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Saatgut Pflanzgut Jungpflanzen
Rosenkohl-Jungpflanzen für den Ökolandbau (©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler)

EU zieht umstrittene Saatgut-Direktive zurück

09.03.2015

Ein Jahr nach ihrer Niederlage im Europäischen Parlament hat die EU-Kommission ihren Entwurf für eine neue Saatgut-Verordnung endgültig zurückgezogen. Das melden österreichische Aktivisten. Sie hatten 500.000 Unterschriften gegen die umstrittene Vereinheitlichung der Saatgutregeln gesammelt, EU-weit seien 900.000 zusammen gekommen. Nun ist es an Brüssel, einen neuen Vorschlag zu machen.

Mit dem Vorstoß wollte die Kommission das Saatgutrecht vereinheitlichen – zum Nachteil von kleinen Züchtern, Gärtnern und Bauern, wie Kritiker warnten. Profitiert hätten Hybridsorten von Großbetrieben, so die Gegner. Dass der Entwurf nun endgültig vom Tisch sei, sei deshalb „ein großer Tag für die Vielfalt“, erklärte Iga Niznik vom österreichischen Kulturpflanzenverein ARCHE NOAH.

Möglichst viele Sorten zu haben, sei auch für die Zukunft wichtig, bekräftigte auch Heidemarie Porstner von der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. „Nur mit mehr Vielfalt in der Landwirtschaft können wir den anstehenden ökologischen und politischen Herausforderungen begegnen, sei es bei der Gemeinsame Europäischen Agrarpolitik (GAP), der EU-Biodiversitätsstrategie oder der EU-Eiweißstrategie. Auch aus ökologischer Sicht sind die Vielfaltssorten unverzichtbar. Sie passen sich wesentlich leichter den neuen klimatischen Gegebenheiten an, sorgen für bessere Bodenfurchtbarkeit und sie sind standhafter gegenüber Krankheiten und Schädlingen.“

Auch Save Our Seeds aus Berlin freut sich über das Aus des EU-Entwurfs. „Wir begrüßen diesen Schritt, weil er den Weg frei macht für eine tatsächliche Reform des EU-Saatgutrechts. Sie sollte den freien Austausch, den Marktzugang von kleinen Saatgutunternehmen, insbesondere auch biologischen Züchtern und eine an modernen Kriterien der Ökologie und der Vielfalt orientierte Wertprüfung fördern“, schrieb die Initiative auf ihrer Website.

Die Verordnung war am 11. März 2014 von 650 Abgeordneten des EU-Parlaments abgelehnt worden. Nur 15 hatten dafür votiert. Bis jetzt ließ es die Kommission aber offen, ob sie ihr Papier ganz zurückziehen oder nur überarbeiten würde. [dh]