30.10.2014 |

Zwei US-Staaten stimmen über Kennzeichnung ab

Abstimmung Wahl Umfrage Abstimmung über Gentechnik-Kennzeichnung (Foto: yarranz / freeimages)

Es geht weiter: Kommende Woche stimmen die Wähler in zwei weiteren US-Bundesstaaten darüber ab, ob eine verpflichtende Kennzeichnung von Gentechnik-Lebensmitteln eingeführt wird. Anders als in der EU gibt es dies bislang nicht. Die Industrie stemmt sich mit ihren Werbe-Millionen dagegen.

In Kalifornien und Washington hat es nicht geklappt. Nun gibt es in Colorado und Oregon eine neue Chance für Kennzeichnungsbefürworter. Leicht haben sie es nicht: laut Los Angeles Times stehen der Initiative Right to Know Colorado circa 700.000 Dollar für ihre Kampagne zur Verfügung. Die Gegenseite wird auf 12 Millionen Dollar geschätzt.

Ähnlich sieht das Kräfteverhältnis in Oregon aus. Noch nie wurde dort so viel Geld investiert, um das Ergebnis einer Volksabstimmung zu beeinflussen, heißt es bei der LA Times. Auch hier geht es um die verpflichtende Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Pflanzen in Lebensmitteln. Zwei Counties des Bundesstaats haben im Mai dafür gestimmt, den Anbau von Gentech-Pflanzen auf ihrem Gebiet zu verbieten.

Den bislang wichtigsten Erfolg für die Kennzeichnungsbefürworter gab es in Vermont. Dort beschloss die Politik bereits die Einführung von GMO-Labels. Allerdings tritt das Gesetz erst in Kraft, wenn Nachbarstaaten mitziehen.

Unterdessen könnte der Stadtrat von Los Angeles den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen auf dem Stadtgebiet untersagen. Zwar gibt es in der 3,8 Millionen-Einwohner-Stadt nicht viele landwirtschaftliche Flächen, ein Beschluss könne aber symbolische Wirkung entfalten, sagte der Stadtrat Mitch O'Farrell von der Demokratischen Partei. [dh]

30.10.2014 |

Britische Geflügelindustrie warnt vor TTIP

Truthahn Geflügel Selten: Bio-Truthahn aus USA (Foto: USDA / Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Die britische Geflügelfleisch-Industrie warnt vor einer gegenseitigen Anerkennung von Standards im Rahmen des EU-USA-Freihandelsabkommens TTIP. Über 80 Prozent der Unternehmen, die im Verband British Poultry Council (BPC) organisiert sind, zeigen sich laut einer Umfrage besorgt. Das Chlorbaden von Fleisch, das in den USA üblich ist, sei zwar billiger, aber auch nicht so nachhaltig wie die europäischen Schutzmaßnahmen.

Die britische Branche warnt vor überhasteten Entscheidungen. Durch den Verhandlungsprozess werde Druck aufgebaut, der zu halbherzigen Entscheidungen bei der Lebensmittelsicherheit führen könnte, sagte Chris Potter vom Geflügelverband laut meatinfo.co.uk.

BPC bezeichnet sich selbst als „die Stimme Geflügelfleisch-Industrie“ in Großbritannien. Sie vertritt mit circa 60 Unternehmen laut eigenen Angaben 90 Prozent der Branche.

Die amerikanische Fleischbranche, vertreten von der US Meat Export Federation (USMEF), forderte vor knapp einem Jahr hingegen, Europa müsse mehr Fleisch aus den USA einführen, auch wenn in der Produktion Wachstumshormone oder hier nicht-genehmigte Gentechnik-Organismen eingesetzt würden. [dh]

29.10.2014 |

Synthetische Biologie: Vorsorge statt „Wilder Westen“

Wilder Westen Foto: Pascal / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0

Zehn Tage lang verhandelten mehr als 190 Staaten, die das Übereinkommen über die biologische Vielfalt unterzeichnet haben, in Südkorea über weitere Umweltschutzmaßnahmen. Dabei ging es auch um Synthetische Biologie, die von Kritikern manchmal als „extreme Gentechnik“ bezeichnet wird. Nach zähem Ringen beschlossen die Teilnehmer, Vorsorge zu empfehlen. Die Regierungen sollen den Umgang mit Synbio-Organismen regulieren.

Einstimmig beschlossen die 194 Vertragsstaaten der Biodiversitäts-Konvention auch, dass zunächst Risiken geprüft werden sollen, bevor Organismen, die mit den Techniken der Synthetischen Biologie erzeugt wurden, im Freien getestet werden dürfen. Neben den Risiken für die biologische Vielfalt sollen auch Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und sozio-ökonomische Aspekte eine Rolle spielen. Lokale und indigene Gemeinschaften sollen beteiligt werden.

Zudem verpflichten sich die Unterzeichner-Staaten, darunter Deutschland, die Bereitstellung von Forschungsgeldern zu „fördern“, damit Wissenschaftler Fragen der Sicherheit, aber auch der wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Synthetischen Biologie auf den Grund gehen können.

Ob und wann die Beschlüsse tatsächlich umgesetzt werden, ist schwer zu sagen. Synbio-kritische NGOs zeigten sich erleichtert, dass nach den schwierigen Verhandlungen überhaupt ein Beschluss zustande kam. Zur Vorsorge zu raten sei „eine wichtige Entscheidung“, lobte das Third World Network. Die kanadische ETC Group, die Entwicklungen der Synthetischen Biologie aufmerksam verfolgt, erklärte: „Das ist nicht das Moratorium, das sich viele von uns gewünscht haben, aber es ist ein guter Schritt in die richtige Richtung.“

Bislang gehe es im Bereich der Synthetischen Biologie ähnlich zu wie im „Wilden Westen“, kommentierte Jim Thomas von der ETC Group. Nun würden wenigstens einige Regeln aufgestellt. Die milliardenschwere Synbio-Industrie habe ihre Erzeugnisse bisher ohne Tests in Lebensmittel, Kosmetik und Seifen gemischt, ergänzte Dana Perls von der USA-Sektion der Umweltschutzorganisation Friends of the Earth. „Diese Entscheidung ist ein klares Signal, dass Synthetische Biologie dringend geprüft und reguliert werden muss.“

Laut der Nachrichtenseite SynBioWatch verliefen die Fronten in den Verhandlungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Gegen ein Moratorium auf die Freisetzung von Organismen der Synthetischen Biologie wehrten sich demnach vor allem Kanada, Neuseeland, Australien, Großbritannien und auch Brasilien. Hier gebe es „starke Biotech-Industrien“, so der Bericht. Die USA, wo die Technologie ebenfalls auf dem Vormarsch ist, haben das Übereinkommen über die biologische Vielfalt gar nicht ratifiziert. Die Interessen der Entwicklungsländer vertraten demnach vor allem Malaysia, Bolivien, die Philippinen, Äthiopien, Ägypten und Osttimor. [dh]

28.10.2014 |

Keine Entscheidung über Brokkoli- und Tomatenpatent

Patente Patentamt EPA EPO Protest gegen Patente auf Pflanzen und Tiere am 27.10.14 (Foto: www.no-patents-on-seeds.org)

Die Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes hat gestern kein Urteil darüber gefällt, ob konventionell gezüchtete Gemüsesorten weiter patentiert bleiben dürfen. Erst in drei bis fünf Monaten werde die schriftliche Entscheidung mitgeteilt, sagte Ruth Tippe von der Initiative „Kein Patent auf Leben!“ dem Infodienst. Vor dem Patentamt in München, wo gestern eine Anhörung zu den umstrittenen Fällen stattfand, hatten sich Demonstranten versammelt und forderten ein Eingreifen der Politik, um die Patentierung von Pflanzen und Tieren zu stoppen.

„Wir fordern Freiheit für Tomate und Brokkoli, für Verbraucher und Landwirte! Die Politik muss den Ausverkauf unserer Lebensgrundlagen stoppen“, forderte Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, bei der Protestaktion. „Aber die Bundesregierung kommt nicht in die Gänge. Mehrere Verbände haben bereits im März gemeinsam einen Brief an Justizminister Heiko Maas geschrieben, bisher ohne jede Reaktion. Dabei hat die Regierung im Koalitionsvertrag sogar eine europaweite Initiative gegen Patente auf Pflanzen und Tiere beschlossen. Die zögerliche Haltung der Politik nutzen Monsanto und Co. zwischenzeitlich für immer neue Patentanträge.“

Letzte Woche hatten Patentkritiker einen Bericht veröffentlicht. Demnach wurden bereits 120 konventionell gezüchtete Organismen als „Erfindung“ anerkannt, obwohl das laut Patentrecht eigentlich nicht möglich sein sollte. Das Europäische Patentamt – das keine EU-Institution, sondern ein zwischenstaatliches Gebilde ist – finanziert sich hauptsächlich über Gebühren der Antragsteller. Insgesamt wurden 2.400 Pflanzen und 1.400 Tiere patentiert, die meisten sind gentechnisch verändert.

Der Gentechnik- und Saatgut-Konzern Syngenta verteidigte die Patentpraxis. Es gebe sonst keinen „Anreiz für die langwierige und kostenintensive Entwicklung neuer Pflanzeneigenschaften“, sagte der Leiter der Patentabteiltung der Firma, Michael Kock, laut topagrar.com. Nötig sei ein „Kulturwandel in der Saatgutindsutrie (sic!), um die Wahrnehmung von Patenten als Mittel der 'Ausschließung' und des 'Monopols' zu überkommen.“ [dh]

28.10.2014 |

Appell an Bayerns Konservative: „Kein Kniefall vor Gentechlobby“

Manfred Weber EVP- und CSU-Chef aus Niederbayern: Manfred Weber (Foto: Manfred Weber)

Der Freistaat Bayern und die CSU sollen sich in Brüssel für rechtssichere Gentechnik-Anbauverbote einsetzen, fordert der Bund Naturschutz. Ein „Kniefall vor der Gentechniklobby“ müsse verhindert werden, so der Appell an Ministerpräsident Horst Seehofer und den niederbayerischen CSU-Bezirkschef Manfred Weber, der die Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament anführt.

Der zurzeit in Brüssel diskutierte Vorschlag für eine Änderung des Gentechnik-Zulassungsverfahrens sieht vor, dass derjenige, der einen Antrag auf Genehmigung stellt – meist Konzerne wie Monsanto, Bayer oder Dow – zunächst gefragt werden muss, ob er zu einer freiwilligen Einschränkung bereit wäre. Das sei skandalös, kritisierte Hubert Weiger, der Vorsitzende des Bund Naturschutz. „Ein solcher Kniefall vor der Gentechniklobby darf weder von der Staatsregierung noch von der EVP Fraktion im europäischen Parlament im Interesse der eigenen Glaubwürdigkeit zugelassen werden.“

Bayern wirbt gerne damit, dass seine Äcker gentechnikfrei sind. Damit das so bleiben kann, müsse das Gentechnik-Zulassungsverfahren deutlich verbessert werden, meint auch Martha Mertens, Gentech-Sprecherin des BN. „Ein dauerhaft gentechnikanbaufreies Bayern lässt sich aber nur sichern, wenn sich die Abgeordneten im EU Parlament für verbesserte, klare Verbotsregelungen des Gentechnikanbaus auf nationalstaatlicher Ebene einsetzen.“

In Brüssel entscheidet der Umweltausschuss Anfang November über die Position des Parlaments. Anschließend geht es in Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten und der Kommission. Als stärkste Fraktion haben die Konservativen der EVP dabei eine wichtiger Rolle. Nach der Bestätigung der künftigen EU-Kommission erklärte EVP-Chef Weber: „Diese Europäische Kommission ist die Kommission der Menschen.“ Ihr Präsident, Jean-Claude Juncker, hatte einige Wochen zuvor selbst Kritik am Gentechnik-Zulassungsverfahren geübt. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie ernst Kommission und Konservative die Bedenken der großen Mehrheit der Bürger gegenüber Gentechnik-Pflanzen nehmen. [dh]

24.10.2014 |

„Patentindustrie verhökert die Zukunft unserer Ernährung“

Patente Patentamt EPO Szene aus dem Patentamt in München (Foto: Europäisches Patentamt)

Ein neuer Bericht zeigt, wie viele Pflanzen und Tiere vom Europäischen Patentamt bereits als „Erfindung“ eingestuft wurden. 2.400 Pflanzen und 1.400 Tiere stehen schon unter Patentschutz, die meisten sind gentechnisch verändert. Doch auch 120 konventionell gezüchtete Lebewesen wurden patentiert – obwohl das vom Recht eigentlich nicht gedeckt ist.

Doch Konzerne nutzen aus, dass die Patentverordnung an dieser Stelle zu schwammig ist – und das Europäische Patentamt, eine Nicht-EU-Organisation mit Sitz in München, spielt mit. „Die Industrie und das Patentamt haben das Patentsystem zu einem Werkzeug der systematischen Aneignung unserer Lebensgrundlagen gemacht, sie verhökern die Zukunft unserer Ernährung“, mahnt Christoph Then, der den Bericht für die internationale Gruppe „Keine Patente auf Saatgut!“ mitverfasst hat.

Das Patentamt habe, offenbar mit Absicht, „einen Zustand rechtlicher Absurdität“ herbeigeführt, kritisiert das Bündnis verschiedener Nichtregierungsorganisationen. Davon profitierten Konzerne wie Monsanto und Syngenta, die sowohl gentechnisch veränderte als auch konventionell gezüchtete Pflanzen verkaufen. Aber auch Patentanwälte und das Amt selbst, das sich über Gebühren der Antragsteller finanziert, verdienten gut. Im vergangenen Jahr habe das Patentamt etwa 1,5 Milliarden Euro kassiert, so die Kritiker.

Sie konzentrieren sich nun auf kommenden Montag. Dann findet in München, vor einer Beschwerdekammer des Patentamts, eine Anhörung im Fall der Patentierung konventioneller Brokkoli- und Tomatensorten statt. Eventuell könnten diese umstrittenen Patente gekippt werden. Auf ein generelles Umdenken beim Patentamt hofft die Gruppe „Keine Patente auf Saatgut!“ dennoch nicht. „Die bisherigen Erfahrungen lassen vermuten, dass unabhängig davon, wie diese Entscheidung ausfallen wird, das EPA die Patentierung von Pflanzen und Tieren fortsetzen wird.“ Nun sei die Politik gefordert, einzugreifen und die bisherige Vergabepraxis zu unterbinden. [dh]

23.10.2014 |

TTIP: Tausche Äpfel und Birnen gegen Gentechnik

EU Parlament USA Flaggen EU und USA verhandeln über ein Freihandelsabkommen (Foto: European Parliament Audiovisual Service)

Die EU will mehr Obst in die USA verkaufen, stößt dabei aber auf Hindernisse. Doch sie könnte Washington bei der Gentechnik ködern: Zulassung von acht in der Warteschleife steckenden Gentech-Pflanzen, dafür sollen die europäischen Exporteure mehr Äpfel und Birnen über den Atlantik schicken können. Das könne auch die Verhandlungen über das TTIP-Abkommen neu beleben, erklärte der bald aus dem Amt scheidende Handelskommissar Karel De Gucht seinen Kollegen im September.

Der Regierung in Washington ist es ein Dorn im Auge, dass US-Konzerne wie Monsanto, Dow oder Dupont vergleichsweise lange warten müssen, bevor ihre Gentechnik-Pflanzen auch von der EU zugelassen werden. Hier will De Gucht ansetzen: laut Sitzungsprotokoll sagte er den übrigen EU-Kommissaren, die TTIP-Verhandlungen könnten neuen Schwung bekommen und europäische Obstexporteure bessere Geschäfte machen, wenn die acht genmodifizierten Pflanzen durchgewunken würden. Dabei handelt es sich um zwei Mais-, vier Soja-, eine Raps- und eine Baumwollpflanze, die als Futtermittel genutzt werden.

Er habe schon mit Präsident Obamas Handelsberater, Michael Froman, gesprochen. Der sei bereit, sich die Exportlizenzen für Obst und Gemüse noch mal anzusehen, so De Gucht. Seine Einschätzung: eine EU-Zulassung für die Gentechnik-Pflanzen werde auch die Bereitschaft Washingtons erhöhen, mehr Obst ins Land zu lassen.

Auch die europäische Agrarindustrie drängt vehement auf eine Genehmigung für die acht gentechnisch veränderten Futterpflanzen. Ansonsten drohe eine „Selbstmordsituation für das europäische Wachstum“, schrieben mehrere Lobbyverbände letzte Woche. Der Verein Testbiotech aus München hatte zuvor gewarnt, die Risikobewertung sei bei einigen dieser Pflanzen unvollständig gewesen. [dh]

23.10.2014 |

Gentechnikfreie Züchtung bei Salztoleranz erfolgreich

Salz Salz (Foto: Pascal / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0)

In den Niederlanden ist eine neue salzwassertolerante Kartoffelsorte gezüchtet worden - und das ganz ohne Gentechnik. Weltweit sind fast 50% der bewässerten Ackerflächen von Versalzung bedroht.

Der Ökolandwirt Marc van Rijsselberghe gründete die Salzfarm Texel auf der gleichnamigen Insel im Norden des Landes und forschte mit Dr. Arjen de Vos von der Freien Universität Amsterdam an Feldfrüchten, die Salzwasser vertragen. „Bisher haben sich alle darauf konzentriert, wie man Salzwasser zu Süßwasser umwandeln kann. Wir schauen auf das, was die Natur uns bereitstellt”, sagte van Rijsselberghe der Zeitung The Guardian.

Weltweit sind fast 50% der bewässerten Ackerflächen von Versalzung bedroht. Die Entsalzung von Meerwasser ist ein teurer und energieintensiver Prozess. Die salzresistenten Kartoffelpflanzen aus Holland hingegen können mit verdünntem Meerwasser bewässert werden und haben eine viermal höhere Salztoleranz als andere Sorten. Die „Salzkartoffel“ entstand durch praktisches Ausprobieren und durch konventionelle Züchtung. Über 30 Kartoffelsorten wurden getestet, aber nur zwei zeigten eine erhöhte Salztoleranz und wurden weiterverwendet.

Die ersten Exemplare der Superknolle befinden sich schon auf dem Weg nach Pakistan, wo 4,2 Millionen Hektar Land von Versalzung bedroht sind und die Bauern zur Bewässerung häufig Brackwasser verwenden, worunter Ertrag und Qualität der Pflanzen leiden. Wenn die Kartoffeln sich gut an das asiatische Klima anpassen, könnten viele Bauern davon profitieren. Den Forschern zufolge besteht kein Risiko, durch den Verzehr von mit Meerwasser gegossenen Kartoffeln zu viel Salz aufzunehmen. „Wir haben herausgefunden, dass eine Pflanze, die mit Salz geärgert wird, dies mit mehr Zucker kompensiert“, sagte de Vos. Das Salz verbleibe größtenteils in den Blättern.

In Texel werden auch Gerste, Salat oder süße Erdbeeren angebaut. Die Kartoffeln sind fester Bestandteil auf der Speisekarte mehrerer Restaurants. Peter Melchett von der britischen NGO Soil Assocation begrüßte die Züchtung der salzresistenten Sorte. „Das ist ein weiteres Beispiel dafür, wie konventionelle Züchtung der Gentechnik um Jahre voraus ist. Diese nicht gentechnisch veränderten, salztoleranten Kartoffeln werden bereits angebaut obwohl Salztoleranz schon immer eines der großen und bisher unerfüllten Versprechen der Gentechnik-Befürworter war.“ [Angelika Beck, www.weltagrarbericht.de]

22.10.2014 |

Studie: Größere Sicherheitsabstände zu Gentechnik-Feldern nötig

Schmetterling Falter Pollen Insekten Foto: Jürgen Mangelsdorf / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0

Der Pollen von Maispflanzen fliegt weiter als oft angenommen. Deshalb seien größere Abstände zwischen Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen und schützenswerten Flächen nötig, erklären Wissenschaftler. Sie haben 10 Jahre lang Proben in Deutschland, der Schweiz und Belgien genommen.

An über 200 Standorten überprüften die Forscher zwischen 2001 und 2010, wie weit weg von einem Mais-Acker noch größere Mengen an Pollen der Pflanze in spezielle Fallen gegangen waren. Ihr Ergebnis: natürlich landet ein Großteil der Pollen im Feld oder in unmittelbarer Nähe. Doch auch in einer Entfernung von viereinhalb Kilometern treten noch tausende Pollen pro Quadratmeter auf. Schon kleine Mengen des Pollens von Gentech-Mais, der ein Insektengift absondert, könne jedoch empfindlichen Falterarten schaden, so die Wissenschaftler im Fachmagazin Environmental Sciences Europe.

Problematisch ist aus ihrer Sicht daher die heutige Praxis in der EU. In den statistischen Modellen würde die Pollenverbreitung in Entfernungen über 10 Metern unterschätzt. Mit ihrer Methode und den dafür entworfenen Partikelfiltern, die vom Verein Deutscher Ingenieure geprüft seien, könnten realistischere Daten erhoben werden, meinen Frieder Hoffmann vom Ökologiebüro in Bremen, Mathias Otto vom Bundesamt für Naturschutz und Werner Wosniok vom Institut für Statistik der Uni Bremen.

Die heute vorgeschriebenen Pufferzonen zwischen Gentechnik-Mais-Feldern und anderen Flächen halten die Experten für zu klein – empfohlen würden von offizieller Seite nur 20 bis 30 Meter. Nötig seien aber Abstände im Kilometer-Bereich. In Deutschland gilt ein Mindestabstand von 150 Metern zwischen Feldern mit gentechnisch verändertem und konventionellen Mais, bei Bio-Mais 300 Meter. Für die Naturschutzgebiete sind die Bundesländer zuständig. Bislang haben aber nur Brandenburg und Baden-Württemberg hier angesetzt. Sie schreiben Sicherheitsabstände von 800 Metern bzw. drei Kilometern vor. [dh]

21.10.2014 |

Agrarindustrie warnt: Gentechnik oder Selbstmord

Ernte USA Maschine Traktor Mähdrescher Foto: USDA, Lance Cheung / Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0

Lobbyverbände der Agrarindustrie drängen die scheidende EU-Kommission, vor ihrem Abgang noch acht gentechnisch veränderte Pflanzen durchzuwinken. Jede weitere Verzögerung führe zu einer „Selbstmordsituation für das europäische Wachstum“, hieß es am Freitag vom Landwirtschaftsdachverband Copa-Cogeca, der Fleischindustrie und anderen Gruppen. Die Gentech-Pflanzen seien sicher. Dabei hatte die EU-Lebensmittelbehörde einige Studien zu eben jenen Pflanzen aufgrund von Mängeln zurückgewiesen, wie der Verein Testbiotech Anfang letzter Woche erinnerte.

Die noch amtierende Kommission von José Manuel Barroso müsse die acht Gentechnik-Pflanzen – zwei Mais-, vier Soja-, eine Raps- und eine Baumwollvariante – jetzt zum Import und als Futter- und Lebensmittel zulassen. Sonst könne es zu Versorgungsengpässen kommen, der Markt ins Ungleichgewicht geraten, warnten die Lobbyverbände, die die Interessen von Agrarhändlern, Großbauern, Pflanzenöl-, Futtermittel- und Fleischproduzenten vertreten.

Es gebe die „echte Gefahr, dass die Viehindustrie stark geschädigt“ werde, wenn nicht genügend Agrarrohstoffe zur Verfügung stünden. Angesichts der derzeitigen Wirtschaftskrise sei das Zögern der EU bei neuen Gentechnik-Produkten besonders schwerwiegend, so Copa-Cogeca-Generalsekretär Pekka Pesonen.

Der gentechnik-kritische Verein Testbiotech aus München hatte Anfang letzter Woche davor gewarnt, den acht fraglichen Pflanzen eine Importgenehmigung zu erteilen. „Wir sehen immer häufiger gravierende Mängel in den Dossiers der Industrie und den Stellungnahmen der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA“, hatte Christoph Then von Testbiotech festgestellt. „Beispielsweise hat die Industrie zu einigen der jetzt anstehenden Anträge Fütterungsversuche vorgelegt, die so mangelhaft waren, dass die EFSA sie nicht akzeptiert hat. Aber anstatt neue Studien zu verlangen, hat die Behörde einfach grünes Licht gegeben.“

Statt um belastbare wissenschaftliche Daten drehe sich die Risikobewertung zu sehr um die ökonomischen Interessen der Industrie. Dabei sei die EU verpflichtet, „ein hohes Maß an Sicherheit für Umwelt und Verbraucher zu garantieren.“

Neben den acht Importanträgen liegt auch ein Anbaugesuch spruchreif auf dem Tisch der Kommission. Der Mais 1507, der ein Insektengift absondert und resistent gegen das Spritzmittel Glufosinat ist, könnte der zweite Gentech-Mais werden, der in der EU angebaut werden darf. [dh]

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