08.02.2010 | permalink
Maispollen können kilometerweit fliegen.
Der Anbau von Gentechnik-Mais ist in Deutschland verboten. Trotzdem planen einige Landwirte den Anbau und meldeten ihn vorsorglich an. Langsam läuft die Anmeldefrist jedoch aus. Denn drei Monate vor Aussaat muss der Anbau beim Bundesamt für Verbraucherschutz (BVL) gemeldet werden und der Frühling und somit auch die Anbausaison nahen. Doch solange kein Urteil im Hauptsacheverfahren um das Anbau-Verbot gefällt ist, bleibt der Gentechnik-Mais verboten.
Wie Greenpeace heute berichtet sind einige der MON 810-Anbau-Flächen im Standortregister fehlerhaft eingetragen worden. Bei sechs von 24 angemeldeten Flächen in Bayern, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern stimmt entweder die Größe oder der Standort der Flächen nicht. Einige der Fehler sind auf Landwirte zurückzuführen, die im Moment Schadensersatz vom BVL fordern, weil sie letztes Jahr keinen Gentechnik-Mais anbauen durften. Sie halten das vom BVL verhängte MON 810-Anbau-Verbot für rechtswidrig. Sie hätten damals ihre Flächen ordnungsgemäß angemeldet - im Gegensatz zu diesem Jahr. Interessant ist auch die vorsorgliche Anmeldung der Gentechnik-Kartoffel. Während in den letzten Jahren der Anbau der "Amflora" unter Versuchsanbau lieft, wurde dieses Jahr ganz optimistisch ein kommerzieller Anbau angemeldet - für den Fall, dass die EU den Anbau noch rechtzeitig zulässt. Die Hektar-Anzahl fällt weniger optimistisch aus: Lediglich auf 20ha soll die Kartoffel ausgebracht werden. Dabei wäre mehr Anbau möglich. Denn letztes Jahr wurden auf den Versuchsflächen ausreichend Kartoffeln produziert, um dieses Jahr ca. 300ha zu bestellen.
05.02.2010 | permalink
Der Anstieg der Saatgutpreise bei Gentechnik-Soja ist enorm. Foto: Franz Haindl - www.pixelio.de
Der von BASF und Embrapa entwickelten herbizidtoleranten Gentechnik-Sojabohne ist von der brasilianischen Kommission für Biosicherheit CTNBio die Zulassung zum kommerziellen Anbau in Brasilien erteilt worden. Da Brasilien ein Soja-Exportland ist, muß nun auch ein Markt geschaffen werden. Für die Importländer, wie beispielsweise die EU, stehen die Genehmigungen allerdings noch aus. Eine Notwendigkeit zum Import von Gentechnik-Soja besteht in der EU nicht. Wie allen herbizidtoleranten Gentechnik-Pflanzen wird auch dieser der Vorteil von weniger Pestizid-Einsatz angedichtet, einer Reduzierung der Betriebskosten und natürlich auch die Verminderung des CO2-Ausstoßes. Dabei häufen sich die Meldungen zur Ausbildung von Superunkräutern durch die einseitige Unkrautbekämpfung aus den USA, dem Land, in dem der Anbau mit herbizidtoleranter Gentechnik-Soja schon jahrelang praktiziert wird. Die Häufigkeit der Spritzungen sind angestiegen, die Betriebskosten und CO2-Emissionen folgerichtig auch. Auch mit ständig steigenden Saatgutpreisen müssen die brasilianischen Landwirte rechnen. Denn aus dem jüngsten Bericht des "US Organic Center" geht hervor, daß in den Jahren seit Einführung der Gentechnik-Soja der Saatgutpreis um 230% gestiegen ist.
04.02.2010 | permalink
Unter Schwarz-gelb wird die Gentechnik gefördert. Foto: Greenpeace
Die Umweltverbände ziehen Bilanz nach 100 Tagen schwarz-gelbe Regierung. Ob beim Thema Gentechnik-Kartoffel Amflora, MON 810-Anbau-Verbot oder Ohne-Gentechnik-Kennzeichnung: Die neue Regierung legt mehr Wert auf Industrie-Interessen als auf Verbraucherschutz, so das Fazit von Greenpeace, NABU, BUND, WWF und DNR. Obwohl 70% der Verbraucherinnen und Verbraucher Gentechnik in der Landwirtschaft und im Essen ablehnen, setzt die neue Regierung auf Gentechnik-Pflanzen. Bereits im November stimmte Landwirtschaftsministerin Aigner in Brüssel für die Zulassung einer neuen Gentechnik-Pflanze. Der Anbau der Gentechnik-Kartoffel "Amflora" soll trotz erheblichen Widerstands aus der Bevölkerung gefördert werden. Dabei spielen die Interessen des Amflora-Herstellers BASF offensichtlich eine große Rolle. Denn längst gibt es eine gentechnikfreie Variante, die genau soviel Stärke produziert. Auch der fehlende Einsatz für die Ohne-Gentechnik-Kennzeichnung wird kritisiert. Zwar führte Ilse Aigner letztes Jahr ein einheitliches Bundessiegel ein, lässt aber mit der versprochenen Informationskampagne für das Label weiter auf sich warten. Ernährungs- und Futtermittelindustrie lassen hingegen keine Gelegenheit aus, um gegen die Kennzeichnung Stimmung zu machen.
03.02.2010 | permalink
Der Anstieg der Saatgutpreise bei Gentechnik-Soja ist enorm. Foto: Franz Haindl - www.pixelio.de
Die Versprechen der Gentechnik-Industrie sind groß: Mit der Ausweitung des Gentechnik-Anbaus sollen höhere Erträge für die Bauern erzielt und die Umwelt mit weniger Spritzmittel belastet werden. Die Umweltorganisation Global 2000 zeigt nun erneut auf, dass das Gegenteil der Fall ist: Der Anbau von Gentechnik-Soja und -Baumwolle bringt den Landwirten in den USA zunehmende Schwierigkeiten. Das Problem liegt auf der Hand: Zwar sind die Pflanzen gegen Unkrautvernichtungsmittel durch gentechnische Verfahren resistent. Die Anwendung mit den Spritzmitteln soll dadurch vereinfacht werden. Doch auch Unkräuter wie die Pflanze Amaranthus Palmeri bilden bei immer gleicher Anwendung Resistenzen gegen das Monsanto-Gift Roundup. Dieses muss deshalb umso öfter auf die Felder gebracht werden: Mittlerweile sechs bis acht Spritzungen sind nötig, um die resistenten Unkräuter in Schach zu halten - eine enorme Belastung für die Umwelt. "Obwohl Monsanto in wissenschaftlichen Kreisen zu gibt, dass die Unkräuter auf den Gentech-Äckern außer Kontrolle sind, wird den Farmern weiterhin das Märchen von den mit Gentechnik erzeugten Wunderpflanzen erzählt. Monsanto treibt die US-Farmer fahrlässig in den Ruin", kritisiert der Gentechnik-Sprecher von Global 2000, Jens Karg.
03.02.2010 | permalink
Die vielfältigen Maissorten werden von Kleinbauern in Mexiko seit Generationen gepflegt.
Seit tausenden von Jahren wird in Mexiko Mais kultiviert. Viele Mexikaner sind stolz darauf und bezeichnen sich, wie die Maya damals, als Menschen des Mais. Tausende von traditionellen Maissorten haben sich herausgebildet und werden je nach Bedarf angebaut. Aber diese alten Sorten müssen geschützt werden, denn schon vor Jahren, als es noch ein Moratorium gegen den Anbau von Gentechnik-Mais in Mexiko gab, wurden gentechnisch veränderte Mais-Pflanzen entdeckt. Wahrscheinlich wurde er über Nahrungsmittelimporte auf die Felder gebracht. Mittlerweile hat die Regierung auf Druck der Gentechnik-Industrie den Anbau von Gentechnik-Mais in einigen Regionen zugelassen. Umso dringlicher ist es für Kleinbauern, sich ihre Nahrungssouveränität zu sichern und ihre Maissorten zu verteidigen. Für den Widerstand gegen Gentechnik können sie von deutschen Bäuerinnen und Bauern lernen. Deshalb macht sich eine Gruppe von LandwirtInnen und VerbraucherInnen aus Hohenlohe heute auf den Weg nach Mexiko. Diese lernen im Gegenzug, die Probleme ihrer mexikanischen KollegInnen besser zu verstehen, die sich schon jetzt gegen Verunreinigungen wehren müssen. Die agrarpolitische Reise kann im Blog aktuell mitverfolgt werden.
02.02.2010 | permalink
Bei ihren Süßwaren und Salzgebäcken wollen die Deutschen am liebsten eine Herstellung ohne Gentechnik.-+-Foto: delater, www.pixelio.de
Das wichtigste Qualitätskriterium ist den Deutschen bei ihren Keksen, Waffeln, Salzstangen und Crackern eine Herstellung ohne Gentechnik. Das ist das Ergebnis einer representativen Forsa-Umfrage zur internationlen Süßwarenmesse in Köln, die der Branchenriese Griesson de Beukelaer (GdB) in Auftrag gegeben hatte. Es war den Befragten wichtiger, dass die Süßwaren ohne Gentechnik hergestellt werden (77%), als ein Verzicht auf künstliche Farbstoffe (67%), künstliche Aromen bzw. Geschmacksverstärker (66%) oder auf Konservierungsstoffe (65%). Die Umfrage hat auch ergeben, dass Güte- und Qualitätssiegel für Konsumenten wichtige Kriterien für die Qualität (63%) darstellen. Offen bleibt nur, welche Süßware wohl zuerst mit "Ohne Gentechnik" ausgelobt wird. Welche Produkte schon jetzt ohne Gentechnik hergestellt werden, verrät der Einkaufsratgeber von Greenpeace.
01.02.2010 | permalink
Greenpeace-Gruppe Lübeck protestierte am Wochenende bei Schnee und Eis: Fast alle Marktbesucher gegen Gentechnik.
Dieses Urteil wird mit Spannung erwartet. Und doch hat es das Verwaltungsgericht Braunschweig offensichtlich nicht eilig. Wie ein Sprecher letzte Woche mitteilte, gibt es noch keinen Termin für die Verhandlung über das Anbau-Verbot des Gentechnik-Maises MON 810. Wer Gentechnik-Mais anbauen will, hat nur noch wenig Zeit. Denn für eine Aussaat spätestens Mitte Mai muss der Anbau drei Monate vorher beim BVL gemeldet sei. Das Bundesamt macht die Standorte im Standortregister öffentlich.
Schon zweimal hat der Hersteller Monsanto versucht, das Anbau-Verbot rechtlich zu kippen. Beide Anträge wurden abgelehnt, das letzte vom niedersächsischen Oberverwaltungsgericht. Von der noch ausstehenden Entscheidung im Hauptsacheverfahren hängt einiges ab. Die schwarz-gelbe Regierung verwies bei ihrer Haltung zum Anbau-Verbot im Koalitionsvertrag einzig auf dieses Urteil. Vereinzelte Landwirte hoffen auf eine gerichtliche Aufhebung des Verbots und meldeten einen MON 810-Anbau vorsorglich beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit (BVL) an. Viele Bürgerinnen und Bürger, die in ihrer Region gegen einen Gentechnik-Anbau kämpfen, dürften sich über eine späte Gerichtsentscheidung freuen. Denn der Anbau wird mit fortschreitender Zeit immer unwahrscheinlicher. Am Wochenende protestierten Greenpeace-AktivistInnen in 45 Städten und sammelten Unterschriften gegen Gentechnik. Wegen noch anstehenden Zulassungsentscheidungen für zwei Gentechnik-Mais-Sorten sowie für die Gentechnik-Kartoffel „Amflora“ soll der Druck auf die Bundesregierung erhöht werden. Laut einer Emnid-Umfrage sprechen sich 77% der Deutschen für ein Anbau-Verbot der Amflora und 79% für ein Verbot des Gentechnik-Maises aus.
31.01.2010 | permalink
Greenpeace Aktion in Freiburg, Foto: Patsy Schirtz
In 45 Städten haben AktivistInnen von Greenpeace gestern Unterschriften gegen Gentechnik-Pflanzen gesammt. Sie sollen an Landwirtschaftsministerin Aigner, Umweltminister Röttgen und CSU-Chef Seehofer übergeben werden. Greenpeace will dem Protest der Bürgerinnen und Bürger gegen Gentechnik noch mehr Ausdruck verleihen, weil drei neue Zulassungen gentechnisch veränderter Pflanzen in der EU bevorstehen. Die deutsche Regierung wird diese Vorhaben vermutlich unterstützen obwohl sich laut einer Greenpeace-Umfrage 77% der Deutschen für ein Verbot der Gentechnik-Kartoffel "Amflora" aussprechen. Aigner hatte nach dem Verbot des Gentechnik-Maises im April letzten Jahres einen Versuchsanbau der "Amflora" genehmigt und kürzlich durchblicken lassen, dass sie gegen eine Anbau-Zulassung durch die EU nichts unternehmen werde.
29.01.2010 | permalink
Mahnwache am Thünen-Institut im April 2009
Acht AktivistInnen standen in Braunschweig gestern vor Gericht, weil sie im April letzten Jahres ein Gentechnik-Mais-Feld besetzten. Dort sollte ein Forschungsversuch mit dem Gentechnik-Mais MON 810 stattfinden, den Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner zuvor wegen Risiken für die Umwelt verboten hatte. Die GentechnikgegnerInnen ketteten sich deshalb an einem tonnenschweren Betonblock fest. Nach einer viertägigen Duldung räumte die Polizei das besetzte Feld. Fünf Wochen wurde stattdessen eine Mahnwache vor dem Institut abgehalten. Die Bundesrepublik verklagt die GentechnikgegnerInnen auf 2000 Euro Schadensersatz und wollte erreichen, dass ihnen verboten wird, das Gelände des von-Thünen-Instituts künftig zu betreten. Für illegale Aktionen soll das auch in Zukunft nicht mehr geschehen. Darauf einigten sich die Parteien gestern. Den Schadensersatz von rund 2000 Euro müssen die AktivistInnen dafür nicht zahlen.
28.01.2010 | permalink
Die Pelargonium stammt aus Südafrika. Das Extrakt aus der Wurzel wird für Herstellung von Umckaloabo verwendet. Foto: Maja Dumat, www.pixelio.de
Das Medikament Umckaloabo findet hierzulande offensichtlich einen reißenden Absatz bei Menschen, die unter Bronchitis oder Erkältung leiden. Das Unternehmen Schwabe, das das Medikament herstellt, hat nun jedoch eine Niederlage erlitten. Umstritten ist das Patent, das die Firma auf die Pflanze Pelargonium angemeldet und gewährt bekommen hat. Das African Center for Biosafety und die Schweizer Organisation "Erklärung von Bern" hat dagegen beim Europäischen Patentamt Einspruch eingelegt. Der Vorwurf: Die Firma Schwabe lässt sich traditionelles Wissen aus Südafrika, woher die Pflanzen stammt, patentieren. Am Dienstag haben die Nichtregierungsorganisationen Recht bekommen. Das Europäische Patentamt hat das Patent vollständig widerrufen. Der Evangelische Entwicklungsdienst (EED), der die Organisationen unterstützt, wertet dies als großen Erfolg im Kampf gegen Biopiraterie. „Wir freuen uns, dass mit dem Urteil Schwabe das Recht aberkannt wurde, die Nutzung genetischer Ressourcen und traditionellen Wissens aus Südafrika zu monopolisieren“, kommentiert Mariam Mayet vom African Center for Biosafety (ACB) die Entscheidung. Beim Urteil geht es jedoch hauptsächlich um die nicht erfolgte Erfindung des Unternehmens. Zur Herstellung des Medikamentes werden Methoden zur Extraktion der Wirkstoffe genutzt, die bereits seit langer Zeit traditionell angewendet wird. Der eventuelle Verstoß gegen die UN-Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt war trotzdem nicht entscheidend. Die Firma Schwabe will nun Beschwerde einreichen. Solange darüber nicht entschieden wird, bleibt das Patent in Kraft.
● Anbau von Gentechnik-Pflanzen:
Neues Dossier mit Zahlen und Statistiken
● Null-Toleranz:
Hintergrundpapier deckt Panikmache auf
● Hunger und Gentechnik:
Neue Broschüre zum Weltagrarbericht

Unsere Flyer zeigt Ihnen die wichtigsten Gründe gegen Gentechnik auf einen Blick: Ideal, um ihn im Bekanntekreis, in Schulen o.ä. zu verteilen.
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.. dass ein mittelständisches deutsches Unternehmen bis zu mehrere hunderttausend Euro im Jahr einplanen muss, um Gentechnik-Rohstoffe zu vermeiden?

Eine Studie zeigt, an zentralen Stellen in den Gentech-Genehmigungsbehörden sitzen Wissenschaftler, die in Lobbyvereinen eng mit Industrievertretern zusammenarbeiten. Anstatt die Industrie zu kontrollieren, setzen sie sich für ihre Interessen ein.
Bayerisches Fernsehen: Genehmigungsfilz
Then, Lorch (April 2008): Kontrolle oder Kollaboration?
Bundestag.de: Interview mit Ulrike Höfken (26.05.08)
Die Experten sind sich einig. Gegen den Hunger in der Welt hilft keine Gentechnik! Lesen Sie hier, was es mit der Nahrungsmittelknappheit tatsächlich auf sich hat.
Dossier Infodienst
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