01.10.2014 |

Chinesische Regierung schaltet Gentechnik-Werbung

China Plakat Wird die staatliche Kampagne für Gentechnik so ähnlich aussehen? (Foto: timquijano / flickr; Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0/)

Um die gentechnik-kritische Bevölkerung umzustimmen, hat die Regierung in Peking eine Kampagne im Fernsehen, Zeitungen und im Internet gestartet. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Kurz zuvor hatten die Behörden noch entschieden, mehrere Gentechnik-Pflanzen nicht zum Anbau im Land zuzulassen.

Nach mehreren Skandalen mit nicht-genehmigten Gentechnik-Lebensmitteln und fragwürdigen Verzehrstudien in Schulen ist vor allem die chinesische Mittelschicht skeptisch, wenn es um die Einführung von transgenen Pflanzen geht. Zwar werden, wie auch in Europa, große Mengen Gentechnik-Soja aus Nord- und Südamerika importiert und wandern in die massenhafte Produktion von Fleisch. Wichtige Lebensmittel wie Reis dürfen bislang aber nicht als Gentechnik-Variante angepflanzt werden.

Als Ziel der staatlichen Werbekampagne nannte das Landwirtschaftsministerium laut Reuters „eine gesellschaftliche Atmosphäre, die eine gesunde Entwicklung der Gentechnik-Industrie fördert.“ Zuletzt hatte Peking aber mehrere genmodifizierte Reis- und Maispflanzen nicht zugelassen, obwohl diese die bürokratischen Voraussetzungen erfüllten. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace China führte das auf die ablehnende Haltung der Bevölkerung zurück. [dh]

01.10.2014 |

Monsantos Gentech-Weizen wieder auf Feld entdeckt

Weizen Foto: Alexander Schimmeck / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0

Erst vor wenigen Wochen musste der US-Agrochemiekonzern einigen Weizenfarmern Schadensersatz zugestehen. Sie hatten geklagt, weil vor einem Jahr ihre Exporte nach Asien eingebrochen waren – Grund war der Fund von gentechnisch verändertem Weizen auf einem Feld in Oregon. Nun wurde das nicht-genehmigte Gentech-Getreide wieder entdeckt, diesmal in Montana. Die zuständige Behörde hat keine Erklärung.

Nach Angaben einer Behörde des Landwirtschaftsministeriums wurde der transgene Weizen auf dem Gelände der Montana State University gefunden. Dort waren zwischen 2000 und 2003 Feldversuche durchgeführt worden. Es sei unverständlich, wie die Gentech-Pflanzen vor fast zehn Jahren aus den Feldversuchen entweichen konnten, erklärte eine Sprecherin laut der Online-Ausgabe des Magazins Ag Professional. Nach dem Abschluss der Versuche war Monsanto verpflichtet gewesen, alle genmodifizierten Weizenpflanzen zu zerstören.

Dennoch sind sie nun wieder da. Bei dem jetzt entdeckten Weizen handelt es sich nicht um die gleiche Sorte, die vor gut einem Jahr in Oregon für einen Skandal gesorgt hatte. Genau wie diese ist auch der Gentech-Weizen aus Montana immun gegen Monsantos Unkrautvernichtungsmittel „Roundup“ (Glyphosat).

Im Gegensatz zu Soja, Mais oder Baumwolle darf gentechnisch veränderter Weizen nirgendwo auf der Welt kommerziell angebaut werden. Nach dem Fund in Oregon vor einem Jahr verweigerten Japan und Südkorea die Annahme von US-amerikanischem Weizen. Für viele Farmer bedeutete das herbe Verluste. Sie verklagten Monsanto. Anfang September gaben einige Bauern bekannt, sie hätten sich mit dem Konzern geeinigt. Über Details wurde nichts bekannt.

Gentechnik-Weizen stellt nach Ansicht des österreichischen Instituts für Naturforschung und Ökologie ein beträchtliches Risiko für herkömmliches Getreide dar. Die beste Lösung sei: gar nicht erst anbauen. [dh]

01.10.2014 |

EU-Kommission: Echte Gentechnikreform oder Mogelpackung?

Vytenis Andriukaitis EU-Kommissar Auch für Gentechnik zuständig: der designierte EU-Kommissar für Gesundheits- und Lebensmittelsicherheit Vytenis Andriukaitis (Foto: © European Union 2014 - European Parliament [Attribution-NonCommercial-NoDerivs Creative Commons license])

Unter der neuen EU-Kommission soll das jetzige Genehmigungsverfahren bei Gentech-Pflanzen auf den Prüfstand. Vor dem Parlament wiederholte der künftige Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis aus Litauen, was Jean-Claude Juncker bereits im Juli angekündigt hatte. Es gibt aber auch die Befürchtung, dass so vor allem Kritik am derzeit diskutierten „Opt-Out“ ausgebremst werden soll.

„Während der ersten sechs Monate meiner Amtszeit werde ich die für die Zulassung genetisch veränderter Organismen geltenden Rechtsvorschriften überprüfen, wie dies der gewählte Präsident Herr Juncker in seinen Politischen Leitlinien festgelegt hat“, schrieb Andriukaitis vor seiner gestrigen Anhörung vor dem Umweltausschuss des Europaparlaments.

Gentechnik-Kritiker befürchten, Andriukaitis könnte mit seiner Ankündigung das Ziel verfolgen, die zurzeit debattierten Änderungen an der Gentechnik-Regulierung durchzudrücken. Dabei geht es um das sogenannte Opt-Out, das es den EU-Mitgliedstaaten erleichtern soll, einzelne Gentechnik-Pflanzen auf ihren Äckern zu verbieten. An der konkreten Ausgestaltung, die Kommission und Regierungen vorgeschlagen haben, gibt es aber heftige Kritik – auch vom Parlament. Vor allem die frühzeitige Beteiligung von Gentech-Konzernen im Opt-Out-Prozess ist umstritten. Mit dem Versprechen, das Zulassungsverfahren zu prüfen – Umwelt- und Verbraucherschützer fordern seit Jahren eine bessere Risikobewertung – versucht Andriukaitis möglicherweise, skeptische Abgeordnete zu bewegen, dem Opt-Out zuzustimmen.

„Die Zulassung von Gentech-Pflanzen in Europa erfolgt weiter weder wissenschaftlich fundiert noch unabhängig von den Interessen der Gentechnik-Hersteller“, erklärte der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft heute. Der Verband lädt für nächste Woche zu einer Pressekonferenz ein, bei der es um die Mängel des Genehmigungsverfahrens gehen soll. Das Opt-Out beurteilt der BÖLW kritisch: „Es muss damit gerechnet werden, dass die Erleichterung regionaler Anbauverbote ('opt-out'), die derzeit in Brüssel verhandelt wird, dazu führt, dass die dringend erforderliche Reform der Zulassungsverfahren unterbleibt und die Schleusen für das 'Durchwinken' neuer Gentechnik-Pflanzen weit geöffnet werden.“ [dh]

30.09.2014 |

Ist „klimasmarte Landwirtschaft“ mehr als Greenwashing?

Farmer USA Ernte Bauern Landwirte Foto: Scott Bauer / United States Department of Agriculture, Agricultural Research Service

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat im Rahmen des Klimagipfels die Ziele der neuen „Globalen Allianz für klimasmarte Landwirtschaft“ gelobt. Das neue Agrar-Bündnis, zu dem auch der Gentechnik-Konzern Syngenta und der Fast-Food-Riese McDonald's gehören, will 500 Millionen Bauern vor den Folgen des Klimawandels schützen und „aktiv zu einem nachhaltigen und fairen Anstieg der Agrarproduktion und Einkommen beitragen.“ 100 zivilgesellschaftliche Organisationen sind skeptisch: die industrielle Landwirtschaft und das Agrobusiness, für das viele Mitglieder der Allianz stehen, gehörten zu den schlimmsten Klimasündern.

Konzerninteressen stünden bei der Allianz klar im Vordergrund – anstatt sinnvolle Maßnahmen gegen den Klimawandel. „Die vorgeschlagene Globale Allianz für klimasmarte Landwirtschaft scheint eine weitere Strategie der einflussreichen Akteure zu sein, eine industrielle Landwirtschaft abzustützen, die das grundlegende Menschenrecht auf Nahrung torpediert. Sie ist weder neu und innovativ noch das, was wir brauchen“, so die Kritiker. Prof. Meenakshi Raman vom Dritte-Welt-Netzwerk (TWN) betonte, dass globalen Agrochemiekalien- und Biotechnologie-Konzernen  an der Beibehaltung monokultureller Anbausysteme – inklusive Gentechnik-Pflanzen - gelegen sei. Diese seien jedoch CO2-intensiv, weil sie auf energieaufwendig produzierte Dünger und Pestizide angewiesen sei.

Doreen Stabinsky, Professorin am College of the Atlantic in den USA, bezeichnete die Globale Allianz als „trojanisches Pferd“. Darüber könnten unter anderem Gentechnik-Pflanzen und Kunstdünger verbreitet werden, schrieb Stabinsky in einem Papier der Heinrich-Böll-Stiftung. [keh]

26.09.2014 |

Studie zu Resistenzen: Scheitern der Gentech-Landwirtschaft

Palmer Unkraut USA Super Weeds Superunkraut in den USA (Foto: Delaware Agriculture/flickr; Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Die heute in Berlin vorgestellte Studie bestätigt Ausmaß und Folgen widerstandsfähiger Unkräuter in der US-amerikanischen Landwirtschaft, die beim Anbau von Gentech-Pflanzen entstehen. Sie zeigt aber auch die noch unbekannte Dimension des Resistenzproblems in Europa, vor allem gegen das Pflanzengift Glyphosat, das auch in der gentechnikfreien Landwirtschaft breit angewendet wird. Die Bewertung der Autoren, welche die Studie im Auftrag der europäischen Grünen erstellt haben, ist eindeutig: Superunkräuter sind eine Folge der industriellen Landwirtschaft, in der Gentechnik-Pflanzen nur die Speer-Spitze negativer Entwicklungen sind. Fazit: Dieses System steckt in der Sackgasse.

Noch vor gut 10 Jahren behauptete Monsanto, Entwickler von Glyphosat, die Bildung von Resistenzen beim Gebrauch dieses Spritzmittels sei trotz langjährigem und ausgiebigem Einsatz nahezu ausgeblieben und auch die einzigartige Struktur und Wirkungsweise von Glyphosat mache eine Resistenzentwicklung bei Unkräutern unwahrscheinlich. Fakt ist, dass heute auf beinahe der Hälfte aller US-Landwirtschaftsbetriebe glyphosat-resistente Unkräuter auf einer Fläche von 61,3 Mio. Hektar wachsen. Laut dem „International Service of Herbicide Resistent Weeds“ (weedscience.org) sind in den USA inzwischen 13 resistente Pflanzenarten registriert. Den Landwirten bereitet besonders der Fuchsschwanz, der höher wächst als die angebaute Kultur selbst und inzwischen gegen mehrere Spritzmittel Abwehrstrategien entwickelt hat, große Sorgen. Trotz ausbleibendem Ertragszuwachs hat dies bei einigen Landwirten zu einer Kostensteigerung von 100% geführt. Die Lösung der Resistenzprobleme durch die Industrie: Gentechnik-Pflanzen, die gegen mehrere Spritzmittel resistent sind. Christoph Then, Gentechnikexperte und Autor der Studie warnt vor dieser Rüstungsspirale und mahnt, diese Strategie bedeute, „das Feuer mit Öl zu löschen“.

Aber auch in Europa zeichnet sich trotz einer weitgehend gentechnikfreien Landwirtschaft die gleiche Entwicklung von Resistenzproblemen in der Landwirtschaft ab. Die meisten resistenten Pflanzenarten gibt es in Frankreich und Italien, gefolgt von Spanien sowie Deutschland. Gründe: reduzierte Bodenbearbeitung, Monokulturen, keine Anwendung von Fruchtfolgen und einseitige Anwendung von Spritzmitteln. Für Martin Häusling, Europaparlamentarier und Herausgeber der Studie, ist die Lösung klar: „Wir müssen deutlich umsteuern hin zu einer wissensbasierten statt technikorientierten Landwirtschaft, die auf ökologische Methoden wie eine abwechslungsreiche Fruchtfolge setzt und nicht auf plumpe chemische Lösungen, weil das einfacher ist und sich auch noch gut verkaufen lässt. Der massive Einsatz giftiger Chemikalien und eine weitere gentechnische Aufrüstung auf dem Acker sind das Problem, nicht die Lösung“. Jan Plagge, Bioland-Präsident, bestätigte die Erkenntnisse der Studie und fordert die Politik auf, Projekte zu fördern, die mit modernster Technik mechanische und herbizidfreie Ansätze liefern. [keh]

25.09.2014 |

Gentechnik-Verunreinigungen: Bundesregierung sieht tatenlos zu

Atlas der unkontrollierten Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen Report Testbiotech: Atlas der unkontrollierten Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen

Laut Testbiotech konnten bisher weder ein Aufruf eines Bündnisses von 35 Organisationen noch mehrfache Appelle an die Bundesminister Barbara Hendricks (Umwelt) und Christian Schmidt (Landwirtschaft) die Bundesregierung dazu bewegen, sich für klare internationale Regelungen gegen die unkontrollierte Ausbreitung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) einzusetzen. Damit fährt Deutschland ohne klares Mandat oder Vorschläge zum Stopp von GVO-Verunreinigungen zur entscheidenden UN-Konferenz zum „Cartagena Protokoll“ nach Südkorea. Dort wird ab dem 29.09. verhandelt, wie ungewollte grenzüberschreitende Verbreitungen von Gentech-Organismen rechtlich geregelt werden können.

Bereits im Mai dieses Jahres appellierte ein breites internationales Bündnis in einem Aufruf an die Vertragsstaaten des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (CBD), sich dafür einzusetzen, die unkontrollierte Ausbreitung von GVO zu stoppen. Denn diese birgt das Risiko, die ursprüngliche biologische Vielfalt der Nutzpflanzen zu zerstören. Dabei sind sich Wissenschaft und Politik einig, dass die biologische Vielfalt geschützt werden muss.

Betroffen von der ungewollten Verbreitung von GVO sind nahezu alle Kontinente, Nord- und Mittelamerika, Australien, Asien und Europa. Wie sich die gentechnischen Veränderungen ausbreiten, ist nicht immer geklärt. Möglich ist die Übertragung durch Wind und Insekten, aber auch auf dem Transportweg. Dabei kann die Wiege der Verbreitung oft durch Kontinente vom Fundort des GVO getrennt sein. Dokumentiert sind ungewollte gentechnische Veränderungen bei Kulturpflanzen wie Mais, Reis, Baumwolle und Raps, Gräsern sowie Pappeln. Aber auch bei Wildarten sind Verunreinigungen bekannt.

Besonders besorgt zeigt sich das Bündnis wegen der Freisetzung von gentechnisch veränderten Fischen und Insekten, die sich über Grenzen hinweg bewegen und fortpflanzen. Aber auch Bäume, die eine wesentlich längere Lebenszeit als Kulturpflanzen aufweisen, bergen Langzeitrisiken. Zwar weist die EU in einer Stellungnahme ausdrücklich auf die Risiken gentechnisch veränderter Insekten hin, konkrete Regelungen schlägt sie jedoch nicht vor. Die Bundesregierung verstecke sich hinter der Stellungnahme der EU und plane selbst auch keine konkreten Initiativen, kritisiert Christoph Then vom Verein Testbiotech. Er befürchtet, dass das völlig passive Verhalten der Bundesregierung mit dem geplanten Freihandelsabkommen mit den USA in Zusammenhang steht. [keh]

22.09.2014 |

USA: Umstrittene 2,4-D-Pflanzen zugelassen

Herbizide By USDA Photo by: Charles O"Rear [Public domain], via Wikimedia Commons

Vergangene Woche hat das US-Landwirtschaftsministerium zwei neue Herbizid-resistente Pflanzen zugelassen. Eine Zulassung durch das Umweltamt (EPA) für das dazugehörige Spritzmittel basierend auf dem sehr umstrittenen Wirkstoff 2,4-D steht noch aus. Der Gentechnik-Mais und die Gentechnik-Soja stammen aus dem Hause Dow AgroScience und tragen den Namen „Enlist TM“. Laut Konzern biete das neue System eine Lösung für das in den USA immer größer werdende Unkrautproblem. Kritiker befürchten eher das Gegenteil – neue Gefahren für Mensch und Umwelt.

Das Unkrautbekämpfungs-System „Enlist“ besteht ähnlich wie bei „Roundup-Ready“ aus einer Pflanze, die gentechnisch so verändert ist, dass nur die Nutzpflanze beim Ausbringen des dazugehörigen Spritzmittels überlebt. Alles andere Grün stirbt. Enlist-Pflanzen sind im Gegensatz zu Roundup-Ready-Pflanzen nicht nur gegen das Herbizid Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat unempfindlich, ihnen kann auch der Wirkstoff 2,4-D nichts anhaben. Das passende Herbizid soll daher unter dem Namen „Enlist Duo“ vertrieben werden. Anfang dieses Jahres zeigten Testbiotech, GeneWatch UK und Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) in einem Bericht die unterschätzten Risiken auf die menschliche Gesundheit des Wirkstoffes 2,4-D und warnten vor der Einführung von Gentechnik-Pflanzen, die das vermehrte Ausbringen der Chemikalie mit sich bringen.

In einer Pressemitteilung bewirbt Dow AgroScience sein neues Produkt als Lösung für das immer größer werdende Resistenzproblem der Super-Unkräuter. Laut einer Umfrage von Stratus (2012) hatten nahezu die Hälfte (49%) aller US-Landwirte glyphosat-resistente Unkräuter auf ihren Feldern. Landwirte hätten Schwierigkeiten, eine gesunde Ernte einzufahren und sie müssen auf alte und nicht so effektive landwirtschaftliche Praktiken zurückgreifen. “Enlist“ werde ihnen eine effektive Lösung bieten – so der Konzern.

Doch seit Jahren weisen Wissenschaftler auf den Zusammenhang zwischen intensivem Einsatz von Totalherbiziden und der Entwicklung von Resistenzen bei Unkräutern hin. Der Anbau von herbizidresistenten Gentechnik-Pflanzen ist an einen intensiven Herbizideinsatz gekoppelt. Auch die immer wieder empfohlene Strategie, die Pflanzen gleich mit mehreren Genen gegen verschiedene Spritzmittel zu wappnen, wird kaum Abhilfe schaffen, wohl aber die Konzernkassen klingeln lassen. [keh]

18.09.2014 |

TTIP und CETA: „Faktisch das Ende der Nulltoleranz“ bei Gentechnik

Container Schiff Hafen Handel TTIP Foto: Glyn Lowe Photoworks / flickr (creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Die geplanten transatlantischen Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) und Kanada (CETA) wären das Ende für die derzeitige Nulltoleranz gegenüber nicht-erlaubten Gentechnik-Organismen im Saatgut. Davor warnt der Grünen-Politiker Harald Ebner. Er fordert: „Auch um die Gentechnikfreiheit zu bewahren, darf Wirtschaftsminister Gabriel CETA nicht zustimmen und muss sich für einen Stopp der TTIP-Verhandlungen einsetzen.“

Im Gegensatz zu Agrarverbänden, die seit Jahren auf eine Aufweichung der Nulltoleranz drängen, hält Ebner die Saatgut-Reinheit prinzipiell für möglich. Das hätten auch die jährlichen Tests gezeigt. Bei Raps waren 0 Prozent des Saatguts gentechnisch verunreinigt, bei Mais 1,6 Prozent, wie Greenpeace und Bioland gestern mitteilten. Ebner sieht die Gefahr für die Nulltoleranz deshalb nicht in technischen Unwägbarkeiten, sondern in politischen Regelungen: „Im vorliegenden Entwurf des Kanada-Freihandelsabkommens CETA ist eine liberale Handhabung solcher Verunreinigungen vereinbart, was faktisch das Ende der Nulltoleranz bedeuten würde“, so der Bundestagsabgeordnete heute in einer Pressemitteilung. [dh]

17.09.2014 |

„Jede Verunreinigung mit Gentechnik bedeutet Risiken“

Saatgut Auch geringe Verunreinigungen von Saatgut haben große Schäden zur Folge (Foto: Zukunftsstiftung Landwirtschaft)

Null von 334 Proben waren letztes Jahr positiv – Raps-Saatgut ist in Deutschland damit zum zweiten Mal in Folge gänzlich gentechnikfrei, freuen sich Greenpeace und Bioland. Die Umweltschutzorganisation und der Öko-Anbauverband haben Berichte der Behörden ausgewertet. Auch bei Mais gingen die Verunreinigungen zurück, nur bei 1,6% wurden die Tester fündig. Deshalb könne die bislang gültige Nulltoleranz-Regelung für Gentechnik im Saatgut aufrecht erhalten werden, so die Schlussfolgerung.

Damit widersprechen Bioland und Greenpeace der Gentechnik-Industrie und den Verbänden großer Saatguthersteller. Diese fordern von der Politik seit Jahren eine Aufweichung der Nulltoleranz beim Saatgut – ähnlich wie bei Futtermitteln, wo sie schon 2012 gekippt wurde. Sie behaupten, Verunreinigungen seien nicht zu vermeiden und bedrohten Handel und Versorgung. Falsch, meint Bioland-Präsident Jan Plagge. „Auch die diesjährige Analyse zeigt, dass sauberes Saatgut möglich ist. Die Nulltoleranz für Saatgut muss auch künftig bestehen bleiben.“

Dirk Zimmermann von Greenpeace pflichtet ihm bei. „Die Ergebnisse sind eindeutig: Schwellenwerte für Gentechnik im Saatgut sind nicht nur völlig überflüssig, sondern nach wie vor eine Bedrohung für unsere Nahrungskette. Saatgut steht am Anfang der pflanzlichen Produktion - jede Verunreinigung mit Gentechnik bedeutet nicht nur ein unkalkulierbares ökologisches, sondern auch ein unverantwortliches wirtschaftliches Risiko.“ Das hätten Landwirte in den USA und Kanada schon zu spüren bekommen, als Gentechnik-Spuren in Reis, Leinsaat oder Weizen festgestellt wurden. [dh]

17.09.2014 |

Giganten vor Gericht: Cargill verklagt Syngenta

Schiff Container TTIP Handel Foto: Evan Leeson / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0

Weil für China bestimmter Mais mit einer dort nicht erlaubten Gentechnik-Sorte verunreinigt war, entgingen US-Händlern und Farmern Milliarden. Der Handelskonzern Cargill verklagt nun den Hersteller des Gentech-Maises, den Schweizer Agrochemie-Multi Syngenta. Cargill fordert Ersatz für „signifikante Schäden“, laut einem Medienbericht 90 Millionen Dollar.

Der Vorwurf: Syngenta habe unverantwortlich gehandelt, indem es seinen gentechnisch veränderten Mais MIR162 in den USA vermarktete, obwohl China – ein wichtiger Absatzmarkt – die Gentech-Variante noch nicht zum Import zugelassen hat. Nachdem chinesische Behörden in Maislieferungen aus den USA Verunreinigungen festgestellt hatten, wiesen sie große Mengen zurück – laut Cargill 1,4 Millionen Tonnen seit letztem November. Dadurch hätten die amerikanischen Landwirte und Getreidehändler bis zu 2,9 Milliarden Dollar verloren, beruft sich das Unternehmen aus Minnesota auf die National Grain and Feed Association (NGFA).

Zwar befürworte Cargill die Entwicklung neuer Gentechnik-Pflanzen, bekräftigte ein Manager am Freitag per Pressemitteilung. Syngenta sei aber nicht sorgfältig genug gewesen. „Syngentas Vorgehen entspricht nicht den Industriestandards und den Geschäftspraktiken anderer Unternehmen für Biotechnologie-Saatgut“, so Dave Baudler, Leiter von Cargill AgHorizons U.S..

Ähnliche Vorwürfe waren dem schweizerischen Gentechnik-Konzern zuvor auch von Landwirtschafts- und Exportverbänden in den USA gemacht worden. Syngenta wies die Kritik am Freitag zurück. Cargills Klage sei unbegründet, Farmer hätten ein Recht auf neue, zugelassene Gentechnik-Pflanzen. Das Unternehmen habe sich an alle gesetzlichen Vorgaben gehalten.

Der Mais MIR162 darf - im Gegensatz zu anderen Gentech-Varianten - nicht nach China eingeführt werden. Kürzlich ließ Peking zudem die Möglichkeit, erstmals den Anbau von transgenem Mais und Reis im Land zu erlauben, kommentarlos verstreichen. [dh]

Gehe zu Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 ...

*** Unterstützen Sie unsere Arbeit ***

Alle Informationen auf dieser Seite sind für Sie kostenlos, kosten aber trotzdem etwas. Unterstützen Sie den Infodienst - damit es auch weiterhin kritische Informationen zum Thema Gentechnik für alle gibt!
 Spenden-Infos hier

Newsletter bestellen

Gentechnik-Mais in der EU

Wie geht es weiter?

1. Schritt: Zulassung durch Kommission

2. Schritt: Sortenzulassung

3. Schritt: Anbau frühestens 2015 

 mehr...

Schule und Gentechnik

Unterrichtsportal zum Thema Agro-Gentechnik: Einführung, Arbeitsblätter, Videos und mehr...

Eine Lehrerin hält ein Schild mit der Aufschrift Lehrer. Hier gibt es Informationen und Material zur Gentechnik für den Unterricht.
Ein Schüler hält ein Schild mit der Aufschrift Schüler. Hier gibt es Informationen, ein Quiz, Videos und mehr zum Thema Gentechnik für Schülerinnen und Schüler.

Infodienst-Material

Postkarten zum Thema Gentechnik. Ein Mädchen nascht von einer Torte und sagt Gutes Essen braucht keine Gentechnik.
Ein Landwirt hält Maiskolben im Arm und sagt Gen-Mais schmeckt mir nicht.

Hier bekommen Sie kostenloses Infomaterial zum Thema: Flyer, Postkarten, Newsletter, Newsticker...
 Bestellung

Nachrichten