28.08.2014 |

Zurück auf Null: Gentech-Reis und -Mais in China

China Polizist Foto: Beijing Patrol / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0

Das chinesische Landwirtschaftsministerium lässt auch weiterhin keinen Anbau von gentechnisch verändertem Reis oder Mais zu. Drei Pflanzen, die noch in der Warteschleife hängen, haben ihre Biosicherheitszertifikate wieder verloren, berichtet die französische Zeitung Le Monde. Die Zertifikate waren Mitte August nach fünf Jahren abgelaufen und nicht verlängert worden.

Eine offizielle Erklärung gab es laut Le Monde nicht. 2009 hatten zwei Linien von gentechnisch verändertem Reis und eine Maisvariante die Zertifikate erhalten und hätten daraufhin wohl zugelassen werden können. Jetzt sind die Dokumente nicht mehr gültig. Nach Einschätzung des Le Monde-Korrespondenten in Peking, Brice Pedroletti, haben diese Gentech-Pflanzen nun kaum die Chance auf eine künftige Vermarktung in China.

Die Umweltorganisation Greenpeace China sieht zwei mögliche Gründe: einerseits seien die Erträge der gentechnisch veränderten Reissorten gering. Andererseits sei die Öffentlichkeit eher skeptisch eingestellt, so eine Sprecherin gegenüber Le Monde. Dazu hätten verschiedene Verunreinigungsskandale und illegale Experimente beigetragen.

China importiert große Mengen an gentechnisch verändertem Soja und Mais für die Fleischproduktion. Aber auch hier gab es zuletzt Probleme: weil US-amerikanische Mais-Lieferungen mit einer nicht-zugelassenen Gentechniklinie verunreinigt waren, blockieren die Behörden weitere Chargen. Im Januar war von 600.000 Tonnen die Rede. Amerikanische Exportverbände forderten deshalb kürzlich die Schützenhilfe Washingtons.

Angebaut wird in China derzeit vor allem transgene Baumwolle. Von 2012 auf 2013 ging die Fläche allerdings von 4,9 auf 4,2 Millionen Hektar zurück, zeigen Zahlen der gentech-freundlichen Agentur ISAAA. Auf im Vergleich sehr kleinen Flächen wachsen zudem genmodifizierte Papaya und Pappeln. [dh]

28.08.2014 |

Häagen-Dazs verzichtet auf Synbio-Vanille

Eis Vanille Foto: ario_ / Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0

Eis von Häagen-Dazs wird weiterhin kein Vanillearoma enthalten, das von Hefekulturen mit künstlicher DNA erzeugt wurde. Das bestätigten die Konzerne General Mills und Nestlé, die sich die Rechte an der Marke teilen, gegenüber der Umweltorganisation Friends of the Earth.

Hintergrund: Lebensmittel- und Kosmetikindustrie investieren zunehmend in Techniken der Synthetischen Biologie („Synbio“). Diese gehen meist über herkömmliche Gentechnik hinaus. So wird etwa DNA mittels Computersoftware entworfen und anschließend von speziellen „Druckern“ materialisiert. Die Schweizer Firma Evolva baut solche Labor-DNA in Hefekulturen ein, die dadurch Vanillearomen erzeugen. Als Ausgangsstoff dient zum Beispiel Zuckerrohr.

Für dieses Jahr war die Vermarktung des Synbio-Vanillins anvisiert. Doch angesichts einer Emailkampagne haben einige amerikanische Eishersteller nun erklärt, sie würden auf diese künstlichen Aromen verzichten. Laut Friends of the Earth gehören dazu neben Häagen-Dazs, das in den USA und Kanada von Nestlé, im Rest der Welt von General Mills vertrieben wird, hierzulande eher unbekannte Firmen wie Three Twins Ice Cream und Straus Family Creamery.

„Häagen-Dazs und andere führende Eishersteller tun das Richtige, indem sie auf die wachsende Zahl von Kunden hören, die keine Synbio-Vanille und andere extreme Gentechnik-Organismen in ihrem Essen haben wollen“, lobte Dana Perls von Friends of the Earth (FoE). Sie forderte andere Firmen auf, ebenfalls auf die Anwendung von Techniken der Synthetischen Biologie zu verzichten und nicht in diese zu investieren. Explizit nannte Perls den Konzern Unilever.

Laut Synbio-Kritikern dürfte das so hergestellte Vanillin sogar als „natürlich“ beworben werden. Das gefährde, so warnt FoE, das Einkommen zahlreicher Kleinbauern, die Vanille von Hand pflückten und damit den Regenwald schützten. Würden sie verdrängt, kämen großflächige Zuckerrohrplantagen, glaubt die Umweltorganisation. Denn die Hefen, die dank künstlicher DNA Vanillearomen produzieren können, brauchen Zucker. Die Zuckerrohrproduktion sei jedoch alles andere als nachhaltig und besonders wegen „sklaverei-ähnlicher“ Arbeitsbedingungen berüchtigt, so FoE.

Ein Vanillebauer aus Mexiko, Alejandrino Garcia Castaño, erklärte: „Wir haben dafür gekämpft, unsere Würde als Landwirte und Produzenten im Wettbewerb zu wahren. Wir wollen in einer Art und Weise weiter arbeiten, die nicht zulasten der Wälder, Böden, Identitäten und Kulturen geht.“ [dh]

27.08.2014 |

Colorado wird über Kennzeichnung abstimmen

Colorado March Demo Right to know Anti-Gentechnik-Demonstration in Boulder, Colorado, im Mai 2013 (Foto: Chris Goodwin, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0)-+-

In einem weiteren US-Bundesstaat wird es bald eine Abstimmung darüber geben, ob Zutaten aus gentechnisch veränderten Pflanzen in Lebensmitteln gekennzeichnet werden müssen. Über 125.000 Bürger aus Colorado unterzeichneten eine entsprechende Petition, nötig waren nur 86.000.

Anfang November kommt es damit zum Volksentscheid, teilte die Initiative „Right To Know Colorado“ mit. Das Sammeln der zahlreichen Unterschriften sei nur möglich gewesen, weil über 500 Freiwillige mitgeholfen hätten, freute sich Kampagnenleiter Larry Cooper. Umfragen belegen, dass die meisten US-Amerikaner eine verpflichtende Kennzeichnung von Gentechnik-Pflanzenbestandteilen in Lebensmitteln befürworten – anders als in der EU und vielen anderen Ländern gibt es diese bislang aber nicht.

In zahlreichen US-Bundesstaaten gibt es zurzeit ähnliche Initiativen wie in Colorado. In Vermont soll es ab 2016 eine Kennzeichnung geben, beschlossen Demokraten und Republikaner im dortigen Senat. Allerdings haben Lebensmittel- und Agrarkonzerne dagegen eine Klage eingereicht. Auch Connecticut hat ein Gesetz beschlossen, das aber erst in Kraft treten kann, wenn die Nachbarstaaten mitmachen. Die erste Volksabstimmung in Kalifornien endete 2012 mit einem hauchdünnen Sieg für Kennzeichnungsgegner – diese hatten zuvor viele Millionen Dollar in Werbemaßnahmen gesteckt, insbesondere warnten sie Verbraucher vor steigenden Preisen. [dh]

27.08.2014 |

Letztes Jahr 163 Patente auf transgene Nutzpflanzen und -tiere

Patente Patentamt EPO Szene aus dem Patentamt in München (Foto: Europäisches Patentamt)

Im vergangenen Jahr erteilten die Patentämter über 200 Patente auf landwirtschaftlich genutzte Pflanzen und Tiere. Drei Viertel sind gentechnisch verändert, wie aus einem Bericht des Justizministeriums an den Bundestag hervorgeht.

163 der insgesamt 220 Patente betreffen gentechnisch veränderte Pflanzen oder Tiere. Bei den Pflanzen sind es fast 90 Prozent, bei den Nutztieren etwas über 40 Prozent. Eines der Patente wurde vom Deutschen Patentamt erteilt, die übrigen vom Europäischen Patentamt mit Sitz in München.

Die Zahlen bedeuten auch: etwas unter zehn Prozent der Pflanzen und über die Hälfte der Nutztiere, die im Jahr 2013 patentiert wurden, stammen aus konventioneller Züchtung. Dass diese von den Patentämtern als „Erfindung“ anerkannt werden, stößt nicht nur bei Umwelt- und Verbraucherschützern, sondern auch bei vielen Politikern auf Kritik. Eigentlich sollten sie gar nicht zulässig sein, denn im Europäischen Patentübereinkommen heißt es, es würden keine Patente erteilt auf „Pflanzensorten oder Tierrassen sowie im Wesentlichen biologische Verfahren zur Züchtung von Pflanzen oder Tieren.“

Doch in der Praxis ist diese Formulierung nicht deutlich genug. Das Justizministerium schreibt: „Einen ausdrücklichen Patentierungsausschluss von Pflanzen und Tieren, die durch im Wesentlichen biologische Verfahren erzeugt werden, also eine Regelung (...) gibt es im EPÜ nicht.“ Und verweist auf ein ausstehendes Urteil der Großen Beschwerdekammer des Patentamts, die sich in Präzedenzfällen mit der Patentierung von Brokkoli und Tomaten befasst. Wann die Entscheidung verkündet werde, sei noch nicht klar.

Kritiker fordern eine Verschärfung des Patentübereinkommens. Zuständig dafür wäre das Justizministerium, das Deutschland im Verwaltungsrat des Europäischen Patentamts vertritt. Das Bündnis „No Patents on Seeds“ hat für Ende Oktober zu einer Demonstration in München aufgerufen. Anlässlich einer Anhörung des Patentamts wollen sie deutlich machen: „Wir wollen endlich klare Verbote der Patentierung von Pflanzen und Tieren!“ [dh]

21.08.2014 |

Eierbranche füttert kaum Gentechnik

Oster Eier Ostern Ostereier Produkte ohne Gentechnik kommen bei Verbrauchern gut an (Foto: Infodienst Gentechnik)

27 Unternehmen der Eierbranche in Deutschland wurden von Greenpeace befragt, 24 von ihnen verfüttern keine gentechnisch veränderten Pflanzen an ihre Tiere. „Das ist ein wichtiger Erfolg!“, freut sich die Umweltschutzorganisation – und hofft auf eine Umstellung auch beim Geflügelfleisch.

„Die Eierbranche macht vor, wie es geht. Sie zeigt, wer ohne Gentechnik füttern will, der kann das auch“, kommentierte Stephanie Töwe von Greenpeace die Ergebnisse der Umfrage. In der Massentierhaltung landet häufig gentechnisch verändertes Soja oder Mais aus Übersee im Futtertrog. Bei Eiern kam lange kein Gentech-Futter zum Einsatz, doch Anfang des Jahres setzte eine Debatte darüber ein, nachdem Teile der Branche den Ausstieg aus der gentechnikfreien Fütterung verkündet hatten. Nun zeigt die Greenpeace-Umfrage: der Ausstieg kam nicht.

Greenpeace fordert die Supermärkte auf, ihren Lieferanten klar zu machen, dass sie nur gentechnikfreie Eier – und auch Geflügelfleisch – im Sortiment haben wollen. „Die Supermärkte müssen sich gemeinsam hinter die Eierproduzenten stellen, die auf Gen-Futter verzichten, anstatt auf billige Ware zu setzen, die mit riskanten Gen-Pflanzen produziert wurde“, so Töwe. Bislang sind dazu nicht alle bereit, wie eine andere Umfrage der NGO zeigt. Zwar sind zuletzt die Discounter Aldi Nord und Lidl wieder auf gentechnikfreie Eier umgeschwenkt. Doch Aldi Süd, Kaiser's Tengelmann und Netto zeigen sich laut Greenpeace „stur“. Bei Geflügelfleisch setzen nur tegut, Rewe und Penny auf gentechnikfreie Fütterung.

Umfragen zeigen immer wieder deutlich, dass die meisten Verbraucher keine Gentechnik auf ihren Tellern haben wollen. Bei tierischen Produkten gibt es bislang aber keine Kennzeichnungspflicht, welches Futter zum Einsatz kam. Auf der sicheren Seite sind die Konsumenten bei den „Bio“- und „Ohne Gentechnik“-Siegeln. [dh]

19.08.2014 |

NGOs plädieren für unabhängige Wissenschaftsberatung

Anne Glover Die oberste Wissenschaftsberaterin der EU, Anne Glover (Foto: European Parliament Audiovisual Service)

Mehrere Nichtregierungsorganisationen haben sich dafür ausgesprochen, die wissenschaftliche Beratung in der EU auf eine breitere Basis zu stellen. Diese müsse „unabhängig, objektiv und transparent“ sein, forderten sie in einem Brief an den künftigen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker. Hintergrund ist der Streit um die derzeitige Chefberaterin Anne Glover, die unter anderem für die Agro-Gentechnik eintritt.

Es ist bereits der zweite Brief der NGOs in dieser Sache. Nach dem ersten war ihnen nach eigenen Angaben vorgeworfen worden, die „Integrität und Unabhängigkeit der von der Kommission in Anspruch genommenen wissenschaftlichen Beratung aushöhlen zu wollen.“ Das Gegenteil sei richtig: die Organisationen – unter ihnen Lobbycontrol, Corporate Europe Observatory (CEO), Alliance for Cancer Prevention oder das Centre for International Environmental Law - sorgen sich um eben diese Unabhängigkeit, so lange nicht mehrere Stimmen gehört werden und auch nicht klar ist, welche Ratschläge Glover der Kommission eigentlich gibt. „Interessengruppen haben längst erkannt, dass eine Steuerung umso einfacher ist, je mehr die wissenschaftliche Beratung in die Hände einer einzigen Person gelegt wird“, heißt es in dem Schreiben.

Nicht zufällig hätten nur drei von 28 EU-Staaten eine Chefberater-Position eingerichtet, von denen nur noch Großbritannien daran festhalte. Irland und Tschechien hätten sie wieder abgeschafft. Wenn es nach den NGOs geht, sollte auch die EU das tun. An der Chefberaterstelle festhalten wollten hingegen Industrielobbyisten, meint Jorgo Riss, Leiter von Greenpeace EU.

Die jetzige oberste Wissenschaftsberatin, die schottische Molekularbiologin Anne Glover, war auch wegen ihrer Haltung zur Gentechnik in die Kritik geraten. So sagte sie in einem Interview mit dem österreichischen Standard, sie sei „überzeugt, dass genetisch veränderte Pflanzen viele sehr positive Aspekte haben können: die Ernährung der Weltbevölkerung sicherstellen, den Gebrauch von giftigen Spitzmitteln verringern oder einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung des Klimawandel leisten, da weniger Dünger verwendet werden muss.“ Die gleichen Argumente werden immer wieder von den Herstellern des Gentechnik-Saatguts, überwiegend Chemie-Konzerne wie Monsanto, Bayer und Dow, vorgetragen.

Dabei zeigen offizielle Zahlen aus den USA, wo systematisch gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden, dass der Einsatz von Herbiziden nach einigen Jahren zunimmt. Für die Bekämpfung des Hungers ist aus Sicht vieler Wissenschaftler eher eine gerechtere Ressourcenverteilung und die Förderung einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft nötig als die Konzentration auf teure Technologien. [dh]

18.08.2014 |

Bt-resistente Insekten in weiterem US-Bundesstaat

Western Corn Rootworm Maiswurzelbohrer Käfer Käfer und Larven des Westlichen Maiswurzelbohrers können große Schäden anrichten (Foto: Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons - commons.wikimedia.org/wiki/File:Western_corn_rootworm.jpg)

Farmer in mehreren Bundesstaaten der USA haben bereits mit Insekten zu kämpfen, die immun gegen das von Gentechnik-Pflanzen abgesonderte Bt-Gift sind. Nun könnte auch Pennsylvania betroffen sein, befürchtet der Insektenforscher John Tooker von der Penn State University.

Auf drei Feldern in Mifflin County, einer Gebietskörperschaft des Bundesstaats an der Ostküste, habe er schwer beschädigte Maisfelder untersucht, schreibt der Forscher auf der Website Ag Professional. Die gentechnisch veränderten Pflanzen sondern aufgrund eines eingebauten Bakteriengens ein Gift ab – und sollten daher eigentlich prächtig gedeihen. Dennoch hat Tooker dort „sehr große Populationen“ des Westlichen Maiswurzelbohrers festgestellt.

Er vermutet, dass die Insekten gegen das Gift der Gentechnik-Pflanzen resistent geworden sind. Laboruntersuchungen sollen darüber in den kommenden Monaten Aufschluss geben. Bei dem befallenen Mais handelt es sich laut dem Insektenforscher um Gentechnik-Linien von Monsanto und Syngenta. Tooker rät Landwirten zur Einhaltung von Fruchtfolgen. Sie sollten im nächsten Jahr Soja oder andere Pflanzen anstatt erneut Mais anbauen.

Dann könnte es jedoch ein anderes Problem geben. Greifen die Farmer auf gentechnisch veränderte Soja zurück - so wie das in den USA bei über 90 Prozent der Produktion der Fall ist - besprühen sie die Felder systematisch mit Unkrautvernichtungsmitteln wie Roundup (Glyphosat). Mittels Gentechnik wurde Soja dagegen resistent gemacht. Doch in der Folge entwickelten sich auch widerstandsfähige Unkräuter - ein weiteres großes Problem für viele US-Landwirte. [dh]

14.08.2014 |

CETA: EU und Kanada wollen bei Gentechnik „kooperieren“

TTIP CETA Freihandel Campact Protest gegen Freihandelsabkommen (Foto: Ruben Neugebauer / Campact, creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0)

Seit gestern ist ein Teil des Vertragstexts des Freihandelsabkommens zwischen EU und Kanada (CETA) öffentlich, das als Blaupause für das Abkommen mit den USA (TTIP) gilt. Nicht Brüssel oder Ottawa stellten das 500 Seiten starke Dokument ins Netz, sondern die Tagesschau. Enthalten sind auch Passagen zur Biotechnologie und gentechnisch veränderten Organismen.

Als „gemeinsames Ziel“ wurde dabei beispielsweise vereinbart, bei der Regulierung zusammen zu arbeiten, um „negative Auswirkungen auf den Handel“ zu minimieren. Auch bei Schwellenwerten für Gentechnik-Verunreinigungen will man „international kooperieren“ - die Agrarindustrie fordert schon seit längerem, die in der EU derzeit geltende Nulltoleranz gegenüber nicht-zugelassenen Gentechnik-Pflanzen in Lebensmitteln und Saatgut aufzuweichen.

„Die Parteien sind sich einig, dass Kooperation und Informationsaustausch zu Themen der Biotechnologie von beiderseitigem Interesse sind“, heißt es auf Seite 449 des Vertragstexts, der noch von den EU-Staaten abgesegnet werden muss. Der Austausch werde in einem Dialoggremium stattfinden, das beide Seiten 2009 nach einem Streit vor der Welthandelsorganisation eingerichtet haben. Zu den Punkten, die dort behandelt werden sollen, zählen unter anderem die Zulassung von biotechnologischen Produkten, Auswirkungen auf den Handel durch „asynchrone Zulassungen“ oder zufällige Freisetzungen nicht-genehmigter Produkte, die künftige Gesetzgebung in diesem Bereich sowie mögliche Handelsbarrieren durch politische Regulierung, „inklusive Maßnahmen von EU-Mitgliedstaaten“ - vermutlich eine Anspielung auf die geplante Änderung der EU-Gentechnikrichtlinie, die nationale Verbote mittels „Opt-Out“ erleichtern soll.

Zudem werden „gemeinsame Ziele“ der Kooperation festgelegt. Dazu gehört der Austausch von Informationen politischer, technischer und regulatorischer Art, „insbesondere“ über die Risikobewertung gentechnisch veränderter Organismen. Außerdem will man sich gemeinsam für „effiziente wissenschaftsbasierte Zulassungsprozesse“ für Biotechnologie-Produkte einsetzen – eine Formulierung, die die Lobbyisten der Gentechnik-Konzerne freuen dürfte. Diese beklagen, die EU-Zulassung dauere zu lange und sei zu aufwändig. Auch bei „low level presence“ will man kooperieren, also dem Auftreten von Gentechnik-Spuren in Produkten, wo sie nicht hingehören.

Die EU schreibt derzeit vor, dass nicht-zugelassene Organismen nicht - auch nicht in kleinen Mengen - in Lebensmitteln oder Saatgut enthalten sein dürfen. In Nordamerika sieht man das anders, auch Agrarhandelskonzerne fordern eine Lockerung. Kanada drängt ebenfalls, weil viele landwirtschaftliche Güter exportiert werden – ein Problem, wenn auf über 10 Millionen Hektar Gentechnik angebaut wird, die Zielländer aber nicht alle transgenen Sorten akzeptieren.

Erst im März hatten Umwelt- und Verbraucherorganisationen aus vielen Ländern gemahnt, der Schutz vor Gentech-Risiken sei wichtiger als wirtschaftliche Erwägungen. Die Nulltoleranz sei Sache souveräner Gesetzgebung und dürfe nicht durch Handelsabkommen aufgeweicht werden. „Die Exportstaaten sollten das respektieren und Wege finden, sich an die Gesetze der importierenden Länder zu halten, anstatt auf Schwellenwerte für Verunreinigungen zu pochen“, schrieben sie an die Teilnehmer einer Konferenz der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO.

Neben den Passagen zur Gentechnik dürfte der CETA-Text noch viele weitere strittige Kapitel enthalten. Die kanadische NGO „Council of Canadians“ hat laut Deutschem Naturschutzring bereits gewarnt, die gezielte Unterstützung der lokalen Landwirtschaft und Produktion durch eine „Buy Local“-Vorgabe öffentlicher Einrichtungen könne wegfallen – zur Freude europäischer Lebensmittel- und Industriekonzerne. [dh]

14.08.2014 |

Importstopp: Washington soll Peking beackern

Schiff Fracht Container Foto: mental.masala / flickr, CC BY-NC-ND 2.0

Weil in Maislieferungen immer wieder gentechnische Verunreinigungen entdeckt worden waren, blockiert China den Import aus den USA. Die Agrarexporteure ersuchen nun die Regierung in Washington um Hilfe: Landwirtschaftsminister Tom Vilsack müsse „sofort, direkt und persönlich“ eingreifen, fordert ein Verband. Zu dessen Mitgliedern gehört auch der Schweizer Gentech-Konzern Syngenta, der den Auslöser des Streits herstellt: den transgenen Mais MIR162.

Laut Medienberichten durften im Jahr 2013 insgesamt 600.000 Tonnen Mais aus den USA nicht nach China eingeführt werden, weil darin auch der insektengiftige MIR162 (Markenname 'Agrisure Viptera') gefunden worden war. Diese Gentech-Sorte ist in China bislang nicht zugelassen, die Behörden wiesen die Lieferungen deshalb zurück. Nun verlangt Peking von Washington offenbar eine Garantie, dass als Futtermittel eingesetzte Trockenschlempe – ein Nebenprodukt der Biokraftstoffherstellung – frei von MIR162-Mais ist. Das berichtet der U.S. Grains Council, die Lobby der Agrarexporteure, und fordert ein Eingreifen der „höchsten Regierungsebene“.

Die Blockade des US-Maises sei eine „regulatorische Sabotage“. Washington müsse dafür sorgen, dass MIR162 in China so schnell wie möglich zugelassen wird, schrieb der Verband Ende Juli an den Landwirtschaftsminister. Erwähnenswert: zu den Mitgliedern des U.S. Grains Council gehört auch MIR162-Hersteller Syngenta, außerdem weitere Gentechnik-Konzerne wie Monsanto und Bayer.

Anfang des Jahres hatten sich schon zwei andere Verbände zu Wort gemeldet. Auch sie waren wegen des Einbruchs des Maisexports nach China beunruhigt. Anders als der U.S. Grains Council forderten die National Grain and Feed Association (NGFA) und die North American Export Grain Association (NAEGA) allerdings nicht Schützenhilfe der Regierung – sondern ein Umdenken des Gentech-Konzerns Syngenta. Dieser dürfe MIR162 solange nicht an die amerikanischen Farmer verkaufen, bis wichtige Exportmärkte wie China die Sorte genehmigt hätten.

Die Verbände hätten schon lange „deutlich und in gutem Glauben“ darauf hingewiesen, dass die Gentechnik-Firmen zuerst eine Zulassung in den Zielländern einholen sollten, bevor sie eine neue Sorte auf den US-Markt bringen. Wie ernst die Lage aus Sicht der Maisbranche ist, zeigt der öffentliche Appell an Syngenta – einem Mitglied auch der NGFA. Mit neuem Gentechnik-Mais mache Syngenta 40 Millionen Dollar Profit, die US-Landwirte kosteten die Verunreinigung und der Exporteinbruch jedoch Milliarden, sagte ein NGFA-Vertreter laut der Radio-Gruppe NPR. Syngenta wiederum wies das Ansinnen zurück und kündigte an, man werde MIR162 weiter verkaufen und die Zulassung weiterer Gentech-Sorten vorantreiben. [dh]

13.08.2014 |

Monsanto verliert Anbaugenehmigung in Mexiko

Mexiko Landwirtinnen vor Vulkan in Puebla (Foto: Zack Millsaps / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/

Ein mexikanisches Gericht hat dem US-Konzern Monsanto die Genehmigung zum Anbau von herbizidresistentem Gentechnik-Soja entzogen. Der Richter begründete das Urteil mit Risiken für die Honigproduktion, wie die britische Zeitung The Guardian berichtet.

Monsanto hatte die Lizenz zum Anbau der transgenen Sojapflanzen, die gegen das ebenfalls vom Konzern vertriebene Spritzmittel „Roundup“ resistent sind („Roundup Ready“), vor zwei Jahren erhalten. Die Genehmigung galt für 250.000 Hektar in sieben Bundesstaaten Mexikos. Nun wurde sie vom Gericht kassiert. Laut The Guardian erklärte der Richter, eine Koexistenz von Imkerei und Gentechnik-Soja sei nicht möglich.

Ein anderes Streitthema ist der Anbau von gentechnisch verändertem Mais. Mexiko gilt als Ursprungsort und Hort der biologischen Vielfalt des wichtigen Grundnahrungsmittels. Im Oktober setzte ein Gericht alle bereits erteilten Genehmigungen zur Freisetzung von transgenem Mais aus. [dh]

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