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Raps
Foto: net_efekt / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0

Gentechnik unter neuem Namen bald auf dem Acker?

28.04.2015

Auch die Risiken von Pflanzen, die mit neuen Gentechnik-Methoden entwickelt wurden, müssen vor dem Anbau untersucht werden. Das fordern zahlreiche NGOs aus Landwirtschaft, Umwelt- und Verbraucherschutz von der Bundesregierung. Die hatte zuvor einen Raps durchgewunken, der immun gegen giftige Spritzmittel ist.

Den Raps hat die US-Firma Cibus mittels Oligeonukleotid-gesteuerter Mutagenese (OgM/OdM) hergestellt. Dabei werden künstlich hergestellte DNA-Abschnitte in die Pflanzenzellen eingeführt, um dort Veränderungen auszulösen – in diesem Fall die Widerstandsfähigkeit gegen ein Herbizid, das auf Raps-Feldern versprüht wird.

Weil die Methode relativ neu ist, wird noch darüber diskutiert, ob sie als Gentechnik gelten muss oder nicht. Entschieden wird das eigentlich auf EU-Ebene. Doch Deutschland hat dem vorgegriffen, im Februar bescheinigte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) dem Hersteller, sein Raps sei „nicht als Gentechnik im Sinne des Gentechnikgesetzes“ zu betrachten. Damit könnte der Raps hierzulande ohne Schutzmaßnahmen und ohne Kennzeichnung angebaut werden. Gerade bei Rapspflanzen, die sich schnell ausbreiten können, gilt das als heikel.

„Gentechnik ist out. Deshalb versuchen einige Firmen jetzt, die Manipulation von Erbgut einfach anders zu bezeichnen. Und die Bundesregierung macht mit“, kritisieren die NGOs, darunter die Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter, der Bundesverband Deutscher Milchviehalter, der Verband Katholisches Landvolk, der BUND, Die Bäcker.Zeit für Geschmack und die Zukunftsstiftung Landwirtschaft.

Ihre Forderung: Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) müsse die Einstufung als Nicht-Gentechnik zurücknehmen und dafür sorgen, dass Pflanzen künftig streng kontrolliert werden, wenn sie mit OgM oder anderen neuen Techniken hergestellt wurden. [dh]