23.04.2014 |

Parlament entscheidet gegen Bürgerwillen und Imker

Honiggläser Foto: pixabay, cco

Vergangene Woche hat auch das Plenum des EU-Parlaments gentechnisch verändertem Honig den Weg in die Regale Europas geebnet und die Imker rechtlich im Regen stehen lassen. Entgegen dem Wunsch der Imker auf Rechtssicherheit und dem Wunsch der Verbraucher nach Transparenz führt die geplante Änderung der Honigrichtlinie zu Unklarheiten bei der Kennzeichnung. Nur eine Sperrminorität des Ministerrates der EU durch Enthaltung oder einem klaren Nein der deutschen Regierung könnte jetzt noch verhindern, dass die Honigrichtlinie in gültiges Recht umgesetzt wird.

Mit der Änderung der Honigrichtlinie zählt Pollen im Honig künftig nicht mehr als 'Zutat', sondern als 'natürlicher Bestandteil'. 'Natürliche Bestandteile' können bis zu 0,9 Prozent gentechnische Verunreinigungen enthalten, ohne dass sie gekennzeichnet werden müssen. Da Honig für gewöhnlich 0,5 Prozent Pollen enthält, soll eine Kennzeichnung von Gentechnik-Honig umschifft werden. Doch: die Schwelle von 0,9 Prozent ist laut Gentechnik-Gesetz nur zulässig, wenn der Eintrag der gentechnischen Verunreinigungen zufällig und technisch unvermeidbar war. Was genau zufällig und technisch unvermeidbar sein soll, wenn Bienen von Feld zu Feld fliegen, wird in der Honigrichtlinie allerdings nicht definiert.

Dazu kommt eine weitere Unschärfe im Richlinientext: Auch Nektar von gentechnisch veränderten Pflanzen wie Raps und Baumwolle kann im Honig enthalten sein. Rechnet man den Anteil von gentechnisch verändertem Pollen und Nektar zusammen, könnte die 0,9 Prozent- Schwelle überschritten werden. In diesem Fall müsste der Honig gekennzeichnet werden. Laut EU-Kommission soll der Nektar jedoch nicht in den Schwellenwert mit eingerechnet werden. Wie das praktisch funktionieren soll, ist unklar. Aufgrund dieser Rechtsunsicherheiten sind die Imker besorgt. Hinzu kommt, dass nicht klar ist, wie bestehende Analyseverfahren weiterentwickelt werden müssten, wenn die Richtlinie so verabschiedet würde. Denn kommt die Honigrichtlinie wie das Plenum sie verabschiedet hat, genügen die bisherigen Analysen nicht mehr.

Die Änderung der Honigrichtlinie, die als Kompromiss in einem Triolog zwischen Kommission, Parlament und Vertretern der Mitgliedstaaten im Vorfeld der Abstimmungen ausgehandelt wurde, ist im März zunächst vom Umweltausschuss und vergangenen Mittwoch auch vom Plenum des EU-Parlaments angenommen worden. In einer Stellungnahme hatten 200.000 Imker aus 16 Mitgliedsaaten des Europäischen Berufsimkerbundes, weitere Organisationen von Freizeitimkern aber auch ökologisch orientierte Imker an das Parlament appelliert, den Vorschlag abzulehnen.

Dass die Änderung der Honigrichtlinie jetzt noch abgeschmettert wird, ist unwahrscheinlich.

17.04.2014 |

Bayern jetzt Mitglied der Gentechnikfreien Regionen

GMO free regions network Das Europäische Netzwerk gentechnikfreier Regionen setzt sich für mehr Entscheidungsspielräume der Länder und Regionen ein (Foto: European GMO-Free Regions Network)

Das Bundesland Bayern ist seit letzter Woche Mitglied des Europäischen Netzwerks Gentechnikfreier Regionen. Umweltminister Marcel Huber (CSU) unterzeichnete die Beitrittserklärung, damit ist der Freistaat nun offiziell aufgenommen, bestätigte das Ministerium dem Infodienst. Das Netzwerk setzt sich für eine Landwirtschaft ohne Gentechnik ein.

Die bayerische Regierung sieht in dem Beitritt zum Netzwerk, den der Landtag im Februar nach jahrelanger Kontroverse beschlossen hatte, „ein klares politisches Bekenntnis mit hohem Symbolgehalt für die Menschen in Bayern.“ Minister Huber erklärte, Bayern stehe für regionale und saisonale Lebensmittel. „Grüne Gentechnik ist mit den sensiblen Naturräumen und der kleinteiligen Agrarstruktur in Bayern unvereinbar.“

Auch das schwarz-grün regierte Hessen wird Mitglied des Netzwerks, das sich für die Reinhaltung des Saatguts von Gentechnik-Organismen, für mehr Selbstbestimmung der Regionen und für das Verursacherprinzip einsetzt, wonach Schäden durch gentechnische Verunreinigungen vom Verursacher behoben werden müssen. Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) hatte im März, als sie den Aufnahmeantrag verschickte, erklärt: „Die Entscheidung dem Netzwerk beizutreten soll als gutes Beispiel dienen und sendet ein Signal der Unterstützung sowohl an die heimische Landwirtschaft als auch an unsere Nachbarregionen.“

Das Netzwerk hat europaweit über 60 Mitglieder. Aus Deutschland sind auch Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Thüringen und Niedersachsen an Bord. [dh]

16.04.2014 |

Französisches Parlament verbietet Anbau von Monsanto-Mais

Frankreich Nationalversammlung Die französische Nationalversammlung (Foto: Richard Ying et Tangui Morlier / CC-BY-SA-3.0 [creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0], via Wikimedia Commons)

Die französische Nationalversammlung hat gestern Abend für ein Gesetz gestimmt, das den Anbau der gentechnisch veränderten Maislinie MON 810 verbietet. Mit den Stimmen der Sozialisten, Grünen und Linken sichert das Parlament damit ein kürzlich von der Regierung erlassenes Verbot des Monsanto-Maises ab. MON 810 ist der einzige Gentech-Mais, der zurzeit in der EU angebaut werden darf. Er produziert ein Gift gegen Insekten.

16.04.2014 |

Bienen sammeln Pollen inklusive Chemikalien

Bienen Foto: www.oekolandbau.de / ©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler)

Von Bienen gesammelter Blütenpollen ist häufig mit synthetischen Pestiziden belastet. Das zeigt eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Laboranalyse. In zwei Drittel der Proben fanden sich Rückstände von einem oder mehreren Insekten-, Pilz- oder Unkrautvernichtungsmitteln. „Diese Gifte tragen mit Sicherheit zum Bienensterben bei“, warnt die Organisation – und protestiert heute vor der Zentrale des Chemiekonzerns Bayer, dessen Produkte in der Landwirtschaft weit verbreitet sind.

Insgesamt untersuchte „ein akkreditiertes und zertifiziertes Labor im Auftrag von Greenpeace“ 107 Proben von Pollen, der von Bienen in zwölf europäischen Ländern, darunter Deutschland, letztes Jahr gesammelt worden war. Zusätzlich kamen 25 Proben von Bienenbrot, von den Bienen als Vorrat eingelagerter Pollen, unter die Lupe. Bei beiden Gruppen waren zwei Drittel (67,3 bzw. 68%) mit mindestens einem Pestizid belastet. Dutzende von verschiedenen Insektiziden, Fungiziden und Herbiziden wurden dabei gefunden.

Aus Sicht von Greenpeace sind die Pestizidvorschriften längst nicht scharf genug. „Die Studienergebnisse und der Blick in die aktuelle wissenschaftliche Literatur lassen den Schluss zu: Die derzeitige gesetzliche Regulierung des Pestizideinsatzes schützt die Bestäuberpopulationen nicht ausreichend. die EU hat weitaus mehr Möglichkeiten, bienengefährliche Pestizide komplett zu verbieten.“

Zurzeit gilt in der EU probeweise ein Teilverbot von einigen Neonikotinoiden, die als besonders gefährlich für Bienen gelten. Doch die Hersteller der Mittel, Unternehmen wie Bayer, BASF und Syngenta, klagen gegen das – ohnehin auf nur zwei Jahre angelegte – Verbot. Greenpeace veranstaltet heute eine Protestaktion vor dem Bayer-Sitz in Leverkusen. Mittel des Konzerns waren bei der Analyse häufig entdeckt worden, das Neonikotinoid Thiacloprid beispielsweise in 8 von 15 Proben aus Deutschland. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sei gefordert, sich für besseren Bienenschutz und weniger Ausnahmen beim Verbot gefährlicher Chemikalien einzusetzen, so Greenpeace. Forscher der Freien Universität Berlin hatten erst kürzlich bestätigt, dass Bienen ihren Stock nicht mehr finden, wenn sie zuvor Neonikotinoiden ausgesetzt waren. [dh]

15.04.2014 |

Bekommt Gentechnik-Lobby in USA ihr Wunschgesetz?

USA Capitol Kongress Das Capitol in Washington ist Sitz des US-Kongresses (Foto: public domain / wikipedia)

Ein republikanischer Abgeordneter hat letzte Woche einen Entwurf ins Parlament in Washington eingebracht. Wird das „Gesetz für sichere und akkurate Lebensmittelkennzeichnung“ verabschiedet, könnten US-amerikanische Verbraucher auch zukünftig nicht erkennen, ob in einem Produkt gentechnisch veränderte Pflanzen enthalten sind. Strengere Vorschriften in den Bundesstaaten würden ausgehebelt. Ein Traum für die Industrie – die der Politik die Vorlage lieferte.

In seinem Entwurf hat Mike Pompeo, Republikaner aus Kansas und Mitglied im Ausschuss für Energie und Wirtschaft, so ziemlich alle Wünsche erfüllt, die der Lobbyverband der Lebensmittel- und Agrarkonzerne zuvor benannt hatte: so soll es, wenn überhaupt, nur freiwillige Kennzeichnungen von Gentech-Zutaten geben; zur Kennzeichnung verpflichtende Gesetze in einzelnen Bundesstaaten, beispielsweise Connecticut, würden unwirksam.

Produkte ohne gentechnisch veränderte Zutaten dürften zwar weiterhin mit dem „Non GMO“-Label beworben werden. Dabei darf laut Gesetzentwurf aber „weder ausdrücklich noch indirekt“ der Eindruck entstehen, dass die gentechnikfreien Erzeugnisse sicherer sind als diejenigen mit Zutaten aus Gentech-Pflanzen. Und schließlich dürften selbst Milch, Käse und Eier, die von Tieren stammen, die mit Gentechnik-Pflanzen wie Soja und Mais gefüttert wurden, den „Non GMO“-Aufdruck tragen. Damit verlöre dieses Label erheblich an Wert.

Viele der Elemente in Pompeos Gesetzentwurf finden sich in einem Papier des Lobbyverbands GMA, der Grocery Manufacturers Association, das vom Magazin Politico im Januar veröffentlicht wurde. Zu ihren Mitgliedern gehören Gentech-Konzerne wie Monsanto, Dow und Bayer sowie die Größen der Lebensmittelbranche, darunter Coca-Cola, Pepsico und Nestlé.

Die Verbraucherschutzorganisation Center for Food Safety kritisiert den Entwurf scharf. Sie weist darauf hin, dass 90 Prozent der Amerikaner eine Kennzeichnung von Gentechnik-Zutaten wünschen. Der Republikaner Pompeo habe den Entwurf auch deshalb so eingebracht, weil er über die Jahre 170.000 Dollar an Wahlkampfspenden von Unternehmen der Agrarindustrie erhalten habe. [dh]

14.04.2014 |

Bundesländer müssen über TTIP abstimmen

Freihandel EU USA TTIP Freihandel EU-USA (Foto: Jakob Huber/Campact, CC BY-NC 2.0)

Nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums muss neben dem Bundestag auch der Bundesrat dem geplanten Freihandelsabkommen zwischen EU und USA zustimmen, bevor es wirksam werden kann. Das berichtet Spiegel Online und zitiert aus einer Antwort des Ministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen. Außerdem kritisiert Sigmar Gabriels Haus, dass ihm immer noch nicht alle Verhandlungsdokumente vorlägen.

Sollte der Bundesrat zustimmen müssen, könnte es für das Abkommen noch schwerer werden. Erst kürzlich erklärten die Agrarminister der Bundesländer, es dürfe durch TTIP nicht zu einer Abschwächung der EU-Standards, z.B. bei der Agro-Gentechnik, kommen. Die EU-Kommission geht dagegen nicht davon aus, dass alle Mitgliedsstaaten das fertige Vertragswerk noch absegnen müssen. Die nationalen Regierungen haben den Kommissaren das Mandat für Verhandlungen mit Washington erteilt.

Das Wirtschaftsministerium kritisiert laut Spiegel Online auch, dass es die Verhandlungsdokumente der USA nicht einsehen könne. Trotzdem wolle das Ministerium vorerst keinen Konflikt mit der Kommission. Die Grünen glauben, die Bundesregierung wolle das Thema vor der Europawahl im Mai unter Verschluss halten.

14.04.2014 |

Mais-Saatgut kaum mit Gentechnik belastet

Saatgut Bioland ©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler

Mais-Saatgut ist in Deutschland kaum mit Spuren gentechnisch veränderter Organismen belastet. Nur 1,6 Prozent der Proben waren vergangenes Jahr positiv, melden der Biobauernverband Bioland und die Umweltorganisation Greenpeace. Sie haben Zahlen von Bund und Ländern ausgewertet.

504 Proben von Mais-Saatgut waren 2013 genommen worden, nur acht Mal fanden die Kontrolleure dabei Gentechnik-Körner. Das war noch weniger als im Vorjahr und deutlich weniger als 2011, als knapp sieben Prozent der Proben positiv ausfielen. Fündig wurden die Analysten in Bayern und Niedersachsen: dort war Mais-Saatgut der Firmen Pioneer, KWS und Caussade Semences mit dem gentechnisch veränderten Mais MON810 von Mosanto oder anderen transgenen Sorten belastet.

Aus Sicht von Bioland zeigen die Ergebnisse, dass die Kontrollen funktionieren – und eine Auflockerung der bislang gültigen Nulltoleranz für nicht-zugelassene Gentechnik-Organismen im Saatgut nicht nötig ist. Sie wird von großen Agrarunternehmen immer wieder ins Spiel gebracht. „Die Forderungen des Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter BDP, Schwellenwerte für gentechnische Verunreinigung von Saatgut einzuführen weisen wir deutlich zurück“, kommentierte Bioland-Chef Jan Plagge die Untersuchungen. „Staatliche Kontrollen sind unerlässlich, um sauberes Saatgut für die Landwirte zu gewährleisten. Die Nulltoleranz für Gentechnik im Saatgut muss bleiben. Sie ist für eine gentechnikfreie und nachhaltige Landwirtschaft existentiell.“

Auch ein nur geringer Schwellenwert von 0,1 Prozent Gentechnik-Anteil beim Saatgut hätte spürbare Auswirkungen auf die Landwirtschaft, erklärte Dirk Zimmermann von Greenpeace. Denn: „Auf jedem Hektar Mais würden etwa 100 Gen-Pflanzen wachsen. So besteht die Gefahr, dass sich gentechnisch veränderte Pflanzen unkontrolliert ausbreiten und ungewollt in die Nahrungskette gelangen. Saatgut ist die Basis unserer Nahrungskette - jede Verunreinigung mit Gentechnik bedeutet ein unkalkulierbares Risiko.“ [dh]

14.04.2014 |

Verbraucher würden für Gentechnikfrei mehr zahlen

Lidl Eier Aktion Gentechnik-Futter auch bei Ostereiern vom Discounter (Foto: Greenpeace Berlin)

Die Verbraucher in Deutschland sind bereit, für Eier und Hühnerfleisch mehr zu bezahlen, wenn keine Gentechnik verfüttert wird. Das zeigt eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag von Greenpeace. Die Umweltorganisation protestierte am Wochenende erneut vor Lidl-Filialen wegen des Einsatzes von Gentechnik-Futter bei Eigenmarken des Discounters.

Von den 1.000 Befragten wünschen sich 93 Prozent, dass Eier und Fleisch aus Gentech-Fütterung entsprechend gekennzeichnet werden. Bislang gibt es hier eine Lücke in der Deklarationspflicht. Fast 80 Prozent plädieren generell für eine gentechnikfreie Fütterung der Tiere. Dafür würden viele Verbraucher wohl auch mehr bezahlen, wie Forsa herausfand. 85 Prozent würden 10 Cent oder mehr zusätzlich für ein Hähnchen bezahlen, das nicht mit Gentechnik-Pflanzen gefüttert wurde. Über 60 Prozent würden sogar 50 Cent mehr bezahlen. Nötig wären laut Greenpeace nur circa 8 Cent pro Hähnchen.

Auch für Eier würden die Befragten mehr bezahlen, wenn keine Gentechnik im Futtertrog war: 85 Prozent erklärten sich bereit, ein Cent oder mehr zusätzlich für ein gentechnikfreies Ei zu berappen. Nötig wären der Greenpeace-Schätzung zufolge nur 0,13 Cent.

Teile der Lebensmittelindustrie steuern derzeit aber in die andere Richtung. Große Geflügel- und Eierproduzenten haben sich aus der gentechnikfreien Fütterung verabschiedet, bei den Supermärkten garantieren nur wenige, dass bei ihren Eigenmarken keine Gentechnik verfüttert wird. „Die Wünsche der Verbraucher sind eindeutig und werden vom Handel schlichtweg ignoriert“, sagte Stephanie Töwe, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace. „Lidl, Aldi und Co müssen jetzt handeln und ihre Produkte frei von Gentechnik halten.“ [dh]

14.04.2014 |

Bundesländer drängen auf Gentechnik-Verbote

bundesrat Bundesratsgebäude in Berlin

Die Bundesländer wollen mehr Möglichkeiten, den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zu untersagen. Am Freitag stimmte die Mehrheit der Landesvertreter im Bundesrat dafür, die Bundesregierung aufzufordern, sich in Brüssel für die „opt-out“-Lösung einzusetzen. Gleichzeitig soll Schwarz-Rot aber auch auf Verbesserungen der EU-Entwürfe hinarbeiten.

Die von der EU-Kommission vorgeschlagene „opt-out“-Regelung würde es den Mitgliedsstaaten ermöglichen, den Anbau transgener Pflanzen nicht nur wie bisher aus Umwelt- oder Gesundheitsbedenken zu verbieten, sondern auch aus wirtschaftlichen und anderen Erwägungen. Auf Antrag der rot-grün regierten Länder Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wird Berlin aber dazu angehalten, den Brüsseler Entwurf noch zu überarbeiten: vor allem wollen die Länder nicht akzeptieren, dass vor einem Verbot Konsultationen mit den Gentechnik-Konzernen vorgeschrieben sein sollen. Außerdem sollen die rechtlichen Grundlagen so gestaltet werden, dass die Verbote nicht per Klage ausgehebelt werden können.

„Die Menschen in Deutschland wollen keine Gentechnik – weder auf ihrem Teller noch auf ihren Feldern oder in der Natur“, sagte der Umweltminister von Nordrhein-Westfalen, Johannes Remmel (Grüne). „Und sie haben einen Recht darauf. Diese Verantwortung gegenüber unseren Bürgerinnen und Bürgern nehmen wir sehr ernst.“ Auch der bayerische Umweltminister Marcel Huber (CSU) verwies auf die breite Ablehnung der Agro-Gentechnik durch die Bevölkerung.

Umwelt- und Ökoverbände begrüßten den Beschluss des Bundesrats. Sie fordern nun entschlossenes Handeln der Regierung. „Die Bundesländer haben verstanden, dass eine gentechnikfreie Land- und Lebensmittelwirtschaft ein wichtiger Standortvorteil für die heimische Produktion ist“, erklärte Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. „Der Bundesrat macht eine klare Vorgabe, wo die Bundesregierung herumlaviert.“

Auch der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner forderte Schwarz-Rot dazu auf, gemäß dem Bundesratsbeschluss zu handeln und „sich entschlossen für ein gentechnikfreies Europa im Interesse seiner Bürgerinnen und Bürger zu engagieren, statt weiterhin der Gentech-Lobby munter die Tür offen zu halten.“ Wenn es auf EU-Ebene wieder um Zulassungen gentechnisch veränderter Mais- oder Sojapflanzen gehe, dürfe sich das Kabinett Merkel nicht enthalten, wie noch bei der Abstimmung über den Mais 1507, der schon ab nächstem Jahr in der Union angebaut werden könnte.

Die Grünen fordern darüber hinaus eine Neuausrichtung der Zulassungspolitik der EU. Die Risikobewertung müsse künftig unabhängig von Industrieforschern stattfinden und transparenter werden. [dh]

10.04.2014 |

Gentechnik-Moskitos in Brasilien und Panama

Moskito Stechmücken sollen mittels gentechnisch veränderter Artgenossen dezimiert werden (Foto: biborg / stock.xchng)

In Lateinamerika stehen weitere Freisetzungen gentechnisch veränderter Moskitos bevor. Im Laufe des Tages soll die brasilianische Biosicherheitsbehörde darüber entscheiden, ob in dem Land erstmals auch der kommerzielle Einsatz der Gentech-Insekten erlaubt wird. Sie sollen laut der Firma Oxitec das Dengue-Virus zurückdrängen. Mehrere Organisationen warnen vor unabsehbaren Risiken. Auch in Panama darf Oxitec laut eigenen Angaben die Moskitos für Versuche in einer Wohngegend freisetzen.

In Brasilien haben bereits Freilandexperimente mit den gentechnisch veränderten Insekten stattgefunden, eine kommerzielle Genehmigung gibt es aber noch nicht. Nun könnte sie gewährt werden, obwohl Oxitec die Ergebnisse der bisherigen Versuche noch immer nicht veröffentlicht hat, kritisieren drei lateinamerikanische und eine britische NGO. „Es gibt keine Daten, die belegen, dass dieser Gentechnik-Moskito tatsächlich die Verbreitung von Dengue reduziert“, gibt Gabriel Fernandes von der brasilianischen Organisation AS-PTA zu bedenken.

Auch Helen Wallace von der britischen Gruppe GeneWatch hält die Insekten für ineffektiv und riskant. Die gentechnisch veränderten Moskitos sollen sich mit natürlichen Partnern der Ägyptischen Tigermücke (Aedes aegypti) fortpflanzen, die das Dengue-Virus übertragen kann. Die Nachkommen sterben aufgrund des eingebauten Gens, sagen zumindest die Entwickler. So soll die Population zurückgedrängt werden. Allerdings könnte die Lücke von anderen Stechmücken wie der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) gefüllt werden, die das Virus ebenfalls auf Menschen übertragen kann, so die NGOs.

Die Kritiker halten die Risiken durch die Gentechnik-Moskitos für viel zu wenig erforscht. Sie glauben, dass Sicherheitsbedenken zugunsten wirtschaftlicher Gewinne beiseite geschoben werden. Dabei verweisen sie auch auf Verbindungen des Oxitec-Managements zum schweizerischen Agrochemiekonzern Syngenta. Erst kürzlich kam ein weiterer Ex-Syngenta-Mann dazu: Simon Warner ist neuer Chief Scientific Officer der Firma, teilte Oxitec in seinem April-Newsletter mit. Er hatte zuvor unter anderem 17 Jahre für den Schweizer Gentechnik-Riesen gearbeitet. [dh]

Gehe zu Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 ...

*** Unterstützen Sie unsere Arbeit ***

Alle Informationen auf dieser Seite sind für Sie kostenlos, kosten aber trotzdem etwas. Unterstützen Sie den Infodienst - damit es auch weiterhin kritische Informationen zum Thema Gentechnik für alle gibt!
 Spenden-Infos hier

Newsletter bestellen

Gentechnik-Mais in der EU

Wie geht es weiter?

1. Schritt: Zulassung durch Kommission

2. Schritt: Sortenzulassung

3. Schritt: Anbau frühestens 2015 

 mehr...

Schule und Gentechnik

Unterrichtsportal zum Thema Agro-Gentechnik: Einführung, Arbeitsblätter, Videos und mehr...

Eine Lehrerin hält ein Schild mit der Aufschrift Lehrer. Hier gibt es Informationen und Material zur Gentechnik für den Unterricht.
Ein Schüler hält ein Schild mit der Aufschrift Schüler. Hier gibt es Informationen, ein Quiz, Videos und mehr zum Thema Gentechnik für Schülerinnen und Schüler.

Infodienst-Material

Postkarten zum Thema Gentechnik. Ein Mädchen nascht von einer Torte und sagt Gutes Essen braucht keine Gentechnik.
Ein Landwirt hält Maiskolben im Arm und sagt Gen-Mais schmeckt mir nicht.

Hier bekommen Sie kostenloses Infomaterial zum Thema: Flyer, Postkarten, Newsletter, Newsticker...
 Bestellung

Nachrichten