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Behörden BVL
Eingang zum Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Berlin (Quelle: BVL, Gloger)

Interessenkonflikte in deutschen Behörden

02.02.2015

Viele Gentechnik-Experten in deutschen Behörden und Forschungseinrichtungen haben enge Kontakte zu Unternehmen, kritisiert der Verein Testbiotech. Die Bundesregierung sei „seit Jahren untätig“, es gebe eine „gewisse Selbstverständlichkeit im distanzlosen Umgang mit den Interessen der Industrie“. Gleichzeitig sagen Forscher verschiedener Unis: es gibt unter Wissenschaftlern keinen Konsens über die Sicherheit gentechnisch veränderter Organismen.

Testbiotech listet mehrere – teils leitende – Mitarbeiter von Behörden wie dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auf, bei denen der Verein Hinweise auf Interessenkonflikte sieht. Oft geht es dabei um Kontakte zu oder die Mitarbeit in Arbeitsgruppen des International Life Sciences Institute (ILSI), einer Lobbyorganisation der Gentechnik-, Ernährungs- und Pharmaindustrie. Testbiotech berichtet aber auch von „relevanten Kontakten“ zu den Gentechnik-Konzernen Monsanto, Bayer und Pioneer oder zum Institut des Lebensmittelkonzerns Danone. Das bietet laut seiner Website „produktneutrale Informationen und Fortbildungsprogramme“ an.

„Die vielfältigen Verflechtungen weisen darauf hin, dass die Industrie systematisch Einfluss auf Behörden, Forschung und Risikobewertung nimmt. Dabei scheint sich die Bundesregierung auf den Standpunkt zu stellen, dass man Interessenkonflikte am besten einfach leugnet“, sagte Christoph Then von Testbiotech. „Auf diese Weise hat sich eine gewisse Selbstverständlichkeit im distanzlosen Umgang mit den Interessen der Industrie entwickelt, eine Überprüfung der Industrieverbindungen findet allem Anschein nach nicht wirklich statt.“

Aber sind die Risiken der Gentechnik nicht schon zur Genüge erforscht – und widerlegt? Nein, sagen mehrere Wissenschaftler. Den häufig beschworenen „wissenschaftlichen Konsens“ in dieser Frage sehen sie nicht, wie sie in ihrem Diskussionspapier schreiben, das im Januar im Fachjournal Environmental Sciences Europe veröffentlicht wurde. Zu den Autoren gehören Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, des King's College London, der Universitäten Washington, Lancaster und Canterbury, aber auch des Wissenschaftlernetzwerkes ENSSER, der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und der indischen Nichtregierungsorganisation Navdanya, die sich für traditionelles Wissen und Saatgut engagiert. [dh]