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Olivenfliege
Olivenfruchtfliege (Foto: Giancarlo Dessi / Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0)

Doch keine Gentechnik-Fliegen in Spanien

10.08.2015

Bis zu 5.000 gentechnisch veränderte Fliegen wollte die britische Firma Oxitec in katalanischen Olivenhainen freisetzen – pro Woche. Doch nach negativen Signalen der Behörden hat Oxitec den Antrag nun zurückgezogen. Ein Erfolg für Umweltschützer und Landwirte, meinen Gentechnik-Gegner. Allerdings geht ihr Kampf weiter. Es könne „in naher Zukunft eine regelrechte Welle von Freisetzungen mit unkontrollierbaren Organismen geben.“

Die gentechnisch veränderten Olivenfruchtfliegen sollten sich mit natürlichen Individuen paaren, die weiblichen Nachkommen durch die eingebaute DNA noch im Larvenstadium sterben. So könne, behauptet die Herstellerfirma, die Population der Insekten auf den insgesamt weniger als 1.000 Quadratmeter großen Testflächen eingedämmt werden. Kritiker warnen hingegen vor einer unkontrollierten Ausbreitung.

Bereits 2013 hatte Oxitec einen ersten Antrag zurückgezogen, nachdem die Behörden weitere Daten zur möglichen Auswirkungen der Gentech-Fliegen auf andere Organismen, beispielsweise Spinnen, verlangt hatten. Nun, so teilt die katalanische Regionalregierung mit, hätten die Behörden Zweifel an der Eindämmung der genmanipulierten Insekten gehabt. Oxitec wollte dafür Netze über den Olivenhainen anbringen. Nachdem Behördenmitarbeiter die Firma bei einem Treffen am 30. Juli über diese Bedenken informiert hatten, habe Oxitec wenige Tage später den Antrag zurück gezogen, heißt es auf der Regierungswebsite.

Der Verein Testbiotech aus München, der sich intensiv mit gentechnisch veränderten Insekten auseinander setzt, sieht darin auch einen Erfolg der Zivilgesellschaft. Landwirtschafts- und Umweltschutzorganisationen aus Spanien, Portugal, Frankreich, Italien, Griechenland und Deutschland hatten vor einer Freisetzung der Fliegen gewarnt. „Leider wird dieser Antrag aber nicht der letzte gewesen sein. Im Labor wird längst an der nächsten Generation gentechnisch veränderter Insekten gearbeitet“, erklärte Christoph Then von Testbiotech. „Beim Blick in die wissenschaftlichen Fachpublikationen hat man den Eindruck, dass es in naher Zukunft eine regelrechte Welle von Freisetzungen mit unkontrollierbaren Organismen geben könnte.“

Denn mit neuen Gentechnik-Verfahren wie dem derzeit in vielen Medien gehypten CRISPR könnten Organismen geschaffen werden, deren zusätzliche DNA sich sehr rasch von Generation zu Generation – und so über weite Teile der Population – verbreiten könnte. Denn mit den neuen Technologien ist es nun wesentlich einfacher, sogenannte „Gene Drives“ einzubauen. Damit wird die Vererbung der von den Gentechnikern gewünschten Eigenschaften beschleunigt. Nicht nur Then ist deshalb besorgt. Auch das Wissenschaftsmagazin Nature warnt, die internationalen Regelwerke zur Gentechnik seien darauf überhaupt nicht vorbereitet. Testbiotech plädiert für „eine strikte internationale Gesetzgebung, welche die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen verbietet, wenn deren Ausbreitung in der Umwelt nicht kontrolliert werden kann.“ [dh]