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Pestizide Herbizide Gift
Warnung vor Pestiziden (Foto: www.CGPGrey.com, Lizenz: CC BY 2.0)

Nach Glyphosat auch DDT „wahrscheinlich krebserregend”

16.07.2015

Im Frühjahr stuften Experten der Internationalen Krebsforschungsagentur der WHO das Herbizid Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend” ein. Ein altbekanntes Mittel – das Insektizid DDT – wird nun in derselben Gefahrengruppe geführt, wie die Agentur im Juni mitteilte. Unterdessen will die EU-Kommission die Ende 2015 auslaufende Zulassung von Glyphosat offenbar um ein halbes Jahr verlängern. Das soll den Behörden die Zeit verschaffen, alle wissenschaftlichen Daten prüfen zu können, bevor die endgültige Entscheidung fällt.

Wie die Internationale Krebsforschungsagentur IARC mitteilte, waren 26 Experten aus 13 Ländern in einer Arbeitsgruppe vertreten, die sich mit DDT, aber auch dem Insektizid Lindan und dem Herbizid 2,4-D beschäftigte. DDT wird von der WHO-Agentur nun in der zweithöchsten Gefahrenstufe 2A („wahrscheinlich krebserregend bei Menschen“) geführt – zusammen mit Glyphosat. DDT befand sich zuvor in der Gruppe 2B („möglicherweise krebserregend“), gilt aus IARC-Sicht jetzt also als gefährlicher.

Es gebe ausreichende Hinweise, dass DDT bei Versuchstieren Krebs auslöse, begründete die IARC die Entscheidung. Bei Menschen fänden sich begrenzte Hinweise – ansonsten wäre das Mittel in der Gruppe 1 („krebserregend bei Menschen“) gelandet. Hier stuften die Experten das Insektizid Lindan ein. Sie halten es für ausreichend gesichert, dass es bösartige Erkrankungen des Lymphsystems auslösen kann.

Landwirtschaftlich dürfen DDT und Lindan in den meisten Ländern nicht mehr eingesetzt werden. DDT wurde in Deutschland 1977 aus dem Verkehr gezogen, Lindan in der EU 2007. DDT wird heute vor allem in Malariagebieten versprüht, um Stechmücken zu töten, die den Krankheitserreger übertragen.

Anders das Unkrautvernichtungsmittel 2,4-D, das nun in die Gruppe 2B („möglicherweise krebserregend“) eingestuft wurde. Es kommt noch immer auf den Acker. In den USA rechnen Umweltschützer sogar mit einem deutlichen Anstieg in den nächsten Jahren, weil gentechnisch veränderte Pflanzen auf den Markt gebracht werden, die gegen 2,4-D resistent sind. Der Grund: die meisten Gentechnik-Pflanzen sind bislang gegen Glyphosat immun. Das so ermöglichte systematische Besprühen macht jedoch auch Unkräuter unempfindlich. Die sogenannten „Super Weeds“ sind ein großes Problem für viele US-Farmer. 2,4-D soll ihnen nun helfen – bis sich die Unkräuter auch hier anpassen.

Unterdessen will die EU-Kommission die Zulassung von Glyphosat bis 30. Juni 2016 verlängern. Diese Woche wurde die entsprechende Verlängerung im Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel auf den Weg gebracht, in dem auch Vertreter Deutschlands sitzen. Grund: die derzeitge Genehmigung von Glyphosat läuft nur bis Ende 2015. Eine Anfrage des Informationsdienst Gentechnik ließ die EU-Kommission bislang unbeantwortet. Auf einer Website des Ausschusses wird aber angegeben, dass das Thema zunächst vertagt wurde. Die endültige Entscheidung, ob das Unkrautvernichtungsmittel die von den Herstellern beantragte Genehmigung für weitere zehn Jahre erhält, ist schon länger offen - in der Zwischenzeit gelten Übergangsregelungen.

Nun sollen die EU-Behörden zunächst Zeit bekommen, die Bewertung durch die IARC als „wahrscheinlich krebserregend“ zu überprüfen. Sie warten derzeit auf die Veröffentlichung des vollständigen Berichts, die laut Medienberichten für Mittwoch angekündigt war, bislang aber nicht erfolgte. Für die Monographie haben die IARC-Experten eigenen Angaben zufolge Hunderte von Studien ausgewertet. [dh]