30.07.2014 |

US-Regierung stuft Gentechnik-Informationen als vertraulich ein

Geheim Top secret geschäftsgeheimnis Foto: spekulator / freeimages

Das US-Landwirtschaftsministerium will Informationen über den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen nicht an Behörden der Bundesstaaten weiterleiten. Es könne sich dabei um „vertrauliche Geschäftsinformationen“ (Confidential Business Information) handeln, begründete das Ministerium – und zog seinen eigenen Vorschlag für mehr Transparenz zurück.

Im Februar 2013 hatte die Behörde für Tier- und Pflanzengesundheit (Animal and Plant Health Inspection Service (APHIS), die dem Landwirtschaftsministerium untergeordnet ist, vorgeschlagen, bestimmte Informationen über den Anbau von Gentechnik-Pflanzen an die zuständigen Stellen in den Bundesstaaten weiterzugeben. Dabei ging es um Daten aus Anträgen und Genehmigungen. Dadurch sollten die bundesstaatlichen Institutionen – aber auch die staatlich anerkannten Regierungen indigener Gebiete – in die Lage versetzt werden, die Anträge besser zu beurteilen und ihre Anmerkungen beizusteuern.

Doch nun hat APHIS den Informationsaustausch gestoppt. Die Weitergabe könne Geschäftsgeheimnisse verletzen. In den USA sind über 90 Prozent der Soja-, Mais- und Baumwollpflanzen gentechnisch verändert. Das Saatgut stammt von Agrochemie-Konzernen wie Monsanto, Dow und Dupont, aber auch Bayer und BASF. [dh]

30.07.2014 |

Gentechnikfreie „Juwelen“ aus Niedersachsen

Klee Leguminosen Futtermittel Auch Klee kann verfüttert werden (Foto: ©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler)

Mit heimischen Eiweißpflanzen will das Land Niedersachsen Soja aus Südamerika ersetzen – zumindest teilweise. Dafür stellt Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) 520.000 Euro an Fördermitteln bereit. Ackerbohnen, Erbsen, Lupinen oder Klee seien „Juwelen für den Ackerbau“, da sie den Boden fruchtbarer machen.

Diese Leguminosen sind in der Lage, Stickstoff aus der Luft im Boden zu speichern – so kann künstlicher Dünger eingespart werden. „Jeder Hektar einheimisch angebauter Leguminosen spart jedes Jahr zwischen 200 und 500 Liter Erdöl, weil auf Stickstoffdünger verzichtet werden kann, zu dessen Herstellung bekanntlich Öl oder andere fossile Brennstoffe benötigt werden“, erklärte Meyer gestern in Hannover.

Mehrere deutsche Bundesländer sowie die Bundesregierung arbeiten zurzeit an Eiweißstrategien, um die Abhängigkeit der hiesigen Viehhaltung von importierten Futtermitteln zu verringern. Ein Grund: für das Soja aus Südamerika werden Regenwälder abgeholzt, die Bohnen stammen oft von gentechnisch veränderten Pflanzen. Die Felder werden massiv mit Herbiziden besprüht, gegen die die Gentech-Pflanzen immun sind.

In Niedersachsen sollen nun Demonstrationsbetriebe zeigen, dass es auch mit heimischen Eiweißpflanzen geht. „Das Projekt ist zukunftsweisend“, sagte Koordinator Eberhard Prunzel-Ulrich von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. „Denn es bietet bäuerlichen Betrieben neue Möglichkeiten und trägt zugleich in großem Maß zum Klimaschutz bei.“

Deutsche Viehmäster verbrauchen jährlich mehrere Millionen Tonnen Soja – nur 13 bis 20 Prozent sind Branchenexperten zufolge gentechnik-frei. Tierprodukte wie Milch, Fleisch und Eier, die ohne Gentechnik-Futter erzeugt wurden, können Verbraucher am „Ohne Gentechnik“- oder dem Bio-Siegel erkennen. [dh]

30.07.2014 |

Polnische Universität will Gentech-Bäume pflanzen

Pappel Baum Bäume Foto: sonnentau / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

Die Warschauer Naturwissenschaftliche Universität (SGGW) plant die Freisetzung von gentechnisch veränderten Pappeln. Sie hat das Experiment für die Jahre 2015 bis 2019 beantragt. Ziel ist es, die Bäume für die Herstellung von Biomasse, Biokraftstoff und Papier zu optimieren.

Auf 1.200 Quadratmetern sollen die Gentech-Bäume unweit von Warschau gepflanzt werden. Die Bäume sollen aufgrund der Genveränderung mehr Biomasse produzieren und Wasser effizienter verbrauchen. Außerdem wurden Markergene eingebaut, die Resistenz gegen bestimmte Antbiotika verleihen.

Auch in anderen Ländern haben Forscher schon mit gentechnisch veränderten Pappeln experimentiert, z.B. in Frankreich und Belgien. Ein Freilandversuch in Frankreich musste allerdings vor einem Jahr beendet werden, weil die Regierung die Verlängerung nicht genehmigte. [dh]

29.07.2014 |

Nur noch 18 tschechische Bauern haben Gentechnik-Mais

Mais allgemein Foto: Sasakei / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0

Der Gentechnik-Anteil an der Maisproduktion ist in Tschechien erneut gefallen. Zuletzt bauten nur noch 18 Landwirte den Monsanto-Mais MON810 an, im Vorjahr waren es 31 gewesen. Die Fläche verkleinerte sich um fast ein Drittel, wie die Nachrichtenagentur CTK unter Berufung auf das Landwirtschaftsministerium berichtet.

Die Ackerfläche, auf der gentechnisch veränderter Mais wächst, verringerte sich dieses Jahr auf 1.750 Hektar. 2013 waren es 2.560 Hektar, 2012 noch 3.050 Hektar. Am größten waren die Gentechnik-Flächen im Jahr 2008, als 8.380 Hektar mit MON810 bebaut waren. Damals hatten noch 167 tschechische Bauern die Pflanze auf ihren Feldern.

MON810 ist zurzeit die einzige Gentechnik-Pflanze, die in der EU angebaut werden darf. Sie produziert aufgrund eines eingebauten Bakteriengens ein Gift gegen Insekten. Die mit Abstand größten Anbaugebiete gibt es in Spanien, gefolgt von Portugal und Tschechien. Insgesamt nahm der Monsanto-Mais letztes Jahr jedoch nur 0,13 Prozent der EU-Ackerfläche ein.

In Deutschland und einigen anderen Ländern ist der Anbau derzeit verboten. Allerdings ist eine Verlängerung der zehnjährigen Anbaugenehmigung überfällig – wird sie von der EU erteilt, müsste wohl auch das Verbot erneuert werden. Zudem könnte demnächst der Gentechnik-Mais 1507 von Dupont-Pioneer und Dow die Anbauzulassung erhalten.

Gentechnisch veränderte Pflanzen werden in der EU vor allem als Futtermittel in der Fleisch- und Milchproduktion eingesetzt. Sie werden überwiegend aus Nord- und Südamerika importiert. [dh]

29.07.2014 |

Forderung an Regierung: Stopp von Monsanto-Raps

Raps Raps breitet sich besonders schnell in der Umwelt aus - so können sich die Gentechnik-Eigenschaften auf andere Pflanzen übertragen (Foto: hbrinkman / freeimages)

Mehrere Organisationen aus Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Umweltschutz haben die Bundesregierung am Freitag aufgefordert, sich gegen die Zulassung einer gentechnisch veränderten Rapslinie des US-Konzerns Monsanto einzusetzen. Der EU-Lebensmittelbehörde EFSA wirft der Verein Testbiotech aus München vor, die Risiken „gezielt zu verharmlosen“.

In einem Brief an Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) schreiben die NGOs: „Wir sind der Ansicht, dass die Risikoabschätzung der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA unzureichend und der Import von keimfähigen gentechnisch veränderten Rapssamen nicht genehmigungsfähig ist.“ Auch das auf EU-Ebene geplante Opt-Out, das die Bundesregierung mitträgt, schaffe hier keine Abhilfe. Es soll Anbauverbote erleichtern, stößt aber auf viel Kritik von Verbraucher- und Umweltschützern. Zudem geht es beim Monsanto-Raps MON88302 um eine Importgenehmigung. Der Raps ist resistent gegen das Spritzmittel Glyphosat.

Die für die Risikobewertung zuständige Behörde, die EFSA mit Sitz in Parma, hatte in ihrer Begutachtung der Monsanto-Rapspflanze eingeräumt, man könne „die Möglichkeit nicht ausschließen, dass der genetische Transformationsprozess (...) zu einem unbeabsichtigten Effekt geführt hat.“ Die genmodifizierten Pflanzen blühten später als konventioneller Raps. Dennoch bescheinigte die EFSA dem Raps Unbedenklichkeit.

Weitere Daten, auch zu Auswirkungen des Spritzmittels, gegen das der Raps immun gemacht wurde, verlangte die EFSA nicht. „Das Motto der EFSA scheint zu lauten: Wer nichts sucht, muss auch nicht befürchten, etwas zu finden“, kritisiert Christoph Then von Testbiotech. „Eine Behörde, die behauptet, Monsantos Raps sei sicher, obwohl entscheidende Daten fehlen, handelt fahrlässig.“ Der Verein hatte den Brief an die Bundesregierung im Namen von NGOs wie der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der Gesellschaft für ökologische Forschung, der Katholische Landvolk Bewegung Erzdiözese Freiburg und dem Verein „Die Bäcker. Zeit für Geschmack“ verschickt.

„Die Erfahrung mit Importländern wie Japan zeigt, dass die EFSA das Problem falsch einschätzt: Obwohl in Japan offiziell kein gentechnisch veränderter Raps angebaut wird, findet man diesen überall entlang der Straßen, Häfen und Fabriken, wo er transportiert oder verarbeitet wird. Schafft der Raps einmal den Gensprung in die Umwelt, kann er sich dort über Jahre unkontrolliert vermehren“, so Christoph Then. „Treten dann wirtschaftliche oder ökologische Schäden auf, ist es zu spät für Gegenmaßnahmen, wenn sich die Ausbreitung der Transgene nicht mehr eindämmen lässt.“ [dh]

29.07.2014 |

Umfrage: Verbraucher kritischer gegenüber Gentechnik

Mündige Verbraucherin Karin Foto: Infodienst

Die Verbraucher in Deutschland sind in den letzten 10 Jahren kritischer gegenüber gentechnisch veränderten Lebensmitteln geworden. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des GfK Vereins hervor. Für 53 Prozent kommt der Kauf von Gentech-Lebensmitteln „unter keinen Umständen“ in Frage.

Als der GfK Verein in den Jahren 2004 und 2010 stellte, waren es noch 44 bzw. 51 Prozent. Im Juni befragten die Marktforschungsexperten nun erneut 2.010 Personen. Nur ein Prozent würde demnach „bestimmt“ Gentechnik-Lebensmittel kaufen, 11 Prozent unter bestimmten Umständen (wenn nicht gesundheits- oder umweltschädlich, wenn gesünder oder billiger). 2004 gab es noch 17 Prozent potenzielle Käufer.

In der aktuellen Befragung hatten 26 Prozent aus Informationsmangel keine Meinung, 9 Prozent interessierten sich nicht dafür, ob Lebensmittel gentechnisch verändert wurden. Die Gruppe der Nicht-Interessenten ist gegenüber 2004 allerdings um 3 Prozentpunkte kleiner geworden. „An Brisanz hat das Thema für die Verbraucher offenbar nicht verloren“, bilanziert der GfK-Verein.

Der Begriff „gentechnisch veränderte Lebensmittel“ war 49 Prozent der Befragten vertraut, weitere 41 Prozent meinten, er sei ihnen bekannt. Nur 10 Prozent gaben an, noch nicht davon gehört zu haben. „Dieser hohe Bekanntheitsgrad zieht sich relativ unabhängig von Alter, Geschlecht oder Region durch alle Bevölkerungsgruppen hindurch, die Unterschiede fallen eher gering aus“, so der GfK Verein.

Direkt gentechnisch veränderte Lebensmittel müssen in der EU als solche gekennzeichnet werden. Eine Lücke gibt es allerdings bei tierischen Produkten: hier muss nicht angegeben werden, ob die Schweine, Rinder oder Hühner Futter aus Gentechnik-Pflanzen erhalten haben. In der industriellen Tierhaltung ist das aber häufig der Fall, meist wird gentechnisch verändertes Soja verfüttert. Die schwarz-rote Koalition hatte nach der Wahl vereinbart: „Wir treten für eine EU-Kennzeichnungspflicht für Produkte von Tieren, die mit genveränderten Pflanzen gefüttert wurden, ein.“ Bei ökologischen Lebensmitteln sind Gentech-Zutaten verboten, auch bei solchen mit dem gesetzlich definierten Hinweis „Ohne Gentechnik“ kommen transgene Pflanzen nicht in den Futtertrog. [dh]

24.07.2014 |

Insekten fressen „insekten-resistenten“ Gentechnik-Mais

Heerwurm Spodoptera frugiperda Schädling Larve Spodoptera frugiperda (Foto: Ricardo C / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/)

Der Gentechnik-Mais 1507 produziert ein Insektizid, um Schädlinge zu töten. Doch diese passen sich an – und das mitunter sehr schnell. In Brasilien hat es nur drei Jahre gedauert, wie eine neue Studie zeigt. Der gentechnisch veränderte Mais könnte bald auch in der EU angebaut werden.

Von Feldern in der Region Western Bahia, auf denen der Gentech-Mais 1507 angebaut wurde, sammelten die Wissenschaftler Larven des Falters Spodoptera frugiperda, auch Heerwurm genannt. Im Labor zeigte sich dann, dass die Schädlinge gegen den Mais 1507 und das von ihm abgesonderte Insektengift Cry1F immun waren. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Insektenforscher der Universitäten Sao Paulo und Minnesota sowie ein Firmenwissenschaftler des Chemie-Konzerns Dow, der den Gentechnik-Mais zusammen mit Dupont-Pioneer entwickelte – im Oktober im Fachmagazin Crop Protection.

Aus Brasilien und den USA, wo gentechnisch veränderter Mais in großem Stil angebaut wird, gibt es schön länger Berichte über resistente Insekten. Die neue Studie zeigt aber, wie schnell sich die Larven an das Bt-Gift anpassen können, das die Pflanzen aufgrund eines eingebauten Gens des Bakteriums Bacillus thuringiensis absondern. Bereits drei Jahre nachdem der Gentechnik-Mais 1507 zum ersten Mal angebaut wurde, verlor das Gift seine Wirkung.

„Die rasche Resistenzentwicklung bei Spodoptera frugiperda ist aus wissenschaftlicher Sicht wenig überraschend“, kommentiert der Verein Testbiotech aus München. „Studien hatten bereits im Jahr 2008 gezeigt, dass der Schädling in Puerto Rico nach wenigen Anbaujahren weitgehend immun gegenüber Cry1F war. Die Industrie hatte Mais 1507 daraufhin in Puerto Rico vom Markt genommen.“ In Brasilien haben sich vielerorts auch Baumwollkapselbohrer (Helicoverpa zea) und Baumwollkapseleule (Helicoverpa armigera) an das Gift der gentechnisch veränderten Maispflanzen angepasst.

In der EU könnte der Mais 1507 unterdessen bald eine Anbaugenehmigung erhalten. Weil die Mitgliedstaaten keine Mehrheit für oder gegen die Zulassung erreichen konnten – Deutschland enthielt sich in den Abstimmungen – hat die EU-Kommission das letzte Wort. Es ist noch nicht klar, wann sie die Genehmigung erteilt – dass sie kommt, gilt aber als sicher. Frühestens 2015 könnte der Gentech-Mais 1507 dann angebaut werden. Testbiotech kritsiert, dass „grundlegende Daten für die Sicherheitsbewertung fehlen.“ [dh]

23.07.2014 |

EU-Mitgliedstaaten segnen Opt-Out ab, Luxemburg „besorgt“

EU Rat Ministerrat Foto: The Council of the European Union

In Brüssel haben die Mitgliedstaaten der EU heute auch offiziell ihre Position für eine Änderung des EU-Gentechnikrechts beschlossen. Geeinigt hatten sie sich bereits im Juni im Umweltministerrat. Die Regierungen plädieren für ein „Opt-Out”, das es ihnen leichter machen soll, den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zu untersagen. Doch die jetzige Fassung stößt auf viel Kritik. Luxemburgs Regierung hält eine „Flut“ neuer Gentechnik-Genehmigungen für möglich – und pocht auf das Vorsorgeprinzip.

Bevor die Änderung der Gentechnik-Freisetzungsrichtlinie in Kraft treten kann, muss auch das Parlament in Straßburg zustimmen. Die Verhandlungen zwischen den Institutionen soll die Ratspräsidentschaft, deren Vorsitz zurzeit Italien inne hat, „im Frühherbst“ beginnen, teilte der Rat heute mit. Das Parlament kann auf Änderungen drängen.

Darauf bauen auch die Opt-Out-Kritiker. Sie lehnen unter anderem ab, dass die Regierungen zunächst bei den Gentech-Konzernen nachfragen müssen, ob diese ihren Zulassungsantrag geografisch einschränken würden. Nur wenn die Unternehmen ablehnen, kann der Anbau einer bestimmten Gentechnik-Pflanze untersagt werden – und das möglicherweise nur, bis ein Hersteller dagegen klagt.

Nicht nur Umwelt- und Verbraucherschützer äußern Kritik. Luxemburgische Regierungsvertreter erklärten: „Unsere Regierung ist über die Beteiligung von Gentechnik-Unternehmen am vorgeschlagenen Zulassungsprozess besorgt. Sie sorgt sich um das Kräfteverhältnis zwischen den Mitgliedstaaten, denen mit kleinerer Verwaltung, und den Gentechnik-Firmen. Unsere Regierung fragt sich auch, ob der Vorschlag nicht zu einer Flut an Zulassungen des Gentechnik-Anbaus führen würde.“

Luxemburg verweist auf das im EU-Recht verankerte Vorsorgeprinzip. Daran müsse sich auch die Gentechnik-Politik orientieren. „Der derzeitige Forschungsstand erlaubt es nicht, die Möglichkeit von Langzeitrisiken des Gentechnik-Anbaus, inklusive Rückwirkungen auf Fauna und Flora sowie öffentliche Gesundheit, gänzlich auszuschließen, insbesondere weil keine Langzeitstudien zu diesem Thema existieren.“ Während alle anderen Länder heute für das Opt-Out stimmten, enthielten sich Luxemburg und Belgien.

Nach der Sommerpause werden sich die Abgeordneten des EU-Parlaments mit dem Opt-Out beschäftigen. Der scheidende Gesundheits- und Verbraucherkommissar der EU, Tonio Borg aus Malta, hofft auf eine Einigung bis Ende des Jahres. [dh]

22.07.2014 |

Über 40% der Milch in Bayern gentechnikfrei

Kuh Bayern Milch Allgäu Nicht alle bayerischen Kühe bekommen Gentechnik-Futter, viele aber schon (Foto: Andreas Metz / flickr, CC BY-NC-SA 2.0)

Über 40 Prozent der in Bayern produzierten Milch stammt nach Schätzungen der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) aus gentechnikfreier Produktion. Die Molkereien hätten letztes Jahr 20,5 Prozent der angelieferten Milch nach dem „Ohne Gentechnik“-Standard erfasst – tatsächlich sei die Menge aber wohl doppelt so groß. Hinzu kommen etwas weniger als fünf Prozent Bio-Milch.

Für die Untersuchung befragte die LfL bayerische Molkereien. Demnach wurden 1,7 Milliarden Kilogramm Milch nach den „Ohne Gentechnik“-Kriterien erfasst. Ein Fünftel der insgesamt 8,3 Milliarden Kilogramm, die die Milchbauern anlieferten. Die LfL geht aber davon aus, dass das nur die Hälfte der gentechnikfrei erzeugten Milch war.

„Tatsächlich dürfte in Bayern weitaus mehr an Milch 'ohne Gentechnik' bereits jetzt zur Verfügung stehen. Nach eigenen Schätzungen ist die Menge etwa doppelt so groß, weil viele Milcherzeuger aus grundsätzlichen Erwägungen unabhängig von der Molkereistrategie ihre Produktion umgestellt haben“, schreiben Mitarbeiter der Behörde in der „Deutschen Molkerei Zeitung“. Ein großer Teil werde aber nicht als gentechnikfrei erfasst, da die Supermärkte nicht immer bereit seien, den Aufpreis zu bezahlen.

Der Anteil der zertifizierten „Ohne Gentechnik“-Milch wuchs in Bayern um 18 Prozent im Vergleich zum Jahr 2012 – laut LfL ein unerwartet deutliches Wachstum. Bio- und „Ohne Gentechnik“-Kühe bekommen keine gentechnisch veränderten Pflanzen zu fressen. Stattdessen gibt es Gras und Heu, Raps oder gentechnikfreies Soja. [dh]

22.07.2014 |

Multi-Gift-Pflanzen in USA auf dem Vormarsch

Gift Chemikalie Spritzmittel Resistenz herbizidresistent stacked events Viele Gentechnik-Pflanzen sind resistent gegen hochgiftige Herbizide oder produzieren Insektizide - oder beides (Foto: resignent / freeimages)

In den USA nimmt der Anteil derjenigen Gentechnik-Pflanzen, die sowohl gegen mindestens ein Herbizid resistent sind als auch mindestens ein Insektengift absondern, weiter zu. Das geht aus Zahlen des Landwirtschaftsministeriums in Washington hervor. Hintergrund: Unkräuter und Insekten sind wegen der massiven Giftbelastung auf Gentechnik-Feldern ebenfalls resistent geworden. Mit weiteren Pestiziden sollen sie in Schach gehalten werden.

Die sogenannten Stacked Events, also Gentech-Pflanzen mit mehreren Eigenschaften, verbreiteten sich in den letzten Jahren immer schneller, so das Ministerium. Bei Mais machten sie 2014 drei Viertel der gesamten Maisfläche aus (76%), bei Baumwolle 79%. Die übrigen Gentechnik-Pflanzen gehören noch zur älteren Generation: sie sind entweder gegen ein Spritzmittel immun oder produzieren aufgrund eines eingebauten Bakteriengens ein Insektizid.

Bei Soja gibt es laut Ministerium nur herbizidresistente Varianten, die einen Anteil von 94% erreicht haben. Bei Mais und Baumwolle liegt der Gentechnik-Anteil in den USA dieses Jahr bei 93 bzw. 96%.

Wegen der zunehmenden Giftresistenz von Schädlingen und Unkräutern entwickeln die Gentech-Konzerne Pflanzen, die gegen mehrere, teils schon ältere Herbizide immun sind und mehrere Insektengifte produzieren. Die Maisvariante „Smartstax“ von Monsanto beispielsweise ist gegen zwei Herbizide resistent (Glyphosat und Glufosinat) und sondert sechs Insektizide ab. Umweltschützer warnen vor einer starken Belastung von Böden, Wasser und nützlichen Insekten. Smartstax darf seit Ende letzen Jahres auch in die EU importiert und als Futter- und Lebensmittel genutzt werden. [dh]

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