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Viele offene Fragen zu Gentechnik-Mais

Gentech-Mais: Streit zwischen Monsanto und EU-Behörden

30.04.2015

Wer gentechnisch veränderte Pflanzen auf den Acker bringt, muss in der EU gewisse Regeln beachten. Dazu gehört die Beobachtung möglicher Umweltauswirkungen, die meist vom Hersteller zu erledigen ist. Doch Monsanto, dessen Gentech-Mais MON810 in Spanien und Portugal wächst, hält sich nicht daran. Das zeigt ein Briefwechsel zwischen dem US-Konzern und den zuständigen EU-Stellen.

Zurzeit ist MON810 der einzige Gentechnik-Mais, der in der EU angebaut werden darf – genutzt wird er vor allem in Spanien, in deutlich geringerem Umfang in Portugal, Tschechien, Rumänien und der Slowakei. Monsanto hat dem Mais Erbgut von Bakterien eingebaut, wodurch er ein Insektengift freisetzt. Doch Schädlinge können sich an das Gift gewöhnen, der Abwehrmechanismus verliert an Wirkung. Um dem vorzubeugen, muss Monsanto die Resistenzentwicklung beobachten und an die EU berichten.

Der Bericht für 2013 stellte die zuständige Lebensmittelbehörde EFSA jedoch nicht zufrieden. Es gebe Defizite in der Methodologie, schrieb der Gentechnik-Ausschuss im März dieses Jahres [wir berichteten]. Er empfahl Monsanto, nachzubessern. Das hatte die Behörde dem Konzern auch zuvor schon ins Stammbuch geschrieben. Der hält das wiederum für „überraschend“ und beharrt auf seiner Vorgehensweise, wie er der EU-Kommission bereits im November per Brief erklärte. Die will nun bis Ende Juni eine Einschätzung der EFSA.

Monsanto hatte in seinem Schreiben gewarnt, es behindere „Industrietätigkeiten“, wenn die Auflagen derart „unverhältnismäßig“ ausgelegt würden. Zudem erinnerte der Konzern daran, dass sein Patent auf MON810 seit 2013 nicht mehr gültig sei. Deswegen habe Monsanto „weder die rechtlichen noch praktischen Mittel“, alle Gentechnik-Maisfelder in der EU zu beobachten.

„Es sieht so aus, als hätte Monsanto es versäumt, geeignete Netzwerke aufzubauen, die es dem Konzern ermöglichen würden, nach dem Erlöschen des Patents die vorgeschriebenen Berichte über mögliche Umweltauswirkungen zu liefern“, kommentierte Christoph Then von Testbiotech. Der Verein aus München hat den Briefwechsel auf der Internetseite der EFSA entdeckt. „Monsanto muss aber in jedem Fall die Informationen vorlegen, die gesetzlich vorgeschrieben sind. Wenn es keine belastbaren Daten über mögliche Umweltauswirkungen gibt, muss der Anbau von MON810 gestoppt werden.“ Halte sich Monsanto nicht an die Regeln, dürfe sein gentechnisch veränderter Mais auch nicht auf den Acker. [dh]