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Baumwollkapselbohrer
Baumwollschädlinge wie der Kapselbohrer bilden mit der Zeit Resistenzen gegen das Gift von Gentechnikbaumwolle aus. (Foto: USDA)

Trotz Gentechnik: Raupen gefährden indische Baumwollernte

06.09.2017

Sie hatten auf Schutz vor Schädlingen und gute Erträge gehofft, doch jetzt fürchten indische Bauern um ihre Existenz: Da der Baumwollkapselbohrer gegen das Gift der gentechnisch veränderten (gv) Bt-Baumwolle offenbar resistent geworden ist, breitet er sich nach einem Bericht der Tageszeitung „The Hans India“ im indischen Bundesstaat Telangana erschreckend schnell aus. Die Bauern bangen jetzt um ihre Ernten.

Auf rund 200.000 Hektar werde in Telangana Baumwolle angebaut, schreibt das Blatt. In mehreren Regionen sei der Baumwollkapselbohrer dort jetzt der „Alptraum“ der Bauern, weil er die Blüten der Baumwolle abfresse, kaum dass sie sich öffnen. Wollten sie verhindern, dass der Schädling sich weiter ausbreitet, hätten die Bauern keine andere Wahl, als zusätzlich Geld für Pestizide auszugeben. Wer es nicht hat, muss einen Kredit aufnehmen. „The Hans India“ beziffert die Kosten auf 5000 – 10.000 Rupien pro Hektar.

Der Verdienst lag nach Angaben des indischen Agrarministeriums bis vor wenigen Jahren allerdings nur bei rund 13.000 Rupien pro Hektar. Und wenn die Qualität der Baumwolle durch den Schädling leidet, sinkt der Preis. Manche Bauern befürchten gar einen kompletten Ernteausfall, da die Raupen deutlich zahlreicher sind als im vergangenen Jahr. Schon damals hatten sich nach Medienberichten überschuldete Bauern das Leben genommen, weil sie weder ihre Kredite abzahlen noch ihre Familien ernähren konnten. Daraufhin beschloss die Regierung, gemeinsam mit den Bauern den Anbau von gv-Baumwolle sukzessive zu halbieren und durch heimische Sorten zu ersetzen. Zeitweise arbeiteten indische Wissenschaftler auch daran, die heimische Desi-Baumwolle selbst gentechnisch zu verändern. Mit wenig Erfolg.

Nach Angaben des ehemaligen Direktors des Central Institute for Cotton Research (CICR) wird aktuell weiterhin auf mehr als 90 Prozent der gut zehn Millionen Hektar Baumwollfelder in Indien Bt-Baumwolle der Bollgard II-Generation angebaut. Diese Züchtung des amerikanischen Saatgutkonzerns Monsanto enthält die Bt-Proteine Cry1Ac und Cry2Ab, die eigentlich den Baumwollkapselwurm und weitere Schädlinge vergiften sollen. Außerdem hatte der Hersteller höhere Erträge versprochen. Warum also, so fragt sich Baumwollforscher K.R. Kranthi vom CICR, sind die Erträge in Indien nicht gestiegen, obwohl die Bollgard II Technologie schon seit 2006 eingesetzt wird? Mit 500 kg Baumwolle pro Hektar ernteten indische Bauern nur etwa die Hälfte ihrer Berufskollegen in anderen Teilen der Welt, so Kranthi.

Doch auch dort hat sich der Baumwollkapselbohrer inzwischen an die beiden gifterzeugenden Bt-Proteine angepasst. Deshalb hat Monsanto bereits die nächste Generation von Baumwollpflanzen entwickelt – Bollgard 3. Mit Hilfe eines dritten Proteins namens Vip3A will man die Schädlinge wieder in den Griff bekommen. In den USA, wo es ebenfalls Probleme mit den rosa Raupen gab, wird dafür schon eifrig die Werbetrommel gerührt. Fortsetzung folgt. [vef]