21.05.2015 |

Dutzende Pflanzen-Patente für Monsanto und Syngenta

EPO EPA Patentamt Patente Das Patentamt in München (Foto: EPA)

Die Saatgut-Konzerne Monsanto und Syngenta sollen „zeitnah“ insgesamt über 40 weitere Pflanzenzüchtungen patentieren dürfen. Es handele sich dabei auch um Gemüse wie Tomaten, Paprika, Blumenkohl, Karotten und Salat, teilte die Koalition von „Keine Patente auf Saatgut!“
nach einer eigenen Recherche mit. Solche Patente auf gewöhnliche Züchtung sollen laut Gesetz eigentlich nicht möglich sein. Nun müsse die Politik endlich handeln, fordern die Kritiker.

„Wie eine aktuelle Recherche zeigt, will das Europäische Patentamt (EPA) in allernächster Zeit weitere 30 Patente auf Pflanzen aus konventioneller Züchtung an Monsanto und deren Töchterfirmen erteilen. Die Firma Syngenta kann zeitnah auf etwa ein Dutzend Patenterteilungen hoffen“, schreiben die Organisationen, die in „Keine Patente auf Saatgut!“ zusammen geschlossen sind, darunter Misereor, Swissaid und Greenpeace.

„Züchter, Landwirte, Lebensmittelhersteller und Verbraucher gehören zu den Verlierern dieser Entwicklung: Der fortschreitende Konzentrationsprozess in der Züchtung gibt einigen wenigen Konzernen die Macht, darüber zu entscheiden, was auf dem Acker angebaut wird, was wir essen und welchen Preis wir dafür zu bezahlen haben“, sagte Bündnisvertreter Christoph Then. „Die europäischen Regierungen müssen jetzt endlich aktiv werden und die Interessen der Allgemeinheit gegen die von Patentlobbyisten und Großkonzernen verteidigen.“

Die Patentwelle folgt auf eine Grundsatzentscheidung der Großen Beschwerdekammer des Patentamts. Dieses hatte im Fall von Patenten auf Brokkoli- und Tomatenzüchtungen im März entschieden, dass solche Pflanzen aus gewöhnlicher Zucht als „geistiges Eigentum“ anerkannt werden können.

Politisch verantwortlich sind die Mitgliedstaaten des Europäischen Patentabkommens, darunter Deutschland. Das Patentamt ist keine EU-Institution. Die Staaten sitzen in seinem Verwaltungsrat, aus Deutschland Vertreter des Justizministeriums von Heiko Maas (SPD). Die Bundesregierung sieht Patente auf Pflanzen und Tiere eigentlich ebenfalls kritisch. „Um klarzustellen, dass auch durch herkömmliche Züchtungsverfahren gewonnene Pflanzen und Tiere von der Patentierbarkeit ausgeschlossen sind, wurde 2013 das deutsche Patentgesetz geändert“, schreibt Berlin im diese Woche veröffentlichten Agrarpolitischen Bericht. Auch beim Fall Brokkoli und Tomate guckt die Regierung hin: „Die Bundesregierung prüft derzeit, ob und gegebenenfalls welche Konsequenzen hieraus zu ziehen sind.“

Für die Kritiker von Biopatenten ist die Sache klar: die europäischen Regeln müssten „so verändert werden, dass Patente auf Züchtungsverfahren, Züchtungsmaterial, Züchtungsmerkmale, Gene sowie auf Pflanzen und Tiere und von diesen gewonnene Lebensmittel vollständig verboten werden“, fordert „Keine Patente auf Saatgut!“ [dh]

21.05.2015 |

Käse, Fleisch, Eier: Weiter keine Kennzeichnung

Ohne Gentechnik Milch Das Ohne Gentechnik-Siegel auf einer Milchpackung (Foto: Simone Knorr)

Im Koalitionsvertrag hatten CDU/CSU und SPD vereinbart, sich für eine Kennzeichnung von Fleisch, Eiern und Milchprodukten einzusetzen. Verbraucher sollten erkennen können, ob die Tiere Gentechnik-Pflanzen zu fressen bekamen. Doch nun macht die Regierung offenbar einen Rückzieher. Grund: es gebe dafür in der EU keine politische Mehrheit. Die Grünen sprechen von „Betrug“.

In ihrem soeben verabschiedeten Agrarpolitischen Bericht 2015 schreibt die Bundesregierung: „Die Pflichtkennzeichnung von gentechnisch veränderten Bestandteilen in Lebens- und Futtermitteln ist auf EU-Ebene abschließend geregelt. Lebensmittel, die als 'genetisch verändert' gekennzeichnet sind, werden in Deutschland nur vereinzelt verkauft. Eine EU-Regelung zur Kennzeichnung auch für Milch- und Fleischprodukte von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden, findet derzeit keine ausreichende Unterstützung seitens der Europäischen Kommission und der Mitgliedstaaten.“ Vorbereitet hat den Bericht das Landwirtschaftsministerium von Minister Christian Schmidt (CSU).

In ihrem Koalitionsvertrag hatten die Regierungsparteien 2013 noch vereinbart: „Wir treten für eine EU-Kennzeichnungspflicht für Produkte von Tieren, die mit genveränderten Pflanzen gefüttert wurden, ein.“ Das ist nun wohl vom Tisch. „Die Bundesregierung betrügt die Bürgerinnen und Bürger, die Gentechnik im Essen und auf den Äckern mehrheitlich ablehnen, heute ein weiteres Mal“, ärgerte sich der Grünen-Abgeordnete Harald Ebner. „Wenigstens die SPD und ihr Vizekanzler müssen jetzt ein Machtwort sprechen“, so Ebners Forderung. Fast 145.000 Menschen haben bislang eine Unterschriftenaktion von Foodwatch und Umweltinstitut München für eine solche Kennzeichnung mitgezeichnet.

Ansonsten will sich das Landwirtschaftsministerium scheinbar alle Türen offen halten. So heißt es in dem Bericht auch, man trete dafür ein, „dass die Rahmenbedingungen für eine öffentliche, wirkungsvolle und unabhängige Forschung zu gentechnisch veränderten Organismen in Deutschland auch weiterhin gewährleistet bleiben, um die Kompetenz für eigene Chancen- und Risikobewertung zu erhalten.“

Gleichzeitig soll aber die gentechnik-freie Züchtung gefördert werden. Ein Patent auf gezüchtete Pflanzen dürfe es nicht geben. Man habe 2013 das entsprechende Gesetz geändert, „um klarzustellen, dass  auch durch herkömmliche Züchtungsverfahren gewonnene Pflanzen und Tiere  von der Patentierbarkeit ausgeschlossen sind.“ Erst kürzlich hat das Europäische Patentamt mit Sitz in München jedoch Patente auf Brokkoli- und Tomatenzüchtungen zugelassen. „Die Bundesregierung prüft derzeit, ob und gegebenenfalls welche Konsequenzen hieraus zu ziehen sind“, heißt es dazu in dem Papier.

Beim Umgang mit Klontieren will die Regierung auf EU-Ebene Verbesserungen erreichen und sich „sowohl für ein Verbot des Klonens von Tieren als auch des Imports von geklonten Tieren und deren Fleisch einsetzen und eine Kennzeichnungspflicht für Nachkommen von geklonten Tieren und deren Fleisch anstreben.“ [dh]

20.05.2015 |

Weitere Baumärkte streichen Glyphosat

Coop Kein Glyphosat mehr im Coop-Baumarkt (Foto: Coop Bau+Hobby, coop.ch)

Zwei der größten Handelsketten der Schweiz, Coop und Migros, wollen das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat aus dem Sortiment nehmen. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC hatte das Herbizid als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft.

Bei Coop gilt der Verkaufsstopp für Glyphosat bereits seit Montag, sowohl in den Supermärkten als auch in Bau+Hobby Baumärkten. Das teilte der Konzern gestern mit. „Damit tragen Coop und Coop Bau+Hobby den Bedenken und der Gesundheit der Bevölkerung Rechnung. Zudem wird sich Coop dafür engagieren, alternative Herbizid-Lösungen zu finden“, erklärte Coop in einer Mitteilung an die Medien.

Migros nimmt Glyphosat laut dem Nachrichtenportal blick.ch ab 2016 aus dem Sortiment. Zur Migros-Gruppe gehören in der Schweiz auch der Baumarkt Obi und Do it + Garden Migros.

In Deutschland hatte die Baumarktkette Toom, eine Tochter von Rewe, letzte Woche angekündigt, bis Ende September den Verkauf von Glyphosat einzustellen. [dh]

+++ UPDATE 13:45 Uhr +++ Der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling hat die EU aufgefordert, den Glyphosat-Bericht des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zurückzuweisen: „Es kann nicht sein, dass das BfR als maßgebliche Behörde in dieser Angelegenheit zentrale Erkenntnisse, die das Ergebnis des ganzen Bewertungsberichtes ändern könnten, außer Acht lässt. Ohne eine Einarbeitung der Aussagen und Bedenken der Krebsforschungsagentur der WHO, IARC, die Glyphosat nach der Begutachtung verschiedener Studien nun als wahrscheinlich krebserregend einstuft, können die maßgeblichen EU-Instanzen sich kein wirkliches Bild über die von dem Wirkstoff ausgehenden Gefahren machen.“

19.05.2015 |

Kennzeichnung mit der Transparenz-Keule

Verbraucherin Simone Lebensmittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen müssen in der EU immer gekennzeichnet werden.

Am Montag fand in der Landesvertretung Sachsen-Anhalts beim Bund eine Pressekonferenz des „Forum Grüne Vernunft“ statt. Gentechnik-Befürworter und FDP-Politiker forderten, die bisherige Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln künftig anders zu gestalten: „für mehr Transparenz“. Gentechnik-Gegner, Bio-Landwirte und die meisten Verbraucherschützer halten davon indes gar nichts.

*** vor allem wegen Zusatzstoffen aus Tanks wollen Gentechniker, FDP- und einige Unionspolitiker eine neue Kennzeichnung.

*** Der Bundesverband der Verbraucherzentralen, Vertreter von Bio- und konventioneller Gentechnikfrei-Branche halten das für „Vernebelung“. Ziel sei: mehr Gentechnik auf europäischen Äckern.


Die Verfechter der neuen Kennzeichnung argumentieren, viele verarbeitete Lebensmittel, aber auch Medikamente und Waschmittel hätten „Berührung mit der Gentechnik gehabt“. Zu ihnen gehören der frühere Wirtschaftsminister des Saarlands und später Sachsen-Anhalts, Horst Rehberger (FDP), die ehemalige Bundestagsabgeordnete Christel Happach-Kasan (FDP), der Wirtschaftsstaatssekretär Sachsen-Anhalts, Marco Tullner (CDU), der gleichzeitig der dortigen Verbraucherzentrale vorsitzt, und mehrere Gentechnik-Forscher. Ihren Aufruf soll auch FDP-Chef Christian Lindner unterschrieben haben.

Wichtig zu wissen: dabei beziehen sie sich eher nicht auf gentechnisch veränderte Pflanzen. Solche gibt es in der EU kaum als Lebensmittel zu kaufen, denn die bisherige Kennzeichnungspflicht schreckt Hersteller und Supermärkte ab, Gentech-Mais oder -Soja ins Regal zu stellen. Das Forum Grüne Vernunft meint vor allem transgene Mikroorganismen. Sie stellen in geschlossenen Tanks Zusatzstoffe her. Diese werden entnommen und von der Lebensmittel- oder Pharmaindustrie verarbeitet. Dabei spricht man von „Weißer Gentechnik“, bei Medikamenten von „Roter Gentechnik“.

Die „Grüne Gentechnik“ spielt sich hingegen auf dem Acker, also im Freien ab. Und sie ist es, die Umwelt- und Verbraucherschützer besonders kritisieren. Denn die angebauten Pflanzen sind oft resistent gegen Spritzmittel wie Glyphosat („Roundup“) - und können daher systematisch besprüht werden. Oder sie sondern ein eigenes Gift gegen Insekten ab. So steige die Giftbelastung für Böden, Grundwasser, aber auch Landwirte oder Nachbarn von Gentechnik-Feldern, so die Kritik.

Würde nun eine neue Kennzeichnung eingeführt, die nicht zwischen solchen Pflanzen und Produktionstanks unterscheidet, könnten es Gentechnik-Konzerne wie Monsanto leichter haben, auch ihren Mais oder Soja in der EU zu vermarkten. „Letztlich geht es dem Forum Grüne Vernunft nicht um Transparenz oder Wahlfreiheit für Verbraucher, sondern um freie Bahn für gentechnisch veränderte Pflanzen“, glaubt Gerald Wehde, Pressesprecher des Bio-Anbauverbands Bioland.

Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) äußerte Kritik an dem Vorhaben, das von der VZ Sachsen-Anhalt mitgetragen wird. „Eine Gleichmacherei bei der Kennzeichnung lehnen wir ab, weil sie eine Vernebelung darstellt und eine Unterscheidung unmöglich macht“, kommentierte Ingmar Streese, Geschäftsbereichsleiter für Verbraucherpolitik.

Auf ihrer Website teilten die Verbraucherschützer mit: „Manche Produkte enthalten real gentechnische Bestandteile, etwa wenn Sojaöl aus GVO-Soja hergestellt wurde. Andere Produkte enthalten lediglich Vitamine oder andere Inhaltsstoffe, die zwar mit gentechnischen Verfahren hergestellt wurden, aber keine gentechnisch veränderten Bestandteile enthalten. Neben dieser Agro-Gentechnik gibt es auch Gentechnik in geschlossenen Systemen, etwas in der Medizin oder in der chemischen Industrie.“ Das müsse eine Kennzeichnung berücksichtigen, so Streese. „Etwa durch farbige Kennzeichen plus entsprechenden Erläuterungen, oder durch die 'Ohne Gentechnik'-Kennzeichnung von gentechnik-freien Lebensmitteln.“

Dieses „Ohne Gentechnik“-Label wird vom Verband Lebensmittel Ohne Gentechnik vergeben. Er setzt sich für die gentechnikfreie Fütterung von Tieren ein. Den Vorstoß der Gentech-Freunde bezeichnete er als „wenig durchdacht und populistisch“. „Ziel der Petition ist nicht die differenzierte Verbraucherinformation zum Thema Gentechnik, sondern der Versuch gentechnisch veränderte Pflanzen in der Lebensmittelindustrie salonfähig zu machen“, so Geschäftsführer Alexander Hissting.

Den Vorwurf des Forums, Landwirte könnten Fleisch, Käse oder Milch als gentechnikfrei bewerben, wenn die Kühe einige Wochen kein Gentech-Futter bekommen hätten, wies Hissting zurück. Wer das „Ohne Gentechnik“-Siegel erhalten will, muss Milchkühe zunächst mindestens drei Monate lang mit gentechnisch nicht-veränderten Pflanzen füttern, bevor er damit werben kann – und danach müsse er „kontinuierlich weiter 'Ohne Gentechnik' füttern“, teilt der Verband auf seiner Website mit. Bei Rindfleisch beträgt der Vorlauf 12 Monate, die Tiere müssen zudem mindestens drei Viertel ihres Lebens gentechnikfrei gefüttert worden sein.

Dass es solche Fristen überhaupt gibt, soll Landwirten den Ausstieg aus der Gentechnik erleichtern, erklärt der Verband. „Durch die Fristen hat der Gesetzgeber der Situation Rechnung getragen, dass die 'Ohne-Gentechnik'-Produktion erst einmal in Schwung kommen muss. Er ist dabei den Landwirten entgegengekommen, die auf eine gentechnikfreie Produktion umstellen möchten.“ Ansonsten täten sie nichts – und das helfe am Ende weder der Umwelt noch den Verbrauchern.

Kritik kommt auch von Greenpeace. „Die vom Forum Grüne Vernunft geforderte Kennzeichnung bewirkt nicht mehr Transparenz, sondern im Gegenteil, sie führt zu mehr Desinformation“, erklärte Stephanie Töwe von der Umweltorganisation. „Eine Kennzeichnung sollte Unterschiede deutlich machen. Der Vorschlag der 'Grünen Vernunft' zielt darauf, diese Unterschiede zu verwischen und die Entscheidung beim Kauf zu erschweren. Dieser Verein will nicht aufklären, sondern verwirren.“ [dh]

18.05.2015 |

„Saatgut ist eine der wichtigsten natürlichen Ressourcen“

Saatgut Keime Samen Ökologisches Gemüsesaatgut (Foto: ©BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan)

Am Wochenende fand in Nürnberg eine Konferenz zum Schutz des Menschenrechts auf Nahrung statt. In der gemeinsamen „Nürnberger Erklärung“ sprechen sich die Veranstalter, darunter das Umweltreferat der Stadt, für den Schutz von Saatgut aus. Gentechnik habe in der Landwirtschaft keinen Platz.

„Neben Land und Wasser ist Saatgut die wichtigste natürliche Ressource“, heißt es in der Erklärung. Regierungen müssten den Zugang zu dieser Ressource für alle, insbesondere jedoch für benachteiligte Gruppen, offen halten. Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) sagte bei der Eröffnung: „Biologische Vielfalt ist ein Welterbe und darf nicht der Privatisierung unterworfen werden.“

Neben der Stadt tragen Organisationen wie der Bund Naturschutz, Mission Eine Welt, Bluepingu, die Hilfswerke Misereor und Brot für die Welt die Erklärung mit. „Die fortschreitende Expansion gentechnisch veränderter Pflanzen wird besonders durch die Aktivitäten von Saatgutkonzernen, fragwürdige Zulassungsverfahren und unzureichende gesetzliche Regelungen in vielen Staaten vorangetrieben“, so ihre Analyse. „Die Patentierung und Zulassung gentechnisch veränderter Nahrungs- und Futtermittel muss gestoppt und schrittweise rückgängig gemacht werden.“

Laut Pressemitteilung des Bund Naturschutz äußerte sich auch eine Vertreterin der Vereinten Nationen kritisch zur Agro-Gentechnik. Die Sonderberichterstatterin für das Recht auf Nahrung, Hilal Elver, habe „verbesserte Möglichkeiten für die Staaten des globalen Südens, um Landgrabbing und Gentechnikanbau zu verbieten“ gefordert.

Die Stadt Nürnberg trat 2006 eigenen Angaben zufolge als erste deutsche Stadt dem Netzwerk „Città del BIO“ bei. Ziel sei neben mehr Bio-Landwirtschaft auch „die Förderung einer nachhaltigen Verbrauchs- und Esskultur und des Verzichts auf Gentechnik in Lebensmitteln.“ [dh]

18.05.2015 |

Firma verzichtet teilweise auf Patentierung von Gentech-Affen

Schimpanse Affe Schimpanse (Foto: khooyu / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

Die australische Firma Bionomics hat angekündigt, ein Patent auf gentechnisch veränderte Tiere, das neben Schweinen, Hunden und Katzen auch Schimpansen abdeckt, zurückzuziehen. Das teilten mehrere Organisationen letzte Woche mit. Sie hatten beim Europäischen Patentamt Einspruch erhoben. Bionomics hält allerdings weitere Patente auf transgene Säugetiere – inklusive Menschenaffen.

Bionomics hat den Tieren durch Gentechnik Erbgut von Menschen eingesetzt. Laut Kritikern geht es darum, Versuchstiere für die Pharmaforschung zu verkaufen. Sie fordern, alle Patente auf Tiere zu streichen. „Wir gratulieren der Firma Bionomics zu ihrer Entscheidung, auf die strittigen Ansprüche zu verzichten. Jetzt hoffen wir, dass die Firma auch konsequent handelt und grundsätzlich alle Patentansprüche aufgibt, die auf Tiere oder gar Menschenaffen gerichtet sind,“ erklärte Christoph Then, Geschäftsführer von Testbiotech. „Wir fürchten, dass von derartigen Patenten ein ökonomischer Anreiz ausgeht, immer noch mehr Tierversuche durchzuführen.“

Erfreut über den Patentrückzug zeigte sich auch die Affenforscherin Jane Goodall. „Ich habe mich immer darum bemüht, die Verwendung von Schimpansen und anderen Affen in jeglichen Tierversuchen zu stoppen. Patente auf Schimpansen sind für mich ein Horror“, wird sie in der Pressemitteilung der NGOs zitiert.

Für seine Vergabepraxis wird das Europäische Patentamt immer wieder kritisiert. Neben gentechnisch veränderten Tieren und Pflanzen erkannte das Amt mit Sitz in München auch schon konventionell gezüchtete Arten als „Erfindung“ an. Da es sich nicht um eine EU-Institution handelt, können nur die Vertragsstaaten Einfluss nehmen. Für Deutschland ist das Bundesjustizministerium zuständig. [dh]

15.05.2015 |

Syngenta-Mais: Zu viele schwache Daten

Mais Schmetterling Falter Foto: Jason Prini / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0)

Der Schweizer Konzern Syngenta hat beantragt, seinen gentechnisch veränderten Mais 5307 als Futtermittel zuzlassen. Doch die EU-Lebensmittelbehörde EFSA konnte die vorgeschriebene Risikobewertung nicht abschließen. Die vom Konzern eingereichten wissenschaftlichen Daten enthielten zu viele Mängel, begründete die Behörde.

Mais 5307 wurde DNA aus Bakterien eingebaut. Dadurch sondert er, wie die meisten gentechnisch veränderten Maispflanzen, ein Gift gegen Insekten ab. Dieses Gift, Cry3.1Ab, wollte die EFSA bewerten. Dafür verlangte sie von Syngenta eine Fütterungsstudie. Ratten sollten das Toxin 28 Tage lang verabreicht bekommen – ein Zeitraum, der aus Sicht vieler Wissenschaftler ohnehin zu kurz ist, um Risiken aufzudecken. Syngenta reichte allerdings Daten aus zwei Experimenten ein. Dadurch ließen sich die Ergebnisse – vor allem etwaige Auswirkungen auf die Leber der Tiere - nicht vernünftig interpretieren, erklärte die EFSA in ihrem Bericht. Außerdem seien zu wenige Ratten verwendet worden.

Eine andere Studie, bei der der Mais 5307 an Masthähnchen verfüttert wurde, ließ die EFSA ebenfalls nicht gelten. Hier seien nur von einem Teil der Tiere Testergebnisse angegeben worden. Zudem habe der Giftgehalt im verabreichten Futter geschwankt, die statistischen Details seien nicht ausreichend gewesen. [dh]

13.05.2015 |

Gentechnik, Gülle, Enge: Kein gutes Zeugnis für Fleisch

Fleisch Fleisch (Foto: Grant Hutchinson / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

Über 90 Prozent des in Deutschland verkauften Fleischs erfüllt nicht die „Mindestanforderungen an ökologische Nachhaltigkeit“, meint der Umweltverband WWF. Das fängt schon beim Futter an, das oft gentechnisch veränderte Pflanzen aus Übersee enthält, die massiv mit Herbiziden besprüht werden. Der WWF rät dazu, weniger Fleisch zu essen - dafür Bio oder Wild.

„Fleisch kann ein wertvolles Lebensmittel sein. Doch nicht nur gesundheitliche Gründe sprechen für einen bewussten Fleischgenuss, auch die Umwelt profitiert“, so der Verband, der gestern einen Einkaufsratgeber vorstellte. „Meistens landet gentechnisch verändertes Soja in den Futtertrögen. Soja wird überwiegend in Monokulturen angebaut, mit negativen Umweltauswirkungen. Hinzu kommen der Einsatz von Pestiziden oder die Verunreinigung des Grundwassers.“

Eine gute Wahl sind laut WWF Bio- und Wildfleisch. Konventionelle Produkte sollten die Verbraucher meiden - auch wenn sie Label wie das QS-Siegel tragen. „Konventionelle Fleisch-Markenlabels, also Fleisch welches mit Zusatzkriterien versehen ist, haben in der Regel jedoch keine nennenswerten Anforderungen mit ökologischem Mehrwert und sind meist reine Marketinginstrumente.“ [dh]

12.05.2015 |

Kolumbien: Kein Glyphosat im Kampf gegen Drogen

Koka Kokain Kolumbien Einsatz der kolumbianischen Polizei gegen Kokainhersteller im Jahr 2008 (Foto: Policía Nacional de los colombianos / flickr, creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)

Kokaplantagen sollen in Kolumbien künftig nicht mehr mit dem Herbizid Glyphosat besprüht werden. Das ordnete Präsident Juan Manuel Santos an, wie die taz berichtet. Zuvor hatte die Internationale Krebsforschungsagentur IARC das Mittel als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Innerhalb der Regierung gibt es jedoch Widerstand.

So hält das Verteidigungsministerium das Ausreißen der Sträucher von Hand wegen des Risikos, auf Landminen zu treten, für zu gefährlich für die Einsatzkräfte. Der Minister wolle weiterhin Glyphosat per Flugzeug ausbringen lassen, berichtet die taz. Finanziert worden sei das in den letzten Jahren größtenteils von den USA.

Letztes Jahr hatte Präsident Santos „den aktuellen Ansatz im Krieg gegen Drogen“ für gescheitert erklärt, wie amerika21 berichtete.

12.05.2015 |

Bundestag gegen Klonen von Tieren

Kalb Kuh Kein Klon: Bio-Kalb aus Hessen (Foto: ©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler)

Das Klonen von Nutztieren soll verboten werden – oder zumindest ihr Fleisch gekennzeichnet werden. Das fordert der Bundestag in einem einstimmigen Beschluss. Die Bundesregierung müsse sich in Brüssel dafür einsetzen, so das Parlament.

„Das Klonen von Tieren mittels der Technik des Zellkerntransfers geht mit erheblichen Risiken und Belastungen für die Klone selbst und deren Ersatzmuttertiere einher. Nur ein geringer Prozentsatz der Klone erreicht das zuchtfähige Alter“, heißt es im gemeinsamen Antrag der Regierungsfraktionen und der Grünen, dem das Parlament am Freitag zustimmte. „In Übereinstimmung mit Verbraucher- und Tierschutzverbänden sowie großen Teilen der Bevölkerung ist aus moralischen und ethischen Erwägungen ein Verbot des Klonens von Tieren zur Nahrungsmittelproduktion und eine Kennzeichnung von Klontieren, deren Nachkommen und daraus gewonnenen Produkten notwendig.“

Damit wendet sich der Bundestag gegen die EU-Kommission. Sie hatte zwar vorgeschlagen, das Klonen in der Lebensmittelproduktion zu untersagen. Es soll aber weiterhin möglich sein, Nachkommen von Klonen in die EU zu importieren und ihr Fleisch ohne Kennzeichnung zu verkaufen.

Der Verein Testbiotech, der sich kritisch mit dem Klonen und der Gentechnik auseinander setzt, begrüßte den Vorstoß des Parlaments. Man bezweifle aber den Erfolg, „da das geplante Freihandelsabkommen TTIP den Handlungsspielraum der Bundesregierung erheblich einzuschränken droht.“ Die Nachkommen geklonter Rinder seien bereits auf dem europäischen Markt. [dh]

Gehe zu Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 ...

*** Unterstützen Sie unsere Arbeit ***

Alle Informationen auf dieser Seite sind für Sie kostenlos, kosten aber trotzdem etwas. Unterstützen Sie den Infodienst - damit es auch weiterhin kritische Informationen zum Thema Gentechnik für alle gibt!
 Spenden-Infos hier

Newsletter bestellen

Schule und Gentechnik

Unterrichtsportal zum Thema Agro-Gentechnik: Einführung, Arbeitsblätter, Videos und mehr...

Eine Lehrerin hält ein Schild mit der Aufschrift Lehrer. Hier gibt es Informationen und Material zur Gentechnik für den Unterricht.
Ein Schüler hält ein Schild mit der Aufschrift Schüler. Hier gibt es Informationen, ein Quiz, Videos und mehr zum Thema Gentechnik für Schülerinnen und Schüler.

Infodienst-Material

Postkarten zum Thema Gentechnik. Ein Mädchen nascht von einer Torte und sagt Gutes Essen braucht keine Gentechnik.
Ein Landwirt hält Maiskolben im Arm und sagt Gen-Mais schmeckt mir nicht.

Hier bekommen Sie kostenloses Infomaterial zum Thema: Flyer, Postkarten, Newsletter, Newsticker...
 Bestellung

Nachrichten