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Vorsicht Gentechnik: Olivenfliege
Vorsicht Gentechnik: Olivenfliege

Neue Kampagne: Der Gentechnik Grenzen setzen

01.02.2017

Unter dem Titel „Der Gentechnik Grenzen setzen“ hat das Münchner Institut Testbiotech eine Kampagne gestartet, die der Diskussion über Folgen und Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen und Tiere bis zur Bundestagswahl im September neue Impulse verleihen soll. In den kommenden Monaten wird dabei eine Auswahl von Gentechnik-Organismen vorgestellt, die wir in loser Folge auch hier im Informationsdienst Gentechnik präsentieren werden.

Bei den ersten Beispielen handelt es sich um gentechnisch veränderte Äpfel, Fische und Insekten der US-Firma Intrexon. „Die Gentechnik-Debatte wird stark von den Interessen der Industrie bestimmt“, kritisiert Christoph Then für Testbiotech. „Ihr Einfluss auf Forschung, Politik, Behörden und die Medien hat in den letzten Jahren sogar noch weiter zugenommen. Mit unserer Aktion wollen wir eine informierte und kritische Auseinandersetzung ermöglichen.“ Außerdem gibt es Mitmachaktionen, die dazu beitragen sollen, im Jahr der Bundestagswahl von den Parteien und ihren Kandidaten politische Verantwortung einzufordern.

Beispiel 1: Fliegen mit tödlichem Erbgut

Olivenfliegen, Fruchtfliegen und Kohlmotten verursachen Schäden in der Landwirtschaft. Um dem entgegenzuwirken, will die Firma Oxitec gentechnisch veränderte Männchen dieser Arten freisetzen, die sich in den natürlichen Populationen paaren sollen. Ihr Erbgut ist für die weiblichen Nachkommen tödlich. Die männlichen Nachkommen überleben und verbreiten das Erbgut immer weiter. Im Ergebnis sollen so die natürlichen Populationen reduziert und vielleicht sogar ausgerottet werden. Laut Testbiotech gibt es Pläne, gentechnisch veränderte Frucht- und Olivenfliegen in Europa zu Versuchszwecken unter Netzen fliegen zu lassen.

Was ist problematisch?

• Durch die Fliegen der Firma Oxitec kann es zu einer erheblichen Reduktion der betroffenen Arten kommen. Dies kann die biologische Vielfalt beeinträchtigen und sich negativ auf die Stabilität der Ökosysteme auswirken.

• Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die künstlichen Gene dauerhaft in den natürlichen Populationen überdauern werden. Die Oxitec-Insekten sind mit synthetischer DNA ausgestattet: Dabei werden Gene von Meeresorganismen, Insekten, Bakterien und Viren miteinander kombiniert. Wie die Tiere und deren künstliches Erbgut sich über längere Zeiträume und unter wechselnden Umweltbedingungen verhalten, lässt sich nicht vorhersagen.

• Niemand kann kontrollieren, wie sich die Insekten ausbreiten werden. Sie können beispielsweise die Grenzen von Staaten überqueren, die keine Gentechnik-Organismen freisetzen wollen. Betroffen wäre auch die ökologische Landwirtschaft.

• Sollten ungewollte Nebeneffekte auftreten, können die manipulierten Fliegen nicht wieder aus der Umwelt entfernt werden.

• Die weiblichen Larven der Insekten würden in den befallenen Früchten sterben. So würden wir Menschen sie samt ihrem künstlichen Erbgut verspeisen.

Die Firma Oxitec, die gentechnisch veränderte Insekten produziert, hat ihren Sitz in England und wurde vom US-Unternehmen Intrexon aufgekauft. Die Firma Intrexon wurde vom Milliardär Randal J. Kirk gegründet und hat Patente angemeldet, in denen unter anderem genmanipulierte Mäuse, Ratten, Katzen, Hunde, Rinder, Schweine, Pferde, Schafe und Schimpansen als Erfindung beansprucht werden. Intrexon produziert auch Gentechnik-Äpfel, Gentechnik-Lachs sowie geklonte Bullen. Ferner kooperiert sie mit der FuturaGene Group bei der Entwicklung von Gentechnik-Bäumen. Zu den Vorständen von Intrexon gehört Robert B. Shapiro, der ehemalige Geschäftsführer von Monsanto. Das Unternehmen verspricht seinen Investoren eine aggressive Markteinführung der gentechnisch veränderten Organismen.