22.07.2014 |

Über 40% der Milch in Bayern gentechnikfrei

Kuh Bayern Milch Allgäu Nicht alle bayerischen Kühe bekommen Gentechnik-Futter, viele aber schon (Foto: Andreas Metz / flickr, CC BY-NC-SA 2.0)

Über 40 Prozent der in Bayern produzierten Milch stammt nach Schätzungen der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) aus gentechnikfreier Produktion. Die Molkereien hätten letztes Jahr 20,5 Prozent der angelieferten Milch nach dem „Ohne Gentechnik“-Standard erfasst – tatsächlich sei die Menge aber wohl doppelt so groß. Hinzu kommen etwas weniger als fünf Prozent Bio-Milch.

Für die Untersuchung befragte die LfL bayerische Molkereien. Demnach wurden 1,7 Milliarden Kilogramm Milch nach den „Ohne Gentechnik“-Kriterien erfasst. Ein Fünftel der insgesamt 8,3 Milliarden Kilogramm, die die Milchbauern anlieferten. Die LfL geht aber davon aus, dass das nur die Hälfte der gentechnikfrei erzeugten Milch war.

„Tatsächlich dürfte in Bayern weitaus mehr an Milch 'ohne Gentechnik' bereits jetzt zur Verfügung stehen. Nach eigenen Schätzungen ist die Menge etwa doppelt so groß, weil viele Milcherzeuger aus grundsätzlichen Erwägungen unabhängig von der Molkereistrategie ihre Produktion umgestellt haben“, schreiben Mitarbeiter der Behörde in der „Deutschen Molkerei Zeitung“. Ein großer Teil werde aber nicht als gentechnikfrei erfasst, da die Supermärkte nicht immer bereit seien, den Aufpreis zu bezahlen.

Der Anteil der zertifizierten „Ohne Gentechnik“-Milch wuchs in Bayern um 18 Prozent im Vergleich zum Jahr 2012 – laut LfL ein unerwartet deutliches Wachstum. Bio- und „Ohne Gentechnik“-Kühe bekommen keine gentechnisch veränderten Pflanzen zu fressen. Stattdessen gibt es Gras und Heu, Raps oder gentechnikfreies Soja. [dh]

22.07.2014 |

Multi-Gift-Pflanzen in USA auf dem Vormarsch

Gift Chemikalie Spritzmittel Resistenz herbizidresistent stacked events Viele Gentechnik-Pflanzen sind resistent gegen hochgiftige Herbizide oder produzieren Insektizide - oder beides (Foto: resignent / freeimages)

In den USA nimmt der Anteil derjenigen Gentechnik-Pflanzen, die sowohl gegen mindestens ein Herbizid resistent sind als auch mindestens ein Insektengift absondern, weiter zu. Das geht aus Zahlen des Landwirtschaftsministeriums in Washington hervor. Hintergrund: Unkräuter und Insekten sind wegen der massiven Giftbelastung auf Gentechnik-Feldern ebenfalls resistent geworden. Mit weiteren Pestiziden sollen sie in Schach gehalten werden.

Die sogenannten Stacked Events, also Gentech-Pflanzen mit mehreren Eigenschaften, verbreiteten sich in den letzten Jahren immer schneller, so das Ministerium. Bei Mais machten sie 2014 drei Viertel der gesamten Maisfläche aus (76%), bei Baumwolle 79%. Die übrigen Gentechnik-Pflanzen gehören noch zur älteren Generation: sie sind entweder gegen ein Spritzmittel immun oder produzieren aufgrund eines eingebauten Bakteriengens ein Insektizid.

Bei Soja gibt es laut Ministerium nur herbizidresistente Varianten, die einen Anteil von 94% erreicht haben. Bei Mais und Baumwolle liegt der Gentechnik-Anteil in den USA dieses Jahr bei 93 bzw. 96%.

Wegen der zunehmenden Giftresistenz von Schädlingen und Unkräutern entwickeln die Gentech-Konzerne Pflanzen, die gegen mehrere, teils schon ältere Herbizide immun sind und mehrere Insektengifte produzieren. Die Maisvariante „Smartstax“ von Monsanto beispielsweise ist gegen zwei Herbizide resistent (Glyphosat und Glufosinat) und sondert sechs Insektizide ab. Umweltschützer warnen vor einer starken Belastung von Böden, Wasser und nützlichen Insekten. Smartstax darf seit Ende letzen Jahres auch in die EU importiert und als Futter- und Lebensmittel genutzt werden. [dh]

21.07.2014 |

UK: Anstieg der Gentechnik-Experimente an Tieren um 573%

Maus Labor Tiere Labormaus (Foto: rama / wikimedia, creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/fr)

In Großbritannien ist die Zahl der Experimente mit dem Ziel, gentechnisch veränderte Tiere bzw. Tiere mit einer „schädlichen genetischen Mutation“ zu züchten, in den letzten 20 Jahren um 573 Prozent gestiegen. Insgesamt nahmen Tierversuche seit 1995 um 52 Prozent zu.

Die Tiere werden mittels Gentechnik beispielsweise so verändert, dass sie Krebs oder andere Krankheiten entwickeln. Sie werden dann in der Forschung nach neuen Medikamenten eingesetzt. Drei Viertel der insgesamt vier Millionen Tierversuche fand letztes Jahr an Mäusen statt, 12 Prozent an Fischen und sechs Prozent an Ratten, wie das britische Innenministerium mitteilte. Gegenüber dem Jahr 2012 gab es einen Anstieg um 0,3 Prozent.

In Deutschland ist die Zahl der eingesetzten Gentechnik-Versuchstiere in den letzten fünf Jahren um 78 Prozent gestiegen, wie mehrere Verbände vor kurzem in einem offenen Brief an die Politik beklagten. [dh]

21.07.2014 |

Agrarindustrie fordert schnelle Gentechnik-Genehmigungen

Soja Schrot Export Import Brasilien Brasilianisches Soja für Tierfutter; Foto: Roosewelt Pinheiro/Abr [CC-BY-3.0-br (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/br/deed.en)], via Wikimedia Commons

Die Agrarindustrie fordert eine rasche Genehmigung von acht gentechnisch veränderten Pflanzen. Diese müssten so bald wie möglich in die EU importiert und hier als Futter- und Lebensmittel verwendet werden dürfen, verlangten drei Verbände letzten Montag per Pressemitteilung.

Bei den Gentechnik-“Events“ handelt es sich um den Mais MON 87460, die Sojapflanzen MON87705 und MON87708 sowie den Raps GT73 des US-Konzerns Monsanto, den Mais T25 und die Baumwolllinie T304-40 von Bayer Cropscience, die Soja DP-305423 von Dupont-Pioneer und die Soja BPS-CV127-9 von BASF. Falls der Import nicht schnell genehmigt werde, drohten „Knappheit“ und „Handelsunterbrechnungen“, so die Verbände COCERAL, FEDIOL und FEFAC, die Agrarhändler, Öl- und Futtermittelhersteller repräsentieren.

Sechs der acht Gentechnik-Pflanzen sind resistent gegen Herbizide, die von den gleichen Unternehmen verkauft werden (Glyphosat, Glufosinat, Dicamba oder Imidazolinon). Eine, die Baumwollpflanze von Bayer, produziert zusätzlich noch ein Gift gegen Insekten. Nur drei haben eine Eigenschaft, die nichts mit Gift zu tun hat: die Soja von Pioneer weist einen veränderten Ölgehalt auf (gleichzeitig ist sie allerdings gegen ALS-Herbizide resistent, das eingeschleuste Gen dient als Marker), bei der Monsanto-Soja wurde am Fettgehalt gedreht (zusätzlich zur Glyphosat-Resistenz) und eine andere Soja des US-Agrochemieriesen soll bei Trockenheit widerstandsfähiger sein (außerdem trägt sie ein Antibiotika-Resistenzgen als Marker). Das funktioniere allerdings nur bei moderater Dürre – und auch dann nur „bescheiden“, wie die unabhängige US-Wissenschaftsorganisation Union of Concerned Scientists im Jahr 2012 zu bedenken gab. Der Verein Testbiotech aus München warnt außerdem vor unbeabsichtigten Effekten durch die permanente Produktion eines bakteriellen Stressproteins in der Pflanze.

Die Genehmigungsanträge für die acht Gentech-Pflanzen liegen zurzeit auf dem Tisch des scheidenden EU-Verbraucherschutzkommissars Tonio Borg. Die Kommission hat das letzte Wort, weil sich die Regierungen der Mitgliedstaaten zuvor nicht auf Zulassung oder Ablehnung einigen konnten. Bislang hat die Kommission in solchen Fällen stets die Genehmigung erteilt. [dh]

17.07.2014 |

Starke Wachstumsprognose für gentechnikfreie Lebensmittel

Mündige Verbraucherin Foto: Informationsdienst Gentechnik

Der weltweite Markt für gentechnikfreie Lebensmittel soll in den nächsten Jahren stark wachsen. Analysten erwarten bis 2018 einen jährlichen Zuwachs von fast 16 Prozent. Zum Vergleich: in den letzten fünf Jahren lag die Rate laut der Firma Pegasus Agri-Tech bei 3,7 Prozent.

Haupttreiber für das kräftige Wachstum des gentechnikfreien Lebensmittelmarktes sind nach Ansicht der Forschungs- und Beratungsfirma TechNavio Mittelklasse-Familien in Europa, den USA und Asien. Mit deren verfügbaren Einkommen steige auch die Nachfrage nach Lebensmitteln, die keine Zutaten aus gentechnisch veränderten Pflanzen enthalten bzw. nach tierischen Erzeugnissen aus gentechnikfreier Tierfütterung. Viel Bewegung gebe es bei Milchprodukten, aber auch Snacks.

Was die Analyse ausblendet: die meisten Lebensmittel wie Getreide, Gemüse und Obst sind ohnehin nicht gentechnisch verändert. Entweder, weil es keine entsprechenden Biotech-Pflanzen gibt oder weil diese nicht angebaut werden dürfen. Gentechnisch veränderte Pflanzen wurden letztes Jahr auf 12,5 Prozent der weltweiten Ackerfläche angebaut: überwiegend sind es Soja, Mais für die Futtertröge der industriellen Fleischproduktion und Baumwolle für Textilien. [dh]

16.07.2014 |

Petitionsausschuss kritisiert EU-Zulassungsverfahren

Reichstag Foto: Simone Knorr

Der Petitionsausschuss des deutschen Bundestages hat das Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Pflanzen in der EU kritisiert. Nach drei Jahren Wartezeit erkennen die Abgeordneten damit die Sorgen von über 100.000 Unterzeichnern einer Petition an, wie der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft heute mitteilte. Die für Gentechnik zuständige EU-Lebensmittelbehörde (EFSA) könne derzeit kein „funktionierendes ausgeglichenes Zulassungsverfahren“ gewährleisten, so der Ausschuss. Konkrete Maßnahmen wollen die Parlamentarier dennoch nicht ergreifen.

„In Anbetracht der Risiken und der nicht abschließend abschätzbaren Folgen der Verwendung von GVO [gentechnisch veränderte Organismen, Red.] hält es der Petitionsausschuss für wichtig, ein funktionierendes ausgeglichenes Zulassungsverfahren zu konzipieren, das alle Aspekte und aufgeworfene Fragen berücksichtigt. Dies wird jedoch nach der Auffassung u. a. des EU-Umwelt-Rates durch das derzeitige Zulassungsverfahren der EFSA nicht gewährleistet“, stellten die Abgeordneten des Petitionsausschuss im Juni fest.

Das komme durch die Petition, die im Jahr 2011 an den Bundestag überreicht worden war, zum Ausdruck – und könne in die derzeitige Gentechnik-Debatte auf EU-Ebene einfließen. Dorthin und an die Bundesregierung leitete der Ausschuss das Anliegen denn auch weiter – allerdings nur als „Material“ und nicht, wie von Linken und Grünen gefordert, „zur Erwägung“ und „Berücksichtigung“. Konkrete Folgen wird die Petition damit wohl nicht entfalten können.

Ein Erfolg war sie aus Sicht des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, der die Unterschriftensammlung angestoßen hatte, trotzdem. Wegen der vielen Unterschriften, aber auch, weil der Ausschuss die Kritik am Gentechnik-Zulassungsverfahren teilt. „Mit Blick auf die zehn Gentech-Pflanzen, die in Brüssel auf eine Anbau-Zulassung warten, ist allerdings sowohl die dreijährige Bearbeitungszeit der Petition also auch die mangelnde Konsequenz des Beschlusses absolut unverständlich“, hält der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein fest. „Denn wer das Zulassungsverfahren kritisiert, muss sich auch gegen den Anbau der Pflanzen aussprechen, die es durchlaufen haben.“

Das tat der Petitionsausschuss jedoch nicht. Zwar räumen die Abgeordneten ein: „Es besteht die Gefahr, dass die Verbreitung von freigesetzten gentechnisch veränderten Pflanzen auf Dauer nicht kontrollierbar ist.“ Außerdem müsse das Ziel „Sicherheit von Mensch und Umwelt“ Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben. Doch belassen es die Politiker bei einer zwanglosen Übermittlung an ihre Parlamentskollegen in Straßburg und an das Landwirtschaftsministerium in Berlin. Dabei hatten sie noch auf Behördenexperten verwiesen: „Bezüglich der Gefahren, die mit dem Anbau und der Verbreitung herbizidresistenter Pflanzen einhergehen, liegen nach Aussage des Bundesamts für Naturschutz gesicherte Daten vor, die deren schädliche Wirkung beweisen. Im Bereich der insektenresistenten GVO könne die schädliche Wirkung zumindest nicht ausgeschlossen werden.“

Erst vor wenigen Tagen hatte auch der künftige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mangelnde Transparenz beim Gentechnik-Zulassungsverfahren kritisiert. [dh]

16.07.2014 |

USA: Zahlreiche Einsprüche gegen 2,4-D-Mais und -Soja

Gift Glyphosat Spritzmittel Pestizide Chemikalie Chemie Mit und ohne Gentechnik - in der konventionellen Landwirtschaft werden häufig chemische Spritzmittel eingesetzt (vierdrie / freeimages)

Das hochgiftige Herbizid 2,4-D könnte in den USA demnächst eine Renaissance erfahren: die Umweltbehörde EPA visiert die Zulassung von gentechnisch verändertem Mais und Soja an, die gegen die Chemikalie resistent sind. Verbraucherschützer warnen, dass dadurch drei- bis siebenmal mehr 2,4-D auf die Felder gelangen würde. 500.000 Bürger haben sich mit ihren Bedenken an die Behörde gewandt.

Ein derart deutlicher Anstieg der ausgebrachten Menge von 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure, einem Bestandteil des im Vietnam-Krieg eingesetzten Entlaubungsmittels „Agent Orange“, könne dazu führen, dass Krebserkrankungen und andere Gesundheitsprobleme häufiger auftreten und die Umwelt geschädigt wird, befürchtet das Center for Food Safety (CFS). Die Nichtregierungsorganisation nimmt an, dass sich der 2,4-D-Einsatz im Fall einer Zulassung der Gentechnik-Pflanzen vervielfachen würde und stützt sich dabei auf Berechnungen des Herstellers, dem Chemie-Konzern Dow.

Dieser will mit den 2,4-D-resistenten Gentech-Pflanzen auch das Herbizid „Enlist Duo“ auf den Markt bringen – es enthält neben dem schon älteren 2,4-D auch die Nummer eins unter den meistverkauften Herbiziden: Glyphosat. Man könne also auch nicht davon ausgehen, dass wenigstens der Glyphosat-Verbrauch zurückginge, wenn „Enlist“-Pflanzen angebaut würden, so CFS. Der Umweltbehörde wirft CFS vor, sie hätte den prognostizierten Anstieg des Herbizidverbrauchs und die damit zusammenhängenden Umwelt- und Gesundheitsprobleme gar nicht in ihre Bewertung der Gentechnik-Pflanzen aufgenommen.

Dow und andere Agrochemie-Konzerne wie Monsanto entwickeln seit einiger Zeit transgene Pflanzen, die gegen andere Chemikalien als Glyphosat („Roundup“) resistent sind. Der Hintergrund: viele Unkräuter sind durch den systematischen Glyphosat-Einsatz ebenfalls resistent geworden. Ein echtes Problem für US-Bauern. Mit 2,4-D oder Dicamba, die schon länger eingesetzt werden, sollen die Unkräuter aus den Gentechnik-Plantagen verschwinden. Dass das funktioniert, bezweifelt das CFS. Auch hier werde sich die Natur anpassen – während der Giftcocktail immer toxischer wird.

„Die amerikanische Landwirtschaft steht an einem Scheideweg. Die Zulassung dieser Pflanzen und Pestizide würde die amerikanische Landwirtschaft auf einen gefährlichen Weg schicken, der die Probleme, die Farmer schon heute haben, nur verschärfen würde“, warnt Bill Freese von CFS. Seine Organisation verlangt von der EPA eine umfassende und unabhängige Risikobewertung der Gentechnik-Pflanzen von Dow. Um das zu bekräftigen, haben NGOs über eine halbe Million Kommentare von besorgten Bürgern gesammelt und an die Behörde weitergeleitet. [dh]

15.07.2014 |

TTIP: Juncker muss mehr liefern als „Lippenbekenntnisse“

Juncker Jean-Claude Juncker [Foto: © European Union 2014 - European Parliament. (Attribution-NonCommercial-NoDerivs Creative Commons license)]

Heute wurde der Luxemburger Jean-Claude Juncker vom Europäischen Parlament zum nächsten Kommissionspräsidenten der EU gewählt. Zuvor hatte er auch zum geplanten Freihandelsabkommen mit den USA Stellung bezogen und den Abgeordneten mehr Transparenz sowie die Beibehaltung des Verbraucherschutzniveaus zugesichert. Die Grünen fordern, dass Juncker „sein Versprechen auch in jedem Punkt minuziös einlöst und solche Äußerungen nicht, wie wir es bisher bei der Kommission erlebt haben, nur Lippenbekenntnisse sind“.

Die Ankündigungen Junckers seien ein Schritt in die richtige Richtung, lobte Martin Häusling, grüner Agrar-Politiker im Europaparlament. Nun müsse der neue Präsident auch liefern. Von der bisherigen Kommission und dem deutschen Landwirtschaftsminister ist Häusling enttäuscht: „Trotz der inzwischen zugesicherten Beteiligung der Zivilgesellschaft an den Verhandlungsinhalten drohen massiv einseitige Verhandlungsschwerpunkte, sollten sich europäische und US-amerikanische Agrarindustrieinteressen durchsetzen. Äußerungen von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) lassen hier jede Sensibilität für die gesellschaftlichen Wünsche und Befürchtungen beim Freihandelsabkommen vermissen“, schrieb der Grüne in einer Pressemitteilung.

Diese Woche läuft die sechste Verhandlungsrunde zwischen Vertretern der USA und der EU. Zu den vielen heiklen Punkten des Abkommens zählt auch die Gentechnik-Regulierung. Wird eine gegenseitige Anerkennung von Standards vereinbart, so könnten noch mehr gentechnisch veränderte Pflanzen als Futter- und Lebensmittel in die EU gelangen. Auch die Schiedsgerichte, vor denen Streitigkeiten zwischen Konzernen und Staaten beigelegt werden sollen, werden von Vielen als intransparente Paralleljustiz kritisiert.

Juncker selbst äußerte vor einigen Tagen Kritik am EU-Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Organismen und mahnte Verbesserungen an. Sein Amt wird Juncker am 01. November antreten. [dh]

15.07.2014 |

Edeka will ab Herbst „Ohne Gentechnik“ kennzeichnen

Ohne Gentechnik Milch Das Ohne Gentechnik-Siegel auf einer Milchpackung (Foto: Simone Knorr)

Das „Ohne Gentechnik“-Siegel könnte ab Herbst auch auf Eiern, Milch oder Fleisch in Edeka-Supermärkten zu finden sein. Das teilte die Zentrale des Lebensmitteleinzelhändlers heute mit. Bislang gab es nur auf regionaler Ebene Eier aus gentechnikfreier Fütterung.

„Ab September 2014 werden voraussichtlich die ersten gelabelten Produkte in den EDEKA-Märkten zu finden sein“, heißt es in einer Pressemitteilung. Welche genau das sind, teilte das Unternehmen nicht mit. Bei seinen Eigenmarken will der Konzern „schrittweise“ auf gentechnikfreie Produktion umstellen: Die Lieferanten von Eiern, Milchprodukten und Fleisch sollen an die Tiere nach und nach Futtermittel aus Europa oder „zertifiziert verantwortungsvolleres, gentechnik­freies Soja“ verfüttern. In der hiesigen Massentierhaltung ist der Zusatz von Gentech-Soja aus Übersee sehr weit verbreitet.

„Wir setzen uns seit Jahren für die Förderung gentechnikfreier Lebensmittel ein“, erklärte Markus Mosa, der Edeka-Vorstandsvorsitzende. Sein Unternehmen ist nun auch Mitglied im Verband Lebensmittel Ohne Gentechnik, der die „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung im Auftrag der Bundesregierung vergibt. Edeka Nord und Südwest gehörten bereits zuvor zum Verband, ebenso wie Konkurrent Rewe und zahlreiche Betriebe.

Noch im März war Edeka seitens der Umweltorganisation Greenpeace vorgeworfen worden, bei der Umstellung auf gentechnikfreie Futtermittel zu „stagnieren“. Auch andere Supermärkte bekamen schlechte Noten, weil sie bei Eiern und Geflügelfleisch die Verfütterung von gentechnisch verändertem Soja zugelassen hatten. Mittlerweile haben die Discounter Aldi und Lidl teilweise eingelenkt: zumindest bei Eiern wollen sie weiterhin gentechnikfreie Fütterung sicherstellen, Lidl sucht laut Greenpeace außerdem „händeringend“ nach Lösungen für eine Geflügelfleischproduktion ohne Gentechnik. [dh]

14.07.2014 |

Discounter bewegen sich bei Gentechnik-Futter – ein bisschen

Eier Foto: pietroizzo / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0

Der Druck von Verbrauchern und Greenpeace-Aktivisten zeigt offenbar Wirkung: die Discounter Aldi Nord und Lidl wollen nun doch weiter Eier verkaufen, die aus gentechnikfreier Fütterung stammen. Auch Kaufland bestätigt diese Absicht. Anders sieht es hingegen bei Geflügelfleisch aus.

Im März hatten Aldi Nord, Lidl und Kaufland noch schlechte Bewertungen kassiert, nun erhielten sie zumindest bei Eiern ein „Daumen hoch“. Der Umweltschutzorganisation Greenpeace gegenüber gaben sie in der Zwischenzeit an, dass die Eier weiterhin von Hühnern stammen sollen, die nicht mit gentechnisch verändertem Soja gefüttert werden – in weiten Teilen der Viehhaltung ist die Gentech-Fütterung Standard.

Hieß es vor vier Monaten noch: „Aldi Nord setzt sich weder bei Eiern noch bei Geflügelfleisch aktuell für die Fortsetzung einer gentechnikfreien Fütterung mit konkreten Handlungsschritten ein“, so kann Greenpeace jetzt vermelden: „Aldi Nord hat auf die Greenpeace-Abfrage reagiert und verzichtet bei Eiern auch weiterhin auf Gen-Pflanzen im Futter.“

Bei Geflügelfleisch mache der Discounter hingegen keine Fortschritte. Er hält an der Wende zum Gentechnik-Futter fest, die Anfang des Jahres von der Geflügelindustrie eingeläutet worden war. „Statt ein paar Cent mehr für gutes Tierfutter zu zahlen, setzt Aldi Nord weiter auf die Billigmasche“, bilanziert Greenpeace beim Hähnchen- und Putenfleisch. Aldi Süd bekam sowohl bei Eiern als auch Fleisch einen gesenkten Daumen verpasst.

Hingegen suche Lidl beim Geflügelfleisch „händeringend“ nach einer gentechnikfreien Lösung. Immerhin beziehe der Discounter inzwischen wieder 15 Prozent des Geflügelfrischfleischs von Lieferanten, die ohne Gentechnik auskommen. „Das reicht aber nicht, da geht noch mehr!“, fordert Greenpeace. Bei Eiern habe der Aldi-Konkurrent ebenfalls bestätigt, weiter auf gentechnikfreie Erzeugung zu setzen. Und auch Kaufland hat im Gegensatz zur März-Abfrage angegeben, dass zumindest frische Eier aus der Produktion ohne Gentechnik stammen.

Gute Noten für Eier und Geflügelfleisch erhielten, wie auch schon im März, nur tegut, Rewe und Penny. Bei ihren Eigenmarken garantieren sie gentechnikfreie Fütterung. Gesetzlich ausgeschlossen ist Gentechnik bei Bio-Produkten, der Tierschutz spielt hier insgesamt eine größere Rolle. [dh]

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