Zuckerrohr
Brasilien: Zuckerrohr soweit das Auge reicht (Foto: Johnmcq)

In Brasilien darf jetzt Gentech-Zuckerrohr angebaut werden

27.07.2017

Die brasilianische Gentechnik-Behörde CTNBio hat eine gentechnisch veränderte (gv) Zuckerrohr-Sorte des brasilianischen Zentrums für Zuckerrohrtechnologie (Centro de Tecnologia Canavieira, CTC) zugelassen. Das meldete die Agentur Reuters. Das gv-Zuckerrohr produziert in Blättern und Stängel ein Gift, das die Larven des Zuckerrohrbohrers abtöten soll, sobald diese sich über die Pflanzen hermachen. Dieses Bt-Toxin findet sich auch häufig in gentechnisch veränderten Mais- und Baumwollpflanzen.

In Brasilien wird auf zehn Millionen Hektar Zuckerrohr angebaut. Der daraus hergestellte Zucker dient als Nahrungsmittel ebenso wie als Basis für die Produktion von Ethanol als Treibstoff. Den Zucker exportiert Brasilien laut Reuters in 150 Länder. CTC habe bereits Importzulassungen für die USA und Kanada beantragt und wolle entsprechende Anträge auch in China, Indien, Japan, Russland, Südkorea und Indonesien stellen. Die EU findet sich nicht auf dieser Liste. CTC wolle die ersten Setzlinge nächstes Jahr auf den Markt bringen und es werde mindestens noch drei Jahre dauern, bis daraus gewonnener Zucker verkauft würde, zitiert Reuters den Geschäftsführer von CTC, Gustavo Leite. Die Zulassung durch CTNBio erfolgte übrigens zügig: Eingereicht hatte CTC der Meldung zufolge die Antragsunterlagen im Dezember 2015. [+] mehr...

Western Corn Rootworm Maiswurzelbohrer Käfer
Käfer und Larven des Westlichen Maiswurzelbohrers können große Schäden anrichten (Foto: USDA, Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Western_corn_rootworm.jpg#mediaviewer/Datei:Western_corn_rootworm.jpg)

Monsanto rüstet den Gentech-Mais Smart Stax auf

25.07.2017

Die US-Umweltbehörde EPA hat einen gentechnisch veränderten Mais von Monsanto mit einem neuen Wirkungsmechanismus zugelassen. „Smart Stax Pro“ produziert nicht nur verschiedene für Schädlinge giftige Bt-Toxine wie der bisher angebotene Smart Stax Mais. Die neuen Pflanzen enthalten zusätzlich auch einen Wirkstoff, der die so genannte RNA-Interferenz-Technologie (RNAi) nutzt.

RNA steht für Ribonukleinsäure. Ihre Aufgabe im Erbgut ist es, genetische Informationen zu übertragen, diese Informationen in den Bau von Proteinen zu übersetzen oder die Gene der Erbgut-DNA zu regulieren. Im Smart Stax Pro Mais produziert die gentechnisch veränderte Pflanze eine auf den Maiswurzelbohrer als Schädling abgestimmte RNA. Dieser Botenstoff namens DvSnf7 dsRNA wird von den Larven des Käfers aufgenommen, wenn sie den Mais befallen. Die RNA schaltet gezielt ein Gen des Schädlings aus, das für dessen Wachstum verantwortlich ist, so dass die Larve stirbt. [+] mehr...

Soja Farmer
Sojafarmer in den USA (Foto: United Soybean Board, Checking on Early Growth, http://bit.ly/2a9nE83, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Dicamba: Ein Herbizid entzweit US-Landwirte

20.07.2017

In einigen US-Staaten mehren sich die Klagen von Landwirten, deren Felder durch Abdrift des Herbizids Dicamba massiv geschädigt wurden. Der Staat Arkansas hat die Anwendung des Pflanzengifts daraufhin verboten – zum Entsetzen der Farmer, die auf das Herbizid angewiesen sind.

Denn Dicamba wird vom Konzern Monsanto im Doppelpack verkauft, zusammen mit der Sojabohne MON 87708 und der Baumwollpflanze MON 8870, die gegen dieses Uralt-Herbizid resistent gemacht wurden. Gekauft haben das Doppelpack vor allem Landwirte, auf deren Feldern nach jahrelangem Anbau glyphosattoleranter Gentech-Soja auch das Unkraut gegen das Spritzmittel resistent geworden war. Vor zwei Jahren erhielt Monsanto die Zulassung für die beiden Pflanzen und vertreibt sie seither unter dem Markennamen Xtend. Schon damals befürchteten Umweltorganisationen, dass der Verbrauch von Dicamba massiv ansteigen werde. Das 1967 erstmals zugelassene Herbizid wird in Studien mit erhöhten Krebsraten unter Landwirten und Geburtsschäden bei ihren Söhnen in Verbindung gebracht. Außerdem ist es sehr leicht flüchtig und kann an heißen Tagen verdunsten und kilometerweit verfrachtet werden. [+] mehr...

EFSA
Das Hauptgebäude der EFSA in Parma (Foto: Lucio Rossi / EFSA)

EFSA: Pestizidhersteller haben die Glyphosat-Bewertung redigiert

18.07.2017

Im November 2015 veröffentlichte die EU-Lebensmittelbehörde EFSA ihre Risikobewertung zu Glyphosat. Zwei Wochen vorher durften Vertreter der Pestizidhersteller den Entwurf der Bewertung lesen und umschreiben. Das belegen E-Mails, die von der Organisation Corporate Europe Observatory (CEO) veröffentlicht wurden. Die EFSA bezeichnete das Vorgehen als gängige Praxis.

In ihrer Bewertung kam die EFSA zu dem Schluss, dass Glyphosat nicht krebserregend sei und schlug vor, die Grenzwerte für die noch akzeptable Belastung mit Rückständen zu erhöhen. Wie der von CEO veröffentlichte Mailverkehr zeigt, schickte die EFSA den Entwurf 14 Tage vor der Veröffentlichung an das Beratungsunternehmen Dr. Knoell Consult. Es war im Auftrag der Glyhosate Task Force (GTF) tätig, einem Lobbyverband der Glyphosat-Hersteller. [+] mehr...

Glyphosat Herbizid
Herbizid im Einsatz (Foto: Chafer Machinery / flickr, Chafer Sentry, Applying Defy at 250l/ha on wheat land in Lincolnshire, bit.ly/29E6Sk4, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Glyphosat-Zulassung: Die Entscheidung naht

13.07.2017

Am 19. und 20. Juli werden die EU-Mitgliedsstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel über die weitere Zulassung von Glyphosat beraten. Die EU-Kommission hat dazu ihren Vorschlag auf den Tisch gelegt, die Zulassung um weitere zehn Jahre zu verlängern. Eine neue Studie mehrerer Umweltorganisationen wirft den Behörden, die Glyphosat bewertet haben, einen „systematischen Regelbruch" vor.

Der von der Kommission vorgelegte Vorschlag sieht keine Einschränkungen für den Einsatz von Glyphosat vor. Er stellt lediglich den Mitgliedsstaaten frei, bei der Produktzulassung auf den Schutz des Grundwassers oder der Anwender zu achten. Außerdem sollen sich die Mitgliedsstaaten selbst darum kümmern, den Gebrauch von Glyphosat in öffentlichen Anlagen zu minimieren. Nicht zugelassen werden dürfen glyphosathaltige Herbizide, denen die als gitfig bekannten POE-Tallowamine zugesetzt wurden. Erlaubt bleibt die umstrittene landwirtschaftliche Praxis, Getreide kurz vor der Ernte mit Glyphosat abzuspritzen, damit die Körner gleichmäßig reifen (Sikkation). [+] mehr...