19.12.2014 |

China lässt Syngentas Gentechnik-Mais ins Land

China Hafen Hafen in China (Foto: Michael Porter / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)-+-

Nach langer Blockade hat Peking nun doch eine weitere Gentechnik-Maissorte genehmigt. Das melden Nachrichtenagenturen unter Berufung auf US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack. Die insektengift-produzierende Sorte MIR162 hatte zuvor für massive Probleme gesorgt: China ließ über eine Million Tonnen Mais nicht ins Land, Handelskonzerne verklagten daraufhin den Hersteller des Gentech-Maises, Syngenta, auf Schadensersatz.

Laut den Berichten verkündete Vilsack die Zulassung für MIR162 und zwei weitere Gentechnik-Maissorten von Dupont Pioneer und Bayer nach einem Treffen mit Vize-Premierminister Wang Yang.

Syngenta selbst wartet noch auf die offiziellen Dokumente aus Peking. [dh]

18.12.2014 |

KWS-Hauptversammlung: Kritik am Gentechnik-Kurs

KWS Hauptversammlung 2014 Gentechnik-kritische Aktion vor der KWS-Hauptversammlung (Foto: Witzenhäuser Agrarstudierende, Landwirte und Gärtner für eine gentechnikfreie Landwirtschaft)

Bei der heutigen Hauptversammlung des Saatgut-Unternehmens KWS in Einbeck kritisierten einige Aktionäre die „zunehmende Fokussierung auf die Gentechnik“. Das gehe zulasten der – oft sehr erfolgreichen – konventionellen Züchtung.

„Heute erzielt die KWS bereits ein Drittel ihres Umsatzes mit gentechnisch verändertem Saatgut. Wir befürchten, dass mit dieser Entwicklung eine Vernachlässigung klassischer Züchtung einhergeht“, erklärte Steffen Tackmann von der „Initiative Witzenhäuser Agrar-Studierende, Landwirte und Gärtner für eine gentechnikfreie Landwirtschaft“ vor der Hauptversammlung. „In der konventionellen Zucht und dem systemischen Wissen um Pflanzen und ihre Standorte steckt enormes Potential. Dieses Potential läuft Gefahr, ungenutzt zu bleiben - weil zunehmend in die Gentechnik und andere molekulare Verfahren investiert wird, deren Risiko wir nicht abschätzen können.‟

Auf dem weltweiten Saatgutmarkt gebe es immer weniger, dafür sehr große Player. Sechs Konzerne, alle mit Hintergrund in der Chemiebranche, teilten sich 60 Prozent des kommerziellen Markts. Wenn die KWS dabei mitmache, könne sie am Ende geschluckt werden, warnten die Aktionäre. „Natürlich ist die Frage 'Wann wird die KWS von Monsanto übernommen?' eine Provokation“, sagte Christof Potthof vom Gen-ethischen Netzwerk. „Aber, wie das eben so ist mit Provokationen: Oft funktionieren sie nur, weil in ihnen ein wahrer Kern steckt.‟

Die meisten Aktionäre freuten sich hingegen über den Expansionskurs der KWS. Wie das Unternehmen mitteilte, beschlossen sie eine Umwandlung von der Aktiengesellschaft in eine Europäische Gesellschaft (SE). „Mit dieser Maßnahme soll der wachsenden Bedeutung der europaweiten und internationalen Geschäftsaktivitäten im KWS Konzern Rechnung getragen werden“, hieß es. „Immerhin sind bereits knapp zwei Drittel der Mitarbeiter außerhalb Deutschlands für KWS im Einsatz.“

Die KWS verkauft konventionelles und sogar Öko-Saatgut, aber vor allem auf dem nordamerikanischen Markt gentechnisch veränderte Saaten z.B. für Zuckerrüben. [dh]

18.12.2014 |

Neue Regeln für Gentechnik-Verbote abgesegnet

Europäisches Parlament in Straßburg Foto: Europäisches Parlament

Nach den EU-Mitgliedstaaten hat auch das Parlament die neuen Regeln für Gentechnik-Anbauverbote abgesegnet. Das teilte die Pressestelle des Umweltausschusses per Kurznachrichtendienst twitter mit. Das Parlamentsplenum soll am 13. Januar sein Einverständnis zum sogenannten Opt-Out geben. Offenbar wollte die deutsche Bundesregierung den schon ausgehandelten Kompromiss noch einen Hauch gentechnik-freundlicher machen, wie der Informationsdienst aus Parlamentskreisen erfuhr.

Gestern stimmten 42 Abgeordnete des Umweltausschusses für den Opt-Out-Mechanismus, dessen genaue Ausgestaltung Parlamentarier und die EU-Ratspräsidentschaft, die derzeit Italien inne hat, Anfang Dezember ausgehandelt hatten. 17 Abgeordnete stimmten dagegen, vier enthielten sich. Der Rat hatte schon letzte Woche bei einem Treffen der Botschafter der 28 EU-Staaten zugestimmt.

Wie der Informationsdienst Gentechnik aus Parlamentskreisen erfuhr, wollte Berlin das Papier in letzter Minute noch geringfügig ändern: die „Chancen“ der Agro-Gentechnik wollte die Bundesregierung noch erwähnt wissen, das wurde von den übrigen Gesandten aber abgelehnt. Der Vertreter Deutschlands habe daraufhin noch telefonisch das OK aus Berlin einholen, hieß es. An der Substanz der neuen Gentechnik-Verbotsmöglichkeiten hätte der Einschub ohnehin nichts geändert.

Im Januar wird das Plenum des EU-Parlaments das Opt-Out final beschließen. Danach ist es Sache der Mitgliedstaaten, die neuen Vorgaben in nationales Recht umzusetzen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat angekündigt, das so schnell wie möglich zu tun. Es gibt aber noch einige Differenzen mit den Bundesländern: diese wollen, dass die Gentechnik-Anbauverbote einheitlich von der Bundesregierung ausgesprochen werden. Berlin hingegen will die Verantwortung lieber auf die Länder abwälzen. Die Grünen haben beantragt, dass der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen vom Bund untersagt wird und auf EU-Ebene „jeweils mit
Ablehnung zu votieren“ ist, wenn es um Neuzulassungen geht. Bislang hat sich Deutschland hier meist enthalten. [dh]

17.12.2014 |

Interview: „Man muss sich auf das verlassen, was die Industrie vorsetzt“

Labor Studie Wissenschaft Daten zu Gentechnik-Risiken stammen meist aus den Laboren der Industrie (Foto: Daino_16 / freeimages)

Mit einer Petition wollten mehrere NGOs erreichen, dass sich der Bundestag mit möglichen Interessenkonflikten bei deutschen Behörden beschäftigt, die unter anderem Risiken von Gentechnik-Pflanzen und Pestiziden bewerten. Der Petitionsausschuss des Parlaments sah dazu aber keinen Anlass – und lehnte das Anliegen ab. Im Interview erklärt einer der Initiatoren, Christoph Then vom Verein Testbiotech, wie eine unabhängige Risikobewertung organisiert und finanziert werden könnte.

Infodienst (ID): Sie kritisieren deutsche und europäische Behörden immer wieder als zu industrienah, wenn es um die Bewertung von Gentechnik-Risiken geht. Per Petition wollten Sie und Ihre Partner das Thema vor den Bundestag bringen, das wurde nun aber abgelehnt. Was genau wollten Sie erreichen?

Christoph Then (CT): Wir wollten erstens erreichen, dass überprüft wird, ob die Behörden so unabhängig sind wie sie sein sollten. Und zweitens, dass die Risikoforschung anders organisiert wird. Wir sind der Ansicht, dass wesentlich mehr Mittel erforderlich wären für eine industrie-unabhängige Risikoforschung. Die Industrie sollte sich daran beteiligen, indem sie zum Beispiel in einen Fonds einzahlt. An der Entscheidung, wie diese Mittel dann vergeben werden, sollte auch die Zivilgesellschaft beteiligt werden. Und auch daran, welche Risiken untersucht werden.

ID: Gibt es für solche Verfahren, das Geld anders zu verteilen, konkrete Vorbilder?

CT: Es gibt Modelle, bei denen die Industrie an den Kosten beteiligt wird, zum Beispiel bei der Atom- oder Pestizidindustrie. Das gibt es bei der Biotechnologie bislang nicht, soweit ich weiß. Auch partizipative Verfahren zur Verteilung von Forschungsgeldern sind nicht üblich. Bei der Energiewende sind die Umweltverbände ja recht eng eingebunden, aber in den Bereichen Technologie, Innovationsförderung oder in der Umsetzung von Forschungsprogrammen spielt die Zivilgesellschaft derzeit keine Rolle.

ID: Was wäre denn eine realistische Summe, die man für eine unabhängige Risikoforschung zur Gentechnik jährlich bräuchte?

CT: Da darf man nicht zu knapp denken. Es muss ein Impuls gesetzt werden, der alle Lehrstühle erreicht, die sich mit Agro-Gentechnik und Umwelt beschäftigen. Und das Budget muss so groß sein, dass ein echter Anreiz und Wettbewerb um diese Mittel entsteht. Außerdem muss es eine Kontinuität über mehrere Jahre geben, so dass ein Wissenschaftler, der sich bewirbt und vielleicht etwas Kritisches findet, weiß, dass er sich im nächsten Jahr wieder bewerben kann, dass er nicht bestraft und nicht ausgeschlossen wird aus der scientific community, wie es jetzt der Fall ist. Und wenn man so ein Forschungsprogramm über beispielsweise zehn Jahre auflegen würde, dann geht es sicherlich um dreistellige Millionenbeträge.

ID: Würde mehr unabhängige Risikoforschung, wie Sie sie fordern, nicht auch weitere Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen beinhalten?

CT: Da gibt es eine ganze Reihe von heiklen Punkten: braucht man Freisetzungsversuche eigentlich? Werden möglicherweise mehr Tierversuche durchgeführt? Das ist ja ethisch auch umstritten. Wenn es so ein Programm geben würde, könnten wir das nicht in allen Details vorhersehen. Es könnte sein, dass es Vorschläge gibt, Freisetzungsversuche zu machen. Aber wir fordern ja, dass die Gesellschaft an der Entscheidung beteiligt wird und es so ein Korrektiv geben würde. Es gibt bestimmt Fragestellungen, bei denen man über Freisetzungen diskutieren muss. Aber es ist kein Problem, Forschungsprojekte und -ziele zu benennen, die mit Freisetzung nichts zu tun haben, zum Beispiel zur Frage, wie das eingebaute Genkonstrukt mit dem Genom der Pflanze interagiert und wie es auf Umweltreize reagiert. Oder dazu, welche Schäden bei Nichtzielorganismen wie Insekten auftreten können. Das könnte man auch ohne Freisetzungen gründlich untersuchen – und in vielen Fällen auch ohne Versuche mit Säugetieren. Da gibt es ein großes Forschungsfeld, das aber wenig bearbeitet worden ist und oft als nicht relevant betrachtet wurde, obwohl zum Beispiel Umweltwechselwirkungen und ungewollte Effekte in der Gentechnik-Pflanze für die Risikobewertung sehr wichtig sind. Da gibt es auch neue Forschungsmethoden wie die Metabolom-Forschung, wo man sehr viel genauer als noch vor ein paar Jahren messen kann, was beim Zellstoffwechsel passiert.


BEISPIEL TABAKINDUSTRIE: „ALLE HABEN MITGEMACHT.“

ID: In Ihrer Begründung der Petition haben Sie auf konkreten Interessenkonflikte bei den Gentechnik-Experten der Behörden hingewiesen. Hat sich in der Zwischenzeit etwas an der Situation geändert?

CT: Einige Gremien sind neu besetzt worden, beim BfR [Bundesinstitut für Risikobewertung, Anm. d. Red.] beispielsweise der Beirat für Gentechnik, es hat dabei aber keine bahnbrechenden Änderungen gegeben. Nach wie ist zum Beispiel auch der Vorsitzende des Max-Rubner-Instituts [Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, Anm. d. Red.], Herr Rechkemmer, eng verbunden mit Industrie-Einrichtungen wie dem International Life Sciences Institute. Und auch an der grundsätzlichen Zusammensetzung der Gremien hat sich nichts geändert. Wir halten es nach wie vor für äußerst relevant, dass man da klarere Kriterien für Interessenkonflikte entwickelt und die Abgrenzung von der Industrie stärkt. Bis vor wenigen Jahren war es zum Beispiel bei der Tabakindustrie gang und gäbe, dass sich hochrangige Wissenschaftler und auch Behörden immer wieder von der Industrie einladen ließen und dann hinterher über die Risiken des Rauchens gesprochen haben. Die haben sich nichts mehr dabei gedacht, weil alle mitgemacht haben. Das war der Mainstream. Mittlerweile gibt es eine Datenbank, wo die Daten alle abfragbar sind. Bei der Biotechnologie haben wir das noch nicht, da ist aber die Interessenlage ähnlich. Alle laufen der Industrie hinterher und keiner merkt es mehr, weil es ganz selbstverständlich geworden ist.

ID: Jüngst haben Sie darauf hingewiesen, dass ein Wissenschaftler aus Hannover, Pablo Steinberg, der zurzeit im Auftrag der EU eine Risikostudie mit gentechnisch verändertem Mais durchführt, auch eine beratende Tätigkeit bei einem Fachjournal ausübt, in dem erste Teilergebnisse der Studie veröffentlicht wurden. Es könne also ein Fall von „Selbst-Publikation“ vorliegen. Außerdem sei der Autor auch Mitglied in einer, vermutlich gut bezahlten, Expertengruppe der schon erwähnten Industrie-Lobbyorganisation ILSI. Wie kommt es dazu, dass ein so wichtiges Forschungsprojekt der öffentlichen Hand derart vergeben wird?

CT: Also ob das bei ILSI gut bezahlt ist, weiß ich nicht. Aber zumindest ist Herr Steinberg dort kontinuierlich in einer Arbeitsgruppe eingebunden – und ILSI wird zu 100 Prozent von der Industrie bezahlt und auch von Gentechnik-Unternehmen. Man kann nicht als unabhängiger Wissenschaftler auftreten und sich gleichzeitig in Strukturen einbinden lassen, die von der Industrie dominiert und finanziert werden. Grob gesagt sind es immer die gleichen Strukturen, die gleichen Wissenschaftler, die gleichen Experten, die von der EU Millionengelder bekommen und die beim genaueren Hinsehen aber nicht unabhängig von der Industrie sind, zu wenig Distanz zu ihr haben. Vielleicht auch, weil sie persönlich davon überzeugt sind, dass die Gentechnik eine ganz tolle Technologie ist. Eine wirklich kritische Auseinandersetzung mit den Risiken findet in der EU eigentlich nicht statt, muss man leider sagen. Die Bundesregierung und die EU sind ja eher ausgerichtet auf die Förderung von Innovation, Technologie und Wettbewerb. Und zu dieser Logik passt eine wirklich kritische Risikoforschung nicht, die auch dazu führt, dass bestimmte Produkte gar nicht erst auf den Markt kommen. Natürlich will man die schlimmsten Schäden verhindern, wie akute gesundheitliche Probleme. Aber Langzeitfolgen und gesundheitliche Probleme, die komplexer sind, bleiben unbeachtet. Die Gesellschaft ist auf diesem Auge im Grunde blind geworden, man weiß immer weniger über die neuen Produkte, die auf den Markt kommen. Man muss sich letztendlich auf das verlassen, was die Industrie vorsetzt.


UNIVERSITÄTEN: „DER FEHLER IST IM SYSTEM ANGELEGT“

ID: Hat es vielleicht auch etwas mit der Ausbildung der Wissenschaftler zu tun? Kommen in fachlich sehr anspruchsvollen Studiengängen wie Molekularbiologie vielleicht Fragen der Forschungsethik oder die Betrachtung aus anderen Perspektiven zu kurz?

CT: Wenn ich Moment so einen Studiengang belege, habe ich nur dann gute wirtschaftliche Aussichten, wenn ich lerne, Produkte herzutellen oder neue Technologien zu entwickeln. Grundlagenforschung wurde hingegen eher zurückgefahren. Und als Student habe ich keinerlei wirtschaftlichen Anreiz in die Risikoforschung zu gehen, da gibt es keine Karriere. Ich kann da nur reingehen und im Grunde meine Karriere sofort beenden, indem ich anfange, kritische Fragen zu stellen. Die Wissenschaft hängt am Gängelband der Industrie. Und das ist nicht unbedingt die Verantwortung der einzelnen Wissenschaftler, sondern der Fehler ist im System angelegt. Da müssen wir umsteuern, wofür wir aber erhebliche Mittel brauchen.

ID: Obwohl Gentechnik in der Landwirtschaft und im Essen laut Umfragen bei kaum jemandem gut ankommt, haben Sie nur einige Tausend Unterschriften sammeln können. Ist das Thema Risikobewertung vielleicht zu abstrakt?

CT: Es war vielleicht ein Fehler, die Hürden für die Kommunikation unterschätzt haben. Wenn Menschen „Gentechnik im Essen“ hören, denken sie: „Das will ich nicht!“ Wenn sie „Gentechnik und Forschung“ hören, denken sie vielleicht: „Das brauch' ich nicht.“ Man muss den Leuten erklären, dass diese Produkte tatsächlich auf den Markt kommen, vor allem als Futtermittel für Tiere. Rund 50 gentechnisch veränderte Pflanzen sind in der EU als Lebens- und Futtermittel zugelassen. Und wir haben das Problem, dass wir immer weniger wissenschaftlich hinterfragen können, was die Industrie auf den Markt bringt. Aber das ist natürlich nicht so einfach, wie zu sagen: „Gentechnik raus aus meinem Supermarkt!“ Da muss man langfristiger denken und die Leute mitnehmen - das haben wir vielleicht zu wenig gemacht. Aber unser forschungspolitisches Anliegen können wir sowieso nicht in ein, zwei Jahren erreichen, das braucht viel mehr Zeit und Diskussion.

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Dr. Christoph Then ist studierter Tierarzt. Als Geschäftsführers des Vereins „Testbiotech - Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie“ beschäftigt er sich seit Jahren mit den Risiken von gentechnisch veränderten Pflanzen und dem Einfluss der Industrie auf Behörden.

17.12.2014 |

Firmen-Daten: Alles geheim

Geheim Top secret geschäftsgeheimnis Foto: spekulator / freeimages

In der EU soll der Umgang mit vertraulichen Informationen von Unternehmen neu geregelt werden. Doch Verbraucherschützer halten die Definition der „Geschäftsgeheimnisse“ für zu breit. Dadurch könne alles Mögliche weggeschlossen, Whistleblower und Journalisten leichter verklagt werden. Die NGOs heben besonders die Bereiche Gesundheit, Umwelt und Lebensmittelsicherheit hervor – es geht auch um Gentechnik und Agrochemikalien.

Der Vorschlag, mit dem die EU-Kommission und die Minister der nationalen Regierungen Innovationen fördern wollen, sei „unausgeglichen“ und werde zu „rechtlicher Unsicherheit“ führen, so 15 zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter Health Action International, Corporate Europe Observatory und Medicines in Europe Forum. Konzerne würden bevorzugt, während Verbraucher, Arbeitnehmer, Journalisten und Forscher das Nachsehen hätten.

Bei gentechnisch veränderten Organismen oder Pestiziden könnten die Firmen künftig noch mehr Daten zurückhalten, die für eine Bewertung der Risiken benötigt werden. Schon heute ist es für unabhängige Wissenschaftler schwierig, an Gentechnik-Pflanzenmaterial oder Studienergebnisse der Industrie für eigene Analysen heranzukommen. Falls die Neuregelung durchgeht, könne die Arbeit der umstrittenen Lebensmittelbehörden noch schwerer von außen überprüft werden, so die NGOs. [dh]

17.12.2014 |

Bulgarisches MON810-Anbauverbot auf der Kippe?

Bulgarien Mais Maisfeld in der Sredna Gora in Bulgarien (Foto: Stella / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0)

Vor drei Jahren verbot Bulgarien den Anbau des gentechnisch veränderten Monsanto-Maises MON810, nach juristischen Querelen legte das Land im Sommer nach. Nun hat die EU-Lebensmittelbehörde eine Stellungnahme abgegeben: das bulgarische Verbot sei wissenschaftlich unbegründet, so das umstrittene Gentech-Gremium der EFSA. Brüssel könnte jetzt gegen die bulgarische Entscheidung vorgehen.

Bulgarien beruft sich auf einen Passus zu Sofortmaßnahmen, den die „Verordnung über genetisch veränderte Lebensmittel und Futtermittel“ (1829/2003) beinhaltet. Diese Maßnahmen können ergriffen werden, wenn „davon auszugehen [ist], dass ein nach dieser Verordnung zugelassenes oder mit ihr in Einklang stehendes Erzeugnis wahrscheinlich ein ernstes Risiko für die Gesundheit von Mensch oder Tier oder die Umwelt darstellt“.

Doch die EFSA argumentiert, Bulgarien habe keine „neuen Argumente bezüglich MON810 oder dem Cry1Ab-Protein“, dem von der Maispflanze selbst produzierten Gift, geliefert. Alle Studien, die der EU-Mitgliedstaat anführt, habe die EFSA schon früher geprüft. Und zu einer weiteren Untersuchung fehlten Informationen.

Dabei handelt es sich um eine Arbeit von Wolfgang Büchs vom deutschen Julius Kühn-Institut (JKI). 2004 untersuchte er bei der später im JKI aufgegangenen Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, wie MON810 auf Trauermückenlarven wirkt. Sein Fazit: die Larven, die den Gentech-Mais zu fressen bekamen, verpuppten sich später. Dies sei ein „ökologischer Nachteil“, erklärte er gegenüber biosicherheit.de, der sich auch auf Fressfeinde wie Käfer auswirke – mit potenziellen Folgen für das Ökosystem. „Mon810 scheint eine geringere Nahrungsqualität zu haben“, so Büchs. Es sei noch unklar, welchen Einfluss das Gift der Pflanze dabei habe. Aber: „Die Entwicklungsverzögerung lässt sich nicht wegdiskutieren“, wird er von biosicherheit.de zitiert.

Büchs' Forschungsergebnisse, auf die Bulgarien hinwies, berücksichtigte die EFSA nicht. Dabei liegen ihr die Daten vermutlich vor. Auch Deutschland berief sich nämlich auf die Untersuchung, als es den Anbau von MON810 im Jahr 2008 untersagte. „Es gibt Hinweise für Auswirkungen von Bt-Mais auf terrikole, saprophage Dipteren-Larven (Büchs et al. 2004)“, schrieb das Bundeslandwirtschaftsministerium in seiner Mitteilung an Monsanto.

Stattdessen führt die EFSA Berichte von Monsanto selbst an. Wer eine Anbaugenehmigung erhalten hat, muss etwaige Auswirkungen auf die Umwelt registrieren und an die Behörde weiterleiten. Bislang, so die EFSA, hätten diese Berichte keine negativen Effekte durch MON810 gezeigt. Gleichzeitig moniert die Behörde allerdings „Mängel“ beim Monitoring und empfiehlt Monsanto, seine Kontrollaktivitäten zu „stärken“. [dh]

16.12.2014 |

Weitere Gentechnik-Nelken auf dem Weg

Nelke Nelke (Foto: Helena / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)

Mehrere Sorten von gentechnisch veränderten Nelken dürfen schon als Schnittblumen in die EU importiert werden, bald könnten weitere hinzukommen. Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA sieht jedenfalls kein Problem – und erklärt Einwände Zyperns für unbegründet.

Es geht um zwei Varianten der Firma Florigene aus Australien, denen das umstrittene Gentechnik-Gremium der EFSA nun die Unbedenklichkeit aussprach. Aufgrund eingeschleuster Gene haben sie eine violette Färbung, während die Elternlinien kirschrote Blüten haben.

Florigene ist eine Tochterfirma des japanischen Suntory-Konzerns, der neben Gentech-Blumen auch Snacks und Getränke verkauft. Auch Suntory will zusätzliche Nelken mit gentechnisch veränderter Blütenfarbe in die EU exportieren. Dagegen erhob Zypern Einspruch. Die Gentechnik-Varianten könnten aufgrund menschlicher Aktivität verbreitet werden, ihr Pollen könne aber auch durch Insekten auf andere Nelken übertragen werden, auch auf besondere zyprische Sorten, so die Behörden des Inselstaats. Die EFSA sieht das nicht so. Zwar könne die Übertragung des Pollens nicht ausgeschlossen werden, sie sei aber sehr unwahrscheinlich – und selbst wenn sie stattfinde, sei es wiederum sehr unwahrscheinlich, dass überlebensfähige Hybride herauskämen.

Gentechnik-Nelken wie „Moonlite“ oder „Moonaqua“ werden in Europa zum Beispiel in Online-Shops verkauft. Zumindest in den Beschreibungen findet sich oft kein Hinweis darauf, dass es sich um gentechnisch veränderte Sorten handelt. [dh]

15.12.2014 |

Kennzeichnung in Oregon endgültig gescheitert: 0,06% fehlen

Oregon Das Logo der Kampagne "Oregon Right To Know" (http://oregonrighttoknow.org)

Es bleibt dabei: im US-Bundesstaat Oregon wird auch weiter nicht gekennzeichnet, ob ein Lebensmittelprodukt Zutaten aus gentechnisch veränderten Pflanzen enthält. Auch eine Neuauszählung änderte nichts an dem hauchdünnen Sieg der Kennzeichnungsgegner, die ihre Kampagne mit Millionen aus den Kassen der Gentech- und Snackfood-Industrie finanzierten. Über 4.000 Stimmen wurden wegen ungültiger Unterschriften auf den Briefwahlunterlagen nicht gewertet – sie hätten nach Ansicht der Kennzeichnungsbefürworter den Unterschied machen können.

Laut der jüngsten Zahlen von Freitag endete die Abstimmung quasi mit einem Unentschieden von 50 zu 50 Prozent – die Kennzeichnungsgegner kamen jedoch auf rund 800 Stimmen mehr (753.574 zu 752.737). Damit bleiben sie auch nach der erneuten Auszählung, die das Wahlrecht Oregons bei einem Unterschied von weniger als 0,2 Prozent vorschreibt, vorn.

4.600 Stimmen wurden nicht eingerechnet, weil es Probleme mit den Unterschriften gab. Dagegen hatte die Initiative „Oregon Right To Know“ geklagt, ein Richter lehnte ihren Einspruch aber ab. Am Donnerstag gab die Initiative bekannt, keine weiteren Rechtsschritte unternehmen zu wollen. Sie kündigte an, sich weiter für eine verpflichtende Gentechnik-Kennzeichnung in Oregon und den USA einsetzen zu wollen.

Damit bleibt es dabei, dass Vermont ab 2016 der einzige US-Bundesstaat mit verpflichtender Kennzeichnung sein wird – es sei denn, die Industrie setzt sich vor Gericht durch. Sie hat gegen die drohende Kennzeichnung ihrer Lebensmittelprodukte geklagt, die häufig Zucker aus Gentechnik-Zuckerrüben oder Maissirup aus genverändertem Mais enthalten. [dh]

11.12.2014 |

Gentechnik-Raps von Bayer in der Schweiz entdeckt

Raps Schweiz Basel Greenpeace machte 2012 auf Gentechnik-Raps am Rheinhafen in Basel aufmerksam (Foto: Patrik Tschudin / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

Dass in der Schweiz Gentechnik-Raps wächst, der beim Transport verloren gegangen ist, ist schon länger bekannt. Nun wurden die Fundorte erneut untersucht: dabei wurde nicht nur festgestellt, dass sich der Monsanto-Raps GT73 weiter ausbreitet. Erstmals, so die Experten, sei auch in Kanada und den USA angebauter Raps des Bayer-Konzerns entdeckt worden.

Neben GT73, der bereits 2011 auf dem Gelände des Rheinhafens in Basel gefunden worden war, nun aber auch an einem weiteren Ort festgestellt wurde, haben die Mitarbeiter des Biosicherheitslabors des Kantons Basel-Stadt verwilderte Gentechnik-Rapspflanzen der Linien MS8, RF3 und der Kombination MS8xRF3 ausgemacht. Diese stammen von Bayer Cropscience, das Saatgut wird unter dem Namen „InVigor“ auf dem nordamerikanischen Markt verkauft. Mittels Gentechnik wurden sie immun gegen das Spritzmittel Glufosinat („Liberty“) gemacht, das in der EU wegen Gesundheitsrisiken nur noch sehr eingeschränkt genutzt werden darf.

Die Experten nahmen letztes Jahr mehrere Proben und untersuchten diese im Labor auf Merkmale der gentechnischen Veränderungen. Die Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal Plos One. Zwar gebe es keine Hinweise darauf, dass das künstlich eingebrachte Genmaterial auf natürliche Verwandte wie die Wilde Rauke übergesprungen ist. Bei zwei nicht-genmodifizierten Rapspflanzen sei das aber passiert – ihre Samen enthielten die spezifischen Gen-Sequenzen des Monsanto-Rapses GT73.

In der Schweiz wurde bislang kein Gentechnik-Raps angebaut oder im Land verarbeitet. Die Rohware aus Übersee wird jedoch am Rhein von Schiffen auf Güterzüge oder LKW umgeladen – dabei können Samenkörner verloren gehen, insbesondere beim besonders leichten Raps. Das aber nicht nur beim Import von Raps, der anschließend in andere europäische Länder transportiert wird. Die Mitarbeiter des Biosicherheitslabors halten es für „wahrscheinlich“, dass der Gentech-Raps über Weizenlieferungen eingeschleppt wurde. Denn die Schweiz habe zwischen 2010 und 2012 fast 250.000 Tonnen Getreide aus Kanada bezogen. Auf den dortigen Äckern folge Weizen häufig auf Raps – und Raps ist in Kanada fast immer gentechnisch verändert. Übrig gebliebene Rapspflanzen können dann die Weizenernte kontaminieren. Diese Annahme müsse aber noch bestätigt werden, heißt es. [dh]

10.12.2014 |

CDU wirbt wieder für Gentechnik in der Landwirtschaft

Merkel CDU Parteitag Köln 2014 CDU-Chefin Merkel gestern auf dem Parteitag in Köln (Foto: Michael Panse / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0)

Noch vor einem Jahr hatte die CDU Im Koalitionsvertrag „die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung“ gegenüber gentechnisch veränderten Pflanzen anerkannt, nun hat sie ein wesentlich gentech-freundlicheres Programm verabschiedet. Allerdings wurde die Junge Union auf dem Parteitag in Köln mit ihrem Vorhaben ausgebremst, die kürzlich auf EU-Ebene ausgehandelten Möglichkeiten für nationale Anbauverbote gar nicht zu nutzen.

Auf Antrag des Parteivorstands wurde folgender Passus beschlossen: „So brauchen wir z. B. eine sachliche Diskussion darüber, wie grüne Gentechnik helfen kann, eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, beispielsweise indem Pflanzen trockenheits- oder salzresistent werden, oder auch wie Pflanzen als nachwachsende Rohstoffe für umwelt- und klimafreundliche Produkte genutzt werden können. Auch an deutschen Hochschulen und Wissenschaftsinstituten soll Forschung in diesem Bereich möglich sein und gefördert werden.“

Dabei haben die Gentechnik-Labore bei solchen komplizierten Eigenschaften bislang wenig zustande gebracht, wie kritische Wissenschaftler anmerken. Konventionelle Züchter hingegen können einige Erfolge hinweisen, vor kurzem zum Beispiel eine salztolerante Kartoffel, die zurzeit in Pakistan erprobt wird.

Ganz so gentechnik-euphorisch wie es sich die Nachwuchspolitiker der Jungen Union gewünscht hatten ist der Parteibeschluss allerdings nicht ausgefallen. Die JU hatte beantragt, „von der sogenannten Opt-out-Regelung für das nationale Verbot von GVO-Saatgut keinen Gebrauch zu machen.“ In der laut Beobachtern nun beschlossenen, milderen Fassung heißt es lediglich, die Anwendung der Gentechnik-Anbauverbote in Deutschland sei „sorgfältig zu prüfen“. Das Opt-Out war letzte Woche zwischen EU-Parlament und den Regierungen der Mitgliedstaaten ausgehandelt worden – Deutschland wurde vom Bundeslandwirtschaftsministerium vertreten – und soll im Januar abgesegnet werden. Dann können es die 28 EU-Länder in nationales Recht gießen. CSU-Agrarminister Christian Schmidt will „so bald wie möglich“ einen Entwurf vorlegen.

Überhaupt liegen die Schwesterparteien bei der Agro-Gentechnik nicht immer auf einer Linie. Während die CDU nun beschloss, die Regierung solle „einen gesellschaftlichen Dialog initiieren, der neben den Risiken (JU: 'neben heraufbeschworenen Risiken') auch die Chancen der Agrarbiotechnologie herausstellt“, hat der CSU-Vorstand beantragt, beim eigenen Parteitag am kommenden Wochenende in Bezug auf das Freihandelsabkommen TTIP zu fordern: „Es darf keine Aufweichung unserer strengen Regeln gegen Gentechnik oder Hormonfleisch geben.“

Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel äußerte sich in ihrer Rede nicht direkt zur Gentechnik, sondern nur zur Landwirtschaft allgemein. Unter dem Stichpunkt „Industrie 4.0“ sprach sie über Internet und Autos, sagte allerdings auch: „In Zukunft wird man über ein GPS-System erkennen, welcher Quadratmeter des zu bearbeitenden Landes welche Fruchtbarkeit hat. Wer diese Informationen nicht hat, wird nicht mehr wettbewerbsfähig sein können.“

Der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner kritisierte den „Pro-Gentech-Kurs“ der CDU. „Statt die breite Ablehnung ernst zu nehmen, will die CDU den Menschen ein weiteres Mal die bekannten und längst widerlegten Heilsversprechen über 'Chancen der Agrarbiotechnologie' verkaufen und noch mehr Forschungsgeld für diese überflüssige Technologie verschwenden. Dass Angela Merkel zugelassen hat, dass solche Anträge  überhaupt auf die Tagesordnung genommen wurden, beweist erneut ihre persönliche Unterstützung der Gentechnik.“

Im Koalitionsvertrag von vergangenem November hatten CDU, CSU und SPD noch festgehalten: „Wir erkennen die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung gegenüber der grünen Gentechnik an.“ Jedoch wurde auf Druck der Kanzlerinnenpartei ein Bekenntnis zu Anbauverboten, das CSU und SPD eingebracht hatten, gestrichen. [dh]

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