05.03.2015 |

Sicherheitsbedenken könnten Gentech-Mais ausbremsen

Mais Schmetterling Falter Foto: Jason Prini / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0)

Der Pollen von Maispflanzen kann sich über Kilometer hinweg ausbreiten. Im letzten Jahr gab es dazu dank eigens entwickelter Messmethoden neue Daten. Wie jetzt bekannt wurde, reagierte auch die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA auf die Forschungsergebnisse. Bis Ende Mai will sie prüfen, ob die bisher empfohlenen Maßnahmen zum Schutz von Schmetterlingen ausreichen – die Behördenexperten selbst hatten Abstände von nur einigen Metern zwischen den Gentechnik-Feldern und Naturschutzgebieten vorgeschlagen. Zu wenig, sagen auch Umweltschützer. Sie fordern, den Anbau gar nicht erst zu genehmigen.

Beim Durchforsten der wissenschaftlichen Literatur sei dem Gentechnik-Gremium der EFSA eine neue Studie aufgefallen, die eine Überprüfung der Schutzmaßnahmen nötig mache, schrieb der Vorsitzende des Gremiums im Dezember an Behördenchef Bernhard Url. Den Brief veröffentlichte der Verein Testbiotech nun auf seiner Website.

Gentechnisch veränderter Mais – in der EU darf zurzeit nur MON810 von Monsanto angebaut werden, bald könnten jedoch 1507 von Pioneer und Bt11 von Syngenta folgen – sondert meist Insektengifte ab, die er aufgrund eingebauter Bakteriengene selbst produziert. Doch nicht nur Maisschädlinge sind dem Gift ausgesetzt. Zum Schutz nützlicher Falter hatte die EFSA deshalb Abstände von 20 bis 30 Metern zu geschützten Habitaten empfohlen.

Doch die Studie, die die Behörde zum Umdenken bringt, ermittelte Pollen-Flugstrecken von mehreren Kilometern (wir berichteten im Oktober 2014). Dafür hatten sie mit neuen Methoden jahrelang gemessen.

„Die neuen Forschungsergebnisse zeigen erneut, wie groß die Lücken in der Risikobewertung der EFSA sind. Wichtige Daten fehlen und werden einfach durch irgendwelche Annahmen ersetzt“, kritisiert Christoph Then von Testbiotech. Zusammen mit Friends of the Earth schrieb sein Verein deshalb an den EU-Verbraucherschutzkommissar Vytenis Andriukaitis – er ist auch für Gentechnik zuständig. Ihre Forderung: dem Mais 1507 keine Anbaugenehmigung erteilen. Hier liegt das letzte Wort bei der EU-Kommission, weil sich die Mitgliedstaaten nicht einigen konnten. Deutschland hatte sich enthalten. [dh]

04.03.2015 |

Saatgut: „Jahrhunderte altes Recht der Bauern verteidigen“

Saatgut ist das Werk unzähliger Generationen und ein kulturelles Erbe, das es zu achten und zu erhaltengilt. Saatgut ist das Werk unzähliger Generationen und ein kulturelles Erbe (Foto: Infodienst)

Dürfen Landwirte einen Teil der Ernte im nächsten Jahr wieder aussäen? Ja, sagt die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Das sei „ein Jahrhunderte altes Recht der Bauern“. Die Bauernorganisation kritisiert das Vorgehen des Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP), der die meisten Zuchtunternehmen in Deutschland vertritt, darunter auch Konzerne wie Monsanto und Bayer. Dieser wolle die Bauern mit Klagedrohungen einschüchtern.

Die Kritik: der BDP habe über die Saatgut Treuhandverwaltung Bonn (STV) „massenhaft“ Briefe an Landwirte und Saatgutaufbereiter geschickt und mit Klagen gedroht. Die Bauern sollten Auskunft über ihre Felder geben und Nachbaugebühren bezahlen. Doch solche pauschalen Anfragen müssten die Bauern nicht beantworten, erklärt die AbL. Das hätten Gerichte bestätigt.

„Bauern und Züchter haben gute Gründe Partner auf Augenhöhe zu sein“, sagt Georg Janßen, Geschäftsführer der AbL und der Interessengemeinschaft Nachbau. „Durch hunderte von Klageverfahren gegen Bauern in den letzten 15 Jahren sind wir weit von dieser Augenhöhe entfernt.“ [dh]

02.03.2015 |

Umweltbehörde für bundesweites Anbauverbot

Mais Fragezeichen allgemein Bild: Infodienst

Das Bundesamt für Naturschutz plädiert für ein bundesweit einheitliches Gentechnik-Anbauverbot – und widerspricht damit Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Dessen Gesetzentwurf, der Einzelentscheidungen aller 16 Bundesländer vorsieht, sei „zu überarbeiten“, so die Behörde laut dem Magazin Der Spiegel.

Kritik kommt auch vom Bund für Umwelt und Naturschutz. „Ihr Vorhaben, die Verantwortung für Gentech-Anbauverbote auf die Ebene der Bundesländer zu verlagern, stößt bei uns auf Unverständnis. Es würde zu einem Wirrwarr von Regelungen führen, der die Gentechnikfreiheit der Landwirtschaft gefährdet“, schrieb BUND-Chef Hubert Weiger an den Agrarminister. Statt zu mehr Rechtssicherheit werde der Vorschlag zu mehr Bürokratie führen.

26.02.2015 |

Politik streitet über Weg zum „flächendeckenden Anbauverbot“

Bundestag GroKo Große Koalition Die Regierungsbank der Großen Koalition (Foto: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Im Bundestag verteidigte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) gestern sein Vorhaben, über künftige Gentechnik-Anbauverbote nicht selbst zu entscheiden, sondern dies den Bundesländern zu überlassen. Ziel bleibe „auf nationaler Ebene ein flächendeckendes Anbauverbot“, so der Minister. Die Opposition, aber auch die Koalitionspartnerin SPD halten Schmidts Weg für falsch. Und in Österreich wundert man sich über den deutschen Kollegen.

Wie zuvor gegenüber der Presse argumentierte Schmidt auch in der Aktuellen Stunde im Parlament mit mehr Rechtssicherheit. Man dürfe nicht vergessen, „dass Anbauverbote die Berufsausübungsfreiheit und Eigentumsgarantie sowie die Warenverkehrsfreiheit im EU-Binnenmarkt einschränken. Wir greifen damit in mehrere Grundrechte ein“, so der CSU-Politiker. Deshalb müssten die Anbauverbote, die ein von Deutschland mitgetragener EU-Beschluss ermöglicht, gut begründet werden. „Je genauer ein Opt-out auf die Besonderheiten vor Ort abstellt, desto eher wahrt es die Verhältnismäßigkeit und hat damit vor Gericht Bestand“, sagte Schmidt. Das könnten die Regierungen der Bundesländer besser erfüllen.

Das habe man auch im gentechnik-kritischen Österreich erkannt, erklärte Schmidt. „Gerade habe ich von meinem österreichischen Kollegen, der sich für ein nationales Anbauverbot eingesetzt hatte, gehört, dass Österreich ein auf die Bundesländer bezogenes Anbauverbot für sinnvoller hält.“ Beim Wiener Landwirtschaftsministerium stößt das jedoch auf Unverständnis. „Bundesminister Andrä Rupprechter will weiter ein Bundesrahmengesetz zum Anbauverbot für gentechnisch veränderte Pflanzen“, sagte seine Pressesprecherin Magdalena Rauscher-Weber dem Informationsdienst Gentechnik. Das „garantiert eine einheitliche Vorgangsweise in allen Bundesländern.“ Worauf sich der Schmidt bei seiner Aussage bezogen habe, wisse man nicht.

SPD, Grüne und Linke sprachen sich für ein bundesweites Verbot aus. Ute Vogt, als stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende für den Umweltschutz zuständig, sagte, man könne gerne über regionale Besonderheiten sprechen, mit denen sich die Anbauverbote für gentechnisch veränderte Pflanzen womöglich leichter begründen lassen. Doch die SPD wolle eine „eine bundeseinheitliche Regelung“. Sie erinnerte an einen Beschluss der Agrarminister der Bundesländer, die ebenfalls für ein Bundesverbot votierten.

„Das Delegieren der Anbauverbote an die Länder bedeutet in Wahrheit: Sie generieren die 16-fachen Kosten, Sie generieren das 16-fache Risiko des Scheiterns“, kritisierte der Grünen-Politiker Harald Ebner. „Herr Schmidt, ich frage Sie: Wenn Sie angeblich ein flächendeckendes Anbauverbot für ganz Deutschland wollen, wie kann es dann sein, dass solch ein Gesetzentwurf, der die Zuständigkeit für ein Verbot an die Länder abschiebt, Ihr Haus verlässt?“

Die Linken-Abgeordnete Kirsten Tackmann bezeichnete Schmidts Vorschlag als „deutsche Kleinstaaterei – und zwar gegen die ausdrücklichen Beschlüsse der Landesagrarminister und des Bundesrates für eine bundesweite Lösung.“ Dadurch werde es zu Verunreinigungen gentechnikfreier Felder und Produkte kommen. „Das Märchen von der Koexistenz zwischen gentechnisch veränderten und konventionell gezüchteten Pflanzen ist doch längst ausgeträumt, zum Beispiel weil die Verunreinigungen bei der Ernte, beim Transport, bei der Verarbeitung und bei der Vermarktung nicht oder nur mit sehr hohen volkswirtschaftlichen Kosten verhindert werden können.“ Diese Kosten blieben am Ende bei den Steuerzahlern hängen, nicht bei Gentech-Konzernen wie Monsanto und Pioneer. [dh]

+++UPDATE+++: „Jeder, der diesem Entwurf zustimmt, macht sich zum Türöffner der Gentechnik-Industrie“, betonte die Landwirtin Getrud Gafus, die der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) vorsitzt. „Saatgut und Ernteerzeugnisse werden bundesweit gehandelt. Wenn ich meine Flächen ländergrenzenüberschreitend habe, gelten womöglich je nachdem auf welchem Acker ich stehe, unterschiedliche Anbauregelungen. Gentechnikfreie Lebensmittelerzeuger beziehen ihre Rohstoffe aus Bundesländern mit unterschiedlichen Gentechnikregelungen. Wer soll dann hier noch durchblicken – und wer soll den ganzen Mehraufwand bezahlen?“

Der Bund Naturschutz appellierte an den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Horst Seehofer, einen Flickenteppich zu verhindern. Die Partei selbst habe sich gegen Gentechnik auf dem Acker ausgesprochen. „Es geht deshalb bei dieser Entscheidung um nationale Anbauverbote nicht nur um die Glaubwürdigkeit der Staatsregierung, sondern auch um die der gesamten Politik“, so der BN-Vorsitzende Hubert Weiger.

24.02.2015 |

Raps von BASF: Keine Gentechnik, aber „unverantwortlich“

Raps Foto: net_efekt / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0

Auf 26.000 Hektar soll er in Deutschland letztes Jahr ausgesät worden sein - „Clearfield“-Raps von BASF. Er ist resistent gegen ein ebenfalls vom Chemie-Konzern hergestelltes Herbizid. Wo genau der Raps wächst, ist unbekannt. Landwirtschafts- und Umweltaktivisten halten den Anbau für „unverantwortlich“.

Die eingebaute Herbizid-Resistenz kennt man sonst von Gentechnik-Pflanzen. Wenn die Felder mit dem Ackergift besprüht werden, geht Unkraut ein, nicht jedoch die präparierten Nutzpflanzen. Allerdings, so zeigt die Erfahrung im Gentech-Mutterland USA, führt der massive Chemikalieneinsatz auch zur Gewöhnung bei den Unkräutern – irgendwann lassen auch sie sich nicht mehr so bekämpfen, weitere Herbizide müssen versprüht werden. Dies könnte auch beim „Clearfield“-Raps von BASF eintreten, warnen die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, die Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

Der Unterschied: „Clearfield“-Raps wurde nicht mittels Gentechnik hergestellt. Zwar hat BASF auch mit einer relativ neuen Gentechnik-Methode, der Oligonukleotid-gesteuerten Mutganese (OgM, auch: Oligonukleotid-gerichtete Mutganese), solchen Raps entwickelt. Das in Deutschland verkaufte „Clearfield“-Saatgut soll aber aus konventioneller Züchtung stammen.

Das hat Folgen: weil es sich nicht um Gentechnik handelt, muss der „Clearfield“-Raps nicht gekennzeichnet werden. Auf der Saatgut-Verpackung kann zwar ein simples „CL“ angegeben werden, vorgeschrieben ist es jedoch nicht – und es wäre auch „nicht selbsterklärend“, wie die kritischen Organisationen anmerken. Außerdem müssen die Landwirte beim Anbau keine Auflagen erfüllen, Mindestabstände zu angrenzenden Feldern sind nicht nötig. Auch informieren müssen sie ihre benachbarten Berufskollegen nicht.

Dabei kann deren Ernte durchaus beeinträchtigt werden, schreiben die Kritiker in einer Stellungnahme an das Bundeslandwirtschaftsministerium. Von Insekten und Wind könnten die leichten Rapssamen kilometerweit getragen werden, zudem könnten sie beim Transport verloren gehen. Und habe sich der herbizid-resistente Raps erst einmal festgesetzt, sei es schwierig, ihn wieder loszuwerden. Denn gegen gängige Herbizide, die den gleichen Wirkstoff wie das BASF-Mittel „Clearfield Vantiga“ enthalten, ist er immun. Dadurch könne die Ernte im nächsten Jahr deutlich abnehmen, so die Warnung. „Gerade Raps mit einer Herbizidresistenz zu versehen ist unverantwortlich“, meint Eva Gelinsky von der IG-Saatgut. Auch mehrere Landwirtschaftskammern haben vor dem Anbau gewarnt.

Die BASF wandte sich an die Universität Hohenheim. Ihr Ergebnis: auf den meisten Flächen, auf denen „Clearfield“-Raps angebaut wurde, sei kaum problematischer Ausfallraps gefunden worden. Dem widersprechen die Kritiker, die die veröffentlichten Daten ihrerseits vom Umweltbundesamt Österreich unter die Lupe nehmen ließen. Dort hielt man die Stichprobe für zu klein, belastbare Schlussfolgerungen seien daraus nicht abzuleiten.

Nun ist die Politik gefragt. Das Landwirtschaftsministerium müsse für eine Veröffentlichung der „Clearfield“-Flächen in Deutschland sorgen, Regeln für etwaige Schadensfälle festlegen und den weiteren Anbau von herbizid-resistentem Raps schon zum Herbst verbieten, fordern Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, die IG Saatgut und der BUND. „Clearfield-Raps und andere herbizidresistente Rapspflanzen gehören, egal ob konventionell oder mit gentechnischen Methoden gezüchtet, nicht auf den Acker“, so Annemarie Volling von der AbL. [dh]

24.02.2015 |

„Schmidt stiehlt sich aus der Verantwortung“

Felix Prinz zu Löwenstein (Foto: BÖLW) Felix Prinz zu Löwenstein (Foto: BÖLW)

Kritik am Vorhaben von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), über künftige Gentechnik-Anbauverbote jedes Bundesland einzeln entscheiden zu lassen, kommt auch vom Dachverband der Biobranche. „Schmidt stiehlt sich aus der Verantwortung, wenn er hier die Länder in die Pflicht nehmen will“, so Felix Prinz zu Löwenstein vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft.

„Mit regionalen Gentechnik-Anbauverboten steuert Agrarminister Schmidt auf eine chaotische und kostspielige Situation zu“, erklärte der BÖLW-Vorsitzende. „Bereits der europäische Flickenteppich stellt für ökologisch und für gentechnikfrei arbeitende Landwirte und Lebensmittelproduzenten eine enorme Herausforderung dar. Mit noch kleinteiligeren Anbauverboten auf Länderebene ist aufgrund der innerdeutschen Warenflüsse von Saat- und Erntegut jedoch Chaos vorprogrammiert. Das Ziel, das mit den Anbauverboten erreicht werden soll, nämlich Wahlfreiheit für den Verbraucher zu garantieren und die Existenz der mittelständischen deutschen Lebensmittelwirtschaft zu sichern, wird völlig ins Gegenteil verkehrt.“

Am Wochenende war bekannt geworden, dass der Agrarminister keine bundesweit einheitliche Lösung, sondern Verbote auf Landesebene befürwortet. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde dem Regierungskabinett am Montag zur Beratung vorgelegt, wie die RP Online berichtet. Wichtigste Widersacherin Schmidts in dieser Frage ist Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die für ein Gesamtverbot auf Bundesebene plädiert.

Die Bundesregierung will bis zum Herbst einen von der EU beschlossenen Verbotsmechanismus in deutsches Recht umsetzen. Beim sogenannten Opt-Out sollen die EU-Mitgliedstaaten mehr als bisher selbst über den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen entscheiden können. Strittig bleibt indes die Risikoprüfung durch die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA, der zu enge Industriebeziehungen vorgeworfen werden. [dh]

23.02.2015 |

Bund oder Länder? Streit um Gentechnik-Anbauverbote

Bundestag Foto: Simone Knorr

In der Frage, ob künftige Gentechnik-Anbauverbote auf Bundes- oder auf Länderebene ausgesprochen werden sollen, herrscht keine Einigkeit. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will die Verantwortung den Ländern überlassen, Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ist für eine bundesweite Lösung. Die Grünen werfen Schmidt vor, dem „pro-Gentechnik-Kurs“ der Kanzlerin zu folgen.

Schmidt sagte der Deutschen Presse Agentur (dpa), die Bundesländer könnten die Anbauverbote besser umsetzen und mehr Rechtssicherheit schaffen. Die Rahmenbedingungen für die Verbote hatte die EU – mit deutscher Zustimmung – zum Jahreswechsel festgelegt. Nun muss der sogenannte Opt-Out-Mechanismus im nationalen Recht verankert werden. Laut dpa soll das Gesetz in Deutschland im Herbst in Kraft treten.

Das SPD-geführte Bundesumweltministerium plädiert hingegen für eine „eine bundesweit einheitliche Regelung“, wie die taz berichtet. Ministerin Hendricks ist dafür, die Möglichkeit des Anbauverbots künftig bei jeder Gentechnik-Pflanze zu nutzen. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung im Januar unter Berufung auf ein internes Papier des Ministeriums.

Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne) kritisierte Schmidts Vorhaben, die Entscheidung den Ländern zu überlassen. Das führe zu mehr Bürokratie – und erhöhe das Risiko auf einen „Flickenteppich an Regelungen“, so Bonde laut dpa. Schmidt sei vor Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eingeknickt. Der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner erklärte, die Bundesregierung versuche „ganz nebenbei ihren großen Gentechnik-Betrug zu vollenden.“ Dies werde dazu führen, dass auch in Deutschland gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden. „Denn es werden eben nicht alle Bundesländer Genpflanzen verbieten“, so Ebner. Vor allem Sachsen-Anhalt und Sachsen haben sich immer wieder positiv zu den umstrittenen Pflanzen geäußert.

„Jetzt ist es an der Umweltministerin und der SPD, Schmidt zu stoppen und die versprochenen nationalen Anbauverbote für ganz Deutschland durchzusetzen“, forderte der Grünen-Parlamentarier. „Frau Hendricks darf sich nicht schon wieder über den Kabinettstisch ziehen lassen!" [dh]

18.02.2015 |

Buchrezension: Aufklärung und klare Haltung

Buch Then Handbuch Agro-Gentechnik

[von Christoph Habermann] Mit seinem „Handbuch Agro-Gentechnik: Die Folgen für Landwirtschaft, Mensch und Umwelt“ leistet Dr. Christoph Then Aufklärungsarbeit im besten Sinne des Wortes. Er informiert und erklärt. Er leuchtet Hintergründe der Gentechnik-Landwirtschaft aus und stellt Zusammenhänge her. Er spricht von Interessen und von Werten, vom Kampf um Märkte und Ressourcen und von der immer wieder gefährdeten Unabhängigkeit der Frauen und Männer der Wissenschaft.

In seinem neuen Buch bietet er eine Einführung in die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Gentechnik, die auch die verstehen können, die Biologie und Chemie nie zu ihren Lieblingsfächern gezählt haben. Der Autor, der sich schon seit zwanzig Jahren mit diesen Themen beschäftigt, erklärt auch die vertrackten Details.

Then vergleicht die Versprechungen der Saatgut-Konzerne mit den praktischen Erfahrungen - und stellt fest, dass wenig gehalten wurde. Oft trat das genaue Gegenteil ein: mehr Herbizide und Insektizide statt weniger. Zugleich macht er deutlich, welche sozio-ökonomischen Folgen es hat, wenn wenige weltweit agierende Unternehmen mit Hilfe der Agro-Gentechnik versuchen, das Saatgut durch Patentierung unter ihre Kontrolle zu bekommen. Auch neue Gentechnik-Methoden und den Bereich der Synthetischen Biologie nimmt er kritisch unter die Lupe.

So wird deutlich, welche Folgen es haben kann, wenn der Mensch an immer mehr Stellen auf der Ebene des Genoms in die natürliche Evolution eingreift. „Um die Zukunft der Biosphäre zu sichern, müssen wir auch Konzepte zum Schutz der belebten Natur auf der Ebene ihres Erbgutes entwickeln“, schreibt Then. „Dieser Schutz muss sich an der Erhaltung des Systems der Evolution, der Selbstorganisation und der wechselseitigen Anpassung von Lebensformen orientieren.“

Der Text ist anspruchsvoll, aber auch für interessierte Laien gut zu verstehen und nachzuvollziehen. Then argumentiert sachlich und nüchtern, ohne Polemik und falsche Vereinfachung. Dabei vertritt er nicht nur aus fundierter Beschäftigung mit dem Thema gewonnene Überzeugungen, sondern auch eine klare Haltung.

Christoph Then gibt mit seinem Buch Denkanstöße, stellt vermeintliche Gewissheiten in Frage und er macht Vorschläge, was anders werden soll. Mehr kann man und mehr sollte man von einem Buch, das kein Roman und kein Gedichtband ist, nicht erwarten.


Christoph Then: „Handbuch Agro-Gentechnik: Die Folgen für Landwirtschaft, Mensch und Umwelt“
oekom verlag, München, Januar 2015
19,95 Euro
ISBN -13: 978-3-86581-716-7

17.02.2015 |

Hat Gentechnik-Soja Einfluss auf Ziegenmilch?

Ziege Foto: Jon Pinder / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0

Gentechnik-Soja im Futter könnte bei Ziegen zu einer Veränderung der Milch zu führen – mit negativem Einfluss auf das Wachstum ihrer Zicklein. Das fanden Forscher der Universitäten Neapel und Sassari heraus, die die Tiere mit gentechnisch verändertem Soja des Konzerns Monsanto fütterten. Anders als häufig angenommen, wurde die DNA der Soja nicht vollständig verdaut, sondern gelangte auch in die Milch.

Die Milch der Tiere, die mit Monsanto-Soja gefüttert worden waren, soll weniger Eiweißstoffe (Immunglobuline) enthalten haben. Dadurch bauten die Zicklein weniger Gewicht auf. In der Vormilch, die für die Neugeborenen besonders wichtig ist, fanden die Forscher zudem „transgene DNA-Fragmente“, wenn die Mütter Gentechnik-Soja gefressen hatten.

„Die aktuellen Ergebnisse werfen neue Fragen auf und zeigen, dass es große Lücken bei der Risikobewertung gentechnisch veränderter Pflanzen gibt. Obwohl mehrfach über Einflüsse auf das Immunsystem berichtet wurde, verlangt die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA keine entsprechenden Untersuchungen“, kommentiert Christoph Then vom Münchner Verein Testbiotech die Studie, die auf der Website des Ziegen-Fachmagazins Small Ruminant Research des Elsevier-Verlags bereits vorab veröffentlicht wurde. „Auch Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit können nicht ausgeschlossen werden.“

Then weist zwar auch auf „methodische Mängel“ der Studie hin: die Sojabohnen der herbizid-toleranten Gentechnik-Pflanzen seien nicht auf Rückstände der Ackerchemikalien untersucht worden. „Diese Mängel dürfen nach Ansicht nach Testbiotech jedoch nicht als Vorwand dienen, um die Ergebnisse der Untersuchungen zu verwerfen, da vergleichbare Studien bisher fehlen.“ [dh]

16.02.2015 |

USA erlauben Gentechnik-Äpfel

Apfel Äpfel Foto: Bart / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0

In den USA wurden erstmals gentechnisch veränderte Äpfel zugelassen. Ab 2016 könnten das mittels einer neuen Gentech-Methode entwickelte Obst dann in US-Supermärkten zu finden sein, berichten Medien. Die Eigenschaft der transgenen Äpfel: sie sollen länger frisch aussehen.

Die Firma Okanagan Specialty Fruits hat die Äpfel nicht mit herkömmlicher Gentechnik – dem Einbauen von Genen einer Art in eine andere – sondern unter Anwendung der RNAi-Technik entwickelt. Sie nutzt einen natürlichen Mechanismus der Zellen, die RNA-Interferenz. Im Labor wird der Botenstoff RNA so manipuliert, dass bestimmte Gene ausgeschaltet werden – in diesem Fall die Erbgutabschnitte, die für das bräunliche Verfärben aufgeschnittener Apfelstücke verantwortlich sind.

Unnötig, riskant und wissenschaftlich unverantwortlich ist die Entscheidung der US-Behörden nach Ansicht der Verbraucherschutzorganisation Center for Food Safety. Wie der Einsatz der manipulierten RNA auf das gesamte Genom wirke und ob beispielsweise auch andere Gene abgeschaltet werden könnten, sei gar nicht untersucht worden, kritisierte Doug Gurian-Sherman, der Chefwissenschaftler der Organisation.

Okanagan Specialty Fruits will zunächst Gentechnik-Varianten der Apfelsorten Golden Delicious und Granny Smith auf den Markt bringen, jeweils unter dem Namenszusatz „Arctic“. Eine gesetzliche Kennzeichnungsvorschrift für Gentechnik-Lebensmittel gibt es in den USA bislang nicht. Laut Süddeutscher Zeitung müssen die Bäume noch gepflanzt werden, so dass frühestens ab 2016 mit einem Verkauf zu rechnen sei.

Bei der RNAi-Technik handelt es sich um eine von mehreren, relativ neuen Gentechnik-Methoden. Bislang ist unklar, wie diese in der EU reguliert werden sollen. Einige gelten als zweifellos gentechnisch, bei anderen ist dies umstritten. Umwelt- und Landwirtschaftsverbände haben erst kürzlich an EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis appelliert, die neuen Techniken als „Gentechnik“ einzustufen und nicht ohne Risikoprüfung auf den Markt zu lassen. [dh]

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