Nachricht

Glyphosat Herbizide Spritzmittel
Glyphosat wird auf Raps gespritzt (Foto: Chafer Machinery / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0)

„Jeder Monsanto-Mitarbeiter ist zugleich Konsument“

23.03.2015

Der Agrochemie-Konzern Monsanto kritisiert die Entscheidung der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC), seinen Herbizid-Bestseller Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend“ einzustufen. „Die Sicherheit unserer Produkte hat für uns oberste Priorität. Alle zugelassenen Anwendungen von Glyphosat sind sicher für die menschliche Gesundheit“, erklärte ein Manager.

Das IARC, eine Forschungseinrichtung der Weltgesundheitsorganisation WHO, hatte am Freitag mitgeteilt, dass sie Glyphosat nun in der Gefahrengruppe 2A („wahrscheinlich krebserzeugend“) listet. Zuvor hatten internationale Experten fast ein Jahr lang wissenschaftliche Untersuchungen begutachtet, wie die Agentur mitteilte.

Monsanto ärgert das. „Es liegen keine neuen Forschungsergebnisse oder Daten vor. Jede Studie, die das IARC verwendet hat, wurde bereits von Zulassungsbehörden bewertet- zuletzt durch deutsche Behörden im Auftrag der EU“, teilte der Konzern heute mit. „Jeder Monsanto-Mitarbeiter ist zugleich Konsument. Es ist selbstredend, dass die Sicherheit unserer Produkte für uns oberste Priorität hat“, beteuerte Philip Miller, Vice President Global Regulatory Affairs des Konzerns.

Grünen-Politiker forderten hingegen ein Umdenken in der Risikobewertung von Glyphosat. „Die WHO-Einstufung des Stoffs als 'wahrscheinlich krebserregend bei Menschen' ist alarmierend und muss endlich Konsequenzen haben“, sagte der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. „An dieser WHO-Einschätzung kann und darf sich die Bundesregierung nicht länger vorbeimogeln. Sie muss die Glyphosat-Zulassung jetzt umgehend aussetzen und die Risiken gründlich untersuchen.“

Der Europaabgeordnete Martin Häusling appellierte an die EU, bei der Neubewertung von Glyphosat genau hinzuschauen. Auf Grundlage eines Berichts des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) könnte sie nämlich noch dieses Jahr die Genehmigung des Herbizids um zehn Jahre verlängern. „Vom BfR wurden allerdings viele der aktuelleren Studien nicht in die Bewertung einbezogen“, kritisiert Häusling. „Über die an der Bewertung beteiligten Wissenschaftler ist bekannt, dass sie der Gentec-Industrie nahestehen. Die Kommission muss nun dafür sorgen, dass die EFSA [EU-Lebensmittelbehörde, Anm. d. Red.] die wissenschaftlich einseitig zustande gekommene Bewertung aus Deutschland kritisch überprüft und sämtliche aktuellen Studien zu Glyphosat mit in ihre Bewertung einbezieht.“ [dh]