Bild Europa
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EU-Kommission debattiert neue Verfahren der Gentechnik

26.09.2017

Am Donnerstag, den 28. September, veranstaltete die EU-Kommission eine High-Level-Conference, also eine Art Spitzengespräch, zur Zukunft der Gentechnik. „Moderne Biotechnologie in der Landwirtschaft – den Weg für verantwortliche Innovation freimachen“ lautet übersetzt der Titel. Die ganztägige Veranstaltung wird live im Internet übertragen.

Veranstalter der eintägigen Konferenz in Brüssel ist die Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Der zuständige EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis schreibt im Vorwort zur Tagung, er wolle die Führungsrolle der EU in der Forschung und Entwicklung neuer Tier- und Pflanzenzuchtstrategien stärken. Wie diese Innovationen unterstützt und gleichzeitig ihre sichere Anwendung garantiert werden könne, sei die entscheidende Frage dieser Konferenz, die mit allen Beteiligten diskutiert werden solle. [+] mehr...

DNA Genom
DNA-Modell der Ausstellung 'Genome: The Secret of How Life Works' im Jahr 2012 (Foto: George Bush Presidential Library and Museum / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

Verbände: Für CRISPR-Cas muss Gentechnikrecht gelten

20.09.2017

Sieben gentechnikkritische Verbände haben die Bundesregierung aufgefordert, sich für eine strikte Regulierung neuer Gentechnik-Verfahren nach Gentechnikrecht einzusetzen. „Das Vorsorgeprinzip ist zu stärken und die neuen Gentechnik-Verfahren gehören auf den Prüfstand“, so Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V.. Die holländische Regierung hatte jüngst vorgeschlagen, mit Verfahren wie CRISPR-Cas erzeugte Pflanzen dann nicht als gentechnisch verändert einzustufen, wenn in der Pflanze keine fremden Gene mehr nachweisbar sind.

Nach Ansicht der Holländer, die ihren Vorschlag den EU-Mitgliedsländern kürzlich in Brüssel zum Lunch servierten, seien solche Pflanzen genauso sicher wie konventionelle Züchtung. Sie sollten daher nicht unter die europäische Freisetzungsrichtlinie fallen, die Zulassung, Kennzeichnung, Freisetzung und Kontrolle gentechnisch veränderter Organismen (GVO) regelt. [+] mehr...

Soja Schrot Export Import Brasilien
Brasilianisches Soja für Tierfutter; Foto: Roosewelt Pinheiro/Abr [http://bit.ly/1UNaYle, http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/br/deed.en], via Wikimedia Commons

Sojaanbau in Brasilien: Experten finden Verschmutzung, Wassermangel und Landraub

20.09.2017

30 Menschenrechts- und Entwicklungsexperten haben im Bundesstaates Piauí im Nordosten Brasiliens die Auswirkungen großer Landinvestitionen auf die soziale, ökologische und menschenrechtliche Lage dokumentiert. Sie prangern „ein verheerendes Ausmaß von agrochemischen Verschmutzungen, Wassermangel und Landraub“ durch den expandierenden Sojaanbau an. Dies beeinträchtige die Biodiversität und die Gesundheit ländlicher Gemeinden, schreibt die Menschenrechtsorganisation FIAN, die an der Brasilienreise der internationalen Delegation beteiligt war.

Die von den Experten interviewten Betroffenen berichteten, dass Landräuber - in Brasilien als Grileiros bekannt - die Vegetation abholzen, Landtitel fälschen und große Flächen an Agrarfirmen verkaufen. Diese bauten dann in Monokulturen Sojabohnen an. In der Regenzeit würden die auf den Plantagen eingesetzten Pestizide direkt in den Fluss gespült, so dass dessen Wasser nicht mehr genutzt werden könne. Das Versprühen der Pestizide mit Flugzeugen gefährde die Gesundheit der Menschen in den anliegenden Gemeinden. Der gesunkene Grundwasserspiegel beeinträchtige die Ernte anderer Pflanzen, etwa der Buriti-Palmen, welche die Gemeinden für die Herstellung vielfältiger Produkte nutzten. Beklagt wurde von den Betroffenen auch die Gewalt und die Einschüchterung durch Großgrundbesitzer, Landgrabber und Milizen, denen die Menschen schutzlos ausgeliefert seien. Gemeindemitglieder würden gezwungen, ihr Land zu Dumpingpreisen zu verkaufen. Viele Familien seien in die Favelas großer Städte gezogen. Schutz vom Staat gebe es nicht. [+] mehr...

Glyphosat Herbizid
Herbizid im Einsatz (Foto: Chafer Machinery / flickr, Chafer Sentry, Applying Defy at 250l/ha on wheat land in Lincolnshire, bit.ly/29E6Sk4, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Glyphosat: Risikobewertung der EFSA enthält viel Monsantotext

15.09.2017

Der Bewertungsbericht, in dem sich die europäische Lebensmittelbehörde EFSA für eine weitere Zulassung des Herbizids Glyphosat ausspricht, scheint in wichtigen Teilen aus dem Zulassungsantrag der Glyphosat Task Force der Industrie abgeschrieben worden zu sein. Diesen Vorwurf erhebt die britische Zeitung The Guardian. Gestützt wird er von Recherchen der österreichischen Umweltorganisation Global 2000. Betroffen davon ist das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Denn es hat die Grundlagen für diesen Bericht geliefert – inklusive der abgeschriebenen Seiten. Das BfR hat den Vorwurf zurückgewiesen, die Passagen unreflektiert übernommen zu haben.

Der Text, um den es geht, ist der 2015 veröffentlichte, mehr als 4000 Seiten dicke Bewertungsbericht der EFSA zur erneuten Zulassung von Glyphosat (RAR). Er kam zu dem Ergebnis, dass Glyphosat nicht krebserregend sei und sah auch ansonsten wenig Gefahren durch den Einsatz des Herbizids. Federführend erstellt wurde er vom deutschen BfR. Helmut Burtscher, Umweltchemiker bei Global 2000, hat Kapitel des Berichts analysiert, die sich mit veröffentlichten und oft kritischen Studien zu Glyphosat befassten. Dabei fand er heraus, dass diese Texte weitgehend aus dem Zulassungsantrag stammten, den Monsanto und andere in der Glyphosat Task Force (GTF) zusammengeschlossene Hersteller eingereicht hatten. [+] mehr...

Soja Schrot Öl
Sojabohnen, -Schrot und -Öl. Hier auf dem Foto aus den USA, also zu 90% Gentechnik (Foto: United Soybean Board / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Bald dreifach resistente Soja in der EU?

14.09.2017

UPDATE +++ Möglicherweise dürfen bald die ersten Sojabohnen in die Europäische Union (EU) importiert werden, die gegen drei Pestizide zugleich resistent sind. Die EU-Mitgliedsstaaten fanden im zuständigen Ausschuss nicht die nötige Mehrheit für ein Verbot, teilte eine Kommissionssprecherin auf Anfrage mit. Die Bundesregierung hat sich enthalten, da die Koalitionäre uneins sind. Jetzt muss die EU-Kommission selbst über die Zulassung entscheiden.

Wie aus gut informierten Kreisen verlautete, stimmte jeweils die Mehrheit der EU-Mitgliedsländer gegen die beiden neuen Sojasorten (15:11 und 14:12), darunter auch Frankreich und Italien. Da Deutschland und Portugal sich jedoch enthielten, war die Mehrheit nicht groß genug für ein Verbot. Wie eine Sprecherin mitteilte, hätte das SPD-geführte Bundesumweltministerium gerne gegen die neue Gentech-Soja gestimmt. Der Agrarminister (CSU) war jedoch dafür. Nach der gemeinsamen Geschäftsordnung der Bundesregierung müsse er sich in solchen Fällen enthalten. [+] mehr...