfreie Fütterung umzustellen, keine Antibiotika einzusetzen und die Tiere artgerecht zu halten.

Der Fast-Food-Konzern selbst beziehe in Österreich, Frankreich und der Schweiz Hähnchenfleisch von Mästern, die auf Gentech-Soja verzichten. „McDonald‘s Deutschland verfolgt dagegen eine auf Niedrigpreise ausgerichtete Geschäftsstrategie. Verbraucher- und Umweltschutz sind dem Konzern bislang egal“, so Greenpeace.

Eine Protestmail an den Deutschland-Chef der Kette haben auf www.greenpeace.de/genfutter schon 20.000 unterschrieben. Verbraucherschützer haben auf foodwatch.org weitere 40.000 Unterschriften gegen Gentechnik-Fast-Food gesammelt. Sie gehen davon aus, dass McDonald's seinen Bedarf mit gentechnikfreien Sojabohnen aus Brasilien decken könnte. Das südamerikanische Land ist zwar ein großer Gentech-Produzent, aber auch der weltweit wichtigste Lieferant von nicht-transgenem Soja. Auch in Europa wird die Eiweißpflanze zunehmend angebaut.

26.03.2015 |

Forschungsprojekt PRICE: „Stimmung für Gentechnik“

Mais Maispollen Pollen Maispollen (Foto: Neeraj Apte / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)

Ein von der EU finanziertes Forschungsprojekt sollte herausfinden, ob Koexistenz von Feldern mit und ohne Gentechnik möglich ist. Das letzte Woche veröffentlichte Ergebnis: alles kein Problem, neue oder gar schärfere Regeln sind unnötig. Andere Experten widersprechen: so sei die „zum Teil erhebliche Kontamination mit Gentechnik-Mais in Backwaren“ aus Portugal in der Pressemitteilung gar nicht erwähnt worden.

Der Münchner Verein Testbiotech kritisiert: 16 Brote aus verschiedenen portugiesischen Regionen seien im Rahmen des Projekts untersucht worden – alle hätten gentechnisch veränderten Mais von Monsanto enthalten, der im Land angebaut wird. Bei einer Probe lag der Anteil bei fast 12 Prozent. MON810-Mais produziert aufgrund eingebauter Bakteriengene ein Insektengift. Größtes Anbauland innerhalb der EU ist Spanien. Dieser Befund sei im Februar auf einer PRICE-Konferenz präsentiert worden. In der Abschluss-Mitteilung fehle er aber, so Testbiotech.

„Die Pressemitteilung von PRICE wirkt wie Propaganda. Anstatt die Öffentlichkeit über die Kontaminationen durch Gentechnik-Mais zu informieren, beruft man sich lieber auf Anbauversuche und Computermodelle, nach denen es gar keine Probleme geben sollte“, kommentiert Christoph Then von Testbiotech. Sein Verein wirft beteiligten Wissenschaftlern auch vor, zu eng mit der Industrie verbandelt zu sein. „Wir sehen leider immer wieder das gleich Muster: Die Industrie versucht mit allen Mitteln, Einfluss auf die öffentliche Meinung zum Thema Gentechnik in der Landwirtschaft zu nehmen. Und die EU-Kommission finanziert das auch noch mit Steuergeldern.“

Wie schwierig die Koexistenz von Gentechnik und nicht-Gentechnik-Pflanzen ist, zeigte auch eine Studie zum Flugradius von Maispollen. Dafür hatten Wissenschaftler zehn Jahre lang mit eigens entwickelten Messgeräten Pollen von Maisfeldern aufgefangen. Anstatt der von der EU veranschlagten 30 Meter legte der Pollen bis zu 4,5 Kilometer zurück. Vor kurzem verschob die EU-Kommission deshalb die Zulassung der gentechnisch veränderten Maislinie 1507, um die wissenschaftlichen Ergebnisse prüfen zu lassen.

26.03.2015 |

Monsanto fordert: Glyphosat-Bewertung zurückziehen

Herbizid Pestizid Glyphosat Utensilien für das Giftsprühen (Foto: International Institute of Tropical Agriculture / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0)

Monsanto hat die Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation WHO aufgefordert, die Einstufung seines Kassenschlagers - dem Herbizid Glyphosat - als „wahrscheinlich krebserregend“ rückgängig zu machen. Das berichtet Reuters unter Berufung auf einen Manager des Gentechnik-Konzerns. Der vollständige Text der Bewertung ist allerdings noch gar nicht veröffentlicht worden.

„Wir stellen die Qualität der Bewertung in Frage“, erklärte Philip Miller, der bei Monsanto für Produktzulassungen verantwortlich zeichnet, so die Nachrichtenagentur Reuters. Das IARC-Urteil sei unausgewogen und widerspreche den bisherigen Erkenntnissen.

Die Krebsforschungseinrichtung hatte Glyphosat, den Wirkstoff in Herbizidmischungen wie „Roundup“, nach einem Treffen internationaler Experten in Lyon in die zweithöchste Gefahrengruppe (2A: „wahrscheinlich krebserregend“) eingestuft. Zuvor, so teilte die WHO-Agentur mit, hätten die Wissenschaftler fast ein Jahr lang Studien gesichtet. Der vollständige Bericht ist noch nicht erschienen.

An dem Treffen in Lyon vom 3. bis 10. März nahmen laut IARC Forscher der Universitäten Bordeaux, Tarapaca (Chile), Curtin (Australien), Utrecht, Toronto, Mississippi State, Texas A&M, Alberta und Massey (Neuseeland) teil. Außerdem Experten staatlicher Einrichtungen wie dem National Cancer Institute, dem National Institute of the Environmental Health Sciences und der Environmental Protection Agency aus den USA; dem Gesundheitsdienst der italienischen Region Lazio und der Europäischen Chemikalienagentur mit Sitz in Helsinki.

Ein Monsanto-Mitarbeiter nahm als Beobachter teil, durfte laut Teilnehmerliste aber – wie auch alle anderen Beobachter – nicht an der Bewertung teilnehmen. Er musste sich verpflichten, die Mitglieder vor der Sitzung nicht anzusprechen und sie auch sonst nicht zu beeinflussen.

Glyphosat ist das meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel der Welt. Monsanto vertreibt es als „Roundup“. Seit der Patentschutz abgelaufen ist, gibt es aber weitere Marken anderer Hersteller. Ein Großteil der gentechnisch veränderten Pflanzen ist gegen das Spritzmittel immun. Auf den Gentech-Plantagen wird es massiv ausgebracht, um Unkräuter zu beseitigen - die sich mit der Zeit allerdings anpassen, so dass noch mehr gespritzt werden muss. Glyphosat wird aber auch in der konventionellen Landwirtschaft, auch in Deutschland, in Privatgärten, öffentlichen Grünanlagen und entlang Bahngleisen versprüht. [dh]

25.03.2015 |

Glyphosat ändert Antibiotika-Wirkung auf Bakterien

Bakterien e. coli E. coli Bakterien (Foto: Witmadrid - Eigenes Werk / gemeinfrei über Wikimedia Commons)

Herbizide können die Wirkung von Antibiotika auf Krankheitserreger wie Salmonellen und Darmbakterien verändern. Das fanden neuseeländische Forscher heraus. Sie untersuchten, wie die Bakterien auf die Medikamente reagieren, wenn gleichzeitig Unkrautvernichtungsmittel wie „Roundup“ (Glyphosat) oder Dicamba verabreicht werden.

Die Studie erschien diese Woche im Open-Source-Fachjournal mBio der Amerikanischen Gesellschaft für Mikrobiologie. Beteiligt waren Naturwissenschaftler der Universitäten Canterbury, Massey und Lincoln in Neuseeland sowie des auf Antibiotika-Resistenzen spezialisierten Labors LUSARA in Mexiko.

Laut den Autoren ist es die erste Untersuchung, die zeigt, dass Herbizide die Wirkung von Antibiotika auf Bakterien verändern können. So erhöhte „Roundup“ (Glyphosat) die Plattierungseffizienz, also das erfolgreiche Wachstum von Bakterienkolonien, die mit dem Antibiotikum Kanamycin behandelt worden waren. Es wird beispielsweise bei Augeninfektionen angewendet. Wurde hingegen kein Herbizid verabreicht, konnten sich die Krankheitserreger Salmonella Typhimurium und Escherichia coli nicht weiter entwickeln – das Medikament wirkte also wie beabsichtigt.

Anders beim Breitbandantibiotikum Chloramphenicol: wurde die Glyphosat-Mischung - „Roundup“ enthält neben dem Wirkstoff noch Zusätze – damit kombiniert, wurden die Bakterien anfälliger.

Veränderungen bei der Antibiotika-Wirksamkeit beobachteten die Forscher auch bei den Herbiziden Dicamba und 2,4-D. Diese werden nicht so häufig eingesetzt wie Glyphosat, das weltweit meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel. Jedoch könnte die Menge auf den Gentechnik-Plantagen Nord- und Südamerikas künftig ansteigen, warnen US-Umweltschützer. Denn die Agrochemie-Konzerne entwickeln zurzeit transgene Pflanzen, die nicht nur gegen Glyphosat, sondern auch gegen diese Herbizide immun sind. Hintergrund: aufgrund des massiven Glyphosat-Einsatzes wurden Unkräuter resistent, nun müssen andere Chemikalien her.

Laut den Autoren der Studie schwankte die Medikamentenmenge, die zur Eindämmung der Bakterienverbreitung nötig ist, um das Drei- bis Sechsfache, wenn zusätzlich Herbizide im Spiel waren. Das könne „ernsthafte Konsequenzen für die Behandlung von bakteriellen Infektionen“ haben, so die Forscher. Denn schon eine kleine Steigerung der sogenannten Minimalen Hemm-Konzentration könne dazu führen, dass die Medikamente versagen.

Zwar glauben die Experten nicht, dass einzelne Lebens- und Futtermittel allein so viel Herbizide enthalten, dass die Magen- und Darmflora verändert werden könnte. Die von ihnen verabreichte Menge an Unkrautvernichtungsmitteln habe über den derzeit zulässigen Grenzwerten für Nahrungsmittel gelegen. Allerdings, so die Forscher, könne sich der Effekt verstärken, wenn mehrere Chemikalien gleichzeitig aufgenommen würden – was heute oft der Fall sein dürfte. Zudem wirkten die Herbizide auch dann auf Bakterien, wenn weniger gegeben wurde als die Hersteller der Mittel auf der Verpackung empfehlen. [dh]

24.03.2015 |

BfR kann neue Einstufung von Glyphosat nicht nachvollziehen

Glyphosat Herbizid Glyposat-Behälter, hier Marke „Sunphosate“, in einem Feld (Foto: International Institute of Tropical Agriculture / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0)

Für das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist es „schlecht nachvollziehbar“, dass Experten der WHO-Krebsforschungseinrichtung das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft haben. Bis zur Veröffentlichung des vollständigen Berichts könne man die Entscheidung jedoch nicht abschließend beurteilen, hieß es aus der Berliner Behörde.

Am Freitag hatte die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) mitgeteilt, dass ihre Experten Glyphosat – das unter Markennamen wie „Roundup“ weltweit in der Landwirtschaft eingesetzt wird – in die zweithöchste Gefahrengruppe eingestuft haben. Dies sei „für das BfR auf Basis der vorliegenden Informationen wissenschaftlich schlecht nachvollziehbar und offenbar nur mit wenigen Studien belegt“, erklärte die deutsche Behörde gestern. „Die Entscheidung der IARC kann jedoch nicht abschließend beurteilt werden, da die finale IARC-Monographie,
in der die Entscheidung ausführlicher begründet werden wird, noch nicht vorliegt.“

Es gehöre „zum Alltag in der Risikobewertung“, dass es unterschiedliche Einschätzungen gebe, so das BfR. Die Behörde spielt bei Glyphosat eine Schlüsselrolle: auf Grundlage eines von ihr verfassten Berichts könnte die EU die Genehmigung der Chemikalie in diesem Jahr um weitere zehn Jahre verlängern. Das BfR hält Glyphosat – ebenso wie der Herstellerkonzern Monsanto – für nicht karzinogen.

Umweltschützer forderten die Behörde hingegen auf, ihre bisherigen Bewertungen von Glyphosat zu überdenken. Sie kritisieren, das BfR stütze sich zu stark auf Industriestudien. [dh]

24.03.2015 |

Gentech-Debatte im Bundestag gerät zur Posse

Bundestag Foto: (c) Deutscher Bundestag / Katrin Neuhauser

Eine deutsche Behörde entschied im Februar, dass mittels einer neuen Gentech-Methode hergestellter Raps nicht als Gentechnik gilt – und damit keinen Einschränkungen unterworfen wird. Der Haken: für solche Einstufungen ist eigentlich die EU zuständig. Zudem, so kritisierten NGOs, gebe es gute Gründe, den Raps doch als gentechnisch verändert zu betrachten. Im Bundestag sollten letzte Woche einige Fragen beantwortet werden. Stattdessen debattierten ein CDU-Staatssekretär und Grünen-Abgeordnete aneinander vorbei.

Die Grünen wollten wissen, warum die Behörde einer Entscheidung der EU vorgegriffen und den Raps, den die Firma Cibus mittels Oligonukleotid-gesteuerter Mutagenese resistent gegen ein bestimmtes Spritzmittel gemacht hat, als nicht gentechnisch verändert eingestuft habe. Die Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs im Landwirtschaftsministerium, Peter Bleser (CDU): die EU habe noch nicht entschieden und deshalb „sehen wir keinen Grund, eine andere Definition vorzunehmen“.

Das sorgte für Verwirrung und einen Zwischenruf der Grünen-Abgeordneten Steffi Lemke: „Aber Sie haben eine Genehmigung erteilt, ohne dass diese Prüfung abgeschlossen ist!“ Daraufhin Bleser: „Bisher war es halt keine gentechnisch veränderte Sorte.“

Der Staatssekretär bezog sich dabei, wie er kurz darauf ergänzte, auf einen weiteren herbizidresistenten Raps, der ebenfalls unter dem Namen „Clearfield“ bekannt ist – aber nicht mit Gentech-Methoden hergestellt wurde, sondern aus konventioneller Züchtung stammt. Diese Sorte sei „in Deutschland schon weit verbreitet“, so der CDU-Mann. „Sie wird auch in meiner Heimatgemarkung seit einigen Jahren angewendet, und es gibt keine Probleme.“

Mehrere Landwirtschaftskammern hatten allerdings vor dem Anbau dieses Clearfield-Rapses gewarnt, da er sich leicht auch in anderen Feldern und nachfolgenden Kulturen ausbreiten könne und dann schwer mit Herbiziden, gegen die er ja immun ist, in den Griff zu bekommen sei. Doch die Grünen hatten gar nicht nach diesem gift-resistenten Raps gefragt, sondern nach dem, den Cibus unter Verwendung der Oligonukleotid-gesteuerten Mutagenese kreiert hatte – einer Methode, von der noch nicht offiziell - also auf EU-Ebene - feststeht, ob sie als Gentechnik zu gelten hat oder nicht.

„Meine Aussage bezog sich nicht auf den aktuellen Fall“, verteidigte sich Bleser laut Bundestagsprotokoll. Zwischenruf der Grünen: „Aber die Frage bezog sich darauf!“ Der Staatssekretär: „Noch einmal: Die geltende Rechtslage lässt die von mir getroffene Aussage zu. Eine andere Einstufung ist nicht erfolgt.“

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), eine dem Landwirtschaftsministerium nachgeordnete Behörde, hatte jedoch im Februar an die Firma Cibus geschrieben und ihr bestätigt, dass die mittels Oligonukleotid-gesteuerten Mutagenese hergestellten Rapspflanzen „keine gentechnisch veränderten Organismen i.S.d. Gentechnik-Gesetzes darstellen“. Dem widersprachen mehrere Umwelt-, Landwirschafts- und Verbraucherverbände. Bei der Methode, die Cibus „Rapid Trait Development System“ (RTDS) getauft hat, werde „definitiv genetisches Material auf eine Art und Weise verändert, wie es auf natürliche Weise (Kreuzung oder Rekombination) nicht passiert. Dabei werden die Mechanismen der Genregulation und Vererbung technisch manipuliert.“

Im Bundestag konnte das letzte Woche nicht mehr geklärt werden. Vizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) musste den nächsten Tagesordnungspunkt aufrufen. [dh]

23.03.2015 |

„Jeder Monsanto-Mitarbeiter ist zugleich Konsument“

Glyphosat Herbizide Spritzmittel Glyphosat wird auf Raps gespritzt (Foto: Chafer Machinery / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Der Agrochemie-Konzern Monsanto kritisiert die Entscheidung der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC), seinen Herbizid-Bestseller Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend“ einzustufen. „Die Sicherheit unserer Produkte hat für uns oberste Priorität. Alle zugelassenen Anwendungen von Glyphosat sind sicher für die menschliche Gesundheit“, erklärte ein Manager.

Das IARC, eine Forschungseinrichtung der Weltgesundheitsorganisation WHO, hatte am Freitag mitgeteilt, dass sie Glyphosat nun in der Gefahrengruppe 2A („wahrscheinlich krebserzeugend“) listet. Zuvor hatten internationale Experten fast ein Jahr lang wissenschaftliche Untersuchungen begutachtet, wie die Agentur mitteilte.

Monsanto ärgert das. „Es liegen keine neuen Forschungsergebnisse oder Daten vor. Jede Studie, die das IARC verwendet hat, wurde bereits von Zulassungsbehörden bewertet- zuletzt durch deutsche Behörden im Auftrag der EU“, teilte der Konzern heute mit. „Jeder Monsanto-Mitarbeiter ist zugleich Konsument. Es ist selbstredend, dass die Sicherheit unserer Produkte für uns oberste Priorität hat“, beteuerte Philip Miller, Vice President Global Regulatory Affairs des Konzerns.

Grünen-Politiker forderten hingegen ein Umdenken in der Risikobewertung von Glyphosat. „Die WHO-Einstufung des Stoffs als 'wahrscheinlich krebserregend bei Menschen' ist alarmierend und muss endlich Konsequenzen haben“, sagte der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. „An dieser WHO-Einschätzung kann und darf sich die Bundesregierung nicht länger vorbeimogeln. Sie muss die Glyphosat-Zulassung jetzt umgehend aussetzen und die Risiken gründlich untersuchen.“

Der Europaabgeordnete Martin Häusling appellierte an die EU, bei der Neubewertung von Glyphosat genau hinzuschauen. Auf Grundlage eines Berichts des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) könnte sie nämlich noch dieses Jahr die Genehmigung des Herbizids um zehn Jahre verlängern. „Vom BfR wurden allerdings viele der aktuelleren Studien nicht in die Bewertung einbezogen“, kritisiert Häusling. „Über die an der Bewertung beteiligten Wissenschaftler ist bekannt, dass sie der Gentec-Industrie nahestehen. Die Kommission muss nun dafür sorgen, dass die EFSA [EU-Lebensmittelbehörde, Anm. d. Red.] die wissenschaftlich einseitig zustande gekommene Bewertung aus Deutschland kritisch überprüft und sämtliche aktuellen Studien zu Glyphosat mit in ihre Bewertung einbezieht.“ [dh]

23.03.2015 |

Agrarminister: „Dieses Risiko sind wir nicht bereit zu tragen“

Maisfeld mit Kolben Mais

Die Agrarminister der Bundesländer, die sich letzte Woche im hessischen Bad Homburg trafen, bleiben dabei: Gentechnik-Anbauverbote müssten vom Bund, nicht von jedem Land einzeln verhängt werden. Ansonsten drohe ein „Flickenteppich“. Damit stehen nun 16 Landesminister gegen Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU). Der will jedoch ihnen die Verantwortung überlassen, künftig in jedem Fall einzeln zu entscheiden.

„Ein länderbezogenes Verbot wie es Bundesagrarminister Schmidt wiederholt vorgeschlagen hat, ist aus Sicht der AMK [Agrarministerkonferenz, Anm. d. Red.] nicht vertretbar. Dies führt zu einem Flickenteppich von Ländern in denen GVO [gentechnisch veränderter Organismus, Anm. d. Red.] angebaut wird und solchen in denen das nicht geschieht. Der Pollenflug macht vor Ländergrenzen aber nicht Schluss“, erklärte die hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (Bündnis90/Die Grünen), die der Konferenz vorsaß. „Dieses Risiko sind wir nicht bereit zu tragen und auch die überwiegende Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher lehnt gentechnisch veränderte Lebensmittel und Futtermittel strikt ab.“

Zu Beginn der Konferenz hatte Schmidt seinen Plan verteidigt. „Nach einer fachlichen und juristischen Prüfung sind nach Auffassung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die strikten rechtlichen Vorgaben für Anbauverbote rechtssicher am besten von den Ländern zu erfüllen“, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums.

Der Grünen-Parlamentarier Harald Ebner begrüßte den Beschluss der Landesminister. Sie wüssten, dass der Vorschlag des Bundeslandwirtschaftsministers „eine reine Mogelpackung“ sei. Der handle allerdings „mit Rückendeckung der Kanzlerin“. Angela Merkel gilt als entschiedene Befürworterin der Agro-Gentechnik. Laut Ebner würde ein Verbot auf Bundesebene mehr Rechtssicherheit versprechen als 16 Einzelentscheidungen. Er forderte SPD-Umweltministerin Barbara Hendricks und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf, sich innerhalb der Großen Koalition durchzusetzen. „Auch Gabriel muss jetzt Farbe bekennen: steht er zu seiner Kabinettskollegin, seiner Partei und den Menschen im Land? Oder ist ihm gute Stimmung für TTIP und Ceta wichtiger?“, fragte der Abgeordnete.

In dem Streit geht es darum, wie ein von der EU beschlossener neuer Anbauverbotsmechanismus in Deutschland in nationales Recht umgesetzt wird. [dh]

23.03.2015 |

WHO: Glyphosat erzeugt „wahrscheinlich“ Krebs

Gift Glyphosat Spritzmittel Pestizide Chemikalie Chemie Mit und ohne Gentechnik - in der konventionellen Landwirtschaft werden häufig chemische Spritzmittel eingesetzt (vierdrie / freeimages)

Die Krebsforschungseinrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält Glyphosat, die Nummer eins unter den Herbiziden weltweit, für „wahrscheinlich krebserzeugend für Menschen“. Das teilte die International Agency for Research on Cancer (IARC) am Freitag mit.

Laut IARC stuften die Krebsfoscher Glyphosat, das auf Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen oft massiv versprüht wird, aber auch in der konventionellen Landwirtschaft in Deutschland, in Privatgärten und Grünanlagen eingesetzt wird, in die zweithöchste Gefahrengruppe 2A („probably carcinogenic to humans“) ein. Dort finden sich nun auch die Insektizide Malathion und Diazinon wieder.

Für Glyphosat gebe es „begrenzte Belege für Karzinogenität“, bei Menschen könne das Unkrautvernichtungsmittel Krebserkrankungen des Lymphsystems auslösen. Dabei beziehen sich die WHO-Experten auf Studien aus Schweden, den USA und Kanada. Dort waren kranke Landwirte, die mit Glyphosat gearbeitet hatten, untersucht worden. Zudem gebe es „überzeugende Belege“ dafür, dass Glyphosat bei Labortieren wie Mäusen und Ratten Krebs verursache.

Die detaillierte Bewertung der IARC wird noch veröffentlicht. Eine Zusammenfassung erschien im Fachjournal The Lancet. Die Einstufung der Ackerchemikalie Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend“ wurde von Experten aus elf Ländern bei einem einwöchigen Treffen in Lyon vorgenommen. Zuvor hätten sie fast ein Jahr lang Studien ausgewertet, teilte die IARC mit.

Die Einstufung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Dieses Jahr soll die Zulassung von Glyphosat in der EU um weitere zehn Jahre verlängert werden. Grundlage ist ein Bericht deutscher Behörden, die Gesundheitsbedenken bisher zurückwiesen. Laut der taz war das Bundesamt für Risikobewertung am Wochenende nicht zu erreichen.

Die Industrielobbygruppe „Glyphosate Task Force“, die Agrochemiekonzerne wie Monsanto und Syngenta vertritt, wies die Einstufung der IARC umgehend zurück: die Task Force akzeptiere das nicht. Der Ansatz der IARC weise methodische Mängel auf, zudem widerspreche das Ergebnis allen bisherigen Erkenntnissen.

Glyphosat wurde ursprünglich nur von Monsanto unter dem Markennamen „Roundup“ vertrieben. Weil der Patentschutz abgelaufen ist, gibt es mittlerweile viele Hersteller. Chemikalien, die Glyphosat enthalten, finden sich auch in vielen deutschen Baumärkten und Gartencentern. In der konventionellen Landwirtschaft wird das Herbizid häufig eingesetzt. Auf den Gentechnik-Plantagen Nord- und Südamerikas ist es das Standardspritzmittel, weil die meisten transgenen Mais- oder Sojapflanzen dagegen immun sind. Immer wieder wird beispielsweise über Missbildungen und Krebserkrankungen bei Kindern in Argentinien berichtet, deren Familien in der Nähe der Gentech-Felder leben. [dh]

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