20.04.2015 |

Glyphosat --> Oxidativer Stress --> Krebs?

Glyphosat Herbizid Glyposat-Behälter, hier Marke „Sunphosate“, in einem Feld (Foto: International Institute of Tropical Agriculture / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0)

Kann Glyphosat – der weltweit meistverkaufte Herbizidwirkstoff – Krebs auslösen oder nicht? Die zuständige deutsche Behörde ist da anderer Meinung als Experten der WHO. Eine mögliche Erklärung dafür meint das Pestizid Aktions-Netzwerk gefunden zu haben: mindestens acht Studien zu oxidativem Stress seien ignoriert worden.

Es gebe mindestens zehn Studien, die belegten, dass das Unkrautvernichtungsmittel in Zellen oxidativen Stress auslöst – die habe das Bundesinstitut für Risikobewertung in seiner Glyphosat-Bewertung jedoch nicht berücksichtigt. „Das BfR geht nur auf zwei Publikationen zum Thema oxidativer Stress ein, allerdings nicht im Zusammenhang mit einer möglichen Krebsentstehung“, kritisierte der Toxikologe Peter Clausing, der sich die Untersuchungen für das Pestizid Aktions-Netzwerk angesehen hat. „Mindestens acht weitere Untersuchungen aus den Jahren 2005 bis 2013, die über die Erzeugung von oxidativem Stress durch Glyphosat an Wirbeltieren wie Fischen, Kaulquappen, Mäusen und Ratten berichten, fanden überhaupt keine Erwähnung. Befunde dieser Art sind aber in Zusammenhang mit einer möglichen krebsauslösenden Wirkung relevant.“

Oxidativer Stress tritt auf, wenn es in Körperzellen zu einem Ungleichgewicht kommt. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC, eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation, sieht darin ein Krebsrisiko – das auch von Glyphosat verursacht werden könnte. Nach Auswertung zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen stufte die IARC das Spritzmittel kürzlich als „wahrscheinlich krebserregend“ bei Menschen ein. Das ist die zweithöchste Gefahrengruppe. Das BfR widersprach dieser Einschätzung. Die deutsche Behörde verantwortete innerhalb der EU die Glyphosat-Bewertung, auf deren Grundlage die Zulassung der Chemikalie um zehn Jahre verlängert werden könnte.

Das Pestizid Aktions-Netzwerk hält es für eine „wichtige Lücke bei der Risikobewertung“, dass die Studien zu oxidativem Stress und Glyphosat nicht in das Urteil der Behörde eingeflossen sind. [dh]

17.04.2015 |

Gentechnik muss draußen bleiben

AbL TTIP Aktion Landwirtin Anneli Wehling, Milchbäuerin in Kiebitzreihe in Schleswig-Holstein beteiligt sich an der Aktion gegen Gentechnik und TTIP (Foto: Fred Dott)

Heute ist „Internationaler Tag des (klein)bäuerlichen Widerstandes“ - zumindest laut Kalender der Bauernorganisation La Via Campesina. Auch an 450 Hof- und Stalltoren in Deutschland hängen deshalb politische Plakate: „TTIP und Gentechnik, bleibt uns vom Hof!“

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hält nichts von dem Versprechen, TTIP oder das kanadisch-europäische Pendant CETA würden die Wirtschaft, zum Wohl aller, ankurbeln. „Ein Hauptargument der Befürworter solcher Freihandelsabkommen ist immer wieder, dass dadurch Arbeitsplätze geschaffen würden“, so die Bundesvorsitzende Gertraud Gafus, eine Bäuerin aus Bayern. „Was nicht gesagt wird, dass gerade auch wegen der auf den Weltmarkt ausgerichteten Agrar- und Handelspolitik in den letzten zehn Jahren allein in Deutschland 164.000 Höfe aufgeben mussten. Nicht billige Weltmarktanteile, sondern der Wunsch unserer Verbraucherinnen und Verbraucher nach Lebensmitteln aus tiergerechter, gentechnikfreier bäuerlicher Landwirtschaft müssen Maßstab der Politik werden.“

So sieht das auch Anneli Wehling, die in Schleswig-Holstein einen konventionellen Milchbetrieb führt. „Wir befürchten, dass durch TTIP unsere Gentechnikfreiheit bedroht ist“, sagt Wehling. „In den USA bieten die Gesetze keinen Schutz vor Gentechnik. Durch TTIP sollen die Standards zwischen den USA und der EU angeglichen werden“, gibt die Landwirtin zu bedenken. „Die Bäuerinnen und Bauern geraten dadurch in die Abhängigkeit der europäischen und amerikanischen Gentechnik-Industrie.“ [dh]

16.04.2015 |

Mais-Saatgut meist gentechnikfrei

Saatgut Zuckerrübe Ohne Gentechnik: Bio-Saatgut, hier für Zuckerrüben (Foto: ©BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan)

Saatgut für den Anbau von Mais ist in Deutschland kaum mit gentechnisch veränderten Körnern belastet. Das zeigen die amtlichen Kontrollen der Bundesländer, die Greenpeace und Bioland nun ausgewertet haben. Nur sechs von 455 Proben waren positiv – weniger als im Vorjahr.

„Damit bestätigt sich die Entwicklung der vergangenen Jahre: Gentechnisch verunreinigtes Saatgut wird frühzeitig aus dem Verkehr gezogen und landet kaum auf dem Acker“, teilten die Umweltschutzorganisation und der Öko-Landwirtschaftsverband mit. Gentechnik-Funde machten die Behörden demnach in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Sachsen. Der entdeckte Gentech-Mais stamme von Pioneer, der KWS SAAT AG und Panam France. In Berlin, Bremen, Hamburg und Sachsen-Anhalt wurden keine Analysen durchgeführt.

Die Gentechnik-Gegner begrüßten die Ergebnisse, forderten aber, dass strenge Vorgaben zur gentechnischen Verunreinigung von Saatgut beibehalten werden. „Die Verbraucher wollen gentechnikfreie Lebensmittel und dafür brauchen wir zu hundert Prozent gentechnikfreies Saatgut“, sagte Bioland-Präsident Jan Plagge. „Saatgut ist die Basis unserer Nahrungskette, jede Verunreinigung mit Gentechnik bedeutet ein unkalkulierbares Risiko.“ Die bislang gültige Nulltoleranz gegenüber nicht genehmigten Gentech-Sorten im Saatgut müsse beibehalten werden. Schwellenwerte, wie sie der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter fordert, lehnen Bioland und Greenpeace ab.

Das sieht auch die Saatgut-Initiative Save Our Seeds so. „Jedes Jahr zeigen die Kontrollen, dass Gentechnik im Saatgut nur selten vorkommt. Trotzdem fordert die Agrarindustrie jedes Jahr eine Aufweichung der Regeln, weil sonst angeblich Versorgungsengpässe drohen“, kommentierte Benny Härlin, Leiter der Kampagne. „Die bisherigen Vorschriften zur Saatgutreinheit sind gut und richtig. Eine Lockerung wäre falsch und widerspräche den Kontrollergebnissen.“

Dirk Zimmermann, Gentechnik-Experte von Greenpeace, forderte erneut ein bundesweites Anbauverbot für gentechnisch veränderte Pflanzen. Dies sei nötig, weil die insektengift-produzierende Maisvariante 1507 von Pioneer bald zugelassen und die Genehmigung für MON810 von Monsanto verlängert werden könnte, wodurch das derzeitige deutsche Verbot wegfiele. Zimmermann kritisierte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), der die Verantwortung für die Regulierung den Bundesländern zuschieben will. „Damit droht ein Flickenteppich innerhalb Deutschlands“, so der Greenpeace-Mitarbeiter. „Schmidt gefährdet damit die Gentechnikfreiheit auf unseren Feldern und unseren Tellern.“ [dh]

15.04.2015 |

Junckers Vorschlag zu Gentechnik-Importen geleakt

Leak Optout Gentechnik-Importe sollen künftig anders reguliert werden

In Brüssel beraten die EU-Kommissare heute über einen Vorschlag ihres Präsidenten Jean-Claude Junckers: er will auch beim Import von gentechnisch veränderten Pflanzen einen nationalen Ausstiegsmechanismus einführen. Das entsprechende Dokument wurde jetzt ins Netz gestellt.

Unklar ist noch, ob die Kommission den Vorschlag heute oder erst kommenden Mittwoch offiziell vorstellt.

14.04.2015 |

Gentechnik-Eukalyptus darf in Brasilien wachsen

Holz Wald Bäume Foto: Gavin Fordham / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0-+-

Als erstes Land weltweit hat Brasilien das kommerzielle Anpflanzen von gentechnisch veränderten Eukalyptus-Bäumen erlaubt. Vergangene Woche erteilte die Biosicherheitskommission die Genehmigung. Während sich Hersteller FuturaGene – Tochterfirma eines Papierproduzenten – freut, befürchten Umweltschützer, dass sich die Gentech-Bäume unkontrolliert ausbreiten.

Die Gentechnik-Bäume sollen circa 20 Prozent mehr Holz abwerfen, verspricht FuturaGene, eine Biotechnologie-Firma, die 2010 vom brasilianischen Papierhersteller Suzano aufgekauft wurde. Das bedeute wirtschaftliche, ökologische und soziale Vorteile - auch für Kleinbauern - so das Unternehmen. Zunächst sollen jedoch mehr Freilandtests stattfinden.

Eine internationale Kampagne zum Stopp von Gentechnik-Bäumen kritisierte hingegen die Entscheidung der Biosicherheitskommission CTNBio. Sie warnt, der gentechnisch veränderte Eukalyptus könne sich unkontrolliert ausbreiten. Überraschend komme die Zulassung aber nicht. Die Kommission habe in den letzten Jahren häufig pro-Gentechnik-Entscheidungen getroffen, sagte Winnie Overbeek von World Rainforest Movement.

Im März hatte auch Rettet den Regenwald vor der Einführung der transgenen Bäume gewarnt. „Das schnellere Wachstum würde wesentlich mehr Wasser verschlingen. Schon jetzt sind es 25 bis 30 Liter pro Baum und Tag.“ Auch der Anbau in Monokultur-Plantagen bereitet der Organisation Sorge. „In Brasilien breiten sich bereits auf fünf Millionen Hektar Land die Eukalyptus-Monokulturen aus. Sie bieten Pflanzen und Tieren keinen Lebensraum, verbrauchen Unmengen an Wasser und ruinieren die Böden.“ [dh]

14.04.2015 |

Mehr Glyphosat-Tests in den USA

Glyphosat Herbizid Glyphosat-Einsatz in North Yorkshire im Dezember (Foto: Chafer Machinery / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Auch in den USA sorgt die Entscheidung der Internationalen Krebsforschungsagentur, das Ackergift Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ einzustufen, für Aufregung. Labore würden nun deutlich häufiger beauftragt, Lebensmittel auf Rückstände des Herbizids zu testen, berichtet Reuters. Unterdessen hat ein Baumarkt-Betreiber angekündigt, bienen-gefährdende Insektizide aus den Regalen zu nehmen.

Verbrauchergruppen, Ärzte und Firmen wollen laut Reuters Nahrungsmittel auf Glyphosat untersuchen lassen. Glyphosat ist der weltweit meistverkaufte Herbizidwirkstoff, enthalten ist er beispielsweise in „Roundup“. Vor kurzem wurde die Chemikalie, die Hersteller wie der Agrarkonzern Monsanto und viele Behörden bislang für sicher hielten - und daran wohl auch weiter festhalten - von der Krebsforschungseinrichtung der Weltgesundheitsorganisation WHO in die zweithöchste Gefahrengruppe eingestuft. Laut dem Bericht lassen Ärzte auch den Urin ihrer Patienten auf Glyphosat testen.

In den USA wird besonders viel Glyphosat eingesetzt, weil in der Soja- und Maisproduktion zu über 90 Prozent gentechnisch veränderte Sorten angebaut werden. Diese sind meist gegen das Herbizid resistent, die Felder können daher regelmäßig besprüht werden. Der Unkrautvernichter wird aber auch in der konventionellen Landwirtschaft - auch in Deutschland - in Grünanlagen und Privatgärten verwendet.

Einen Erfolg feierten Umwelt- und Verbraucherschützer bei Insektiziden. So kündigte die Baumarktkette Lowe an, innerhalb von vier Jahren den Verkauf von Neonikotinoiden einzustellen. Diese gelten als besonders gefährlich für Bienen, Hummeln und andere Bestäuber. Laut dem Center for Food Safety ist es die „bedeutendste öffentliche Selbstverpflichtung“ eines Unternehmens dieser Größe. In der EU gilt für einige Neonikotinoide zurzeit ein Moratorium bei bestimmten Ackerfrüchten. Die Hersteller Bayer und Syngenta haben dagegen geklagt.

Das EU-Netzwerk der Wissenschaftsakademien, EASAC, teilte letzte Woche mit, es gebe „klare wissenschaftliche Belege“ dafür, dass Neonikotinoide nützliche Insekten schädigten – auch in kleinsten Dosen. Dies gelte nicht nur für Honigbienen, sondern auch für die für die Landwirtschaft ebenfalls sehr wichtigen Hummeln, Wildbienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge und andere Falter. [dh]

13.04.2015 |

Junckers Pläne zu Gentechnik-Importen in der Kritik

Juncker Jean-Claude Juncker (Foto: European People"s Party, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker könnte offenbar schon diesen Mittwoch sein Vorhaben auf den Weg bringen, Entscheidungen über den Import von gentechnisch veränderten Futterpflanzen zu renationalisieren. Ähnlich wie beim Anbau könnte es dann einen „Opt-Out“-Mechanismus geben, mit dem einzelne EU-Staaten ausscheren können. Gleichzeitig sollen bis zu 17 Gentech-Pflanzen durchgewunken werden, warnen kritische Verbände. Aber auch die Agrar-Industrie ist skeptisch.

Bei ihrer Sitzung am Mittwoch könnte die Kommission einige „Schlüsselentscheidungen“ zur Agro-Gentechnik treffen, heißt es bei der Kampagne Stop the Crop, die von Friends of the Earth Europe und den Lobbyismuskritikern von Corporate Europe Observatory organisiert und von zahlreichen Verbänden aus ganz Europa unterstützt wird. Anders als von Juncker bei seinem Amtsantritt angekündigt, werde das Gentechnik-Zulassungsverfahren durch die neuen Pläne jedoch nicht demokratischer, meinen die Gentech-Gegner.

Zwar könnten einzelne Länder dann verhindern, dass bestimmte gentechnisch veränderte Pflanzen als Futtermittel in Tiermastanlagen eingesetzt werden. Die generelle EU-weite Genehmigung bleibe jedoch auch dann möglich, wenn eine Mehrheit der Mitgliedstaaten dagegen stimme. Meist reicht es nämlich nicht für die nötige qualifizierte Mehrheit.

Zudem, so die Umweltverbände, sei ein einzelstaatliches Verbot wegen der internationalen Handelsregeln leicht anfechtbar. Das Kraftfutter für Tiere in europäischen Ställen, auch in Deutschland, enthält häufig Gentechnik-Mais oder -soja aus Nord- und Südamerika.

Kritik kommt aber auch von Agrarindustriellen, die den Import von gentechnisch veränderten Pflanzen prinzipiell begrüßen. Der Vorschlag Junckers werde „in den Ländern, die sich gegen die Zulassungen aussprechen, zu deutlichen Verlusten von Arbeitsplätzen und geringeren Investitionen in die Agrar-Lebensmittelkette führen“, warnten Interessenvertretungen wie COCERAL, die Agrarhändler vertritt, der landwirtschaftliche Dachverband Copa-Cogeca und der Gentechnik-Lobbyverband EuropaBio.

Laut der Kampagne Stop the Crop könnte die EU-Kommission am Mittwoch auch weitere Gentechnik-Pflanzen zur Einfuhr zulassen. Bis zu 17 transgene Mais- und Sojapflanzen stünden auf der Liste, alle seien gegen ein oder mehrere Herbizide resistent oder produzierten ein oder mehrere Insektizide – oder alles zusammen.

Vor seinem Amtsantritt hatte Juncker gegenüber EU-Parlamentariern angekündigt, das Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Organismen überarbeiten zu wollen, um Mehrheitsentscheidungen der Mitgliedstaaten stärker zu berücksichtigen. Auch auf seiner Website wird dieses Ziel noch genannt: „Reviewing the laws that oblige the Commission to authorise genetically modified organisms (GMOs), even when a majority of national governments is against this“. In seinem Arbeitsplan für 2015 geht es jedoch nur um eine „Überprüfung der Regeln für GVO“, die als Lebens- oder Futtermittel eingeführt werden, ohne angebaut werden zu dürfen. [dh]

13.04.2015 |

Klima beeinflusst Giftgehalt von Gentech-Mais

Dürre Trockenheit Mais Diesem Mais ist es zu trocken (Foto: Mike / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

Stressfaktoren wie Dürre oder nasskaltes Wetter rufen bei Pflanzen mit gentechnisch eingebauter DNA unvorhersehbare Reaktionen hervor. Diese Annahme, die Gentechnik-Kritiker schon länger vortragen, wurde nun von Wissenschaftlern aus der Schweiz und Norwegen bestätigt. Sie untersuchten, wie viel Insektengift der Monsanto-Mais MON810 freisetzt, wenn die Temperaturen stark steigen oder fallen.

In speziellen Klimakammern setzten die Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und der Biosicherheits-Stiftung Genok die Maispflanzen zunächst optimalen Bedingungen von 20 bis 25 Grad Celsius und idealer Luftfeuchtigkeit aus. Nach einigen Wochen erhöhten sie die Temperatur bei einigen MON810-Pflanzen für eine Woche auf 21 bis 30 Grad im Schatten und 45 Grad bei voller Sonneneinstrahlung. Der Gentech-Mais bekam nur wenig Wasser. Andere Pflanzen mussten hingegen niedrige Temperaturen von 13 bis 16 Grad und viel Feuchtigkeit ertragen.

Dabei zeigte sich, dass die Menge an Insektengift – Bt-Toxine, die MON810 aufgrund eingebauter Bakteriengene (Bacillus thuringiensis) absondert – oder die Aktivität der Fremd-DNA unter Stressbedingungen anders ist als unter optimalen Bedingungen. Zudem gab es Unterschiede zwischen zwei Maissorten, die das gleiche MON810-Konstrukt tragen. Die Giftkonzentration sei daher nur sehr schwer vorhersagbar, so die Forscher.

Der Münchner Verein Testbiotech, der die Studie unterstützt hat, forderte Konsequenzen. Die Risikobewertung in der EU müsse die Ergebnisse der Untersuchung berücksichtigen. Außerdem sollten gentechnisch veränderte Pflanzen, die Insektizide produzieren, vorerst nicht zugelassen werden.

MON810-Mais ist zurzeit die einzige Gentechnik-Pflanze, die in der EU angebaut werden darf. Genutzt wird sie vor allem in Spanien. Eine weitere Variante, Mais 1507 von Monsantos US-Konkurrenten Pioneer, könnte bald hinzukommen. Auch er setzt ein BT-Toxin frei. Einige Staaten, darunter Deutschland, haben den Anbau von MON810 untersagt. Wird die schon seit 1998 gültige EU-Genehmigung jedoch, wie von Monsanto beantragt, verlängert, müsste auch das Verbot erneuert werden. Derzeit streitet die Große Koalition darüber, wie künftige Anbauverbote umgesetzt werden sollen. [dh]

09.04.2015 |

USA: Herbizidmischung „Enlist Duo“ auf Vormarsch

Herbizid Pestizid Glyphosat Utensilien für das Giftsprühen (Foto: International Institute of Tropical Agriculture / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0)

In den USA darf das Herbizid „Enlist Duo“, das neben Glyphosat auch 2,4-D enthält, in neun weiteren Bundesstaaten eingesetzt werden. Das teilte die Umweltbehörde EPA vergangene Woche mit. Hersteller Dow Agrosciences darf seit letztem Herbst Saatgut von zur Chemikalie passenden gentechnisch veränderten Mais- und Sojapflanzen vertreiben. Beide Wirkstoffe erhöhten das Krebsrisiko, warnt eine Umweltorganisation.

Laut Medienberichten erlaubte die Environmental Protection Agency (EPA) die Verwendung von „Enlist Duo“ in Arkansas, Kansas, Louisiana, Minnesota, Mississippi, Missouri, Nebraska, North Dakota und Oklahoma. Seit Oktober durfte es bereits in Illinois, Indiana, Iowa, Ohio, South Dakota und Wisconsin eingesetzt werden.

Dow hofft, mit der Kombination der Gentechnik-Pflanzen und der neuen Giftmischung ein für viele US-Farmer gravierendes Problem in den Griff zu bekommen: diese setzten bislang vor allem Glyphosat („Roundup“) ein, gegen das die meisten gentechnisch veränderten Mais- und Sojalinien immun gemacht wurden („Roundup Ready“). Doch die Dauerbelastung auf den Feldern ließ auch Unkräuter resistent werden. Die können nun oft nur noch schwer bekämpft werden. Das „Enlist“-System könne Abhilfe schaffen, verspricht der Konzern.

Für fatal hält indes die Umweltorganisation Environmental Working Group (EWG) die Ausweitung der Herbizidgenehmigung. Beide Wirkstoffe, Glyphosat und 2,4-D, könnten bei Menschen das Risiko erhöhen, bösartige Non-Hodgkin-Lymphome – also Erkrankungen des Lymphsystems - zu entwickeln. Das hätten wissenschaftliche Untersuchungen ergeben. Die Behörde setze damit Landwirte, deren Helfer und Bewohner ländlicher Gebiete einem erhöhten Krebsrisiko aus, kritisierte Scott Faber von der EWG.

Erst im März hatte die Internationale Krebsforschungsagentur IARC, eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation WHO, den Wirkstoff Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Herstellerfirmen wie Monsanto wiesen diese Einschätzung zurück. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bezeichnete sie als „schlecht nachvollziehbar“. NGOs kritisierten hingegen die Behörde. Sie habe sich lange zu sehr auf Industrie-Daten verlassen und müsse nun umdenken. [dh]

+++ UPDATE +++ Unter dem Namen „Kyleo“ wird die Mischung von Glyphosat und 2,4-D vom Unternehmen Nufarm auch in Deutschland vertrieben.

08.04.2015 |

Deutsche Behörde überlässt Glyphosat der EU

Glyphosat Roundup Herbizide Glyphosat wird versprüht (Foto: Chafer Machinery / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) betrachtet seine Aufgabe in der Bewertung von Glyphosat als abgeschlossen. Nun seien die europäischen Stellen an der Reihe. Allerdings gibt es vom eigenen Bericht, der Glyphosat keine besonderen Gesundheitsgefahren attestiert, nun eine „ergänzte revidierte Fassung“. Sie geht auch auf die Einstufung Glyphosats als „wahrscheinlich krebserregend“ durch eine Forschungseinrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein. Das müsse ausführlich geprüft werden „und das Ergebnis noch in die EU-weite Neubewertung des Wirkstoffes einfließen“. Zuvor hatte das BfR diese Einstufung jedoch als „schlecht nachvollziehbar“ bezeichnet.

Vergangene Woche teilte das Bundesinstitut mit, es habe mit der Übermittlung seines überarbeiteten Glyphosat-Berichts an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) „seine Zuarbeit im EU-Genehmigungsverfahren abgeschlossen.“ Die Behörde werde „daher nicht mit eigenen Kommentierungen in den laufenden Bewertungsprozess unter Federführung der EFSA [Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, Anm. d. Red.] eingreifen. Deutschland wird nunmehr gleichberechtigt mit den übrigen EU-Mitgliedsstaaten an der Finalisierung dieser gemeinschaftlichen EU-Bewertung mitwirken.“ Am Ende dieses Prozesses soll entschieden werden, ob Glyphosat, das weltweit meistverkaufte Herbizid („Roundup“ und andere Mischungen), weitere zehn Jahre eingesetzt werden darf.

Das BfR empfiehlt, dass EU- und WHO-Institutionen „die derzeit strittigen wissenschaftlichen Fragen diskutieren, in der Absicht, die Divergenzen zu beseitigen, bevor die EU-Kommission eine Entscheidung zur weiteren Genehmigung von Glyphosat trifft.“ Kürzlich hatte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der WHO, für Aufsehen gesorgt, als ihre Experten Glyphosat in die zweithöchste Gefahrengruppe („wahrscheinlich krebserregend“) einstuften. Umweltschützer und Grünen-Politiker forderten das BfR daraufhin auf, seine eigene Bewertung des Herbizids zu überdenken. [dh]

+++ UPDATE 09.04.15+++ Der Grünen-Abgeordnete Harald Ebner kritisiert die Behörde: „Das BfR und die Bundesregierung versuchen, sich beim Thema Glyphosat klammheimlich aus der Verantwortung zu stehlen. Um eine Prüfung der neuen WHO-Einstufung des Allzweck-Ackergifts als 'wahrscheinlich krebserregend' will das BfR sich offenbar drücken. Das ist skandalös, verantwortungslos und steht im krassen Widerspruch zu den Ankündigungen des BfR und der Bundesregierung, man werde die Einstufung des WHO-Krebsforschungsinstituts IARC gründlich prüfen und sich intensiv um die zugrundeliegenden Studien bemühen.“

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